Fremdheit
Historisch-anthropologische Erkundungen einer linguistischen Kategorie
2004, 243 Seiten, Kartoniert
ISBN: 978-3-506-74029-8
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Informationen zum Buch

Auf den Spuren Wilhelm von Humboldts erkundet die vorliegende Studie "Fremdheit" als eine Schlüsselkategorie historisch-anthropologischer Sprachreflexion. Ausgehend vom deutschen Adjektiv fremd führt der Weg zunächst vergleichend durch verschiedene Sprachen. Neben Gemeinsamkeiten in der Gestaltung dieses semantischen Feldes arbeitet die Autorin auch deutliche Unterschiede heraus: diese sprachlichen Verschiedenheiten sind der Grund, warum das Sprechen über Fremdes - wie über alles Weitere auch - in einer anderen Sprache nicht ohne ein erneutes, ein anderes Denken dieser Kategorie gelingen kann. Von der sprachlichen führt die Erkundung zur sprachtheoretischen Kategorie: Humboldt folgend wird die Fremdheit der Sprachen eingebettet in ein grundlegendes Prinzip der Sprache, das die "Eigentümlichkeit ihres Wesens ausmacht". Fremd und zugleich nicht fremd erscheint schon die eigene Sprache, die einerseits als fremde Macht aus der Vergangenheit kommt und andererseits ein Teil "unseres Selbst" ist. Der letzte Teil des Buches erkundet die Kategorie der Fremdheit im Werk des in Deutschland wenig bekannten französischen Sprachtheoretikers Henri Meschonnic, der seine historisch-anthropologischen Sprachstudien explizit in die Tradition Humboldts stellt.

Pressestimmen

Jürgen Trabant,

Die Arbeit von Jostes kommt solcherart zu einem interessanten und komplizierten Ergebnis: Es ist ein deskriptiv-semantisch grundierter Beitrag zur Theoriediskussion heutiger Sprachwissenschaft (wobei das zentrale Theoriemoment, nämlich dasjenige der Fremdheit, durch die objektsprachliche semantische Analyse für den metasprachlichen Gebrauch geklärt wird). In der Perspektive einer unter dem Ausdruck der "Historischen Anthropologie der Sprache" betriebenen Revision sprachwissenschaftlicher Bemühungen plädiert sie für die Verbindung von universalistischen und historischen Fragestellungen, für die Überwindung der die Linguistik durchziehenden Kluft zwischen Naturwissenschaft und Geisteswissenschaft, für eine "kulturwissenschaftliche Wende" der Sprachwissenschaft. Die Arbeit ist außerdem ein Beitrag zum Vergleich sprachtheoretischer Entwürfe in Frankreich und Deutschland, wobei sich diese Humboldtschen Bemühungen hier wie dort in einer extremen Minderheitenposition befinden. Hier schreibt keine Anfängerin, sondern jemand, der den Überblick sowohl über die semantische Forschung als auch über Theorieentwicklungen überhaupt hat.

Andreas Gipper,

Der Boom der Arbeiten zur Alteritätsproblematik und zur Kategorie der Fremdheit ist weltweit ungebrochen […]. Da ist es ausgesprochen begrüßenswert, dass sich die Autorin im ersten Teil der vorliegenden Arbeit die Aufgabe stellt, zunächst einmal das Terrain zu sondieren und die Semantik des Ausdrucks fremd umfassend auszuleuchten. […] Ausgehend von Humboldts Projekt einer historischen Anthropologie der Sprache wird in einem zweiten Kapitel die Bedeutung der Kategorie der Fremdheit für die Sprachtheorie und konkrete Sprachforschung Humboldts ausgelotet und anschließend in einem dritten Teil dem Fortleben dieser Sprachauffassung im Werk des französischen Sprachtheoretikers und Lyrikers Henri Meschonnic nachgespürt. […] Diesen eigenwilligen Vertreter eines humboldtischen Sprachdenkens in Frankreich aufgegriffen und einem deutschen Publikum nahe gebracht zu haben, darf allein schon als beachtliches Verdienst dieser Arbeit gelten. […] Während alle drei Teile der vorliegenden Arbeit in ihrem jeweiligen Rahmen durch Sach- und Textkenntnis, eine plausible Argumentation und eine klare Sprache überzeugen, bleibt das Band zwischen diesen Teilen eher locker.[…] Sieht man von dieser konzeptionellen Schwäche ab, bei der auch die formalen Zwänge des Qualifikationsrituals Promotion eine Rolle spielen mögen, erweisen sich die einzelnen Teile der Arbeit freilich als ausgesprochen lesenswert und stellen insgesamt einen anregenden Beitrag zur Alteritätsforschung aus linguistischer Perspektive dar.

[Romanische Forschungen 120, 2008]

Christine Henschel,

Insgesamt ist die Lektüre dieser anspruchsvollen Arbeit, die viele Denkanstöße gibt und interessante Fragen aufwirft, die sie in einem breiten theoretischen Kontext diskutiert, jedem, der sich für Sprache, Sprachphilosophie und Sprachtheorie interessiert, sehr zu empfehlen, insbesondere, weil sie zahlreiche Theorien kritisch miteinander in Verbindung setzt und dabei auch Ansätze zur Sprache bringt, die bislang in der deutschen Forschung wenig bekannt sind.

[PhiN 33, 2005]

UTB

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