
Summary
Der bedeutende Schrift-Philosoph Jacques Derrida hat Wilhelm von Humboldts Theorie der Schrift nicht reflektiert oder uns darüber zumindest nichts mitgeteilt. Das hat nicht nur zum Hegel-fixierten und elliptischen Charakter der Grammatologie-Debatte beigetragen, sondern auch zur weitgehenden Unkenntnis der humboldtschen Schriftreflexion. Diese erschließt nun zum ersten Mal systematisch die vorliegende Studie.
»Das Aufregende an Markus Meßlings Buch ist die Kombination von akribischer philologischer Arbeit – einschließlich der vorbildlichen Edition der bisher unveröffentlichten Briefe von Humboldt und Champollion –, präziser und kenntnisreicher Text-Interpretation und scharfsinnigster Diskussion aktueller Theorie, und zwar mit den beiden hochpolitischen Theorie-Komplexen von Jacques Derrida und Edward W. Said. Mit seiner Studie zur Schrift-Problematik bei Humboldt hat Meßling nicht nur die Humboldt-Literatur um ein zentrales Kapitel bereichert, sondern auch eine Kritik an Derrida und Said geleistet, die ihresgleichen sucht. Die Studie ist außerdem gleichsam doppelt in den deutsch-französischen Transfer eingebettet: Nicht nur thematisiert sie den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse im Bereich der Orient-Philologie aus Frankreich nach Deutschland im 19. Jahrhundert, sie beteiligt sich auch am aktuellen französisch-deutschen Kultur-Transfer in der Diskussion der Philosophie Derridas, der sie gleichzeitig Anerkennung und Kritik angedeihen lässt. Profunde Sachkenntnis, interpretatorische Finesse und ein hoher Grad theoretischer Reflexion verbinden sich in einem wunderbar komponierten und schön geschriebenen herausragenden Werk.« (Jürgen Trabant)
Pressemeldungen
, 18.01.2008
[...] eine weit ausholende und tiefgreifende Dissertation über Humboldts Theorie der Schrift, in der Champollion eine zentrale Rolle spielt. [...] umfangreich recherchiertes Quellenmaterial und äußerst subtile, auch verschlungene Reflexionen, vor allem hinsichtlich der Grammatologie Jacques Derridas und der „Orientalismus”-Kritik Edward W. Saids. (Manfred Geier)
, 09.12.2008
Auszug aus der Laudatio von Prof. Michèle Mattusch: "So verortet Markus Messling Humboldts Theorie der Schrift vor dem Hintergrund der Foucaultschen Episteme des Übergangs vom 18. zum 19. Jahrhundert und zeigt auf, wie sich Humboldts Sprachdenken als textbasiertes Schriftdenken von historisch-vergleichenden positivistischen Ansätzen zu lösen vermag. Gleichzeitig sucht er diesen Umbruch vor der Folie von Gegenwartstheorien zu sichten. Ihre Eckpfeiler bilden die Grammatologie Jacques Derridas und die kritische, von Edward W. Said in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts initiierte Orientalismus-Debatte. Dies verleiht der Arbeit ihre besondere Komplexität und ihre fachübergreifende Dimension, gibt ihr ihre enorme wissenschaftstheoretische Reichweite und hochaktuelle gesellschaftliche Brisanz. […] Überhaupt ist der Arbeit eine behutsame, präzise und sachliche Argumentation eigen. In dieser Eigenschaft scheut sie sich nicht vor der Auseinandersetzung mit den ideologiekritischen Generalangriffen, denen Wilhelm von Humboldt ausgesetzt gewesen ist. Der Subsumierung seines Sprachdenkens unter einen allgemeinen hegememonialen Orientalismus-Diskurs begegnet sie mit der Kraft einer subtilen, differenzierten, kritisch-hermeneutischen Vorgehensweise. So gewinnt die Arbeit nicht nur an allgemeiner gesellschaftlicher Relevanz, sondern zeigt auf ihre Weise, was Philologie zu leisten vermag. Das Ergebnis ist eine Studie, die sich in jeder Hinsicht spannend liest."


