
Informationen zum Buch
Die »Aktion T4« als zentral organisierte Phase des nationalsozialistischen Krankenmordes brachte rund 70.000 Menschen den Tod. Sie war die erste systematisch geplante, gegen eine Minderheit der Bevölkerung im Deutschen Reich gerichtete Vernichtungsaktion - gegen psychiatrische Anstaltspatient/innen, die 1940 und 1941 in sechs eigens eingerichteten Tötungsanstalten in Gaskammern ermordet wurden. Die »Aktion T4« gehört somit sowohl zum Gesamtkomplex des nationalsozialistischen Krankenmordes, der innerhalb und auch außerhalb der Grenzen des damaligen Deutschen Reiches etwa 300.000 Opfer forderte, als auch in den Kontext der Vernichtungs-»Aktionen«, die folgen sollten. Dieses Buch präsentiert den Forschungsstand zur »Aktion T4« ebenso wie erste Ergebnisse einer auf die ermordeten Anstaltsinsassen selbst fokussierten Studie.
Die in einem Archiv des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit der DDR aufgefundenen 30.000 Krankenakten haben der historischen Forschung zur NS-»Euthanasie« einen einmaligen Bestand an die Hand gegeben, der es ermöglicht, die Perspektive der Opfer der »Aktion T4« in den Vordergrund zu rücken.
Zugleich kann der Prozess der Selektion näher untersucht werden. Dabei wird herausgearbeitet, welche der bisher in der Forschung vermuteten Selektionskriterien tatsächlich die Entscheidung über Tod und Leben beeinflusst haben. Darüber hinaus versucht der Band, die »Aktion T4« in ihren zeitlichen, räumlichen und bürokratischen Abläufen umfassend zu rekonstruieren, auch für Regionen, über deren Bedeutung in der »Aktion T4« bisher wenig bekannt war, wie die besetzten tschechischen Gebiete des Reichsgaus Sudetenland oder Slowenien.
