
Informationen zum Buch
Unter den verbrecherischen Befehlen des Dritten Reiches nimmt der »Kommissarbefehl« eine herausragende Stellung ein. Er machte dem deutschen Ostheer schon im Vorfeld des Überfalls auf die Sowjetunion Kriegsverbrechen offen zur Pflicht: Gefangene Polit-Offiziere aller Ebenen waren als »Träger des Bolschewismus« »grundsätzlich sofort mit der Waffe zu erledigen«. Bis heute noch wird in der Öffentlichkeit bestritten, dass die Wehrmacht diesen berüchtigten Führererlass über »Einzelfälle« hinaus befolgt hat. Sie hat ihn befolgt, tausendfach, das ist die sorgfältig belegte Antwort dieses grundlegenden Buches, das erstmals sämtliche verfügbaren Quellen auswertet.
Gestützt auf das Aktenmaterial aller Frontverbände, die 1941/42 im Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion eingesetzt waren, zeichnet Felix Römer zunächst nach, wie die Kommissarrichtlinien vor Beginn des »Unternehmens Barbarossa« im Ostheer weitergegeben, kommuniziert und aufgenommen wurden.
Wie ging die Wehrmacht nach Eröffnung des Russlandfeldzuges in der Praxis mit diesem Befehl um, der sie unmissverständlich zu planmäßigen Kriegsverbrechen anhielt? So lautet die entscheidende Frage, die Römer anschließend verfolgt. Eingebettet in den Gesamtkontext des Krieges an der Ostfront, legt er offen, wie die Umsetzung des Kommissarbefehls verlief und welche Ausmaße das Mordprogramm dabei annahm.
Die differenzierte Auseinandersetzung Römers mit der Frage, ob und wie weit sich das Heer in Hitlers Vernichtungspolitik einbinden ließ, liefert wichtige neue Erkenntnisse. Wer über den Standort der Wehrmacht im NS-Staat und über den Krieg im Osten mitreden will, kommt an diesem Buch nicht vorbei. Es zerstört endgültig die Legende von der »sauberen Wehrmacht«.
Inhalt
Pressestimmen
, 05.01.2009
Felix Römer hat, und darin liegt der wissenschaftliche Ertrag seiner Studie gegenüber früheren Arbeiten zum Thema, alle einschlägigen Akten im Millitärarchiv Freiburg durchforstet, um zu untersuchen, ob und wie die Wehrmachtseinheiten den Kommissarbefehl umsetzten. [...] aufgrund der gründlichen Untersuchung ist es Felix Römer möglich, nachzuweisen, dass der Komissarbefehl an nahezu allen Frontabschnitten ausgeführt wurde. Dabei hatten die Wehrmachtstruppen durchaus Spielraum.
Mit seiner Studie zum Komissarbefehl liefert Felix Römer einen fundierten Beitrag zu einem differenzierten und realistischen Bild der Wehrmacht. Die Legende von der missbrauchten, im Grunde anständigen deutschen Armee lässt sich nach dieser Arbeit nicht mehr aufrecht erhalten.
, 15.01.2009
Es ist der Verdienst von Felix Römer, mit seiner umfassenden Studie über den Kommissarbefehl endgültig Klarheit geschafft zu haben. [...] Die Untersuchung hat eindeutig erwiesen, dass die weit überwiegende Mehrheit der deutschen Frotverbände die Kommissarrichtlinien bereitwillig umgesetzt hat. [...]
Schade nur, dass diese grundsolide wissenschaftliche Arbeit nicht schon früher geschrieben wurde. Jetzt ist die Generation der Wehrmachtapologeten größtenteils abgetreten. Proteste gegen seine Forschungsergebnisse braucht Felix Römer nicht mehr zu befürchten. EInmal mehr hat sich die Beobachtung bestätigt: Je tiefer die Forschung in die Wehrmachtsgeschichte eindringt, desto düsterer wird das Bild.
, 09.06.2009
In der Liste Sachbücher des Monats Juni 2009 belegt der Band mit 28 Punkten den 3. Platz.
