Friedrich Schlegel
oder
Die Sehnsucht nach Deutschland
Die Biographie des ersten deutschen Intellektuellen.
2009, 453 Seiten, Festeinband, EUR 38.00 / CHF 54.50
ISBN: 978-3-506-76717-2

Summary

Friedrich Schlegel hat an der Seite von Kaisern und Fürsten gestritten, und war doch ein ironischer Revolutionär und Priester der Sinnenlust. Er war Glanzschreiber einer religiös fundierten Staatsbewahrung und Propagandist eines befriedeten Vaterlandes, und hat dennoch kein Recht erhalten vor dem großen Ernst der deutschen Geistesgeschichte. In Deutschland war er nie erwünscht, seine Heimat lag immer nur hinter ihm oder vor ihm.

Vor zweihundert Jahren kam in der Romantik eine nie da gewesene Modernitätskrise zum Ausdruck, auf deren desorganisierte Wissenskultur sie verheißungsvolle Antworten zu geben versuchte. Und noch heute lässt sich die Wiederkunft der Romantik auf dem Buchmarkt und in der Forschung nicht losgelöst betrachten vom globalen Realitätssturz des Jahres 1989 und seinen mentalitätsgeschichtlichen Folgen. Die Erfahrung unabsehbarer Weltkontingenz und Plötzlichkeit der Entwicklung teilt die historische Romantik mit ihrer Renaissance im Zeitreflex unserer Tage. Damals wie heute ist das Bewusstsein vom »vernünftigen« Fortschritt der Menschheit einem vielstimmigen Zweifel unterworfen, sind die säkularisierten Religionen mit dem Dilemma eines gläubigen politischen Fundamentalismus konfrontiert.

Harro Zimmermanns Buch beschreibt den neuen Typus des »gesellschaftlichen Schriftstellers« am Ende des 18. Jahrhunderts in seinen intellektuellen Anstrengungen, Hoffnungen und Irritationen vor einem differenzierten Zeit- und Wirkungshorizont. Es wird erkennbar, wie das Denken Schlegels die Erbschaft der Aufklärung bewahrt und verwandelt. Der Leser wird Zeuge einer dramatischen intellektuellen Entwicklung, die mit der ironisch-politischen Provokation des Frühromantikers anhebt, um schließlich in einem verjüngten Wissensglauben zu enden, der die Zerstörungskräfte der Moderne noch einmal in die Erziehung des Menschengeschlechts heimholen möchte.

Pressemeldungen

Frangfurter Allgemeine Zeitung, 22.06.2009

In den letzten Jahrzehnten ist keine Biographie Schlegels erschienen, nun hat Harro Zimmermann das Wagnis unternommen, und entstanden ist eine Geschichte des Denkens, die Schlegel auf den Spuren seiner Schriften folgt, dabei die Ereignisse der Literaturwissenschaft einbezieht und am Rande auch fragt, wie Schlegel materiell, beruflich und in einer Beziehung zur Geliebten und Frau Dorothea gelebt hat. Deutlich wird auch: Der katholisch gewordene Schlegel ist, selbst wenn man seinen Lösungsangeboten nicht folgen will, ein brillanter Diagnostiker der modernen Gesellschaft und ihrer "fixen Unruhe".

Jürgen Busche (Cicero), 01.07.2009

"Die Deutschen verstehen keinen Spaß" lautet das erste Motto dieser Biografie Friedrich Schlegels, "und ich setze noch hinzu – auch keinen Ernst". Damit ist gleich der Ton angeschlagen, der das ganze Buch bestimmt. Biograf Harro Zimmermann erzählt das Leben dieses brillantesten der deutschen Frühromantiker fast ausschließlich und mit großem Geschick aus der Folge seiner Schriften.

Süddeutsche Zeitung, Sachbücher der Monats August, 31.07.2009

Der Band von Harro Zimmermann belegt innerhalb des Rankings "Sachbücher des Monats August den 6.-8. Rang.

Neue Zürcher Zeitung, 30.09.2009

"Es ist das Verdienst der Studie von Harro Zimmermann, die Schriften Schlegels in ihrer zeitlichen Folge genau zu betrachten und dabei nach den gedanklichen Fäden zu suchen, die den frühen Bewunderer Lessings und genialen Theoretiker der Frühromantik seine Hoffnungen in vollem Ernst auf die Kirche richten und ihm sogar ein Amt als kaiserlicher Legationsrat im Dienste des Fürsten Metternich sinnvoll erscheinen liessen; selbst der frei schwebende Mystiker und Vordenker esoterischer Heilkunst der späten Jahre kommt zu seinem Recht." [...] "Was Schlegel in sich auszutragen hatte, war – das zeigt der Autor einleuchtend – nichts Geringeres als die bis heute ungelöste Spannung der Moderne: einerseits vor den Trümmern einer mannigfach beschleunigten und zersplitterten Wirklichkeit zu stehen und andererseits nach einer Synthese zu suchen."

Der Spiegel, 02.11.2009

Der Bremer Literaturhistoriker und Rundfunkredakteur Harro Zimmermann, 60, füllt mit seiner umfangreichen, vor allem ideengeschichtlich ambitionierten Studie "Friedrich Schlegel oder Die Sehnsucht nach Deutschland" nicht nur eine erstaunliche Lücke, er erklärt auch, wie sie entstanden ist. [...] Zimmermanns gedankenreicher, oft kaskadenhaft dahineilender Versuch, diesem sprachgewaltigen Irrlicht der Deutschen Geistesgeschichte endlich ein intellektuell angemessenes biografisches Denkmal zu setzen, ist eine Pioniertat.