
Summary
Die Menschheitsgeschichte ist voll von Kriegen – und in den meisten waren Tiere wichtige Teilnehmer. Sie wurden (und werden) als Trag- und Zugtiere verwendet, um Güter und Waffen zu transportieren, als Reittiere, um schnelle und weiträumige Angriffe durchzuführen, und auch als Nachrichtenübermittler wurden sie benutzt, ja sie dienten sogar selbst als Waffe. Auch als Symbole des Krieges erwiesen bestimmte Tiere sich als vielfältig verwendbar.
Bei der militärischen Nutzung von Tieren waren die Menschen also stets erfindungsreich, von der Antike bis zur Gegenwart. Der vorliegende Band widmet sich diesem bisher nur wenig erforschten Thema. Er betritt Neuland.
Die Tiere im Krieg, die er behandelt, sind Elefanten und Pferde (die es zu einer eigenen Waffengattung, der Kavallerie, brachten), Löwen und Kamele, Brieftauben und Raben, und natürlich Hunde wie etwa »Laika«, die unfreiwillige russische Weltraumerkunderin, die zum Objekt medialer Kriegsdiskurse wurde. Aber auch Honigbienen bei der Minensuche und Maultiere im afghanischen Jihad gegen die Rote Armee findet der Leser »im Einsatz«.
Inhalt
I. KRIEGSEINSATZ
Holger Müller: Tiere als Kostenfaktor in antiken Kriegen
Sebastian Buciak: Kriegselefanten – Giganten an der Front
Martin Clauss: Waffe und Opfer – Pferde in mittelalterlichen Kriegen
Felix Schürmann: Herrschaftsstrategien und der Einsatz von Pferden im südwestlichen Afrika (ca. 1790–1890)
Elmar Janssen: Kamele im Krieg – eine Kavallerie für unkonventionelle Kampfeinsätze
Rainer Pöppinghege | Tammy Proctor:
»Außerordentlicher Bedarf für das Feldheer« – Brieftauben im Ersten Weltkrieg
Anne-Kathrin Wese: Die Tierseuche als militärisches Problem –
Zur Bedeutung des Rotzes im Ersten Weltkrieg am Beispiel der 11. Bayerischen Infanterie-Division
Jodok Troy: »Die gläserne Biene« – Honigbienen in der Kriegführung
Albert Stahel: Der afghanische Jihad von 1985 bis 1992: Waffenlieferungen und Maultiere
II. MYSTIFIZIERUNG
Matthias Naumann: Der Löwe und die Löw(inn)en – Das sich wandelnde Auftreten eines Wappentiers kriegerischer Politik
Heiko Hiltmann: Das Tier im Mann – altisländische Kriegs-Mythen
Boria Sax: The Tower Ravens as Mascots of Britain in the Second World War
III. MEDIALISIERUNG
Gene M. Tempest:
All the Muddy Horses: Giving a Voice to the »Dumb Creatures« of the Western Front (1914–1918)
Rainer Pöppinghege:
Abgesattelt! Die publizistischen Rückzugsgefechte der deutschen Kavallerie seit 1918
Roman Marek: Weltraumhunde im Kalten Krieg: Laika als Versuchstier, Propagandawaffe und Heldin
Ramón Reichert: Die Medialisierung des Tieres als Protagonist des Krieges
Pressemeldungen
, 22.06.2009
Mit welchen Mitteln Vierbeiner im Laufe der Jahrhunderte zu Waffen geformt wurden und wie sie sich als Kampfkumpane der Soldaten bewährten, werde von der traditionellen Geschichtsschreibung "vielfach übergangen", beklagt der Paderborner Historiker Rainer Pöppinghege, 47. So versteht er die von ihm jetzt herausgegeben Sammlung von Untersuchungen zum Thema als "Impulsgeber für weitere geschichtswissenschaftliche Forschungen".
Die 16 Autoren beschreiben ein buntes Völkchen animalischer Kriegshelden: Vor allem Pferde litten und starben im Gefolge menschlicher Kampfhandlungen. In der Antike wurden aber oft auch Elefanten ("Giganten an der Front") verheizt, und sogar Kamele, Hunde und Schweine mussten ins Gefecht ziehen. rieftauben wiederum bewährten sich als Übermittler von Nachrichten, Honigbienen wurden jüngst erfolgreich als Mienensucher getestet.
