Ferdinand Schöningh Verlag – Über uns

Der Verlag

Der Verlag wurde 1847 von Ferdinand Schöningh in Paderborn gegründet und profilierte sich nach der Aufhebung der Pressezensur 1848 mit der Gründung des Westfälischen Kirchenblatts für Katholiken (1848) und des Westfälischen Volksblatts (1849). Das vielfach aufgelegte „westfälische Nationalepos“ Dreizehnlinden von Friedrich Wilhelm Weber (1878) und Wilhelm Keitens erste kritische Gesamtausgabe der Werke Annette von Droste-Hülshoffs (1884) zählen zu den Titeln, die dem Verlagshaus zunehmendes Renommee verschafften. Der Ausbau des Programms, konzentriert auf die Bereiche Theologie, Pädagogik und Schulbuch wurde nach 1933 durch nationalsozialistische Schikanen zunehmend erschwert; 1943 musste die Verlagstätigkeit auf politischen Druck hin eingestellt werden. Schon kurz nach Kriegsende konnte sie wieder aufgenommen werden. Weitere Marksteine in der Entwicklung des Hauses waren 1970 die Mitbegründung der Lehrbuchreihe Uni-Taschenbücher (UTB) und die Übernahme des Münchener Wilhelm Fink Verlages (1974). Die 1990er Jahre sahen einen deutlichen Ausbau des geisteswissenschaftlichen Programms, insbesondere im Bereich geschichtswissenschaftlicher Publikationen. Der Verlag ist nach wie vor ein unabhängiges Unternehmen in Familienbesitz.

 

Das Programm

Die Themenschwerpunkte des Verlags liegen auf den Bereichen Geschichte, Theologie und Literaturgeschichte sowie wissenschaftliche Pädagogik.

Insbesondere in der Zeitgeschichte ist Schöningh bekannt; bei Publikationen zum Nationalsozialismus, zur Gewaltgeschichte und Täterforschung sowie zur Militärgeschichte gehört der Verlag zu den führenden Häusern im deutschsprachigen Raum. Standardwerke wie Bernd Wegners Studie zur Waffen-SS oder Robert Sommers Untersuchung Das KZ-Bordell, der von Bernd Heidenreich und Sönke Neitzel herausgegebene Band über Medien im Nationalsozialismus und nicht zuletzt Beatrice Heusers Den Krieg denken. Über militärische Strategien gehören inzwischen zum Maßgeblichen in diesem Bereich. Jüngere Publikationen wie Othmar Plöckingers Unter Soldaten und Agitatoren über Hitlers prägende Jahre in Wien oder die kommentierte Edition von Heinrich Himmlers Taschenkalender 1940, herausgegeben von Markus Moors und Moritz Pfeiffer, führen diese Tradition zukunftsgerichtet fort.

Im Gedenkjahr 2014, das im Zeichen der Erinnerung an den Ausbruch des Ersten Weltkriegs stand, setzte Gerd Krumeich mit seinem Band Juli 1914. Eine Bilanz einen markanten Punkt innerhalb der Kriegsschuld-Debatte, flankiert von Wolfgang U. Eckarts Medizin und Krieg, einer Sozial- und Kulturgeschichte der Medizin im Ersten Weltkrieg und den ersten Nachkriegsjahren.

Konsequent wird das Feld der osteuropäischen Geschichte ausgebaut. Hier stehen die von Robert Traba und Hans Henning Hahn herausgegebenen Deutsch-Polnischen Erinnerungsorte und die Bücher von Beata Halicka für die besondere Aufmerksamkeit, die der Beziehungsgeschichte Deutschlands zu den Staaten des östlichen Mitteleuropa im Verlagsprogramm gewidmet wird.

Die Alte Geschichte bei Schöningh mit Titeln wie Werner Dahlheims Biographie zu Julius Caesar oder Frank Kolbs Studie über den Tatort Troia ist mit dem großen Editionsprojekt Kleine und fragmentarische Historiker der Spätantike auf dem Weg zu weiterer Profilierung.

Die Öffnung der Geschichtswissenschaft für eine Vielzahl neuer Theorien und Methoden, die mit der „kulturgeschichtlichen Wende“ einsetzte und insbesondere von der jüngeren Generation der Historikerinnen und Historiker vertreten wird, spiegelt sich auch im Verlagsprogramm wider, so mit Christian Kollers innovativer Darstellung Die Fremdenlegion oder Philipp Ostens Tor zur Seele über die Geschichte des Schlafes.

Das wissenschaftliche Fundament des Geschichtsprogramms tragen maßgeblich zahlreiche renommierte Reihen, wie etwa die Publikationen der Stiftung Konrad Adenauer Haus Rhöndorf (u.a. die Rhöndorfer Ausgabe der Schriften Konrad Adenauers) und der Otto von Bismarck Stiftung Friedrichsruh (Gesammelte Werke Otto von Bismarcks und Wissenschaftliche Reihe). Für eine neue Dimension der Unternehmensgeschichte stehen die Publikationen der Serie Familie – Unternehmen – Öffentlichkeit. Thyssen im 20. Jahrhundert. Weithin bekannt als Forum aktueller Militärgeschichte ist die Reihe Krieg in der Geschichte. Als Standardwerk in der Migrationsforschung gilt die u.a. von Klaus J. Bade und Jochen Oltmer herausgegebene Enzyklopädie Migration, die von der Reihe Studien zur Historischen Migrationsforschung flankiert wird. Die Editionen und Analysen der Kommission für Zeitgeschichte bilden seit Jahrzehnten das Fundament für die Aufarbeitung kirchlicher zeithistorischer Kontexte In der wissenschaftlichen katholischen Theologie ist Schöningh der führende deutschsprachige Verlag. Reihen wie die Konziliengeschichte, das von Peter Dinzelbacher herausgegebene Handbuch der Religionsgeschichte im deutschsprachigen Raum und die Römische Inquisition und Indexkongregation Hubert Wolfs sind Säulen des kirchengeschichtlichen Programms. Doch auch in der Dogmatik verfügt der Verlag traditionell über große Werke: von klassischen Dogmatiken bis hin zu Alex Stocks Poetischen Dogmatik und Gegenwärtig Glauben Denken herausgegeben von Karlheinz Ruhstorfer.

Das relativ junge Fachgebiet der Bildtheologie hat mit den Titeln der Reihe ikon und dem Handbuch der Bildtheologie, herausgegeben von Reinhard Hoeps, ein Zentrum im Theologieprogramm gefunden. Mit dem Archiv für katholisches Kirchenrecht und dem Lexikon für Kirchen- und Staatskirchenrecht präsentiert der Verlag kanonistische Referenzwerke, deren Renommee weit über die Landesgrenzen hinausreicht. Augustinus‘ riesiges Opus wird in einer synoptischen kritischen Werkausgabe vorgelegt. Zu einem absoluten Schwerpunkt unseres Theologieprogramms hat sich die Christliche Sozialethik entwickelt. Gleich zwei neue Reihen bürgen für ein zukunftsorientiertes wissenschaftliches Forum: Gesellschaft – Ethik – Religion und Christliche Sozialethik im Diskurs. Für die Offenheit des Programms für übergreifende religionswissenschaftliche und religionsgeschichtliche Fragen wie auch für den Dialog zwischen Judentum, Christentum und Islam stehen pars pro toto die Beiträge zur komparativen Theologie.

Für Sprach- und Literaturwissenschaftler – insbesondere Romantikforscher – sind die historisch-kritischen Ausgaben der Werke Friedrich Schlegels  wie auch August Wilhelm Schlegels sowie die Sprachwissenschaftlichen Schriften Wilhelm von Humboldts und nicht zuletzt das Athenäum. Jahrbuch der Friedrich Schlegel-Gesellschaft seit langem mit dem Namen Ferdinand Schöningh verbunden.

Marksteine im Programmbereich der allgemeinen wissenschaftlichen Pädagogik sind das Handbuch der Erziehungswissenschaft, Hauptwerke der Pädagogik und die Reihe Kultur und Bildung. Für eine innovative Orientierung der Pädagogik stehen die Reihe Theorieforum der Pädagogik und Pädagogik – Perspektiven.

An den Hochschulen ist Schöningh vor allem durch die utb-Lehrbücher für das Studium ein Begriff. Seit langem gehören die Einführungen und Studienratgeber zu wissenschaftlichen Arbeitstechniken und Schlüsselkompetenzen zu den in immer neuen Auflagen publizierten Standardwerken.

Um den Veränderungen der Lesegewohnheiten und in der wissenschaftlichen Forschungsarbeit gerecht zu werden, ist ein Großteil der Titel inzwischen auch als eBook erhältlich. Dabei ist es weiterhin der Anspruch, fundierte Publikationen auf dem aktuellen Stand der Forschung vorzulegen und kundige Beiträge zu wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Debatten vorzulegen.

UTB

Newsletter Abonnement

Halten Sie sich auf dem neuesten Stand mit internationalen Buch-Neuerscheinungen zu unseren Fachgebieten!

Jetzt abonnieren!