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Abb. 0.1:
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Schloss Neuhaus. Blick auf den Südflügel. Foto: Wolfgang Noltenhans 2017.

Das Schloss in Neuhaus hat in seiner nahezu 650-jährigen Geschichte unzählige Besucher und Gäste empfangen – viele waren willkommen, manche blieben für längere Zeit und einige sahen das Schloss eher gezwungenermaßen. Sie alle aber nahmen Anteil am Hofleben und trugen ihren Teil dazu bei, die Kultur und die Praxis des fürstbischöflichen Hofes in Neuhaus zu gestalten, in dessen Zentrum der Fürstbischof stand – ein vom Domkapitel gewählter geistlicher Herr. Auf ihn waren der Hof und das Hofzeremoniell ausgerichtet. Als Hof kann man den Haushalt des Fürsten verstehen, der um öffentliche Regierungs- und Verwaltungsfunktionen erweitert war. Der fürstliche Haushalt bildete den festen Kern, um den sich weitere Personengruppen wie die Verwandtschaft, die Inhaber der Hofämter, die Besucher und die Bediensteten gruppierten.1

Ursprünglich lebte der Bischof nicht in einer eigenen Residenz, sondern gemeinsam mit den Klerikern, die an der Domkirche Dienst taten, in der Klausur des Domklosters – Kreuzgang und Hochchor erinnern noch heute im Dom daran. Wann in Paderborn diese vita communis aufgehoben wurde, lässt sich nicht genau sagen, da wir aber vom Bischofspalast des Bischofs Meinwerk wissen, den dieser in genau gleichen Abmessungen dem ebenfalls von ihm in Auftrag gegebenen Neubau der Kaiserpfalz gegenübergestellt hat, können wir spätestens für die Zeit um die erste Jahrtausendwende von einem eigenen bischöflichen Haushalt ausgehen.2 Durch die Zerstörung des Domklosters beim Stadtbrand 1058 endete auch für die Domkanoniker ihre regelgerechte Lebensgemeinschaft, sie sollte auf Dauer kein Thema mehr sein. Wie Rudolf Schieffer jüngst gezeigt hat, fällt in diese Zeit, die Amtszeit von Meinwerks Verwandtem und zweitem Nachfolger Imad, die Formierung der Domkleriker zur eigenständigen Institution des Domkapitels; das bedeutet vor allem auch die ökonomische Unabhängigkeit, die getrennte Haushaltsführung des Domkapitels und des Bischofs.3 Letzterer lebte in unmittelbarer Nähe zu seiner Bischofskirche in einem palatium in der Domimmunität. Die Doppelfunktion des Bischofs als Inhaber geistlicher und weltlicher Herrschaftsrechte gleichermaßen auf der einen Seite,4 die sich immer kräftiger entfaltende, reicher und selbstbewusster werdende Bischofsstadt rund um die Domimmunität auf der anderen Seite führten zu Konflikten zwischen dem Bischof und der Stadt Paderborn, die 1222 einen ersten Höhepunkt erreichten: Die Bürger verschlossen die Stadttore, sperrten ihren Stadtherrn schlichtweg aus und hinderten Bischof Bernhard III. daran, in sein Wohngebäude zu kommen. Die Konflikte zwischen Bischof und Stadtherr zogen sich durch das gesamte 13. Jahrhundert hindurch und machten dem Bischof den Aufenthalt in der Stadt zunehmend schwieriger.5 Für das Jahr 1275 ist erstmals die Ausstellung einer Urkunde durch den Bischof in Neuhaus belegt. Vermutlich feierte Simon I. in diesem Jahr mit dem Weihnachtsfest sogar eines der kirchlichen Hochfeste in dem vorher als bischöflicher Aufenthaltsort noch nicht weiter in Erscheinung getretenen Ort.6 Die Übersiedlung des Bischofs und seines Haushaltes nach Neuhaus war also kein Ereignis, sondern ein sich über mehrere Jahrzehnte hinziehender Prozess, den man so in dieser Zeit in fast allen Bischofsstädten beobachten kann: Da die Bischöfe gleichzeitig Landesherren waren, wurden sie aus den Städten herausgedrängt und errichteten sich eigene Residenzen in mehr oder weniger großer Nähe zu ihrem Bischofssitz.7 Bischof Bernhard V. überließ das Grundstück des Bischofspalastes neben dem Dom 1336 dem Domkapitel und erhielt im Gegenzug eine Kurie in der Nähe als Quartier für seine Aufenthalte in der Hauptstadt, da der bischöfliche Wohnsitz zu dieser Zeit schon seit einigen Jahren verlassen lag und teilweise sogar eingestürzt war.8 Sein zweiter Nachfolger Heinrich von Spiegel zum Desenberg brachte diesen Prozess zum Abschluss und verlegte in den 1370er Jahren die Residenz dann ganz nach Neuhaus, auf ihn gehen die ältesten Teile des heutigen Schlosses zurück.9

Abb. 0.2:
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Der Beginn des Berichtes der Vita Meinwerci über den Konflikt des Bischofs mit seiner Mutter Adela: In der zweiten Zeile von unten lässt sich die Erwähnung des Gutes Neuhaus lesen („Novam domum“). Handschrift aus dem Kloster Abdinghof, zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts, Universitätsbibliothek Kassel, Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel, Signatur: 4° Ms. hist. 12, fol. 35r.

Herrschaft blieb das ganze Mittelalter hindurch an persönliche Präsenz gebunden, wie der König im Großen durch sein Reich reiste – im Reich sollte sich etwa im Gegensatz zu England oder Frankreich aus dem Reisekönigtum heraus ja nie eine feste Residenz/Hauptstadt entwickeln – musste auch der Landesfürst im Kleinen in seinem ganzen Territorium präsent sein, um zu kontrollieren, um Streitfälle zu schlichten, um Recht zu weisen. Dabei waren die Personen, die am Hofleben teilnahmen, viel entscheidender als der konkrete Ort herrscherlichen Handelns. So konnte der Fürst reisen und seinen Hof immer wieder neu um sich versammeln, ohne dass dies die Akzeptanz des Hofes beeinträchtigt hätte.10 Dennoch ist im Spätmittelalter erkennbar, dass der reisende Hof zur Ruhe kommt. Es bildeten sich Residenzorte heraus, an denen der Hof dauerhaft präsent war. Diese Orte lagen zumeist in direkter Nähe zu städtischen Zentren oder sogar in der Stadt, so dass auch von einer Verstädterung des Hofes gesprochen werden kann – sofern das Verhältnis von Stadt und Landesherr das im Einzelfall zuließ.11 Im Hochstift Paderborn zeigt sich diese Entwicklung hin zur Residenz nach den Anfängen im 14. dann im 16. Jahrhundert mit dem repräsentativen Schlossbau durch Erich von Braunschweig-Grubenhagen, wenngleich schon ab dem 13. Jahrhundert der Bischof seinen Palast in der Stadt verlassen und um 1380 in Neuhaus einen mehrgeschossigen Wohnturm umringt von einem Wassergraben bezogen hatte.12

Stadt und Hof

Die fürstlichen Höfe etablierten sich in der direkten Nähe zu den bevölkerungsreichen Zentren – in oder in unmittelbarer Nähe zu den Städten. Dort konnten sie ihre Gerichts- und Verwaltungsfunktion ausüben und zugleich sich in den Städten mit hochwertigen Waren versorgen lassen. Das spezialisierte Handwerk und die international agierende Kaufmannschaft der Städte waren für die Prachtentfaltung des Hofes von Bedeutung: Sie lieferten exotische Waren oder statteten das Schloss mit Möbeln, Teppichen und Spiegeln aus.13 Für die geistlichen Fürsten spielte die Stadt insofern eine besondere Rolle, als hier die Kathedralkirche lag – also das geistliche Zentrum des Bistums. So auch in Paderborn, wo seit dem 14. Jahrhundert die Bischöfe in Neuhaus residierten, aber ihre Domkirche innerhalb der Stadt lag, umgeben vom eigenen Rechtsbezirk der Domimmunität, in dem wiederum das Domkapitel das Sagen hatte.14 Die geistlichen Funktionen der Bischofsherrschaft, wie z. B. die Priesterweihen oder die festlichen Gottesdienste, konnte das bischöfliche Schloss nicht übernehmen, so dass die geistliche Residenz in zwei Teile zerfiel: den Hof in Schloss Neuhaus und die kirchliche Repräsentation in Paderborn. Dass diese beiden Bereiche aber auch zusammenfallen konnten, zeigen die großen Feierlichkeiten zum 900-jährigen Jubiläum der Translation der Liboriusreliquien im Jahr 1736. Diesen Höhepunkt der frühneuzeitlichen Festkultur inszenierte Fürstbischof Clemens August in Paderborn und in Neuhaus. Dort nahm er Quartier und ließ zum Abschluss der Festwoche ein aufsehenerregendes Feuerwerk abbrennen. Seine Bischofsstadt Paderborn stattete er mit Triumphbögen aus und in seiner Kathedralkirche ließ er einen Festaltar errichten. In zwei Prozessionen wurden die Gebeine des Heiligen Liborius durch die Stadt getragen – in genau festgelegter Prozessionsordnung. Einer möglichst großen Öffentlichkeit wurde so die politische und gesellschaftliche Rangordnung des Hochstifts Paderborn präsentiert.15

Die Stadt behielt aber auch neben dem Schloss in Neuhaus ihre Bedeutung für die weltliche Herrschaft des Fürstbischofs. Die geistlichen Behörden, wie z. B. das Hofgericht, tagten in Paderborn. Ebenso residierte das zweite Kraftzentrum – das Domkapitel – in der Stadt, dessen Mitglieder wichtige Verwaltungsämter innehatten und zugleich eine zentrale Rolle am bischöflichen Hofe spielten. Die Domherrenkurien rund um den Domplatz, im Barock wie kleine Palais ausgebaut, waren der sichtbare Ausdruck hierfür.16 Auch der Bischof unterhielt mit dem Sternberger Hof eine Stadtkurie. Sie war Sitz der bischöflichen Oberbehörden, wurde vom Fürstbischof aber nur zu wenigen Anlässen und eher als pragmatische Unterkunft denn als repräsentative Residenz genutzt.17 Stadt, Bischof und Domkapitel standen in einem immer wieder neu auszuhandelnden Kräfteverhältnis zueinander, Stadt und Residenz waren die Bühne dieser nicht zuletzt auch über symbolische Akte verhandelten Beziehung.

Einen Wandel von der Konfrontation zwischen Stadt und Fürstbischof im Mittelalter hin zur Kooperation in der Frühen Neuzeit betont Frank Göttmann und zeigt vielfältige Erscheinungsformen des Hofes innerhalb der Stadt bzw. der städtischen Gesellschaft auf. Künstler wie die Familie Gröninger, die Baumeister Johann Conrad Schlaun und Christoph Nagel oder der Buchdrucker Pontanus wurden zwar vom Fürstbischof an seinen Hof geholt, zugleich etablierten sie sich aber auch in der Stadt und wurden Paderborner Bürger.18 Neben Aufträgen vom Hof waren sie auch auf solche aus der Bürgerschaft, vom Domkapitel und aus den Klöstern angewiesen. Stadt und Hof waren somit auf vielfältige Weise miteinander verbunden: durch Personen, Regierungsinstitutionen und als Orte der fürstbischöflichen Repräsentation.

Abb. 0.3:
Abb. 0.3:

Feuerwerk im Schlossgarten von Neuhaus.

Kupferstich von Johann Conrad Schlauen 1736. Das Feuerwerk war der Abschluss einer achttägigen Festwoche zu Ehren des heiligen Liborius. Seine Reliquien waren 836 von Le Mans nach Paderborn überführt worden.

Repräsentation

Der Hof war, als eine Verdichtung von Menschen und Macht, immer abhängig von der Handlungsfähigkeit seines Fürsten.19 Seine politische Macht war eng verbunden mit ihrer repräsentativen Vorführung. Hier bestand eine Wechselwirkung, da das Ansehen, der Stand und der Rang wesentliche Faktoren für die Ausübung von Herrschaft gegenüber konkurrierenden Ansprüchen waren.20 Es etablierte sich, ausgehend von der Hofkapelle im Mittelalter, ein Hofmilieu aus Künstlern, Intellektuellen und Kunsthandwerkern, das für die Repräsentation fürstlicher Macht unverzichtbar war. Dies galt auch für die materielle Ausstattung und die höfischen Verhaltensweisen, z. B. an der fürstlichen Tafel.21 Dieser offen zur Schau gestellte Luxus machte deutlich, dass es attraktiv war, am Hofleben teilzuhaben bzw. zur Klientel des Fürsten zu gehören.22 Die Bindung an den Hof bestand aber über die prächtigen Feste hinaus und setzte sich im Hofalltag fort – ein wesentliches Mittel der Integration und Teilhabe des Adels an der Landesherrschaft.23 Das Schloss in Neuhaus bot um 1600 mit dem Ausbau zur Vierflügelanlage durch Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg eine standesgemäße Bühne. Die Bischöfe luden zu Hochzeiten ein, empfingen die regierenden Fürsten der Nachbarländer oder feierten mit den Domherren und städtischen Honoratioren Karneval.24 Der Hofalltag zeigt sich in der detaillierten Hofordnung Ferdinands von Fürstenberg, die das Zusammenleben und die Aufgaben der Hofbediensteten genau regelte: vom morgendlichen Anziehen des Bischofs bis hin zum täglichen Gottesdienstbesuch. Eine besondere Prachtentfaltung ist hier allerdings kaum erkennbar.25 Dies änderte sich in der Regierungszeit von Clemens August. Seine Besuche in Neuhaus stießen auf großes Interesse, so dass bei den halböffentlichen Mahlzeiten des Bischofs ein regelrechtes Gedränge entstand,26 vielleicht auch, weil Clemens August in Begleitung seiner Mätresse und seiner Tochter reiste.27 Die konkrete Ausgestaltung des höfischen Alltags und der repräsentativen Ereignisse war aber gerade im geistlichen Fürstentum Paderborn abhängig vom Rang und Stand des gewählten Bischof.

Abb. 0.4:
Abb. 0.4:

Schlossturm mit Wappen Dietrich von Fürstenberg, 1591. Die Vierflügelanlage wurde von Dietrich von Fürstenberg vollendet und mit den mächtigen Rundtürmen versehen. Foto: Andreas Neuwöhner.

Anwesenheit

Der Hof war auf die Anwesenheit des Fürsten hin ausgerichtet. Doch diese war in einem geistlichen Fürstbistum nicht immer gegeben, zumal wenn der gewählte Bischof gleichzeitig ein oder mehrere weitere Bistümer innehatte. Vor allem die Wahl von Reichsadeligen, z. B. aus dem Hause Wittelsbach, zu Paderborner Bischöfen führte zu langen Abwesenheiten. Sie regierten zumeist mit Münster oder Köln weitere Bistümer und legten nur eine geringe Priorität auf das Bistum Paderborn, das dann durch ein führendes Mitglied des Domkapitels als Administrator regiert wurde.28 Mit Dietrich von Fürstenberg änderte sich das. Er führte ein persönliches Regiment bei zugleich dauerhafter Anwesenheit, baute die politische Machtbasis des Landesherrn aus und erhöhte seine materiellen Ressourcen. Neuhaus war nun zentraler Regierungs- und Repräsentationsort.29 Allerdings blieb auch in den folgenden Jahrhunderten die strukturelle Abwesenheit groß. Fast die Hälfte der gewählten Bischöfe regierte auch in weiteren Bistümern.30 Erschwerend für Paderborn kam hinzu, dass zahlreiche Bischöfe wie Clemens August oder Ferdinand I. von Köln bzw. Bonn aus regierten und das Paderborner Bistum als Nebenland ansahen. Lediglich Ferdinand von Fürstenberg und Franz Arnold von Wolff-Metternich legten ihren Schwerpunkt auf Paderborn obwohl sie auch Bischöfe von Münster waren.31

Die Abwesenheit hatte erhebliche Auswirkungen auf den Hofalltag, da im Unterschied zu den weltlichen Fürstentümern im Bistum kein Mitglied der Familie die Position des Fürsten einnehmen konnte. Die Folgen für die konkrete Ausgestaltung der Residenz sowie die Bautätigkeit ist nicht so eindeutig an der Ab- bzw. Anwesenheit festzumachen, wie das Beispiel Clemens August zeigt, der seine Neuhäuser Residenz um einen bedeutenden Barockgarten erweiterte.32 In jedem Fall aber behielt auch in Zeiten der Abwesenheit das Schloss seinen Residenzcharakter. Der fürstliche Haushalt war reduziert, aber nicht aufgehoben.33

Abb. 0.5:
Abb. 0.5:

Schloss Neuhaus 1616. Druck aus dem Panegyricus von P. Horrion für Dietrich von Fürstenberg zur Gründung der Jesuitenuniversität. Erzbischöfliche Akademische Bibliothek Paderborn.

Auf die Bedeutung des Hofes in den Zeiten der Abwesenheit des Fürsten weist auch Heinrich Schepers hin. Das vollständig ausgestattete Schloss und der funktionierende Hofstaat sorgten dafür, dass die Herrschaft auch in Zeiten der Abwesenheit des Fürsten präsent war. Die Wappen des Fürsten an der Fassade des Schlosses und seine Porträts im Inneren waren weitere symbolische Verweise. Hierdurch ließ sich, auch wenn das Hofzeremoniell wegfiel, die Präsenzkultur in abgeschwächter Form aufrechterhalten.34 Diese Strategie verfolgte Clemens August in besonderem Maße. Schon die Wache am Schlosseingang ließ er mit seinem prächtigen Wappen ausstatten. Weitere Wappen finden sich am Marstallgebäude. Zudem verweisen die Farben Weiß und Blau auf seine Familie, die bayerischen Wittelsbacher, und sein großes Porträt ziert das fürstliche Speisezimmer.35

Ein Musenhof in Neuhaus

Das Alte Reich zeichnete sich durch eine Vielzahl an kleineren und mittleren Höfen aus. Dies erkannte Gottfried Wilhelm Leibniz, der in den Jahren 1680 und 1681 zu Besuch in Neuhaus war,36 als Chance für die kulturelle Vielfalt, boten die Höfe doch den Künstlern, Intellektuellen und Kunsthandwerkern immer wieder neue Arbeitsfelder. Die Arbeitsbiografie der Künstler war somit vielfach durch Migration gekennzeichnet: Musiker, bildende Künstler, aber auch Bibliothekare und Wissenschaftler wanderten von einem Hof zum nächsten und trugen so zum Kultur- und Wissensaustausch bei.37 Dies lässt sich z. B. an der Biografie von Carl Ferdinand Fabritius nachvollziehen, der von Ferdinand von Fürstenberg für einen Großauftrag aus Mainz an den Hof nach Neuhaus geholt wurde. In den Jahren 1664 bis 1667 richtete er sich ein Atelier im Schloss ein und malte die großformatigen Ansichten der Städte und Ortschaften des Bistums Paderborn. Anschließend zog er weiter nach Wien.38

Den Musenhof kennzeichnete, dass er Akademiker, Künstler und Kunsthandwerker aus unterschiedlichen Fachrichtungen für eine längere Zeit an sich binden konnte. Diese Anziehungskraft war zunächst Ausdruck der repräsentativen und regierungspraktischen Funktion des Hofes, aber auch der Persönlichkeit des Fürsten sowie seiner individuellen Interessen. Die gelehrte oder auch künstlerische Kompetenz des Fürsten spielte somit für die konkrete Ausgestaltung des Hofes eine wichtige Rolle.39 In der Regierungszeit von Ferdinand von Fürstenberg wird dies offenkundig.40 Neben bildenden Künstlern wie Carl Ferdinand Fabritius, waren es Historiker und Literaten, die nach Neuhaus kamen. Einer dieser Gelehrten war der Jesuit Nikolaus Schaten, der in Neuhaus eine Bibliothek aufbaute und die Paderborner Geschichte schrieb.41 Ferdinand selbst war vor allem auf dem Feld der Geschichtsforschung und der Literatur tätig. Mit den Monumenta Paderbornensia veröffentlichte er ein weithin beachtetes Geschichtswerk seines Bistums. Seine Gedichte wurden posthum in einem Prachtband von der königlichen Hofdruckerei in Paris gedruckt. Nicht nur in seiner Zeit standen Theateraufführungen regelmäßig auf dem Programm. Um 1700 hatten sie in Neuhaus auch einen festen Platz im sogenannten Komödiantenhaus. Es befand sich im westlichen Teil der Gartenanlage. Auf der Zeichnung von Conrad Schlaun aus dem Jahr 1719 ist ein Steingebäude erkennbar, das sich auch auf dem Plan von Franz Christoph Nagel wiederfindet. Das Gebäude besaß ein eindrucksvolles Portal und maß 25 Meter in der Länge und 11 Meter in der Breite.42

Abb. 0.6:
Abb. 0.6:

Schloss Neuhaus, Ausschnitt. Gemälde von Carl Ferdinand Fabritius 1664. Die Schlossansicht entstand im Auftrag Ferdinands von Fürstenberg und zeigt im Vordergrund den Weinberg von Neuhaus. Theologische Fakultät Paderborn, Foto: Ansgar Hoffmann.

Abb. 0.7:
Abb. 0.7:

Ansicht Schloss Neuhaus. Federzeichnung von Johann Conrad Schlauen 1719. Die Zeichnung entstand zum Herrschaftsantritt von Fürstbischof Clemens August in Neuhaus. Er war 1719 vom Domkapitel gewählt worden und besuchte im folgenden Jahr zum ersten Mal sein Fürstbistum. Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn.

Die dezentrale Struktur des Alten Reichs mit der Vielzahl an Reichsständen und ihren Höfen verhinderte die Ausprägung einer zentralen Kulturhegemonie, wie dies z. B. in Frankreich mit dem Hof von Versailles gegeben war. Vielmehr kann die höfische Gesellschaft als multikulturell bezeichnet werden – mit unterschiedlicher konfessioneller Prägung und europäischer Ausrichtung. Dabei orientierten sich die katholischen Territorien stärker nach Süddeutschland, Italien und auf die Habsburger Erblande. Die protestantischen Stände pflegten intensive Beziehungen zu den Niederlanden und zu Nordeuropa.43 Die „katholische Achse“ München, Wien und Rom prägte auch den Hof in Neuhaus. Dies betrifft zum einen die Herkunft der Fürstbischöfe wie den Wittelsbacher Clemens August oder deren Studium in Rom. Die familiären Verbindungen und persönlichen Netzwerke44 nutzten die Bischöfe, um Künstler wie den italienischen Musiker und späteren Weihbischof Agostino Steffani nach Neuhaus zu holen.45 So konnte sich in Neuhaus ein Hof etablieren, der über die Region hinaus eine kulturelle Anziehungskraft hatte.

Dass nicht über den gesamten Zeitraum von fast 500 Jahren von einem Neuhäuser Musenhof gesprochen werden kann, versteht sich von selbst. Der Hof war nun einmal ganz abhängig vom Fürsten. Zum Ende des Alten Reichs residierten die Bischöfe zwar zumeist in Neuhaus, die materiellen Fähigkeiten zu einer aufwändigen Hofhaltung und auch das persönliche Interesse daran schwanden aber zusehends.46 Die aufgeklärte Kritik spottete gar:

Mich belustigte vorzüglich die Nachahmungssucht und kleinliche Pracht eines solchen Hofes, und zwang mir das meiste Lächeln ab, als ich die bischöflichen Grenadiere in ihrem vergoldeten Mützzen paradiren sah.47

Neuhaus galt als ärmlicher Hof mit wenig kultureller und repräsentativer Ausstrahlung. Diese durchaus überspitzte Sicht der protestantisch-preußischen Aufklärer bestimmte forthin die Auffassungen zum Hof in Neuhaus. Dieser Band will dazu beitragen, ein differenzierteres Bild des fürstbischöflichen Hofs in Neuhaus zu zeichnen. Hierzu wurde ein biografischer Ansatz gewählt. Besucher, Gäste, Künstler und Intellektuelle werden vorgestellt, die entscheidend dazu beitrugen, dass in Neuhaus ein kulturell geprägtes Hofmilieu entstand. Die Bischöfe wurden bewusst ausgeklammert, da hierzu schon zahlreiche Veröffentlichungen vorliegen.48 Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf der Frühen Neuzeit, wenngleich zwei Biografien auch das Mittelalter berühren.49 Dies ist zum einen der Quellenlage geschuldet, die sich erst im 16. Jahrhundert so verdichtet, dass ein Hofmilieu auch biografisch fassbar wird. Zum anderen etablierte sich die Residenz in Neuhaus erst im späten 14. Jahrhundert. Den Anspruch, die Entwicklung und die Ausprägung des Hofes vom ausgehenden Mittelalter bis zur Säkularisierung darzustellen, kann dieser Band nicht stellen. Vielmehr zeigen die einzelnen Beiträge Aspekte des Hoflebens auf, die aber durchaus als charakteristisch für einen geistlichen Hof gelten können. Zudem werden durch die biografische und kulturgeschichtliche Einordnung der handelnden Personen personale Netzwerke und überregionale Verbindungen verdeutlicht. Neuhaus und sein Hof können so in einen kulturgeschichtlichen Zusammenhang gestellt werden, der typisch für das Alte Reich war, prägten doch die zahlreichen kleinen und mittleren Höfe das Bild.50

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1

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2

Zum Bischofspalast Meinwerks vgl. Gai 2009, S. 239.

3

Schieffer 2018, S. 70.

4

Zur Entwicklung und den Strukturmerkmalen geistlicher Fürstentümer im Mittelalter vgl. Moraw 1983, S. 711–715. Zu den Verhältnissen im Bistum Paderborn aus kirchengeschichtlicher Perspektive Brandt 2002, S. 54–64, S. 108–112.

5

Vgl. dazu Schoppmeyer 1999, S. 198–473.

6

Schoppmeyer 2009, S. 11. Schoppmeyer nimmt an, Simon I. habe zu seiner Sicherheit vor den Paderborner Bürgern um 1270 ein castrum in Neuhaus errichten lassen, 1275 empfing er streitende Parteien in nova domo nostro. Ob damit wirklich der Ort Neuhaus oder doch ein (irgendwo anders errichtetes) „neues Haus“ gemeint ist, muss allerdings offen bleiben.

7

Vgl. zu dieser Beobachtung exemplarisch die Fallbeispiele in Grieme 2004. Zu Paderborn Käuper 2004, S. 27–66.

8

Schoppmeyer 2009, S. 15.

9

Vgl. Brandt 2002, S. 144 ff.

10

Ehlers 2010, S. 13–24. Zur Reiseherrschaft des Bischofs von Paderborn vgl. Schoppmeyer 2009.

11

Paravicini 2010, S. 283. Schepers bestimmt die Residenz als eine Form der Herrschaftsverdichtung, die auf die Anwesenheit des Fürsten zurückzuführen ist bzw. angewiesen ist. Schepers 2018, S. 25 f.

12

Zur Geschichte von Schloss und Ort Neuhaus siehe Börste 2015. Lotterer betont die Verspätung der Entwicklung und führt dies auf die geringen materiellen Ressourcen der Paderborner Bischöfe zurück. So war z. B. das Amt Neuhaus, das als Küchenamt für die Versorgung des Hofes sorgte, noch im 15. Jahrhundert verpfändet. Lotterer 2003, S. 42 ff. Ähnlich wie in Paderborn agierte Bischof Erich von Braunschweig-Grubenhagen auch in seinen anderen Bistümern und ließ die osnabrückische Residenz Schloss Iburg ausbauen.

13

Ehlers 2010, S. 22.

14

Braun 2014, S. 37. Einen Sonderstatus innerhalb der nordwestdeutschen Bistümer nahm Münster ein. Hier zog der Bischof 1661 nach der Unterwerfung der Stadt demonstrativ in die Stadt zurück. Ebd. Neben der Stadt spielten auch die Klöster eine wichtige Rolle für die bischöfliche Herrschaftspraxis. Lotterer führt aus, dass die Fürstbischöfe im 16. Jahrhundert auf die Ressourcen des Landes zurückgriffen und vor allem die Klöster in die Herrschaftsausübung einbezogen wurden, indem z. B. Belehnungen, Gerichtstage oder ständische Versammlungen dort abgehalten wurden. Das Kloster Abdinghof in Paderborn spielte dabei eine herausgehobene Rolle. Lotterer 2003, S. 44.

15

Siehe zum Liborifest ausführlich Stambolis 1996, S. 49–72.

16

Braun 2014, S. 37.

17

Göttmann 2010, S. 367 f.

18

Göttmann 2010, S. 367 f. Ein weiteres Beispiel sind die katholischen Juristen, die ab 1600 führende Regierungspositionen bekleideten und sich im ehemals protestantischen Stadtbürgertum etablierten. Ebd. S. 364 f.

19

Ehlers 2010, S. 13 f.

20

Ehlers 2010, S. 17.

21

Ehlers, S. 19 ff.

22

Zur materiellen Hofkultur siehe Paravicini 2010. In seiner Zusammenfassung macht Paravicini deutlich, dass auch der Verzicht auf eine prächtige Hofkultur möglich war, zumal aus religiösen Motiven Luxus oft als Verschwendung kritisiert wurde. Ebd. S. 274.

23

Paravicini 2010, S. 284. Für die Organisation des Hofalltags waren verschiedene Ämter zuständig, wie z. B. der Obriststallmeister. Siehe dazu in diesem Band den Beitrag von Michael Jolk „Hochzeit auf Schloss Neuhaus 1682“.

24

Siehe hierzu in diesem Band den Beitrag von Andreas Neuwöhner zu Kaspar von Fürstenberg.

25

Siehe zur Hofkultur Gentner 2004, S. 479–505.

26

Mit einer Verordnung wurde versucht, die Mahlzeiten des Bischofs in geregelte Bahnen zu leiten. So sollte darauf geachtet werden, dass „keine Weibspersonen in Regentüchern, noch Männer in ihren Mänteln umgeschlagener weise oder sonst vermumte Leuthe, noch Kinder, noch Diener mit Livrée und Mägde, weniger auch nicht kranke Personen hineingelassen werden.“ Kempkens 2000, S. 413.

27

Siehe dazu in diesem Band den Beitrag von Mareike Menne zu Mechthild Brion und Anna Maria von Löwenfeld.

28

Lotterer 2003, S. 45.

29

Lotterer 2003, S. 188.

30

Braun 2014, S. 33.

31

Braun 2014, S. 34.

32

Börste 2015, S. 69–77.

33

Braun 2014, S. 34.

34

Schepers 2018, S. 15 f. sowie S. 277 ff.

35

Börste 2015, S. 48.

36

Siehe zu Leibniz den Beitrag von Markus Lauert in diesem Band. Über seinen Besuch in Neuhaus auch Börste 2004, S. 535–541.

37

Berns 1993, S. 17.

38

Siehe zu Fabritius den Beitrag von Roland Pieper in diesem Band.

39

Bern 1993, S. 19.

40

Siehe grundlegend zu Ferdinand von Fürstenberg Ernesti 2004

41

Siehe zu Schaten den Beitrag von Hermann-Josef Schmalor in diesem Band. Die Bautätigkeit Ferdinands konzentrierte sich vor allem auf den sakralen Bereich mit der Errichtung bzw. Erneuerung von mehr als 30 Kirchen und Kapellen. In diesem Zusammenhang wird auch vom Fürstenberger Barock gesprochen. Siehe zu seinen Kirchenstiftungen Stiegemann 2004, S. 209–233. Der Neubau und die Ausstattung der Pfarrkirche Neuhaus war für den Ort Neuhaus von besonderer Bedeutung. Siehe dazu Hansmann 2004, S. 505–521.

42

Santel 2009, S. 178. Ein Theater gehörte im Barock zur Grundausstattung einer Residenz. So ließ Clemens August, der wenig Interesse an seinem Schloss in Osnabrück zeigte, dort die Reithalle in ein Theater umbauen, um für ein Mindestmaß an Unterhaltung zu sorgen. Schepers 2018, S. 113.

43

Bern 1993, S. 33.

44

Siehe hierzu in diesem Band den Beitrag von Hans-Walter Stork über Ortensio Mauro.

45

Siehe zu Agostino Steffani den Beitrag von Lars Wolfram in diesem Band. Dass diese Netzwerke nicht einseitig konfessionell ausgeprägt sein mussten, zeigen die guten nachbarschaftlichen Beziehungen zur Grafschaft Lippe. Siehe dazu in diesem Band Roland Linde über Graf Simon zur Lippe.

46

Dies gilt vor allem auch für Franz Egon von Fürstenberg, der z. B. die Hofmusik abschaffte. Ein zeitgenössischer Bericht mit Hinweisen auf Franz Egon bei Decker 2017, S. 260.

47

Dethlefs 2009, S. 159. Siehe zu Justus Gruner den Beitrag von Andreas Neuwöhner in diesem Band.

48

Dazu grundlegend Brandt 2002.

49

Siehe dazu den Beitrag von Lars Wolfram über Adela von Hamaland und den Beitrag von Malte Prietzel über Bertrando d’Arvazzano in diesem Band.

50

Die Unterscheidung zwischen den weltlichem und den geistlichen Höfen ist bislang noch zu wenig beachtet worden, obwohl die Fürstbistümer und Reichsabteien zahlreich waren. Paravicini 2019, S. 282. Zu den geistlichen Höfen siehe Ammerer 2010.

Leben am Hof zu Neuhaus

Biografische Skizzen zur Hofkultur einer fürstbischöflichen Residenz

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