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das allgegenwärtige Virus verzögert dieses Jahr auch das Erscheinen unserer „Forschungen zur baltischen Geschichte“. Allerdings hätte es auch ohne Corona Verschiebungen im Ablauf des Produktionsprozesses gegeben. Wie bekannt, erscheinen die „Forschungen“ 2020 in Kooperation mit dem Ferdinand Schöningh Verlag Paderborn, einem Imprint der Brill Deutschland GmbH. Damit sind wir Teil eines über 300 Jahre alten, in Leiden beheimateten Verlagsverbundes mit weitreichender internationaler Vernetzung. Damit einher geht die Übernahme des Satzes und des Druckes der Zeitschrift durch den Verlag, weshalb sich unser recht spontaner, auf kurze Wege und kollegiale Beziehungen vor Ort basierender Produktionsprozess erheblich verlängert. Während bis 2019 zwischen Abfassung des Vorworts, meist um Ostern herum, und dem Erscheinen des Heftes pünktlich zur Jahrestagung der Baltischen Historischen Kommission am Wochenende nach Pfingsten keine zwei Monate lagen, erscheint der 15. Band der „Forschungen“ nun voraussichtlich irgendwann vor Weihnachten, d.h. in einem guten halben Jahr.

Was sich nicht ändert, ist der thematische Fokus dieser Zeitschrift auf der Geschichte Estlands, Lettlands und Litauens. Dieses Mal wandern wir mit Peter dem Großen auf den Rigaer Festungsanlagen, erleben sowjetestnische Werbefachleute auf der Krim, hören vom afterlife päpstlicher Livland-Urkunden, diskutieren den Entwurf einer Revaler Kirchenordnung aus dem 17. Jahrhundert und versetzen uns hinein in die Probleme der Gründung eines Staates im November 1918 inmitten von Krieg und Revolution. Wir betrachten Grabplatten von Ordensmeistern, Rigaer Triumphbögen und Sakrallandschaften des 13. Jahrhunderts zwischen Neumünster und Livland. Hinzu kommt ein Überblick über Tagungen sowie eine erkleckliche Zahl an Besprechungen diverser Neuerscheinungen, die wie immer von unseren Rezensentinnen und Rezensenten kritisch beäugt werden.

Verändert hat sich hingegen der Kreis von Freunden und Kollegen, die wir durch die Aufnahme in den erweiterten Herausgeberkreis enger an die Zeitschrift binden möchten. Nach 15 Jahren, in denen dieser Kreis nur punktuell erweitert wurde, haben wir uns entschieden, eine größere Zahl gerade auch jüngerer Baltikumexperten einzubinden, um auch weiterhin die Qualität der von uns veröffentlichten Beiträge zu gewährleisten. Ein nach Diversitätskriterien zusammengesetztes editorial board gehört mittlerweile zu den formalen Bedingungen, die eine Zeitschrift erfüllen muss, um sozusagen gesellschaftsfähig zu bleiben. Wir glauben, dass uns dieser Verjüngungsprozess ganz gut gelungen ist. Vielen Dank für Eure/Ihre Bereitschaft, uns bei unserer zukünftigen Arbeit zu unterstützen, vielen Dank auch an die ausscheidenden Freunde und Kollegen für ihre Mitwirkung an den ersten anderthalb Dekaden der „Forschungen zur baltischen Geschichte“.

Damit können wir die Danksagungen an Freunde, Kollegen und Kooperationspartner fortsetzen, die an dieser Stelle stets in der Hoffnung erwähnt werden, uns weiterhin treu zu bleiben. Letzteres scheint durch unsere Bindung an den Schöningh-Verlag mit Sicherheit gewährleistet zu sein im Falle von Diethard Sawicki, der einst über unseren Rigaer Freund Ilgvars Misāns die Zusammenarbeit mit dem Schöningh Verlag eingefädelt hat und unser verlässlicher Ansprechpartner dort ist. Als Experte für die deutschen Geisterseher und Tischrücker der Spätaufklärung1 sollte er sich vielleicht auch einmal mit deren Konjunktur im Baltikum beschäftigen…

Finanziert werden die „Forschungen“ weiterhin mit staatlichen Geldern aus Estland, Lettland und Deutschland – eine Gott sei Dank recht lange Liste von Partnern, die im Impressum nachzulesen ist. Ein dickes Dankeschön sei natürlich auch an unsere Übersetzerinnen und Übersetzer gerichtet: Anu Aibel-Jürgenson, Jürgen Beyer, Matthias Burghardt, Maija Levane und Tea Vassiljeva. Die Sprachredaktion übernahm dieses Jahr erstmals Martin Pabst, der hiermit im Team der „Forschungen“ herzlich willkommen geheißen werden soll. Wie immer schaute auch diesmal Siobhan Kattago die englischsprachigen Texte und summaries sorgfältig durch.

Nun übergeben wir die erste Nummer der „Forschungen zur baltischen Geschichte“ in neuer Konstellation dem Urteil unserer aufmerksamen Leserschaft. Wir hoffen sehr, dass der Wechsel zu Schöningh nicht nur den bibliometrischen Wert unserer Zeitschrift erheblich steigert, sondern die erweiterte Redaktion auch dafür sorgen wird, dass die „Forschungen“ das Sprachrohr der historischen Baltikumforschung bleiben. In jedem Fall wollen wir auch in der Zukunft vor allem neuere Forschungsergebnisse aus den drei baltischen Staaten einem größeren und hoffentlich weiterhin geneigten Publikum präsentieren, sind aber offen für Beiträge aus aller Welt.

Wir wünschen erbauliche und ergötzliche Lektüre des 15. Bandes.

31. Mai 2020

Karsten Brüggemann

Mati Laur

Andris Levans

Anti Selart

1

Diethard Sawicki: Leben mit den Toten. Geisterglauben und die Entstehung des Spiritismus in Deutschland 1770–1900, Paderborn u.a. 2002, 2016 (2. Aufl.).

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