Vorwort und Danksagung

In: Houston Stewart Chamberlain
Author:
Sven Fritz
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„Niemals habe ich die Absicht gehegt, meinen Lebensgang zum Gegenstand einer Veröffentlichung zu machen; ich hege sie auch heute nicht“. Mit diesem Satz eröffnete Houston Stewart Chamberlain im Oktober 1918 sein neuestes Buch: eine Sammlung autobiographischer Aufsätze und zugleich eine Retrospektive auf seine weltanschauliche Entwicklung hin zu einem der führenden Rechtsintellektuellen des Kaiserreichs. Der Zeitpunkt für eine solche Publikation allerdings war schlecht gewählt, markierte doch der Herbst des Jahres 1918 das Ende der bis dato unumstößlich scheinenden politischen und gesellschaftlichen Ordnung. Mit einer gewöhnlichen Autobiographie, so steht zu vermuten, hätte der Autor mehr Erfolg gehabt, denn sein Lebensweg bot genug Stoff für ein an schillernden Anekdoten reiches Buch.

Einer Familie hochdekorierter britischer Kolonialoffiziere entstammend, in Frankreich aufgewachsen und in der Schweiz ausgebildet, hatte Chamberlain die Zeit der Jahrhundertwende in Wien verbracht und war dann nach Bayreuth gezogen – als Schwiegersohn Cosima Wagners, der er durch eine langjährige Freundschaft wie durch die gemeinsame Arbeit am politischen und weltanschaulichen Erbe Richard Wagners eng verbunden war. Zum Zeitpunkt seiner Einheirat in den schillernden Wagner-Clan freilich war aus dem einst unbekannten Musikschriftsteller ein Bestseller-Autor geworden, dessen Opus Magnum, „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts“, den Zeitgenossen das Standardwerk eines rassisch begründeten Antisemitismus lieferte und zugleich als Kampfschrift für ein Bildungsbürgertum fungierte, das der Vorstellung der welthistorischen Mission der vermeintlich germanischen Deutschen anhing.

Wissenschaftler, Intellektuelle, Politiker und selbst der Kaiser interessierten sich für den zum „Deutschtum“ konvertierten Briten, der fortan als agiler Propagandist seiner rassistischen und antisemitischen Weltanschauung auftrat und im Zwiegespräch mit Wilhelm II. nachhaltigen Einfluss auf das Denken des Monarchen gewann. Der Erste Weltkrieg steigerte diese Prominenz noch, denn er machte Chamberlain zu einem der meistgelesenen Propagandaschriftsteller im Deutschen Reich. Der traumatischen Niederlage und den Krisen der Nachkriegszeit begegnete der Autor mit der Kraft der Radikalisierung: Er wurde zum begeisterten Unterstützer und Parteigänger Hitlers. Nur sein Tod im Januar 1927 verhinderte, dass Chamberlain den Aufstieg seines politischen Hoffnungsträgers und die Errichtung der NS-Diktatur noch erlebte. Die Nationalsozialisten indes dankten ihm seine Unterstützung durch die postume Stilisierung zum „Seher und Künder“ des „Dritten Reiches“.

Mit dem Ende des NS-Staates verschwanden Chamberlain und seine Schriften weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis der Deutschen. Allzu deutlich verwiesen Autor und Werk auf die Kontinuitäten deutscher Geistesgeschichte und störten so das erinnerungskulturelle Narrativ vom Nationalsozialismus als barbarischem „Betriebsunfall“ in einer ansonsten weitgehend glanzvollen Historie. Erst die gesellschaftlichen Umbruchsprozesse der 1960er Jahre und die mit ihnen einhergehenden Paradigmenwechsel ließen ihn zurück ins Rampenlicht treten, nunmehr aber vor allem als Beleg für einen verhängnisvollen deutschen „Sonderweg“, der mehr oder weniger direkt vom Kaiserreich in den NS-Staat zu führen schien. Doch angesichts der vielen politisch weit stärker exponierten Akteure blieb Chamberlain eine Randfigur – zumindest solange es nicht darum ging, das Augenmerk auf den Zusammenhang zwischen der völkischen Weltanschauung Bayreuther Prägung und der nationalsozialistischen Ideologie zu lenken und etwa zu fragen, wie viel „Wagner in Hitler“ steckte.1

Lange blieb es still um den einstigen Vorzeige-Rassisten des wilhelminischen Bürgertums: Die 1981 erschienene Chamberlain-Biographie des amerikanischen Historikers Geoffrey Field wurde, obgleich zweifellos ein Standardwerk, nicht übersetzt und in Deutschland kaum zur Kenntnis genommen. So musste man hierzulande bis zum Jahr 2015 warten, bis eine erste deutschsprachige Gesamtdarstellung aus der Feder des Politikwissenschaftlers Udo Bermbach erschien.2 Etwa zur selben Zeit entwickelte auch der Kulturbetrieb Interesse am lange vergessenen Denker: Zum großen Wagner-Jubiläum im Jahr 2013 produzierte das ZDF eine an Peinlichkeit kaum zu überbietende Inszenierung der wagnerschen Familiengeschichte, in der Chamberlain als „liebeskranker Intrigant mit einem besonderen Faible für Rassefragen“3 seiner Muse Cosima – gespielt von Iris Berben – zu den Klängen des Walkürenritts unter den Rock kroch. Im Januar 2017 schließlich gelangte der Stoff sogar auf die große Bühne, als am Staatstheater Karlsruhe eine Oper unter dem schlichten Titel „Wahnfried“ ihre Uraufführung erlebte.4

Das Werk, das die Geschichte der Wagner-Familie nach dem Tod des Komponisten 1883 bis hinein in die 1920er Jahre in den Mittelpunkt stellte und mit einem satirisch überzeichneten Chamberlain als Hauptfigur operierte, erwies sich als Highlight der Karlsruher Opernsaison. Tatsächlich wurde dem Publikum auch einiges geboten: Eine verknöcherte Cosima Wagner als Domina, die ihren britischen Musterschüler am Halsband buchstäblich über den Tisch zieht, ein über die Bühne irrlichternder Wagner-Dämon und schließlich ein junger Wagnerianer im Trenchcoat, der über den 1000 Jahre währenden Ruhm des „Meisters“ schwadroniert und dann den Bart zu seinem Markenzeichen – zum „bösesten aller Bärte“5 – zusammengestutzt bekommt. Das Feuilleton jedenfalls geriet ins Schwärmen: Der Kritiker der „Welt“ lobte mit Blick auf die politischen Realitäten des Jahres 2017 die „Konzentration auf den fürchterlichen Chamberlain, dessen finstere Tiraden gerade wieder so fürchterlich aktuell sind“, zeichnete den Protagonisten dann aber als „seppelhosentragende[n]“ Naturforscher, der sich auf der Schmetterlingsjagd „in das wagnersche Mythenwaldweben“ verstrickt und es „mit seinen brandgefährlichen Hetzparolen“6 auflädt. Ähnlich äußerten sich andere Blätter7 und obgleich die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bemerkte, die überdrehte Inszenierung habe in ihrer Komplexitätsreduktion etwas von „höherem Kasperletheater“,8 fiel auch dort das Gesamturteil positiv aus.

Angesichts derart disparater und den historischen Stoff zum klischeehaften Beziehungsklüngel reduzierender Darstellungen wünscht man sich andere Formen der Auseinandersetzung. Das interessierte Publikum wendet sich deshalb dem Richard-Wagner-Museum in Bayreuth zu, das nach umfangreichen Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten 2015 neu eröffnet wurde. Wo, wenn nicht hier, sollte man eine wissenschaftlichen Ansprüchen genügende Darstellung des Wagnerismus und seiner Sumpfblüten erwarten, zumal das Haus zweifellos die weltweit wichtigste Anlaufstelle für alle mit dem Wagner-Clan zusammenhängenden Forschungen ist.

Im ehemaligen Wohnhaus Siegfried Wagners, direkt neben der „Villa Wahnfried“, thematisiert die neue Dauerausstellung die politischen und ideologischen Wirkungen der von Bayreuth ausgehenden Weltanschauung – keine schlechte Wahl, logierte hier doch Hitler, wenn er in Bayreuth weilte und abends gemeinsam mit seinen Gastgebern, dem Ehepaar Siegfried und Winifred Wagner und deren Kindern, vor dem Kamin saß. Aus Sicht der Ausstellungsmacher bot sich hier zweifellos der „authentische“, der „auratische“ Ort. Aber auch hier wird man enttäuscht: Einige wenige Filmschnipsel und knappe Audiotexte schildern die NS-Historie und reduzieren Chamberlain zum „Apostel der Wagner-Ideologie“9 und Helfer Cosima Wagners. Für eine Dauerausstellung, die sich mit der Wirkungsgeschichte und „insbesondere mit der Ideologiegeschichte Wagners“ auseinandersetzen will, ist eine derartig verknappte und gänzlich unscharfe Darstellung irritierend.10 Trotzdem: Chamberlain hat offensichtlich Konjunktur. Doch inwieweit ist eine weitere Biographie geeignet, diesem Bild noch wesentlich Neues hinzuzufügen? Weshalb also, könnte man fragen, ein weiteres Buch, noch dazu ein so umfangreiches?

Zum einen, weil die bisherige Forschung eine Reihe von Fehlstellen und Fehlurteilen aufzuweisen hat, die es zu füllen und zu korrigieren gilt: Geoffrey Fields Studie aus dem Jahr 1981 leistete zwar Grundlegendes und kann in ihrer Bedeutung nicht überschätzt werden. Vierzig Jahre nach ihrem Erscheinen aber entspricht vieles nicht mehr dem Stand aktueller Wissenschaft, zumal diese in zentralen Feldern – der Forschung zu Kaiserreich und Weimarer Republik, zu Intellektuellen und historischer Wissensproduktion, zur radikalen Rechten und zur völkischen Bewegung, um nur die wichtigsten zu nennen – gerade in den letzten zwei Jahrzehnten wesentliche Erkenntnisgewinne zu verzeichnen hat.

Darüber hinaus ist auch die Quellenlage mittlerweile eine andere: Wo Field noch durch die Pathologien eines Archivs gebremst war, das sich über viele Jahre den Interessen der Wagner-Familie unterzuordnen hatte, wird heute dem Historiker der Zugriff auf den Chamberlain-Nachlass umfassend ermöglicht. Vor diesem Hintergrund ist es freilich umso bemerkenswerter, dass die neuere Forschung von diesen Möglichkeiten nahezu keinen Gebrauch macht und sich stattdessen weitgehend auf bereits veröffentlichtes Material stützt – ein denkbar ungünstiger Quellenkorpus, der von Auslassungen und Klitterungen geprägt ist und zu korrekturbedürftigen Urteilen führt.11

Hier setzt die vorliegende Arbeit an: Im Zusammenspiel mit dem aktuellen Forschungsstand gilt es ein Chamberlain-Bild zu entwerfen, welches die geradezu exzellente Quellenlage erstmals wirklich ausschöpft. Deshalb basiert das vorliegende Buch auf der Recherche in deutschen und österreichischen Archiven, die eine Vielzahl bis dato unbekannter und noch nie systematisch ausgewerteter Dokumente zutage förderte. Diese sind nicht nur geeignet, wesentliche Aspekte des Themas zu präzisieren und neue hinzuzufügen, sondern ermöglichen es auch, eine ganze Reihe von bisherigen Annahmen zu korrigieren. Flankiert wird dieses intensive Quellenstudium durch die detaillierte Darstellung von Chamberlains Schriften und ihrer Entstehungszusammenhänge, wobei nicht nur die Monographien, sondern in bislang unerreichter Breite auch zahlreiche Artikel in Zeitungen und Zeitschriften herangezogen wurden.

Den entscheidenden Impuls zu diesem Buch gab eine Recherchereise im Frühjahr 2011, die mich erstmals nach Bayreuth führte. Ich war Teil des Teams, das unter Leitung des Historikers und Kurators Hannes Heer die Ausstellung „Verstummte Stimmen. Die Bayreuther Festspiele und die ‚Juden‘ 1876-1945“ erarbeitete, welche nunmehr seit fast einem Jahrzehnt als Dauerausstellung auf dem „Grünen Hügel“ zu besichtigen ist. Wir hatten bereits zuvor in verschiedenen deutschen Opernhäusern die Geschichte der Vertreibung jüdischer und politisch missliebiger Ensemblemitglieder rekonstruiert12 und uns war klar, dass wir mit den Wagner-Festspielen einen in jeder Hinsicht besonders exponierten Forschungsgegenstand vor uns hatten, der eine Weiterung der Perspektive bis ins 19. Jahrhundert hinein nötig machte.

So begannen wir unsere Recherchen im Wagner-Archiv und tauchten ein in eine Welt, die wir so nicht erwartet hatten. Was uns in den vielen Wochen und Monaten der Lektüre von Briefen, Notizen und Manuskripten Cosima Wagners und ihrer Mitarbeiter immer wieder überraschte, war die Radikalität und die Entschlossenheit, mit der die Wagner-Familie ihre rassistischen und antisemitischen Überzeugungen bewusst und absichtlich zur Grundlage einer über Jahrzehnte hinweg gültigen „Firmenpolitik“ gemacht hatte. Die unter einer solchen Leitung stehende „Firma“, die Bayreuther Festspiele, waren dadurch im ausgehenden 19. Jahrhundert Medium und Kultstätte zur Verbreitung einer Weltanschauung geworden, die in einem Prozess zunehmender Radikalisierung nicht zwangsläufig, aber folgerichtig in der nationalsozialistischen Ideologie aufging. Die Rolle Houston Stewart Chamberlains und seiner Schriften in diesem Prozess war dabei nicht zu übersehen.

Deshalb verbrachten wir einen Teil unserer Recherche-Zeit mit der Einsichtnahme in die für unseren Zweck wichtigen Schichten von Chamberlains Nachlass. Bereits bei der ersten Sichtung kleiner Teile seiner Korrespondenz wurde klar, dass es sich bei dem Autor der „Grundlagen des 19. Jahrhunderts“ keineswegs nur um einen rassistischen und antisemitischen Denker und „Kulturphilosophen“ handelte, sondern um einen politisch wachen und bestens vernetzten Publizisten. So entstand die Idee zu einer politischen Biographie, die ihren Gegenstand, so der ursprüngliche Arbeitstitel, als „politischen Akteur“ in der Zeit des Kaiserreichs und der frühen Weimarer Republik zeichnen sollte. Doch oft genug überdauern derlei Forschungspläne den intensiven Kontakt mit den Quellen nicht, und so zeigte sich bald, dass in Chamberlains Fall Weltanschauung, politisches Bewusstsein und deren Übersetzung in die Praxis derart komplex miteinander verwoben waren, dass die Herauslösung eines einzelnen Aspekts zu einem verzerrten Bild geführt hätte. So drängte sich anstelle des ursprünglich recht eng begrenzten Rahmens eine umfassendere Deutung auf, um Chamberlains Denken, Schreiben und politisches Handeln in den jeweiligen konkreten historischen Kontext einzuordnen und aus seiner Zeit heraus zu begreifen.

Das Manuskript zu diesem Buch diente zugleich als Dissertationsschrift an der Freien Universität Berlin – eine Funktion, die dem Text auch jetzt noch einige Charakteristika verleiht, die aus den Standards wissenschaftlichen Arbeitens resultieren. Dies schlägt sich nicht nur in einem umfangreichen Anmerkungsapparat nieder, sondern auch in der Anlage einiger Kapitel. Dazu gehören die ausführliche Diskussion von Forschungsstand und Quellenlage wie die umfängliche Darstellung der Geschichte des Chamberlain-Nachlasses. Wenngleich diese Abschnitte keineswegs nur für ein wissenschaftliches Publikum von Interesse sind, mögen sie den vor allem an Chamberlains Biographie interessierten Lesern als weniger relevant erscheinen. In diesem Fall lohnt das Vorblättern zum Kapitel II, mit dem die eigentliche biographische Darstellung beginnt.

*****

Kein Buch entsteht ohne den Rat, die Ideen und die Hilfe Dritter. Auch die vorliegende Studie bildet keine Ausnahme und ich darf mich glücklich schätzen, in den Jahren des Forschens und Schreibens mit vielen Menschen in Kontakt gekommen zu sein, die mir und meinem Vorhaben etwas von ihrer Zeit, ihrem Wissen und ihrer Energie geschenkt haben. So ist es mir nicht Pflicht, sondern Freude, wenigstens einigen von ihnen Dank zu sagen.

Dieser Dank gilt zunächst meinem Doktorvater, Prof. Dr. Uwe Puschner, dessen stets verlässliche, freundliche und motivierende Betreuung mich sicher durch die zahlreichen Untiefen der Forschungsphase wie aller damit zusammenhängenden praktischen und organisatorischen Fragen getragen hat. Ohne seine gewissenhafte Betreuung wäre dieses Buch nicht zustande gekommen. Danken möchte ich auch Prof. Dr. Martin Lücke, der das Zweitgutachten übernahm und so dabei half, mein Projekt zu einem guten Ende zu führen.

Wesentlich zur Entstehung beigetragen hat auch die Unterstützung der Forschungsinstitutionen, die ich im Rahmen meiner Recherchen konsultiert habe. Ganz besonders dankbar bin ich den Mitarbeitern des Richard-Wagner-Nationalarchivs in Bayreuth und seinem Leiter, Dr. Sven Friedrich, deren Entgegenkommen zahlreiche Hürden beseitigt und meine Arbeit wesentlich erleichtert hat. Vor allem der unermüdliche Einsatz von Diplombibliothekarin Kristina Unger, die jede meiner zahlreichen Bestellungen schnell und unkompliziert bearbeitete und dabei stets für Sonderwünsche offen war, kann nicht hoch genug geschätzt werden.

Mein Dank gilt außerdem den Mitarbeitern aller anderen Archive und Bibliotheken, die mich ebenso kompetent wie unbürokratisch unterstützt haben: den Dependancen des Bundesarchivs in Berlin und Freiburg/Br., dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes in Berlin, dem Hauptstaatsarchiv München wie den Staatsarchiven Nürnberg und Bamberg, dem Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv, dem Archiv der Republik in Wien, dem dortigen Stadt- und Landesarchiv sowie dem Universitätsarchiv und der Wienbibliothek.

Wer forscht, benötigt Rat und Hilfe von anderen Wissenschaftlern. In Wien erfuhr ich unschätzbare Unterstützung durch Dr. MMag. Michael Wladika, der mich nicht nur an seinem umfassenden Wissen zur Schönerer-Bewegung teilhaben ließ, sondern mir auch ein zuverlässiger Wegweiser in die österreichische Archivlandschaft war. Zum Erfolg meiner Wiener Recherchen hat zudem Univ.-Prof. Mag. DDr. Oliver Rathkolb wesentlich beigetragen, der mich in großzügiger Weise mit Quellenmaterial versorgte, außerdem Mag. Malou Löffelhardt, deren Forschungen und persönliche Verbindungen zu den Wiener Wagner-Vereinen sich als ganz besonders hilfreich erwiesen. Dankbar bin ich auch für die Unterstützung durch Dr. Björn Hofmeister, der mir Einblick in seine noch unveröffentlichte Edition der Erinnerungen von Heinrich Claß gewährte. Schließlich danke ich Prof. Dr. Anja Lobenstein-Reichmann, die meinem Projekt am Beginn in die Bahn half, und Prof. Dr. Eva Rieger, die am Ende für neuen Schwung sorgte.

Große Dankbarkeit empfinde ich gegenüber den Hamburger Freunden und Kollegen, die mir mit kritischen Nachfragen, kreativen Ideen und tatkräftiger Unterstützung beistanden: Dr. Christine Eckel, die mit mir die Höhen und Tiefen des Doktorandendaseins teilte und Teile des Manuskripts korrigierte; PD Dr. Michael Jonas, der mich freigiebig an seinem umfassenden Wissen teilhaben ließ und mir nicht nur mit Rat und Tat, sondern auch mit grenzenloser Zuversicht beistand; Jens Geiger, der sich als ebenso kluger Fragensteller wie gewissenhafter Korrekturleser betätigte und es wie kein zweiter versteht, den Verstiegenheiten des Wagner-Kosmos mit Humor die Schwere zu nehmen; Anna Schifer, deren Faible für die Ästhetik eines kohärenten Anmerkungsapparates sich als unschätzbare Hilfe erwies; schließlich Martin Brück und Esther Eggers, die gewissenhaft Teile des Manuskripts durchsahen und manchen Fehler verhinderten.

Danken möchte ich außerdem den Mitarbeitern des Verlags Ferdinand Schöningh und insbesondere seinem Lektor Dr. Diethard Sawicki, die es mit großer Freundlichkeit und Sorgfalt möglich machten, dass aus dem Manuskript ein Buch wurde. Ebenso wichtig für das Gelingen war das Elsa-Neumann-Stipendium des Landes Berlin, das meine Forschungen drei Jahre lang finanzierte.

Die Arbeit an einer Biographie, zumal an einer bisweilen derart belastenden wie der Chamberlains, ist ein kräftezehrender Prozess, bei dem Erfolg und Zweifel oft unmittelbar aufeinanderfolgen. Umso dankbarer bin ich für diejenigen Menschen, die das Entstehen dieses Buches und die damit verbundenen Herausforderungen von Anfang bis Ende begleitet haben. Dies ist zum einen Hannes Heer, der auf einem Spaziergang durch den Bayreuther Schlossgarten als erster von meiner Idee erfuhr und in den folgenden Jahren den Glauben an ein gutes Ende nicht aufgab, mich aber zugleich den ganzen Weg allein gehen ließ und sich damit einmal mehr als verständnisvoller Freund und Mentor erwies. Zum anderen ist es meine Familie: meine Frau Gesa Eggers und unsere Kinder Mads und Lili, die durch ihre Unterstützung und nicht zuletzt durch die vielen Momente des Verzichts meine Anstrengungen mitgetragen und damit das gesamte Projekt überhaupt erst ermöglicht haben. Ihnen gilt mein ganz besonderer Dank.

1

In Anlehnung an den Titel der Dissertation von Anette Hein, „Es ist viel ‚Hitler‘ in Wagner“. Rassismus und antisemitische Deutschtumsideologie in den „Bayreuther Blättern“ (1878-1938), Tübingen 1996.

2

Geoffrey G. Field, Evangelist of Race. The Germanic Vision of Houston Stewart Chamberlain, New York 1981. Udo Bermbach, Houston Stewart Chamberlain. Wagners Schwiegersohn – Hitlers Vordenker, Stuttgart 2015. Vgl. auch das Kapitel zum Forschungsstand sowie die Detaildiskussionen in späteren Kapiteln.

3

Sven Fritz, Der völkische Prophet. Houston Stewart Chamberlain, die Familie Wagner und die Politik, in: Ders./Jens Geiger (Hrsg.), Viele Schichten Wahrheit. Beiträge zur Erinnerungskultur. Festschrift für Hannes Heer, Berlin 2014, S. 30-67, hier: S. 37, dort auch eine ausführliche Zusammenfassung der Pressereaktionen.

4

Das Libretto verfassten Lutz Hübner und Sarah Nemitz, die Musik komponierte Avner Dorman.

5

So der Untertitel eines Artikels von Guido Kleinhubbert, Das Symbol des Bösen. Kulturwissenschaftler erforscht den Hitlerbart, in: Spiegel-Online, 22.3.2019, (www.spiegel.de, letzter Zugriff 24.6.2019).

6

Manuel Brug, So klingt der Wagner-Clan, wenn er singen soll, in: Die Welt, 3.2.2017 (www.welt.de, letzter Zugriff 2.3.2019).

7

Die Schmetterlingsjagd hatte es auch dem Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ angetan, dem Chamberlain erst als „spinnerter Insekten-Fan“, dann „als dominanter Demagoge“ und „schließlich als irrer Prophet“ erschien. Gerhard R. Koch, Wo alle Helden scheitern, in: FAZ, 30.1.2017 (www.faz.net, letzter Zugriff 4.2.2019). Die „Frankfurter Rundschau“ wiederum setzte auf die psychologische Deutung und sah Chamberlain eher als bemitleidenswerten Charakter: als heimatlosen Briten, der seine Komplexe mit Allmachtsphantasien und einem „‚wissenschaftlich‘ aufgejazzte[n] Rassismus“ zu bekämpfen suchte und so eine „Migrationsgeschichte eigener Art“ verkörpere. Judith von Sternburg, Die Grundlagen der Wagner-Welt, in: Frankfurter Rundschau. 3.2.2017 (www.fr.de, letzter Zugriff 4.2.2019).

8

Koch, Wo alle Helden scheitern.

9

Text der Videoinstallationen, Transkript des Autors vom 21.8.2018.

10

Vgl. Christiane Peitz, „Wahnfried ist das Mekka gläubiger Wagnerianer“. Interview mit Museumsleiter Sven Friedrich, in: Der Tagesspiegel, 2.8.2014 (www.tagesspiegel.de, letzter Zugriff 24.6.2018). Diese Irritation setzt sich auch auf anderen Ebenen fort, etwa wenn der eingesprochene Text Chamberlains Namen konsequent mit der für deutsche Muttersprachler typischen falschen Betonung – kurzes „a“ und langes „ai“ anstatt der korrekterweise umgekehrten Prononcierung – präsentiert. Der Besucher begegnet der Angelegenheit am besten mit dem gleichen Humor wie seinerzeit Chamberlain selbst: Man begrüße ihn überall als den „berühmte[n] Herr Tschemplay“, hatte er im März 1891 versucht, das sprachliche Versagen seiner Umwelt lautmalerisch festzuhalten, vgl. Chamberlain/Cosima Wagner, 8.3.1891, NAB, NLC, Rot 96. Zur Aufschlüsselung der Archivsignatur vgl. das Kapitel zur Quellenlage weiter unten.

11

Vgl. dazu das Kapitel zu Forschungsstand und Quellenlage sowie die Detaildiskussionen in späteren Kapiteln.

12

Vgl. Hannes Heer/Jürgen Kesting/Peter Schmidt, Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der „Juden“ aus der Oper 1933 bis 1945 [Katalog zur Ausstellung in der Berliner Staatsoper Unter den Linden], Berlin 2008. Dies., Der Kampf um das Württembergische Landestheater Stuttgart, Berlin 2008. Dies, Der Kampf um das Hessische Landestheater Darmstadt, Berlin 2009. Dies., Die Vertreibung der „Juden“ und „politisch Untragbaren“ aus den Dresdner Theatern 1933 bis 1945, Berlin 2011. Dies. (Hrsg.), Verstummte Stimmen. Die Bayreuther Festspiele und die „Juden“ 1876 bis 1945, Berlin 2012. Hannes Heer/Sven Fritz [u.a.], Verstummte Stimmen. Die Vertreibung der „Juden“ und „politisch Untragbaren“ aus den hessischen Theatern 1933 bis 1945, Berlin 2011. Hannes Heer/Sven Fritz (Hrsg.): „Weltanschauung en marche“: Die Bayreuther Festspiele und die „Juden“ 1876-1945, Würzburg 2013.

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