Inszenierte Geschichte – Firmenjubiläen

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Die Industrialisierung hatte im Zarenreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts so gut wie alle Lebensbereiche erfasst. Überall sahen sich die Zeitgenossen mit großen Veränderungen konfrontiert, mit einem Wertewandel, neuen Arbeitsformen und dem Aufweichen klassischer Geschlechterrollen. Als Reaktion auf diese Beschleunigung gesellschaftlicher Veränderungen kann ein zunehmendes Interesse an Geschichte beobachtet werden. Dies schlug sich in Russland beispielsweise in zahlreichen monarchischen, militärischen und religiösen Jubiläumsfeiern nieder.1 Angesichts einer sich immer schneller wandelnden Welt vermittelte der Rückgriff auf die Geschichte den Zeitgenossen eine Form von Kontinuität und Verlässlichkeit.2 War die Zeitwahrnehmung der Menschen im Zarenreich vormals von der Vorstellung eines kontinuierlichen Zeitstrahls geprägt, mussten sie sich um die Jahrhundertwende auf Konzepte relativer Zeitwahrnehmung mit Wiederholungen und Brüchen einstellen.3 Die Linearität, die den Erzählungen von Jubiläen zugrunde lag, stellte einen Gegenentwurf dar und vermittelte den Beteiligten Vertrautheit und Sicherheit.

Bei der Geschichtsschreibung im Rahmen von Jubiläen spielen häufig historisch interessierte Laien eine tragende Rolle. Daher lässt sich das Phänomen als Form der Public History verstehen. Das Forschungsfeld entwickelte sich in den 1970er Jahren, als Historiker erneut ein wieder erwachtes, breites gesellschaftliches Interesse für Geschichte konstatierten.4 Während die Public History sich zunächst auf die Tätigkeit von Historikern außerhalb der Wissenschaft konzentrierte, umfasst der Begriff heute alle Akteure, die Geschichte für eine interessierte breite Öffentlichkeit jenseits der Universitäten aufarbeiten.5 Dabei überrascht, dass viele Historiker den Forschungsgegenstand der Public History wie selbstverständlich primär in der Zeitgeschichte verorten.6 Stefanie Samida weist zurecht darauf hin, dass bereits in früheren Jahrhunderten Formen der öffentlichen Geschichte verbreitet waren, und betont das Potential einer auf einen längeren Zeitraum ausgerichteten Forschungsperspektive. Diesem Plädoyer folgend untersucht das vorliegende Kapitel eine Form der Public History, die sich Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts großer Beliebtheit erfreute: das Phänomen des Firmenjubiläums.

Neben einem gesellschaftlichen Interesse für Geschichte7 entwickelte sich im Zarenreich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine professionelle Geschichtsschreibung. Es entstanden die ersten mehrbändigen und nach wissenschaftlichen Standards erstellten Monumentalwerke zur Geschichten des Russischen Reichs.8 Die einflussreichsten waren Istorija gosudarstva Rossijskago (Geschichte des russischen Staates)9 von Nikolaj Michajlovič Karamzin (1766–1826) und Istorija Rossii s drevnejščich vremen (Geschichte Russlands von den ältesten Zeiten)10 des Historikers Sergej Michajlovič Solov’ev (1820–1879). Diese Werke bildeten den Kontext und möglicherweise auch Bezugspunkt für die Autoren der zahlreichen Jubiläumsfestschriften.

Historische Untersuchungen russischer Jubiläen gibt es vergleichsweise wenige, und Firmenjubiläen finden in ihnen keine Beachtung.11 Im Gegensatz dazu wandten sich deutsche Historiker in den vergangenen zwei Jahrzehnten vermehrt Unternehmensjubiläen zu.12 Die vorliegende Arbeit stützt sich darum auf diese Forschungsergebnisse und überprüft sie anhand der russischen Beispiele.

Die deutschen Autoren bieten unterschiedliche Interpretationen für Firmenjubiläen: Sie zählen die Festlichkeiten zu den freiwilligen Sozialleistungen der Betriebe,13 betonen die disziplinarischen Möglichkeiten14 oder das Potential zur Identitäts- und Vertrauensbildung zwischen Belegschaft, Betriebsleitung und Geschäftspartnern.15 Das vorliegende Kapitel verortet die Feierlichkeiten als Maßnahmen, um ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen.16 Es wird die These aufgestellt, dass Festprogramme und Festschriften ein Versuch der Industriellen waren, eine Erinnerungsgemeinschaft auf Basis der Firmengeschichte zu etablieren.17 Da die Unternehmensleitungen unterschiedliche Adressaten im Blick hatten, wird untersucht, auf welche Weise das Zeremoniell die einzelnen Gruppen ansprach und welche Anknüpfungspunkte es ihnen bot, um sie in die Gemeinschaft zu integrieren.

Bislang gibt es so gut wie keine Forschungen zu Firmenjubiläen im vorrevolutionären Russland. Deswegen werden in diesem Kapitel neben Jubiläumspublikationen zusätzlich auch die Feierlichkeiten selbst in die Analyse einbezogen. Feste können als komplexes Zusammenspiel symbolischer Bedeutungen sowie Komponenten einer sozialen und politischen Wirklichkeit verstanden werden. Sie sagen damit mehr über die Zeitgenossen und den historischen Kontext aus als über die gefeierte Vergangenheit18 und übernahmen gerade im 19. Jahrhundert wichtige gemeinschaftsbildende Funktionen.19 Aus diesem Grund verspricht die Analyse von Jubiläen aufschlussreiche Erkenntnisse über Kommunikationsstrategien der Unternehmer und den gezielten Einsatz historischer Narrative. Zusätzlich wird untersucht, welche Bedeutung dem Medium der Fotografie im Kontext der Jahrestage zukam.

Die Quellenlage ist schwierig, denn Dokumente aus Firmennachlässen ermöglichen häufig, wenn überhaupt, nur einen oberflächigen Einblick in die firmeneigene Festkultur, allzu häufig sind gar keine Akten zu Jubiläen überliefert.20 Aus diesem Grund stützt sich die Analyse auf eine Vielzahl von Quellen und umfasst sowohl Fotografien, die anlässlich von Jubiläen entstanden, als auch schriftliche Dokumente aus Firmennachlässen.21 Gegenstände wie Jubiläumsbecher oder Erinnerungsmünzen sowie die Berichterstattungen in Zeitungen und Zeitschriften ergänzen das Quellenkorpus.

Der erste Teil des Kapitels widmet sich den Festivitäten, der zweite fokussiert auf einen zentralen Aspekt vorrevolutionärer russischer Unternehmensjubiläen: die Firmenfestschrift. Das Quellenkorpus bilden acht Festschriften russischer Unternehmen aus unterschiedlichen Industriezweigen, die mit Fotografien oder nach Fotografien gedruckten Illustrationen bebildert sind. Die Untersuchung stützt sich sowohl auf die Texte der Publikationen, legt den Schwerpunkt aber auf die fotografischen Abbildungen und darauf, wie die Autoren diese in das Narrativ der Festschrift integrierten.

6.1 Die Genese des Firmenjubiläums

Als Vorgänger des Jubiläums gilt das bis ins 15. und 16. Jahrhundert hinein gefeierte religiöse Fest: das Jubeljahr.22 Erste Nachweise auf außerkirchliche Jubiläumsfeiern stammen aus dem Umfeld der Universitäten. Besonders im 19. Jahrhundert gewannen säkulare Jubiläen an Bedeutung23 wie Stadt-, Herrscher-, historische oder private Jubiläen, so dass um die Wende zum 20. Jahrhundert auch im Zarenreich eine schier unendliche Vielfalt von Anlässen Grund zum Feiern gab.24 Jubiläen fügten sich in die im 19. Jahrhundert allgemein zu beobachtende Tendenz ein, der Vergangenheit eine immer wichtigere Rolle bei der Interpretation der Gegenwart zuzuweisen.25

Besonders ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts begannen auch Firmen ihre Unternehmensjubiläen festlich zu begehen.26 In Deutschland zählte dies spätestens ab Mitte der 1890er Jahre zur Firmenkultur. Der erste Hinweis auf ein russisches Firmenjubiläum stammt aus dem Jahr 1898.27 Die im vorliegenden Kapitel untersuchten Jubiläen fallen in den Zeitraum zwischen der Jahrhundertwende und dem Beginn des Ersten Weltkriegs, für den Konstantin Nikolaevič Cimbaev für das Zarenreich den Begriff jubileemania (Jubiläumsmanie) verwendet.28

Für Betriebe gab es eine Vielzahl von Anlässen, um Jubiläumsfeierlichkeiten auszurichten:29 Gefeiert wurde meist der Jahrestag der Gründung eines Betriebs.30 Andere Gelegenheiten für Feiern und den Druck einer Festschrift konnten großangelegte bauliche Umgestaltungen sein.31 Auch Produkte und das Erreichen bestimmter Produktionszahlen gaben Anlass zu Festlichkeiten.32

Firmenjubiläen der Textilindustrie,33 Luxusgüterproduktion34 und Metallverarbeitung35 bilden die Quellengrundlage dieses Kapitels; letztere, meist sehr große Unternehmen dominieren im Korpus. Jubiläumsfeiern setzten oft mehrjährige Planungen voraus und waren teuer. Wie hoch die jeweiligen Kosten waren, lässt sich nur schwer ermitteln.36 Die Unterlagen der Waffenfabrik in Tula verzeichneten für die Feier des Jubiläums von 1912 Kosten in Höhe von 35.521,79 Rubel.37 Zur selben Zeit lag der Lohn eines männlichen Arbeiters in einer Textilfabrik im Gouvernement Moskau bei 23 Rubel im Monat.38 Damit wird deutlich, welche finanziellen Dimensionen entsprechende Feierlichkeiten erreichen konnten. Angesichts hoher Kosten bemühten sich staatliche Unternehmen, von den ihnen übergeordneten Ministerien finanzielle Unterstützung zu erhalten: Die Ižorsker Betriebe wandten sich beispielsweise an das Marineministerium,39 die Waffenfabrik aus Tula bemühte sich um Gelder der Haupt-Artillerieabteilung des Kriegsministeriums.40 Das Tulaer Unternehmen begründete seinen Antrag mit Verweis auf die Jubiläen des Moskovskij voennyj gospital’ (Moskauer Kriegshospital) und des Iževskij zavod (Iževsker Betrieb).41 Für beide Anlässe seien aus der Staatskasse 5.000 beziehungsweise 12.000 Rubel zugeteilt worden. Das Jubiläum in Tula sei jedoch von größerer historischer Bedeutung, weswegen die Zuteilung einer höheren Summe angemessen sei.42 Darüber hinaus gäbe es im Zarenreich nur wenige Betriebe, die auf eine so lange Firmengeschichte zurückblicken könnten.43 Private Unternehmen konnten nicht auf eine ähnliche Unterstützung hoffen, so dass kleinere Privatunternehmen kaum in der Lage waren, ein Jubiläum mit großen Festlichkeiten zu begehen.

6.2 Gottesdienst, Festmahl, Geschenke – die Festlichkeiten

Jubiläumsfeierlichkeiten waren kostspielig, aber sie eröffneten den Unternehmen hervorragende Möglichkeiten, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren. In Tula waren am 28. April 1912 die Feierlichkeiten der Waffenfabrik allgegenwärtig: Der Betrieb und die ganze Stadt waren mit Fahnen geschmückt und die Straßen voller Menschen.44 Mit solchen Festlichkeiten erweckten Unternehmen Aufmerksamkeit über die geladenen Gäste hinaus. Artikel in lokalen Zeitungen boten den Industriellen die Möglichkeit, weitere externe Personen zu einem Teil der Erinnerungsgemeinschaft zu machen.45

Firmenleitungen machten anlässlich von Jubiläen auch Entscheidungsträger aus Politik und Wirtschaft auf sich aufmerksam. In den Unterlagen der Ižorsker Betriebe finden sich Listen mit Namen von 150 Persönlichkeiten, die das Unternehmen 1903 zum Firmenjubiläum einlud; darunter Ėduard Bronislavovič Kriger (1864–1933), Minister für das Verkehrswesen im Zarenreich.46 Für die Ehrengäste aus Petersburg orderte das Festkomitee einen Sonderzug und ließ die Angereisten mit Kutschen vom lokalen Bahnhof Kolpino zur Fabrik fahren.47 Je bedeutender die Gäste waren, desto mehr Prestige- und Einflussgewinn bedeutete deren Besuch für die Firma.48

Konnten die Geladenen nicht zu den Feierlichkeiten erscheinen, nutzten sie die Gelegenheit, um Glückwunschschreiben an den Jubilar beziehungsweise den Betrieb zu schicken.49 Diese Schreiben hatten sowohl für den Empfänger als auch für den Absender eine wichtige Funktion. In den Unternehmensarchiven finden sich Listen derjenigen Personen und Betriebe, von denen Gratulationen eingegangen waren.50 Allein die Zeit und Mühe, welche die Fabriken investierten, um diese Listen zu erstellen, und dass sie bis heute überdauerten, zeigt die Funktion dieser Namen als Aushängeschild, mit dem Unternehmer ihre eigene Bedeutung markierten. Die Tulaer Waffenfabrik integrierte die Gratulationen sogar in die offiziellen Feierlichkeiten, indem öffentliche Lesungen der Telegramme stattfanden.51 Dies wertete die Bedeutung der Festgemeinschaft auf und erweiterte sie um die Namen der Absender.

Für die Absender waren die Gratulationsschreiben ebenfalls eine Möglichkeit der Selbstdarstellung. In der Festschrift der Krenholmer Textilmanufaktur sind die eingegangenen Glückwunschschreiben sowie eine Fotografie der Geschenke im Anhang abgedruckt.52 Hier erfuhren die Leser der Festschrift die Namen der wichtigsten Geschäftspartner.

Obwohl Nikolaus II. an keinem der untersuchten Firmenjubiläen persönlich anwesend war, war die Zarenfamilie bei den Feierlichkeiten symbolisch präsent: durch Glückwunschtelegramme,53 durch die Hymne des Zarenreichs Bože Carja chranii, welche die Arbeiter auf Geheiß der Firmenleitung anstimmten, oder in Trinksprüchen.54 Die Ižorsker Betriebe nahmen die Glückwunschschreiben der Romanovs zum Anlass, sich an die Presse zu wenden und neben den Berichten über die Feierlichkeiten weitere Meldungen über das Unternehmen zu platzieren. Die Firmenleitung sorgte dafür, dass der Text des Zarentelegramms unter anderem in der Tageszeitung Kronštadtskij Vestnik (Kronstadter Bote) veröffentlicht wurde.55 Drei Tage später erschien hier auch die Antwort der Betriebsleitung an den Monarchen.56

In anderen Fällen war den Fabrikanten das Ereignis eines Jubiläums an sich bereits Anlass genug, um die Presse zu kontaktieren. Am 29. April 1912 berichtete die Novoe Vremja (Neue Zeit) über das Jubiläum der Waffenfabrik in Tula.57 Die Maschinenfabrik aus Kolomna schrieb 1917 an die Zeitungen Russkoe Slovo (Russisches Wort), Russkie Vedomosti (Russischer Anzeiger), Reč (Rede), Novoe Vremja (Neue Zeit) und Večernee Vremja (Abendliche Zeit) mit der Bitte, eine Meldung über das Produktjubiläum abzudrucken, die Fertigstellung der 5.000. Lokomotive.58 Russische Industrielle bedienten sich damit ähnlicher Kommunikationsstrategien wie Unternehmen in Deutschland:59 Das Jubiläum der Firma Krupp im Jahr 1912 schaffte es sogar in die russische illustrierte Zeitschrift Niva (Das Feld).60

Bis zum Ersten Weltkrieg waren russische Firmenjubiläen keine öffentlichen Veranstaltungen. Die Gäste mussten ihre Einladung oder spezielle Passierscheine vorzeigen, um Zugang zum Firmengelände zu erhalten.61 Umso attraktiver war für Fabrikbesitzer die Möglichkeit, mithilfe der Presse eine breite Öffentlichkeit über den Ablauf der Feierlichkeiten zu unterrichten. So konnten sie einen von ihnen ausgewählten und kontrollierten Ausschnitt ihres Unternehmens präsentieren.

Den Auftakt der Festlichkeiten bildete meist ein Gottesdienst.62 Beim Jubiläum der Waffenfabrik in Tula hielten der Tulaer Erzbischof und der Bischof aus Kaširskoe den Gottesdienst.63 Mit dieser hochkarätigen Besetzung demonstrierte die Betriebsleitung einerseits die Bedeutung ihres Unternehmens. Andererseits spiegelt die Präsenz der Geistlichen bei einem weltlichen Jubiläum den Anspruch der orthodoxen Kirche, als Staats- und Amtskirche in allen Lebensbereichen eine tragende Rolle zu spielen.64 An den Gottesdienst schloss sich häufig eine Prozession zum Festort an.65 Eine mögliche Erklärung für den wichtigen Stellenwert, den die Religion bei den Firmenjubiläen innehatte, könnte Mark Steinbergs Beobachtung sein, dass um die Jahrhundertwende die Religion im Zarenreich eine Renaissance erlebte.66 Wahrscheinlicher erscheint jedoch, dass der entscheidende Grund für die Bedeutung der Religion ihre Omnipräsenz bei staatlichen Jubiläen war; auch historische, militärische und monarchische Jubiläen begannen im Zarenreich stets mit einem Gottesdienst.67 Unternehmer und die Mitglieder der Festkommissionen ließen sich bei der Planung ihrer Firmenjubiläen durch Zeremonielle offizieller Jahrestage sowie herrschaftlicher Feierlichkeiten inspirieren. Eric Hobsbawm beschreibt diese Orientierung an der gesellschaftlich übergeordneten Schicht als charakteristisches Merkmal bei der Ausbildung neuer Traditionen im 19. Jahrhundert.68

Das Begehen weltlicher Jubiläen entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem gesamteuropäischen Phänomen. Im Gegensatz zu Westeuropa ging im Zarenreich die Initiative für solche Feierlichkeiten selten von Privatpersonen aus: Das Herrscherhaus der Romanovs, Staatsbedienstete oder Vertreter des Militärs stießen die überwiegende Zahl der hier öffentlich begangenen Jubiläen an.69 Indem diese Festlichkeiten Standards setzten, waren sie auch prägend für die privat initiierten Feierlichkeiten der Industriellen. Diese übernahmen Festelemente sowie implizite Botschaften, die Vertreter der staatlichen Organe mit ihren Jubiläen verbanden. Vor dem Hintergrund zunehmender terroristischer und revolutionärer Aktivitäten, der militärischen Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg (1904–1905) und der Reaktionen auf die gewaltsame Niederschlagung der Streiks auf den Goldfeldern entlang des Flusses Lena 191270 war das staatliche Interesse darauf ausgerichtet, die Einheit zwischen Zar und Bevölkerung durch Inszenierungen zu festigen. Zu diesem Zweck bediente sich Nikolaus II. der orthodoxen Kirche. Sie sollte der Bevölkerung vermittelten, dass der Weg in eine bessere Zukunft auf dem Glauben an Gott und den Staat beruhe.71 Die Vertreter des autokratischen Staates hofften so, Veränderungen oder Reformen zu umgehen.72 In den stark patriarchalisch organisierten Fabriken nahm der Firmenleiter symbolisch den Platz des Zaren als fürsorglicher Vater ein und suchte, auf diese Weise die Arbeiter hinter sich zu scharen.

Die Industriellen zeichneten das Bild einer Gemeinschaft, indem sie in den Festschriften Hinweise auf Arbeitskämpfe oder Streiks in ihren Fabriken weitgehend ausblendeten.73 Darüber hinaus wählten sie für das Jubiläumszeremoniell Festelemente mit gemeinschaftsbildender Wirkung, innerhalb derer sie aber soziale Hierarchien aufrechterhielten. Beispielsweise stellten die Unternehmer im Anschluss an den Gottesdienst oft Essen und Trinken bereit.74 Mahlzeiten waren auch in Deutschland ein wichtiger Bestandteil von Jubiläen,75 allerdings saßen im Russischen Reich Firmenleitung und höhere Angestellte großer Industriebetriebe selten gemeinsam mit Arbeitern an einem Tisch.76 Die einfachen Arbeiter, Meister, leitenden Beamten und die Firmenleitung speisten räumlich voneinander getrennt jeweils unterschiedlich teure Menüs.77 Ziel der Festessen war es folglich, innerhalb der einzelnen Gruppen ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, die Feiernden aber über Distinktionsmerkmale wie variierende Menüs gegeneinander abzugrenzen.78

Im untersuchten Quellenkorpus stammt der erste Hinweis auf ein Jubiläumsessen vom 11. März 1898. Er zeigt, wie sich die ausgewählten Festgäste über das exklusive Menü als Teil der Westeuropa zugewandten Elite des Zarenreichs stilisierten. Die Leitung der Tovariščestvo rossijsko-amerikanskoj rezinovoj manufaktury Treugol’nik (Gesellschaft der Russisch-Amerikanischen Gummimanufaktur Treugol’nik/Dreieck) genoss unter anderem: Suppe Imperial, Seezunge nach Art der Normandie, Schinken aus York mit Malaga-Sauce, getrüffeltes Huhn, Entenküken nach Art Rouen flankiert mit Wild, Kopfsalat mit frischen Gurken, Spargel mit Sauce Hollandaise sowie zum Dessert Eis nach Pariser Art und Früchte.79 Viele dieser Rezepte sind Klassiker der französischen Küche; die exklusiven Zutaten, sowie die Zahl der Gänge unterstreichen den hohen Stellenwert, den das Festessen einnahm.80 Es ist bemerkenswert, dass die von Ausländern (zumeist Deutschen) dominierte Geschäftsleitung nicht auf lokale oder deutsche Speisen zurückgriff, sondern sich an der französischen Küche orientierte, die sich gerade unter russischen Adeligen großer Beliebtheit erfreute.81 Hier liegt die Interpretation nahe, dass dieses Menü der Selbstvergewisserung dient: Die Mitglieder der Firmenleitung markierten ihre Zugehörigkeit zur Elite des Zarenreichs.

Jubiläen waren im 19. Jahrhundert auch Anlässe, um ein neues Bauwerk oder ein Denkmal einzuweihen; Tenfelde beschreibt dies als „Geschenk der Firma an sich selbst“.82 Daneben beschenkten russische Betriebe auch ihre Belegschaft. Sie folgten damit einer europaweit verbreiteten Tradition.83 Die Leitung der Waffenfabrik in Tula spendete beispielsweise eine große Summe für einen Fonds zur Pflege von Kranken und Invaliden.84 Neben diesen kollektiven Gaben erhielten auch einzelne Mitglieder der Belegschaft Geschenke. Zunächst stand am Tag der Feier die Produktion still, die Arbeiter erhielten aber dennoch ihren Lohn.85 Es wurde jedoch von ihnen erwartet, zu den Festlichkeiten zu erscheinen. Weitere Geschenke konnten Erinnerungsmedaillen, eine Festschrift oder kleine Fotoalben sein.86 Bei den Ižorsker Betrieben erhielten die Meister einen Becher, auf dem ein Bild des Fabrikkontors zu sehen war.87 Die Geschenke hatten zum einen die Funktion, dem Empfänger Anerkennung zu vermitteln und ihn für sich einzunehmen. Sie belohnten die bisherige Treue eines Arbeiters gegenüber der Fabrik.88 Zum anderen handelte es sich bei diesen Gaben um Objekte, welche die Erinnerung an das Ereignis wach halten sollten und die nach den Festlichkeiten zu Symbolen für das Jubiläum und die Firmengeschichte wurden. In diesem Sinne konnten sie auch als Erkennungsmerkmale für den engeren Kreis der konstruierten Erinnerungsgemeinschaft fungieren.

Industrielle versuchten sogar, den Zaren als Mitglied ihrer Erinnerungsgemeinschaft zu gewinnen, und nahmen Jubiläen zum Anlass, dem Monarchen Geschenke zu offerieren. Im Vorfeld des Produktjubiläums zur Fertigstellung der 5.000. Dampflokomotive entschied sich die Direktion der Maschinenfabrik in Kolomna, Nikolaus II. als Geschenk eine Fotografie der Lokomotive zu schicken.89 Der Fotograf Aleksandr L’vovič Pjatigorskij reiste eigens aus Petrograd90 nach Kolomna,91 und im Januar 1917 erhielt der Künstler K. N. Ovanov aus Kolomna den Auftrag, eine Aufnahme zu kolorieren.92 Die Firmenleitung betrieb einen relativ großen Aufwand und nahm hohe Kosten in Kauf, um Nikolaus II. ein dem Jubiläum angemessenes Geschenk zu machen. Vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs, in den Russland zu diesem Zeitpunkt bereits seit mehreren Jahren verwickelt war, einer schwierigen Versorgungslage und zunehmender politischer Spannungen zeigt dieser Vorgang, wie wichtig es dem Unternehmen war den Zaren in das Produktjubiläum einzubeziehen.

Vereinzelt machten auch Angestellte der Firmenleitung ein Geschenk, wie ein illustriertes „Dankesblatt Herrn Gustav Heyse. Dem verehrten Chef dargebracht von seinen Beamten“ im Archiv der Gummifabrik Treugol’nik zeigt.93 Dabei handelte es sich aber um Ausnahmen.94 Meist hatten die Arbeiter nur wenige Möglichkeiten, sich in die Vorbereitung und Durchführung der Festlichkeiten einzubringen. Vereinzelt verfassten Arbeiter Gedichte beziehungsweise lasen Gedichte vor, in denen sie ihre Firma feierten.95 Es waren jedoch in erster Linie die Festkomitees, welche die Jubiläen planten, und in diesen Gremien hatten die einfachen Arbeiter kein Mitspracherecht.96

Neben der eigenen Belegschaft bemühte sich die Fabrikleitung, bestehende und potentielle Geschäftspartner anlässlich eines Jahrestags anzusprechen. Sie erhielten Aufmerksamkeiten wie beispielsweise ein Exemplar der Festschrift oder Fotografien.97 Die Leitung der Waffenfabrik in Tula nutzte ihr Jubiläum 1912 auch als Reklameplattform: Im selben Jahr erschien eine 46 Seiten umfassende, teilweise illustrierte Preisliste der zum Verkauf stehenden Gewehre. Darüber hinaus wurde auch die ausführliche Festschrift des Unternehmens als Produkt in diesem Katalog aufgeführt. Sie konnte zum Preis von 2,50 Rubel erworben werden.98 Das Design der Preisliste gleicht dem anderer Jubiläumsveröffentlichungen des Betriebs.99 Hier wird deutlich, dass Festlichkeiten zu Jahrestagen unmittelbar wirtschaftlichen Zwecken dienten.

Die Vermittlung der Unternehmensgeschichte war ein zentrales Moment der Firmenjubiläen. Bei den Ižorsker Betrieben fand dies darin Ausdruck, dass während der Festlichkeiten Lesungen aus der zu diesem Anlass erstellten Betriebsgeschichte stattfanden.100 In anderen Fällen stellte die Firmenleitung gekürzte Sonderausgaben der Festschrift her.101 Hier ist das Anliegen der Festkomitees zu erkennen, die Vergangenheit und Entwicklung des Unternehmens auf eine Weise zu präsentieren, so dass auch den Teilen der Belegschaft mit geringerem Bildungsstand diese Geschichte zugänglich gemacht wurde. Indem die Organisatoren Lesungen als Programmpunkte in die Feste integrierten, stellten sie über den Akt des Vorlesens eine Beziehung zwischen der Firmengeschichte und den zuhörenden Arbeitern her. Das Wissen um die Entwicklung des Betriebs vereinte das Publikum zu einer imaginären Erinnerungsgemeinschaft. Sie war wichtig, denn innerhalb der Festschriften billigten die Autoren und Herausgeber den einfachen Arbeitern und Angestellten nur wenig Platz zu. Umso stärker achteten die Organisatoren darauf, ihnen im Zuge der Feierlichkeiten einen wichtigen Platz zuzugestehen. Kaum ein Jubiläum kam ohne Ehrungen von Einzelpersonen aus – auch damit folgten die russischen Unternehmer einem europäischen Phänomen.102 Firmennachlässe umfassen seitenlange Listen mit den Namen der zu Ehrenden.103 In der Maschinenfabrik in Kolomna plante die Firmenleitung noch im Mai 1917 die Ehrungen einzelner Mitarbeiter anlässlich des Produktjubiläums.104 Ähnlich wie bei den Geschenken war es ein Ziel der Ehrungen, das Verhältnis zwischen Belegschaft und Firmenleitung zu verbessern. Gerade im Zarenreich waren Loyalität und Vertrauen zwischen Fabrikanten und Arbeitern nicht unbedingt gegeben, und Arbeiter erhielten in manchen Betrieben wegen kleinster Vergehen eine Kündigung.105 Die Unternehmer waren aber auf qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen.106 Die Auszeichnungen würdigten darum besonders treue Arbeiter.107 Die Geehrten fungierten als Vorbilder und zeigten, welches Verhalten die Arbeitgeber sich von ihrer Belegschaft wünschten.108

6.3 Fotografisch fest(ge)halten

Am 28. April 1912 fand sich eine festlich gekleidete Menschenmenge zur Feier des 200. Jahrestags der Gründung der Waffenfabrik in Tula am Ufer des Flusses Upa ein. Die Mehrheit der Gäste blickte zu einer Bühne, auf der unter einem mit Stoffbahnen bespannten Sonnendach kirchliche Würdenträger und Ikonen zu sehen waren, und wandten darum dem Fotografen den Rücken zu. Den Platz vor der Bühne rahmten Fahnen und Wimpel und sorgten bei strahlendem Sonnenschein für eine festliche Atmosphäre. Kaum jemand schien sich darum zu kümmern, dass auf einem Podest zwei Männer mit einer großformatigen Kamera hantierten. Eine Fotografie (Abb. 36), die anlässlich des Jubiläums in Tula entstand, dokumentiert diese Szene.

Abb. 36
Abb. 36Vladimir Ivanovič Vakulenko (?): o. T., Tula 1912. TGMO KP–2–22111

Was auf den ersten Blick völlig normal erscheint, entpuppt sich beim zweiten Hinsehen als eine ungewöhnliche Aufnahme. Zunächst ist allein die Existenz des Bildes keine Selbstverständlichkeit. Dies mag überraschen, denn zu dem Zeitpunkt, als Firmenjubiläen ein fester Bestandteil der Festkultur in Fabriken geworden waren, hatte sich auch die Fotografie als visuelles Darstellungsmedium in der Industrie ihren festen Platz erobert. Nachdem die Bildsprache und Abbildungsstrategien der Industriefotografien bereits im Kapitel „Neue Bilder eines neuen Raums – Fabrikalben“. Gegenstand der Analyse waren, wird im Folgenden untersucht, in welcher Form Fotografien im Zusammenhang mit Jubiläen Verwendung fanden. Dabei wird in diesem Unterkapitel zunächst nicht näher auf die wichtige Rolle der Bilder in illustrierten Festschriften eingegangen.

Bei Jubiläumsfeiern konnten fotografische Aufnahmen Geschenke sein, entweder in Form von Einzelaufnahmen109 oder als Alben.110 Fotografien kamen weiter zu Dokumentationszwecken zum Einsatz. In der Festschrift der Krenholmer Textilmanufaktur findet sich im Anhang eine Aufnahme der Geschenke, die das Unternehmen zu seinem Jahrestag erhielt,111 ein ähnliches Bild gibt es aus der Waffenfabrik in Tula (Abb. 37).112 Diese Fotografien sollten beweisen, wie kostbar die erhaltenen Präsente waren – wie viel Bedeutung folglich die Gratulanten der Fabrik zubilligten.

Abb. 37
Abb. 37Vladimir Ivanovič Vakulenko (?): Anschreiben und Geschenke, dargebracht der Tulaer Waffenfabrik zu Ehren der Feierlichkeiten des 200. Jubiläums (Adresa i podarki, prepodnesennye Tul’skomu oružejnomu zavodu v čest’ prazdnovanija 200 letnego jubileja), Tula 1912. GATO f. 3097, op. 3, d. 31

Bis auf die Ausnahme der Waffenfabrik in Tula scheinen Fotografien während der Firmenfestlichkeiten selbst jedoch keine besondere Rolle gespielt zu haben. Dies erstaunt angesichts des großen Aufwands, den die Unternehmen betrieben, um ihre Jubiläen angemessen zu begehen. Es wäre aus heutiger Sicht zu erwarten gewesen, dass den Zeitgenossen daran gelegen war, den Festtag fotografisch festzuhalten. Gerade wenn wichtige Persönlichkeiten die Fabrik besuchten, hätte mit einer fotografischen Dokumentation gerechnet werden können.113 In der Forschungsliteratur findet sich immer wieder der Hinweis, dass Fotografien bedeutende Einschnitte im Leben eines Menschen festhielten.114 Auf Firmenjubiläen übertragen würde dies bedeuten, dass die Unternehmer Jubiläen nicht als wichtige und prägende Ereignisse wahrnahmen, was wenig überzeugend scheint. Eine Erklärung für diese Beobachtung könnte darin liegen, dass die hier untersuchten russischen Firmen alle keinen festangestellten Firmenfotografen besaßen, so dass eine fotografische Dokumentation auch eine Kostenfrage war.115 Denkbar ist auch, dass die Neuartigkeit des Mediums ein Grund für die geringe Verwendung bei Jubiläumsfestlichkeiten war. Fotografien fanden Anfang des 20. Jahrhunderts zwar in Unternehmen zu Dokumentationszwecken Verwendung, doch noch war völlig unklar, wie die Bilder altern würden, ob sie auch hundert Jahre später noch erhalten wären. Den Unternehmern war daran gelegen, auch in Zukunft an die Feierlichkeiten und das Jubiläum zu erinnern.116 Um dies sicherzustellen, gaben die Firmenleitungen Festschriften, Jubiläumsbecher oder Plaketten in Auftrag. Diese Medien waren aus anderen Kontexten bekannt, und die Fabrikanten schrieben ihnen augenscheinlich die Fähigkeit zu, lange Zeit zu überdauern. Fotografien waren zwar für Reklamezwecke beliebt, der Blick auf eine überlieferte chaotische Archivierungspraktik verstärkt jedoch den Eindruck, dass die Industriellen den Bildern noch keine derart große Bedeutung beimaßen wie spätere Generationen.117

Die bereits erwähnte Fotografie (Abb. 36) vom Jubiläum der Waffenfabrik in Tula stellt folglich eine Ausnahme dar. Es ist einer firmenexternen Initiative zu verdanken, dass diese und weitere Aufnahmen entstanden: Am 16. Februar 1912, gute zwei Monate vor dem Jubiläum, wandte sich Vladimir Ivanovič Vakulenko (1868 bis vermutlich 1925) an den Leiter der Waffenfabrik. Vakulenko gehörte zu den bekanntesten Fotografen in Tula. Sein Vater Ivan Pavlovič Vakulenko (1841–unbekannt)118 hatte 1892 ein Fotoatelier im Zentrum Tulas eröffnet und besaß ein zweites Atelier in Penza.119 1898 überschrieb der Vater beide Studios seinem Sohn.120 Vladimir Ivanovič Vakulenko gilt heute als einer der ersten Dokumentarfotografen Tulas.121 Sein Ansehen lässt sich auch daran bemessen, dass er 1914, als Nikolaus II. Tula besuchte, den Auftrag für die fotografische Dokumentation des Zarenbesuchs erhielt.122 Vakulenko bat 1912 die Leitung der Waffenfabrik, ihm das Exklusivrecht einzuräumen, die im Rahmen des Jubiläums geplante Enthüllung der Statue Peter I. filmisch festzuhalten.123 Mit dem gleichen Anliegen hatte sich bereits das Unternehmen Pate-žurnal eženedel’nik sinematiografičeskij chronik (Paté-Journal – wöchentliche kinematographische Chronik) aus Moskau an die Firmenleitung gewandt.124

Vakulenko, der gewöhnlich Fotografien und keine Filmaufnahmen machte, bemühte sich hier um eine Filmgenehmigung. Vermutlich hoffte er darauf, dass die bewegten Bilder, die 1912 noch moderner als Fotografien erscheinen mussten, das Interesse des Unternehmens wecken könnten.125 Der Antragsteller musste jedoch mehrere Wochen auf eine Antwort warten, dem Festkomitee zufolge stand nur sehr wenig Platz in der Nähe der zu enthüllenden Statue für Filmaufnahmen zur Verfügung.126 Vermutlich aufgrund der Unsicherheit, ob er die Filmrechte erhalten würde, schlug Vakulenko nur einen Monat später der Firmenleitung vor, Portraits von den Mitgliedern des Festkomitees, Gruppenaufnahmen der Arbeiter, Innen- und Außenansichten der Fabrik sowie Stereoskopien anzufertigen.127 Letztlich waren beide Anfragen erfolgreich. Der Fotograf erhielt sowohl das Recht, Filmaufnahmen zu machen, als auch den Auftrag, Gruppenportraits anzufertigen und während der Jubiläumsfeier zu fotografieren.128 Die Zustimmung für Innenaufnahmen verweigerte die Unternehmensleitung jedoch explizit.129

Dies schlägt nochmals den Bogen zur eingangs beschriebenen Fotografie (Abb. 36). Links im Vordergrund ist ein Podest zu sehen, auf dem eine Person mit Schirm hinter einer sehr großen Kamera steht. Es kann davon ausgegangen werden, dass Vakulenko seine Kollegen ablichtete, denn dem Fotografen war es nicht möglich gewesen, selbst sowohl die Filmaufnahmen als auch die Fotografien zu machen. Er vermittelte den Auftrag für die Filmaufnahmen an die französische Aktiengesellschaft Gomon’ aus Moskau.130 Vakulenko hielt hier mit seiner Fotokamera den Aufnahmeprozesses der neuen bewegten Bilder fest und erzeugte dadurch ein selbstreflexives Moment.131 Warum die Unternehmensleitung auf Vakulenkos Vorschlag zur Anfertigung von Filmaufnahmen einging, ist nicht eindeutig nachvollziehbar. In den Vertragsunterlagen spezifizierte die Firma Gomon’, dass der von ihr gedrehte Film ausschließlich für den Gebrauch der Administration der Waffenfabrik bestimmt sei und nicht für die Vorführung in Lichtspieltheatern.132 Es ist davon auszugehen, dass letztlich die Exklusivität des Mediums den Ausschlag gab. Auch wenn die Filmsequenz nicht öffentlich gezeigt werden durfte, demonstrierte die Anwesenheit und Tätigkeit eines Kameramanns gegenüber dem Publikum und den Vertretern der Presse die Fortschrittlichkeit der Fabrikleitung.133 Filmaufnahmen waren gewissermaßen die Steigerung der Fotografie – erst 1895 hatte in Paris die erste öffentliche Filmvorführung stattgefunden.134

Warum kam Vakulenko auf die Idee, sich an die Waffenfabrik zu wenden und seine Dienste anzubieten? Elena Galkina argumentiert, dass Vakulenko einer der ersten Dokumentarfotografen in Tula gewesen sei und dass er sich nur aus regionaler Verbundenheit und weil er die Bedeutung des Jubiläums erkannte, um eine Genehmigung zur Herstellung von Fotografien bemüht hätte.135 Dies ist denkbar und dafür könnte sprechen, dass der Fotograf der Betriebsleitung anbot, den Aufwand und die Zeit für die Aufnahme der Bilder nicht in Rechnung zu stellen.136 Neben seinem dokumentarischen Interesse sah Vakulenko in der Veranstaltung wohl auch die Möglichkeit, einen lukrativen Auftrag für sich zu akquirieren.137 In einem weiteren Brief teilte er dem Festkomitee den Preis für die Abzüge mit138 – der Auftrag brachte ihm 120 Rubel ein.139

Im Rahmen der Feierlichkeiten in Tula entstanden zwei unterschiedliche Fotoserien. Die eine zeigt unterschiedliche Ansichten der Feierlichkeiten. Sie geben dem Betrachter das Gefühl, er befinde sich unmittelbar unter den Festgästen. Während er bei Abbildung 36 noch etwas abseits steht, blickt er auf Abbildung 38 von einer erhöhten Position inmitten der Menschenmenge auf das Geschehen.

Abb. 38
Abb. 38Vladimir Ivanovič Vakulenko (?): 200 Jahre Tulaer Waffenfabrik. Platz vor dem Gebäude der Betriebsleitung, auf dem das Denkmal des Gründers der Fabrik errichtet worden ist (200 letie Tul’skago oružejnago zavoda. Ploščad pered zdaniem zavodоupravlenija, na kotoroj sooružen pamjatnik osnovatelju zavoda), in: Iskry, 13.05.12, S. 2

Abbildung 38 erschien zwei Wochen nach den Feierlichkeiten in der russischen Illustrierten Iskry (Die Funken).140 Die fotografische Abbildung unterstreicht das visuelle Narrativ der Belegschaft der Fabrik als einer Gemeinschaft, indem sie Männer unterschiedlicher sozialer Schichten (was sich an deren Kleidung und Kopfbedeckung erkennen lässt) und aller Altersgruppen abbildet. Sie stehen nebeneinander, ohne dass eine hierarchische Ordnung zu erkennen wäre. Auffallend sind die Kinder im Zentrum des Bildes. Sie weisen über den Moment der Enthüllung des Denkmals hinaus und präsentieren neben der aktuellen auch die zukünftige Belegschaft. Der Vorgang zeigt, dass Fotografien im Rahmen von Jubiläen für die illustrierte Presse durchaus von Interesse waren. Vakulenko nutzte den Verkauf von Fotografien an Illustrierte als weitere lukrative Einnahmequelle – ein weiterer Grund, weswegen sich seine Initiativbewerbung auszahlte.141

Die zweite Serie sind die bereits erwähnten Gruppenfotos,142 bei denen der Fotograf mit seinen Inszenierungen ebenfalls auf die visuelle Konstruktion einer Gemeinschaft abzielte. Die Aufnahmen der in gestaffelten Reihen arrangierten Personen (Abb. 39) stehen in der Tradition von Familienportraits.

Susan Sontag sieht die Hauptfunktion der Fotografie in diesem Kontext in der Konstruktion einer Familienchronik und eines Gefühls der Zusammengehörigkeit, obwohl der Kreis der modernen Familie in Folge von Industrialisierung und ihrer gesellschaftlichen Veränderungen klein und oft weit verstreut ist. Die Fotografie verbreitete sich zu einem Zeitpunkt, als die Großfamilie an Bedeutung verlor und sich zur Kernfamilie wandelte. Somit kompensiere die Fotografie den Verlust der alten Familienform, indem Alben alle verstreuten Mitglieder der Familie vereinten.143 Im Kontext von Fabrikfotografien übernehmen Gruppenaufnahmen von Belegschaften eine ähnliche Funktion. Im vorliegenden Beispiel aus Tula war die Betriebsgemeinschaft zwar nicht verstreut, aber so groß, dass es spezieller Anstrengungen bedurfte, um ein Gemeinschaftsgefühl entstehen zu lassen. Die Gruppenfotografien erfüllten diese Funktion, indem sie auf den Aufnahmen einzelne Abteilungen vereinten, die wiederum in ihrer Gesamtheit das Unternehmen abbildeten.

Im Vergleich zu den Fotografien der Jubiläumsfeierlichkeiten zeigen die Gruppenportraits die Belegschaft klar hierarchisch geordnet. Dies gilt sowohl für die Inszenierung der Aufnahmen als auch für die unterschiedlichen Orte, an denen Vakulenko seine Bilder anfertigte. Die Aufnahmen der höheren Angestellten fotografierte er in seinem Studio in der Hauptstraße Tulas (Kievskaja ulica). Offenbar waren die Kulissen des Ateliers jedoch nicht auf eine solch große Anzahl von Menschen ausgelegt (Abb. 39). Hinter der 28-köpfigen Gruppe ist zu erkennen, dass der tapezierte Hintergrund zu schmal war und Vakulenko rechts und links im Anschluss an die Kulisse den Hintergrund mit Tüchern abgehängt hatte.144 Auf einer anderen Fotografie versuchte der Lichtbildner die ungenügende Ausstattung durch ein Sammelsurium von Tüchern sowie gemalten und tapezierten Elementen im Hintergrund zu kaschieren, ihn verrät jedoch die Kante eines eindeutig zu kurzen Teppichs.145 Vakulenko bemühte sich trotz dieser Unzulänglichkeiten, die Illusion eines Raums zu erzeugen, der für höhere Gesellschaftsschichten angemessen erschien. Dazu tragen die beiden Tischchen bei, typische Accessoires, die sich oft in zeitgenössischen Portraitfotografien finden.146 Auf den Tischchen platzierte der Fotograf jeweils eine Kunstzeitschrift (Abb. 39a und 39b) als Symbol einer als kultiviert geltenden Gesellschaftsschicht, zu der die Abgebildeten gezählt werden sollten.147 Auch das Bärenfell rechts im Bild (Abb. 39c) nimmt auf visueller Ebene Bezug auf die ‚jagende‘ aristokratische Elite. Gleichzeitig verweist das national aufgeladene Symbol des Bären auf den russischen Staat als Eigentümer der Waffenfabrik.

Abb. 39
Abb. 39Vladimir Ivanovič Vakulenko: Vertreter der Administration und Angestellte des TOZ, aufgenommen in Erinnerung an das 200jährige Bestehen des Betriebes, 1712–1912 (Predstaviteli administracii i služaščich TOZ, snjatye v pamjat’ 200-letnego suščestvovanija zavoda, 1712–1912 gg.), Tula 1912. GATO f. 3097, op. 3, d. 32

Vakulenko grenzte die einfachen Arbeiter von den Angestellten in höheren Positionen ab, indem er ihre Gruppenportraits an einem anderen Ort aufnahm. Statt in einem Atelier mit bürgerlich anmutendem Interieur platzierte er die Arbeiter im Freien vor einem Fabrikgebäude. Dabei arrangierte er die Gruppenaufnahmen der Arbeiter getrennt nach einzelnen Werkstätten und ließ sie hintereinander gestaffelt auf einem Podest aus Böcken und Brettern posieren (Abb. 40).148 Auch hier scheint der Fotograf Wert auf eine Inszenierung zu legen: Links neben den Arbeitern stehen Bretter und rechts lose aufgeschichtete Ziegelsteine (Abb. 40a).149 Diese szenischen Gestaltungselemente variierte der Lichtbildner je nach Gruppe. Vakulenko achtete entsprechend seinem Auftrag darauf, die Personen so aufzunehmen, dass jedes Gesicht sichtbar war. Außerdem spiegelt auch innerhalb der Fotografien die Inszenierung klare Hierarchien wider: Die jüngsten Arbeiter sitzen häufig auf dem Boden im Vordergrund. Hinter ihnen ist zentral in der ersten Reihe der auf Stühlen oder Bänken sitzenden Männern eine Person in Uniform zu sehen, flankiert von Personen in etwas besserer Kleidung – eventuell Meister oder Vorarbeiter.150 Die Inszenierungsform der Gruppenaufnahmen gleicht derjenigen, die zeitgleich in westeuropäischen Ländern wie Frankreich oder Deutschland üblich war.151 Hier wird erneut deutlich, dass sich um die Jahrhundertwende bereits feste, in ganz Europa verbreitete, visuelle Konventionen ausgebildet hatten. Auch Lichtbildner abseits der imperialen und internationalen Zentren partizipierten an der Etablierung dieser Sehgewohnheiten.

Abb. 40
Abb. 40Vladimir Ivanovič Vakulenko: Arbeiter und Angestellte der Zyanhärtung der ersten Tulaer Waffenfabrik (Rabočaščie i služaščie zakaločno-sinil’noj I-ych Tul’skich OZ), Tula 1912. GATO f. 3097, op. 3, d. 93

6.4 Die eigene Geschichte illustrieren

Während die Fotografie als Medium in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg erst langsam Bestandteil russischer Jubiläumsfeste in Firmen wurde, hatten die neuen Bilder zu dieser Zeit in Festschriften bereits ihren festen Platz. Festschriften waren zentral für jedes Fabrikjubiläum und entwickelten sich parallel zur Tradition der Jubiläumsfeierlichkeiten.152 Ein Vorgänger der hier analysierten und mit Fotografien illustrierten Festschriften war die Veröffentlichung des matallverarbeitenden Betriebs in Brjansk (Brjanskij rel’soprokatnyj železodetal’nyj i mechnaičeskij zavod)153 aus dem Jahr 1885. Diese Publikation besteht überwiegend aus Stichen der unterschiedlichen Fabrikgebäude.154 Neue Entwicklungen in der Drucktechnik, speziell des Halbtonverfahrens, ermöglichten es um die Wende zum 20. Jahrhundert, Jubiläumspublikationen zu drucken, die mit Autotypien statt mit Stichen illustriert waren.155 Obwohl die neue Technik den Druck der Bilder erheblich vergünstigte, war die Publikation einer bebilderten Veröffentlichung ein kostspieliges Unterfangen.156 Deswegen leisteten sich überwiegend Großbetriebe entsprechende Publikationen.

Die von den Herausgebern anvisierte Leserschaft umfasste die eigene Belegschaft, bekannte oder potentielle Geschäftspartner157 sowie alle, die sich für das Unternehmen interessierten. Eine der hier untersuchten Festschriften wurde von der Betriebsleitung als Dank für erhaltene Glückwunschschreiben verschickt.158 Die Auflagen konnten mehrere Tausend Exemplare umfassen.159 Die Qualität des Papiers, auf das die Publikationen gedruckt waren, variierte je nach Adressatenkreis.160 Teilweise versandten die Unternehmen ihre Festschriften auch noch mehrere Jahre nach den eigentlichen Feierlichkeiten.161 Verglichen mit Fotoalben waren die Publikationen aufgrund der höheren Auflage preiswerter. Außerdem hatten sie deutlich mehr Text als gewöhnliche Alben und vermittelten somit mehr Informationen, ohne dass ein begleitender mündlicher Kommentar nötig gewesen wäre.

Die Darstellung der jeweiligen Firmengeschichte war das zentrale Ziel einer Festschrift und macht sie damit zum Forschungsgegenstand der Public History par excellence. Die Unternehmer verfolgten mit einer solchen Publikation vielfältige Ziele. Die Veröffentlichungen stellten die gemeinsame Basis dar, auf die sich die zu konstruierende Erinnerungsgemeinschaft stützte. Am Anfang aller acht untersuchten Publikationen sowie des Jubiläumsalbums steht ein mehr oder weniger ausführlicher historischer Überblick. Dokumente der Gummifabrik Treugol’nik geben einen Einblick in die aufwendigen und langwierigen Korrekturverfahren.162 Dieser Arbeitsaufwand ist ein Indiz für die identifikationsstiftenden Kräfte, die die Unternehmer der Firmengeschichte zuschrieben.163 In einer sich immer schneller verändernden Gesellschaft, in der es viele Neugründungen von Fabriken gab, aber auch zahlreiche Betriebe Konkurs anmelden mussten, stand eine lange Geschichte für erfolgreiches Wirtschaften sowie vorausschauende Planung und vermittelte dadurch den Geschäftspartnern das Gefühl, es mit einem vertrauenswürdigen Partner zu tun zu haben.164 Auch für die eigene Belegschaft waren Festschriften mehr als reine Geschichtsbücher. In der Waffenfabrik in Tula begründeten die Mitglieder des Festkomitees den Wunsch nach einer bebilderte Festschrift mit dem Argument, es handle sich dabei um eine Geste der Dankbarkeit gegenüber allen, die bislang im Betrieb gearbeitet hätten.165 Sie übertrugen das Element der Ehrung einzelner Mitarbeiter auf bereits verstorbene Persönlichkeiten und stilisierten diese damit zu Helden und Vorbildern für die zu konstruierende Erinnerungsgemeinschaft.

Die in den Festschriften abgedruckten Fotografien umfassen die ganze Bandbreite möglicher Motive der Industriefotografie.166 Sie zeigen Portraits und Gruppenaufnahmen, Produktfotografien sowie Architekturansichten, Innen- und Außenaufnahmen. In ihrer Bildsprache und dem Bildaufbau unterscheiden sich die Aufnahmen häufig nicht von den Bildern in gedruckten Alben.167 Aus diesem Grund beschränkt sich die hier folgende Analyse auf Aspekte, die spezifisch für Firmenfestschriften sind. Neben Festschriften gab es vereinzelt Jubiläumsalben wie das der Gummifabrik Treugol’nik.168 Allerdings waren in diesem Fall die abgedruckten Fotografien bis auf wenige Ausnahmen identisch mit denen, die eine Werbebroschüre einige Jahre zuvor schmückten.169 In diesem Fall war der größte Teil des Bildprogramms nicht eigentlich auf das Jubiläum abgestimmt, weswegen dieses Jubiläumsalbum nicht als eigenes Genre untersucht wird.170

6.5 Das Unternehmen spricht für sich

Während es auf der Textebene problemlos möglich war, die Geschichte eines Unternehmens zu konstruieren, waren die Autoren mit erheblichen Problemen konfrontiert, wenn es darum ging, ein unterstützendes, bildliches Narrativ zu generieren. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ermöglichte die fotografische Technik zwar, verhältnismäßig preiswerte (verglichen mit Gemälden) Bilder der eigenen Firma herzustellen, aber der Mangel an Illustrationen aus der Frühzeit der eigenen Geschichte ließ sich dadurch nicht beseitigen. Bilder belebten jedoch nicht nur die häufig textlastigen Veröffentlichungen, sondern ermöglichten auch dem leseunkundigen Teil des Publikums, an der Firmengeschichte teilzuhaben. Die Herausgeber griffen auf unterschiedliche Strategien zurück, um das Alter und die Geschichte einer Firma ins Bild zu rücken.

Ein Mittel, die eigene Genese zu illustrieren, waren Gemäldereproduktionen, die die Firmenleitungen in den Veröffentlichungen abdrucken ließen.171 Diese zeigen frühe Firmenansichten oder den Standort des Unternehmens vor dessen Gründung. Gegenübergestellt wurden Darstellungen, die den Zustand zum Zeitpunkt des Jubiläums präsentieren.172 Pläne und Grundrisse des Firmengeländes mit Markierungen, wann welche Gebäude entstanden waren, bilden eine weitere Möglichkeit, in grafischer Form die eigene Entwicklung zu illustrieren.173

Gebäude aus der Frühzeit der Unternehmensgeschichte konnten als Zeugen der langjährigen Existenz einer Fabrik fungieren. So zeigte die Textilmanufaktur in Krenholm eine Fotografie mit der Bildunterschrift „alte Fabrik“. Sie entstand vermutlich relativ zeitnah zu den Feierlichkeiten und der Veröffentlichung der Festschrift im Jahr 1907. Die alten Bauwerke sollten Zeugnis von der erfolgreichen Unternehmensgeschichte ablegen. Statt Fabrikgebäuden konnte auch das Geburtshaus des Firmengründers oder das Haus, in dem bei der Gründung die Leitung der Fabrik untergebracht war, eine ähnliche Symbolfunktion übernehmen.174

Insgesamt war es eher selten, dass Festschriften Fotografien enthielten, die vor der Jahrhundertwende entstanden waren. Eine Ausnahme bilden zwei Ansichten der Maschinenfabrik Nobel’ aus St. Petersburg (Abb. 41).175 Die erste dieser Fotografien zeigt einen Blick auf das Haus und die Fabrik Nobel’ im Jahr 1870.176 Die Bildunterschrift informiert über das Alter der Fotografie und stellt einen direkten Bezug zum Firmengründer her. Die Aufnahme zeigt aus einer leichten Untersicht drei Gebäude. Mittig das Wohnhaus der Familie Nobel, dessen zentrale Position die Struktur der Festschrift spiegelt in deren Zentrum die Gründungspersönlichkeit Ludwig Nobels (1831–1888) steht. Rechts schließt sich vermutlich ein Ökonomiegebäude an, links die Fabrik mit den obligatorischen Schornsteinen und der charakteristischen unverputzten Ziegelfassade.177 Ein strukturloser Himmel178 und ein verschneiter Abhang rahmen die Bauwerke ein. Die Gebäude sind durch gemauerte Toreinfahrten verbunden, so dass sich eine geschlossene Fassadenfront ergibt. Dies war die klassische Bauweise der Häuser russischer Kaufleute.179 Das Unternehmen schrieb sich damit dezidiert in eine russische Unternehmenstradition ein, was vergessen machen sollte, dass die Familie Nobel erst Mitte des 19. Jahrhunderts aus Schweden ins Zarenreich eingewandert war.180 Statt die nordeuropäische Herkunft der Unternehmerfamilie zu betonen, präsentiert diese Fotografie dem Publikum einen vertrauten Anblick. Außerdem lässt die Aufnahme das Fabrikgebäude kleiner als die Unternehmervilla erscheinen, was dazu beitrug, eventuelle Bedenken gegenüber den neuen Produktionsmethoden zu zerstreuen.

Abb. 41
Abb. 41o. A.: Ansicht des Hauses und des Betriebs I. Nobel’ im Jahr 1870 vor dem Neubau des Ufers der Nevka (Vid doma i zavoda L. Nobel’ v 1870 g. do postrojki naberežnoj reki Nevki), in: o. A.: Mechanischer Betrieb Ljudvig Nobel’. 1862–1912 (Mechaničeskij zavod Ljudvig Nobel’. 1862–1912), Sankt-Peterburg 1912, S. 24a

Eine Besonderheit stellt in dieser Fotografie der Schatten des Fotografen mit seiner Kamera im Vordergrund dar. Solche selbstreferentiellen Momente waren eine Seltenheit. Die Herausgeber hätten dieses Detail durch die Wahl eines anderen Bildausschnitts mühelos tilgen können. Vermutlich verzichteten sie auf eine Retusche, um zu beweisen, dass es sich bei dem Bild tatsächlich um eine Fotografie handelte. In den 1870er Jahren begannen Unternehmer wie Nobel erst langsam, Fotografien anfertigen zu lassen, um damit ihre Affinität zu neuen Techniken zu unterstreichen.181

Teilweise griffen Festschriften auch Motive und Ansichten einer Fabrik auf, die sich innerhalb eines Unternehmens zu einem Wiedererkennungsmerkmal, einer Ikone, entwickelt hatten.182 Ein solches Beispiel präsentiert die Veröffentlichung der Tulaer Waffenfabrik. Die gedruckte Fotografie zeigt die Fassaden mehrerer Fabrikgebäude entlang des Flusses Upa (Abb. 42).183 Das Original stammte aus einer Serie von Aufnahmen, die der Tulaer Fotograf Semën Osipovič Kanter184 in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts für die Waffenfabrik angefertigt hatte (Abb. 43).185 Die Fotografie Kanters ist wiederum bis auf minimale Änderungen in der Perspektive und einer größeren Anzahl an Schornsteinen fast identisch mit einer fotografischen Ansicht der Waffenfabrik, die der Moskauer Fotograf Ivan Grigor’evič D’jagovčenko 1873 aufgenommen hat (Abb. 44).186 Dessen großformatige Fotografien hatte in den 1870er Jahren die Fabrikleitung als Geschenk für Zar Alexander II. in Auftrag gegeben. Das Unternehmen behielt ein Exemplar der Abzüge zur eigenen Verwendung in Tula. Heute befindet sich die Mappe mit den Aufnahmen in der RGB, die Ansicht der Fabrikfassade entlang des Flussufers fehlt jedoch. Dies deutet darauf hin, dass dieser Abzug anderweitig Verwendung fand, möglicherweise erhielt Kanter die Fotografie als Vorbild für seinen Auftrag.187 Der Verweis auf diese Fotografie ist offensichtlich, denn Aufnahmen der Fabrik von anderen Lichtbildnern aus den 1910er Jahren zeigen ganz andere Perspektiven. Die geografische Lage des Unternehmens ließ folglich auch andere Ansichten zu, die zum Teil in Form von Postkarten im Umlauf waren. Unter den 16 Postkarten der Sammlung Tagrin, die die Waffenfabrik zeigen und die alle auf Grundlage von Fotografien aus der Periode zwischen der Jahrhundertwende und dem Beginn des Ersten Weltkriegs entstanden, findet sich keine einzige, welche die identische Ansicht wiedergibt. Die meisten Aufnahmen zeigen weniger Bauwerke und setzen das Hauptgebäude des Unternehmens stärker ins Bildzentrum.188 Sowohl die Aktualisierung der Aufnahme durch Kanter als auch ihr Druck in den beiden Festschriften deutet darauf hin, dass diese Fotografie beziehungsweise Ansicht eine Ikone der Waffenfabrik war. Die aktualisierte Aufnahme zierte auch weitere Druckerzeugnisse im Zusammenhang mit dem Jubiläum. Beispielsweise war sie auf der Rückseite des Festprogramms, auf einem Warenkatalog und auf einer Ahnentafel mit Portraits der wichtigsten Persönlichkeiten der Firma zu sehen. Vorteil solcher Ikonen war es, dass alle Mitglieder der Jubiläumsgemeinschaft die Darstellung wie ein Markenzeichen wiedererkannten und mit dem Unternehmen assoziierten.189

Abb. 42
Abb. 42Semën Osipovič Kanter: Gesamtansicht des Betriebs in der Gegenwart (Obščij vid zavoda v nastojaščee vremja), in: Zybin: Kurze Geschichte der Tulaer Waffenfabrik Zar Peter der Große, 1712–1912 (Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, 1712–1912), Moskva 1912, S. 44, sowie: Ders.: Gesamtansicht des Betriebs (Obščij vid zavoda), in: Zybin: Geschichte der Tulaer Waffenfabrik Zar Peter der Große, 1712–1912 (Istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, 1712–1912), Moskva 1912, S. 357
Abb. 43
Abb. 43Semën Osipovič Kanter: Tulaer Waffenfabrik. Außenansicht des Betriebs (Tul’skij oružejnyj zavod. Naružnyj vid zavoda), Tula um 1900. TGMO KP–2–21679
Abb. 44
Abb. 44Ivan Grigor’evič D’jagovčenko: Ansicht von der Seite des Flusses Upa (Vid so storony r. Upy), in: o. A.: Tulaer Waffenfabrik. Gegründet 1712 umgebaut 1873 (Tul’skii oružejnyj zavod. Osnovan 1712 perestroen 1873), Moskva 1873. RGB Inv MK XII – 4224 Izo 15880–64

6.6 Personifizierte Unternehmensgeschichte

Wollten die Autoren der Festschriften die langjährige Firmenentwicklung ohne Fotografien von Gebäuden illustrieren, ‚personalisierten‘ sie die Unternehmensgeschichte, das heißt, sie erzählten sie anhand wichtiger Persönlichkeiten. General-Major Sergej Aleksandrovič Zybin (1862–1942), Autor der beiden Festschriften der Tulaer Waffenfabrik, wandte diese Strategie ausführlich an. Zybin war Mitglied des Festkomitees.190 Er empfahl sich als Autor der Festschrift, weil er bereits 1898 eine Veröffentlichung über drei Waffenfabriken in Tula, Sestrorec und Iževsk mitherausgegeben hatte.191 Zybin stellte in seinen Texten eine direkte Verbindung zwischen der Unternehmensgeschichte und dem russischen Herrscherhaus her.192 Er beschrieb die Besuche der Monarchen in der Fabrik und zitierte aus ihren an die Arbeiter oder das Unternehmen gerichteten Schreiben oder Reden. Die Portraits der Zarinnen und Zaren ergänzte Zybin durch Fotografien von Gegenständen, die auf die Herrscher verwiesen. So zeigt die Festschrift vis à vis zum Portrait Katharinas der Großen die Fotografie eines Hammers und einer flachen, stählernen Schale. Dem Text zufolge, in den beide Illustrationen eingebettet sind, habe die Monarchin 1782 bei ihrem Besuch den Hammer in die Hand genommen und dreimal auf die Schale geschlagen. Die Berührung durch die Zarin und die Überlieferung der entsprechenden Geschichte transformierten Schale und Hammer in eine monarchische Reliquie. Ähnliche Funktionen übernehmen die Fotografien einer aufwendig gearbeiteten Kelle – ein Geschenk Alexanders I. – und eines goldenen Pokals193 – ein Geschenk Nikolaus I. Vergleichbar den Architekturfotografien hatten die fotografierten Gegenstände eine Symbolfunktion und verwiesen auf besondere Ereignisse in der Unternehmensgeschichte.194 Die Firmenleitung unterstrich die Bedeutung ihrer Fabrik, wollte das Publikum beeindrucken und bot ihm als Identifikationspersonen die Zaren an, die Zybin hier bereits als Teil der Erinnerungsgemeinschaft präsentiert.

Der Bezug zum Zaren findet sich in anderen Festschriften selten. Zwar erzählen auch hier die abgedruckten Fotografien Geschichten großer Männer, allerdings rückten die Autoren statt der Zaren die Gründerpersönlichkeiten in den Mittelpunkt. Fast keine Festschrift kam ohne eine Abbildung ihres Firmengründers aus.195 Wenn von diesem kein fotografisches Portrait überliefert war, traten Fotografien einer entsprechenden Büste oder Statue an dessen Stelle.196

Im untersuchten Quellenkorpus fällt auf, dass die abgebildeten Persönlichkeiten mehrheitlich am Betrachter vorbei blicken. Dies ist bei 33 der insgesamt 40 fotografischen Aufnahmen der Fall, die sich in den sieben Festschriften finden. Das Portrait Nikolaus II. gehört zu den sieben Aufnahmen, auf denen der Abgebildete frontal in die Kamera blickt.197 Von diesen sieben positionierten nur zwei ihren Oberkörper parallel zum Betrachter wie der Zar, die Schultern der anderen Herren sind leicht vom Betrachter weggedreht. Es ist denkbar, dass diese frontale Darstellung als visuelles Privileg des Zaren galt.198

Möglicherweise basiert diese Bildsprache auch auf visuellen Traditionen, deren Wurzeln in der vorfotografischen Zeit lagen, speziell auf den Abbildungspraktiken der Lubki, der russischen Bilderbögen.199 Zeichner dieser populären Bildergeschichte sahen sich mit der Schwierigkeit konfrontiert, den Zaren und die einfache Bevölkerung in einem Bild darzustellen. Dabei sollten sie die symbolische Distanz zwischen dem Herrscher und seinen Untertanen wahren.200 Sie schufen Darstellungen, die den Zaren in einem Bild im Bild oder erhöht und übermenschlich groß zeigten.201 Mit diesen Strategien vermittelten die Grafiken die Unantastbarkeit und Sakralität des Herrschers.202

Allen untersuchten Festschriften ist gemein, dass ihre bildlichen Erzählungen der Belegschaft keine aktive Rolle zuschrieben, als hätten die Arbeiter keinen Anteil an der Geschichte und dem Erfolg des Unternehmens. Die Festschrift der Krenholmer Textilmanufaktur zeigt im Anhang Gruppenbilder von Arbeitern. Im Unterschied zu den Portraits der Firmengründer fehlen hier jedoch die Namen der einzelnen Personen. Betrachter, welche den Betrieb nicht kannten, konnten die Individuen somit nicht identifizieren. Obwohl in der Festtradition der Jubiläen Mitarbeiterehrungen für langjährige Zusammenarbeit ein fester Bestandteil waren,203 konstruierten die Autoren ein visuelles Narrativ, das den Verdienst um die Entwicklung der Fabrik allein den leitenden Akteuren zuschrieb.204 Die Konstruktion dieser Erzählungen orientiert sich an den historischen Darstellungen des 19. Jahrhunderts, bei denen ebenfalls große Persönlichkeiten im Mittelpunkt des Geschehens stehen.

6.7 Wirtschaftlichen Erfolg präsentieren

Auf den Blick zurück in die Geschichte des Unternehmens folgt in allen Festschriften die Präsentation der aktuellen Situation, der eigenen Bedeutung und des unternehmerischen Erfolgs. Texte und Tabellen geben dem Leser detaillierte Informationen über Produktionszahlen, die Größe der Belegschaft und die Organisationsstruktur des Betriebs. Fotografien komplettieren diese statistischen Informationen. Dabei führt die Bilderzählung den Betrachter häufig von außen an das Fabrikgelände und seine Gebäude heran, um dann das Innere der Fabrik zu erkunden. Diese visuelle Erzählstruktur war auch in Westeuropa weit verbreitet. Sie entspricht dem klassischen Aufbau russischer Firmenalben.205 Allerdings fehlen in Festschriften oft die auf Briefköpfen und Plakaten beliebten Überblicksdarstellungen oder Panoramen,206 die das Fabrikgelände aus der Vogelperspektive zeigen und in Alben häufig den Auftakt eines virtuellen Rundgangs bilden.207 Stattdessen eröffnen Aufnahmen des Kontors einer Fabrik die Festschriften.208 An Stelle einer Gesamtansicht wird das Gebäude gezeigt, das die Schaltzentrale bildet, der Ort, an dem alle Fäden der Organisation zusammenlaufen. Die Festschrift der Gesellschaft Brokar i Ko zeigt dem Leser zunächst die Hauptfassade der Fabrik, danach die Eingangshalle des Kontors. Sie gewährt dem Betrachter daraufhin einen Blick in das holzvertäfelte Büro des Direktors und in das Kabinett eines weiteren Mitarbeiters,209 bevor die ersten Fotografien aus der Produktion zu sehen sind.

Vergleichbar mit den Innenaufnahmen aus Betrieben in Alben waren die Fotografien in Festschriften entweder einzelnen Abteilungen zugeordnet, über welche die Texte berichteten,210 oder sie zeichneten textunabhängig den Herstellungsprozess eines Produkts nach.211 Die Lichtbildner inszenierten die Industrie und die Fabriken als geordnete Räume, wie schon in Bezug auf die Fotoalben beschrieben.212 Beispielsweise erinnern die Aufnahmen aus dem Direktionsbüro des Unternehmens Brokar i Ko (Abb. 45) eher an ein großbürgerliches Arbeitszimmer als an eine Fabrik. Sie geben keine Hinweise auf die Gefahren, denen die Belegschaft während der Produktion ausgesetzt war. Das Herzstück des Betriebs erscheint als Hort der Kultiviertheit, mochte die Produktion in den Fabrikhallen auch noch so menschenfeindlich und von Maschinen dominiert sein.

Abb. 45
Abb. 45o. A.: Das Kabinett der Direktion (Kabinet direkcii), in: o. A.: 1864 Goldenes Jubiläum der Parfumfabrik der Gesellschaft Brokar und Co in Moskau (1864 Zolotoj jubilej parfjumernago proizvodstva Tovariščestva Brokar i Ko v Moskve), Moskva 1914, S. 26

Im Vergleich zu Alben unterscheidet sich die Bildsprache der Innenaufnahmen in den Festschriften kaum. Die Fabrikfotografien anlässlich von Jubiläen zeigen jedoch noch seltener Menschen. Es dominieren Aufnahmen menschenleerer Fabrikhallen und Produktionsanlagen. Besonders technikaffin präsentierten sich Unternehmen, in deren Produktionsablauf große Maschinen eine zentrale Rolle spielten, wie die Textil- und metallverarbeitende Industrie. In ihren Festschriften gaben die Bildunterschriften teilweise detaillierte technische Informationen vom Baujahr bis hin zur Leistungsfähigkeit der abgebildeten Maschinen.213 Diese Unternehmen zeigten ihre Prosperität anhand des möglichst großen und fortschrittlichen Maschinenparks: Je neuer und stärker eine Maschine, desto besser die Produkte der Firma.

Die Selbstpräsentation in der Luxusgüter- und Nahrungsmittelindustrie folgt anderen Regeln, weil in diesen Branchen die Mechanisierung des Herstellungsprozesses weniger fortgeschritten war.214 Fehlten die Maschinen, konnten nur arbeitende Menschen die Darstellungen der Produktionsschritte gewährleisten.215 Darum sind auf diesen Fotografien vergleichsweise viele Menschen präsent (Abb. 46).

Abb. 46
Abb. 46o. A.: Saal der Abteilung für Düfte und Kölnischwasser (Otdeločnyj zal dlja duchov i odekolona), in: o. A.: 1864 Goldenes Jubiläum der Parfumfabrik der Gesellschaft Brokar und Co in Moskau (1864 Zolotoj jubilej parfjumernago proizvodstva Tovariščestva Brokar i Ko v Moskve), Moskva 1914, S. 26

Weiter hing die große Anzahl der Fotografierten mit der Visualisierung erfolgreichen Wirtschaftens zusammen. Waren es bei Maschinen deren Größe und Pferdestärke, symbolisierte in diesem Fall die Zahl der Mitarbeiter den Erfolg eines Betriebs: Je größer die Belegschaft eines Unternehmens, desto produktiver die Firma.216

Festschriften dienten nicht nur dem Nachweis wirtschaftlichen Erfolgs. Zu dieser Form der Selbstdarstellung gehörte es im Zarenreich ebenso wie in Westeuropa, das eigene Engagement für die Arbeiter darzustellen.217 Wie in Firmenalben zeigt sich dies besonders in Fotografien der firmeneigenen Wohlfahrtseinrichtungen.218 Für viele Unternehmer war es eine Selbstverständlichkeit, sich sowohl für Sozialleistungen für die eigenen Arbeiter einzusetzen, als auch als Mäzene aufzutreten und dadurch der Gesellschaft etwas von ihrem Erfolg zurückzugeben.219 Möglicherweise hatte wohltätiges Engagement in Osteuropa einen besonderen Stellenwert, weil die Industriellen sich mit einem stark negativ konnotierten Image konfrontiert sahen.220 Adelige, die um ihre gesellschaftliche Stellung fürchteten, sowie Intellektuelle verbreiteten das Bild egoistischer, reicher, nur auf ihren Vorteil bedachter Kaufleute und Unternehmer.221 Angesichts dieser Vorurteile legten viele Industrielle im Zarenreich besonderen Wert darauf, ihren wirtschaftlichen Erfolg moralisch zu rechtfertigen, indem sie betonten, welche Verantwortung sie gegenüber ihren Arbeitern und der Gesellschaft übernähmen.222 Soziale Fürsorge stellte einen wichtigen Teil des symbolischen Kapitals dar, dessen die Unternehmer bedurften, um sich in der Gesellschaft Ansehen zu sichern.223 Nichtsdestotrotz stand im Regelfall der ökonomische Erfolg an erster Stelle.224

Zum gängigen Bildprogramm der Festschriften gehörten, ähnlich wie in Firmenalben, Fotografien von Lehreinrichtungen, Krankenhäusern225 und Betriebsläden sowie von Arbeiterwohnungen, Wäschereien oder Bäckereien.226 Die Texte vermittelten dem Leser den Eindruck, die Fabrik nehme am ganzen Leben der Arbeiter von der Wiege bis zur Bahre Anteil. Dies fällt besonders in der Festschrift der Textilmanufaktur aus Krenholm auf, deren Autor sogar über den betriebseigenen Friedhof berichtet. Eine Aufnahme des Friedhofs fehlt jedoch. Stattdessen präsentiert die Festschrift eine Abbildung des fabrikeigenen Geburtshauses, dem Ort des Lebensanfangs. Diese auf Wohltätigkeiten basierende Inszenierung bot sowohl der eigenen Belegschaft Identifikationspunkte als auch einer Leserschaft aus der russischen Mittel- und Oberschicht sowie internationalen Partnern.

Ein weiteres Thema, das ebenfalls auf ein breites Publikum abzielte, war die Religion. Immer wieder zeigen russische Firmenfestschriften Fotografien oder Skizzen von Kirchen, entweder von der lokalen Kirche oder dem betriebseigenen Gotteshaus.227 In diesem Punkt wie auch bei der Rolle, die Religion während der Jubiläumsfeierlichkeiten spielte, unterscheiden sich die russischen Beispiele deutlich von Firmenjubiläen in Deutschland. In keiner der Untersuchungen zu Jubiläen im deutschen Kontext beobachten die Autoren eine wichtige Rolle der Religion. Tenfelde betont mit Blick auf das Krupp-Jubiläum 1912 sogar, dass es sich um eine ausschließlich „säkulare Feier“ gehandelt habe.228 Auch in Frankreich waren Verweise auf Religion oder Fotografien von Kirchen im industriellen Kontext unüblich.229 Im Zarenreich waren Abbildungen von Kirchen bereits vor der Jahrhundertwende Teil des Bildprogramms von Festschriften: Die Publikation zum zehnjährigen Bestehen des metallverarbeitenden Betriebs in Brjansk aus dem Jahr 1885 beinhaltet bereits einen Stich der betriebseigenen Kirche.230

Die Präsenz der orthodoxen Kirche bei Jubiläumsfeiern und in Festschriften erklärt sich unter anderem durch die große Bedeutung, die die Religion im Alltag der russischen Arbeiter einnahm. Anders als in vielen westeuropäischen Staaten war Ende des 19. Jahrhunderts im Zarenreich kein Verlust der Frömmigkeit zu beobachten.231 Auch im Fabrikalltag war die Religion mittels verschiedener Praktiken fest verankert. Kanačikov beschreibt beispielsweise, dass manche Arbeitgeber einmal im Jahr einen Gottesdienst in einer Werkstatt ihrer Fabrik feiern ließen.232 Gleichermaßen pflegten auch die Arbeiter Praktiken, an denen sich ihre Religiosität ablesen lässt: Sie sammelten selbstständig Geld, um Öl für die vor den Ikonen in den Werkstätten brennenden Lampen zu kaufen.233 Es ist davon auszugehen, dass Ikonen je nach Industriezweig unterschiedlich präsent waren. In metallverarbeitenden Betrieben, wo überwiegend gut ausgebildete Männer arbeiteten, waren sie wohl weniger üblich als in der Textilbrache, wo mehr Frauen, Kinder sowie ungelernte Arbeiter tätig waren.234 Aus der Präsenz der Ikonen ergibt sich eine interessante Spannung, denn nach dem orthodoxen Glauben verwandelt eine Ikone das Haus, in dem sie hängt, in eine Kirche en miniature. Fabriken waren jedoch Ausdruck einer Entwicklung, die die Vertreter der orthodoxen Kirche dezidiert ablehnten.235 Trotz dieser Ablehnung gegenüber der Industrie schienen die Kirchenvertreter bezüglich der konkreten Glaubensausübung vor Ort keine Bedenken zu haben. Ebenso waren sie bereit, Gottesdienste auf dem Firmengelände abzuhalten.

Der Bau eigener Gotteshäuser für die Belegschaft fand sicher ebenfalls die Zustimmung der orthodoxen Kirche.236 Die Festschrift der Putilov Werke zeigt eine Abbildung der auf Initiative der Arbeiter und Angestellten im Bau befindlichen „steinerne Kirche“ (Abb. 47). Da die Kirche zum Zeitpunkt des Jubiläums noch nicht fertiggestellt war, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine grafische Abbildung, nicht um eine Fotografie.237 Dem Text der Festschrift zufolge willigten alle Arbeiter ein, einen bestimmten Prozentsatz ihres monatlichen Lohns als Spende für den Kirchenbau zur Verfügung zu stellen. Während der Autor die Freiwilligkeit betont,238 wirft der Zeitgenosse Timofeev die Frage auf, inwieweit die Arbeiter wirklich eine Wahl hatten, diesen Vorschlag abzulehnen, ohne Gefahr zu laufen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren.239 Die Firmenleitung der Putilov Werke nutzte die Spendenbereitschaft ihrer Belegschaft, um den engen Zusammenhalt der fabrikinternen Gemeinschaft vor einem externen Publikum zu demonstrieren.240 Abbildung 47 unterstreicht dies.241 Sie erinnert an eine klassische Architekturfotografie: Der Blickwinkel des Betrachters liegt auf Augenhöhe, so dass das komplette Gebäude zu sehen ist.242 Die vielen Menschen vor dem Gebäude entsprechen allerdings nicht der klassischen Bildsprache einer Architekturaufnahme.243 Aufgrund ihrer Kostenbeteiligung waren in diesem Falle die Menschen jedoch wichtig. Diese Darstellung kann somit als Wertschätzung der Firmenleitung gelesen werden – aufgrund ihres finanziellen Engagements hatten sich die Arbeiter einen Platz auf der Abbildung verdient.

Abb. 47
Abb. 47o. A.: Die sich im Bau befindende steinerne Kirche (Strojuščajasja kamennaja cerkov’), in: o. A.: Zum hundertsten Jubiläum der Putilovwerke 1801–1901 (K stoletiju Putilovskago zavoda 1801–1901 gg.), Sankt-Peterburg 1902, S. 113

Im Vergleich zu den modernen Ziegel- und Stahlkonstruktionen der anderen Fabrikgebäude der Putilov Werke (Abb. 7) fällt der neo-russischen Stil der Kirche auf,244 der sich an der Architektur der Basilius Kathedrale auf dem Roten Platz in Moskau orientiert.245 Indem die Firmenleitung sich für den neo-russischen Stil entschied, verwies sie auf die alte russische Hauptstadt, die als Seele Russlands galt.246 Gleichzeitig beschwor dieser Stil, der sich auf das 17. Jahrhundert berief, den Mythos der Einigkeit von Zar und Volk.247 Möglicherweise bediente sich die Fabrikleitung der kommunikativen Qualität der Architektur, um als privates Unternehmen eine besondere Nähe zur orthodoxen Kirche zu demonstrieren. Indem sie durch die Kombination von Kirchenbau und russischem Stil auf die staatstragende Funktion verwiesen, die die Kirche für das Zarenreich in der Trias „Orthodoxie, Autokratie, narodnost’ (Nationalität)“ einnahm,248 konnten die Verantwortlichen des Unternehmens ihre eigene Staatstreue betonen.249 Unabhängig von diesem Fallbeispiel konnten Industrielle mit Fotografien von Kirchengebäuden in ihren Festschriften eine Verbindung zu einer Tradition und zu Praktiken herstellen, die weit über den Rahmen der jeweiligen Firmengeschichte hinausgingen. Sie ermöglichten es ihnen, russische Tradition, Religion und Fortschritt zu verknüpfen.

6.8 Verschiedene Leser, verschiedene Geschichten

Einzelne Unternehmen gaben mehrere Versionen ihrer Festschrift heraus, die sich jedoch nur geringfügig unterschieden.250 Die Waffenfabrik in Tula ging diesbezüglich einen Schritt weiter. Sie gab zwei grundlegend verschiedene Publikationen in Auftrag – eine offizielle Jubiläumsschrift und eine für ihre Arbeiter. Die beiden Veröffentlichungen werden im Folgenden verglichen, und anhand der Analyse wird herausgearbeitet, mit welchen Strategien der Autor beziehungsweise seine Auftraggeber sich an die verschiedenen Adressaten wandten und welche Anknüpfungspunkte sie ihnen boten.

Die bei Zybin in Auftrag gegebene Festschrift Istoria Tul’skago Imperatora Petra Verlikago oružejnago zavoda, 1712–1912 (Geschichte des Tulaer Zar Peter des Großen Waffenfabrik, 1712–1912) umfasst 357 Seiten. Ihre Illustrationen sind vornehmlich Stiche und Zeichnungen.251 Dagegen ist die Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, 1712–1912 (Kurze Geschichte des Tulaer Zar Peter des Großen Waffenfabrik, 1712–1912) vom selben Autor nur 54 Seiten lang und zeigt viele gedruckte Fotografien.252 Die kurze Firmengeschichte, die in einer Auflage von 4.000 Stück erschien, war als Geschenk für die firmeneigenen Arbeiter konzipiert.253

Beim Vergleich der beiden Publikationen sticht zunächst die Seitenzahl ins Auge: Während es sich im ersten Fall um ein richtiges Buch handelt, ist die kurze Festschrift eher ein Heft. Die Titelseiten der Festschriften gleichen sich in Design und Aufteilung. Erst auf den zweiten Blick fallen unterschiedliche Zitate auf: Die „Arbeiterfestschrift“ ziert ein Zitat, in dem Alexander I. die Erfolge der Waffenfabrik lobt. Er betonte 1801 anlässlich seines Besuchs in der Fabrik seine Freude angesichts der kontinuierlich zunehmenden Perfektion der Tulaer Meister. Diese mache sie zu landesweit führenden Spezialisten der Waffentechnik.254 Die ausführlichere Festschrift schmückte ein Zitat Katharinas II. Die Zarin benennt zahlreiche Kriege, in denen die Waffentechnik des Betriebs zu Erfolgen der russischen Armee beigetragen hätte. Weder bezüglich der Anzahl der Meister und Arbeiter noch bezüglich deren Kunstfertigkeit gebe es etwas zu beanstanden.255 Beide Zitate stellen einen direkten Bezug zur Fabrik, deren Produktion und Mitarbeitern her. Bei Alexander I. ist der Fokus stark auf die Belegschaft gerichtet. Zentral war die Anerkennung des Zaren für die Menschen, für welche die Publikation bestimmt war. Katharina II. lobt die Tulaer Waffentechnik vor einem imperialen Hintergrund. Sie betont, welch wichtige Rolle die Fabrik in der bisherigen Geschichte für das Schicksal ganz Russlands gespielt habe. Potentielle Adressaten der Festschrift waren hier sowohl Beamte und Würdenträger in der russischen Verwaltung als auch Geschäftspartner.

Beide Festschriften zeigen zunächst eine Portraitfotografie des 1912 amtierenden Zaren Nikolaus II. Anschließend setzt der Autor die Narrative fort, welche die Zitate der Titelseite bereits einleiteten. Die kürzere Version präsentiert im Anschluss an das Zarenportrait das Glückwunschschreiben von Nikolaus II. anlässlich des Jubiläums. Es erreichte Tula am 15. Februar 1912 und damit am eigentlichen Jahrestag der Unternehmensgründung.256 In seinem Schreiben erinnert Nikolaus II. zunächst an die Gründung der Waffenfabrik durch Peter I. und geht darauf ein, wie sich innerhalb von 200 Jahren das Schmiedehandwerk in Tula zu einer erfolgreichen Waffenproduktion entwickelte. Der Monarch hebt dabei besonders die Leistungen im Vaterländischen Krieg gegen Napoleon hervor.257 Er beendet das Schreiben mit Dankbarkeitsbekundungen und dem Wunsch, dass der Betrieb weiterhin seinen Verpflichtungen gegenüber der russischen Armee nachkommen werde.

Nikolaus II. wandte sich nicht dezidiert an die Belegschaft. Indem Zybin das Schreiben jedoch an den Anfang der Publikation stellte, vermittelte er den Eindruck, als richte es sich explizit an die Arbeiter. Auf diese Weise implizierte er eine Nähe zwischen Zar und Arbeitern, die es so nicht gegeben hat und die gerade unter Nikolaus II. äußerst ungewöhnlich gewesen wäre.258 Es ist anzunehmen, dass Zybin vor dem Hintergrund der Revolution von 1905 und angesichts der zunehmenden Zahl an Streiks im Russischen Reich259 besonders darum bemüht war, die Beziehung zwischen dem Monarchen und den Arbeitern als eine möglichst enge zu präsentieren. Als Mitglied der Betriebsleitung war er mit Auswirkungen interner Spannungen vertraut und wusste, welche Bedrohung sie für geregelte Produktionsabläufe darstellten.

An Stelle des Glückwunschschreibens steht in der ausführlichen Festschrift eine Fotografie der Statue Peters I., die anlässlich des Jubiläums enthüllt worden war (vgl. Abb. 38). Die Aufnahme zeigt das Standbild des Monarchen als Schmied mit einem Hammer in der Hand hinter einem Amboss. Die Bildunterschrift zitiert den eingemeißelten Schriftzug im Sockel des Denkmals: „Errichtet von den Angestellten, Meistern und Arbeitern des I.T.O.Z.“260

Die Enthüllung der Statue war das zentrale Ereignis der Jubiläumsfeierlichkeiten.261 Einerseits feierte die Unternehmensleitung ihren Gründer Peter I., andererseits mussten sich die Arbeiter mit ihrem Lohn an den Kosten beteiligen.262 Inwiefern die Beteiligten die Entscheidung freiwillig trafen, weil sie sich der historischen Bedeutung dieses Ereignisses für das Unternehmen bewusst waren, wie es das Protokoll der Glavnoe Artillerijskoe Upravlenie (Administration der Artillerie-Abteilung) vermerkte, lässt sich nicht nachvollziehen.263 In jedem Fall bot die Statue aufgrund dieser Mischfinanzierung, ähnlich wie im Beispiel des Kirchenbaus, der Betriebsleitung die Möglichkeit, die Gemeinschaft innerhalb der Belegschaft zu betonen. Das Ereignis fand Eingang in die illustrierte Presse: Die Moskauer Zeitschrift Iskry druckte am 13. Mai 1912 auf ihrer Titelseite eine Fotografie der neuen Statue (Abb. 38). Die Bildunterschrift informiert den Leser, dass am 28. April das Denkmal des Firmengründers enthüllt worden sei und dass die finanziellen Mittel sowohl von den Arbeitern und Meistern als auch von der Betriebsleitung bereitgestellt worden seien.264

Nach der Fotografie der Statue zeigt die große Festschrift die Reproduktion eines Portraits Peters I., das laut Bildunterschrift im Saal des Unternehmens hing (Abb. 48).265 Während das Standbild den Monarchen als Schmied präsentierte und damit als Handwerker sowie als ‚Patron‘ der Waffenfabrik, zeigt ihn das Gemälde in Uniform. Mit seiner rechten Hand stützt sich der Zar auf eine Kanone – ein eindeutiger Bezug auf die Waffenfabrik.266

Abb. 48
Abb. 48G. I. Red’kina: Portrait Peters I. in einem Saal des Betriebs (Portret Petra I. v zale zavoda), in: Zybin: Geschichte der Tulaer Waffenfabrik Zar Peter der Große, 1712–1912 (Istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, 1712–1912), Tula 1912, S. III

Sowohl die Einleitung der großen als auch die der kürzeren Festschrift schließen mit einem weiteren Portrait des Firmengründers.267 Unterschrieben ist es mit: „Großer Reformer Russlands, Imperator Peter I.“ Mit der Person des Monarchen ließen sich unterschiedliche Botschaften vermitteln: Peter I. stand für die traditionell enge Beziehung der Waffenfabrik zum Hause der Romanovs (eine Botschaft, die sowohl auf die Arbeiter als auch auf eine aristokratische Leserschaft abzielte). Darüber hinaus galt der Monarch als wichtiger Reformer und als Initiator für die Öffnung des Zarenreichs gegenüber dem Westen. Damit war er für Industrielle und Kaufleute ein Symbol für Innovation und Fortschritt – eine Bedeutung, die sich mit der Person Nikolaus II. nur schwer verbinden ließ.268 Peter der Große galt außerdem als Gründer erster russischer Fabriken und als Verantwortlicher für die Einführung fortschrittlicher Produktionsmethoden im Russischen Reich.269 Dies ermöglichte der Firmenleitung, sich über seine Person auf die eigene Geschichte und auf die Ursprünge der russischen Industrie im Allgemeinen zu berufen.

Im Hauptteil unterscheiden sich beide Festschriften deutlich voneinander. Auf den 357 Seiten der ausführlichen Festschrift gab Zybin zunächst einen Überblick über die Entwicklung der Waffentechnik und der Geschichte des Unternehmens, gefolgt von einem Überblick über die technische Ausstattung und die inneren Organisationsstrukturen. Die Kurzversion lässt eine solch klare Gliederung vermissen. Hier mischte der Autor die unterschiedlichen Themen zu einer chronologischen Erzählung. Allein die Schilderung der Situation der Arbeiter am Ende der Publikation entspricht dem ausführlichen Vorbild.

Der Anteil an Fotografien in der Festschrift der Arbeiter übersteigt den der offiziellen Publikation.270 Offenbar gingen Autor und Unternehmensleitung davon aus, dass eine höhere Anzahl an fotografischen Aufnahmen die Festschrift für die Arbeiter attraktiver machen würde. Die visuellen Darstellungen sollten die Arbeiter animieren, die Festschrift zumindest anzusehen, und sprachen auch diejenigen Arbeiter an, die nicht lesen konnten. Dabei scheint Zybin keinen besonderen Wert darauf gelegt zu haben, dass Text- und Bildnarrativ übereinstimmten. Ganz anders in der ausführlichen Festschrift, in der mehrheitlich Zeichnungen271 die Entwicklung der Waffentechnik illustrieren. Für die neueste Errungenschaft, das Maschinengewehr, wählte Zybin jedoch das Medium der Fotografie.272 So beschloss der Autor sowohl das Textnarrativ als auch die visuelle Erzählung mit der Beschreibung der fortschrittlichsten Waffentechnik beziehungsweise mit ihrer Präsentation durch das modernste Bildmedium. Die anschließende Fotografie des Museumsraums fasst visuell nochmals den Inhalt des Kapitels zusammen: Die Ausstellungsstücke repräsentieren die Entwicklung der Waffentechnik von den Anfängen bis 1912.

In der kurzen Festschrift stehen beide Bilder hingegen relativ unvermittelt innerhalb einer Textpassage, die Tula Ende des 16. Jahrhunderts beschreibt. Diese Dissonanz zwischen Text und Bild zieht sich insbesondere durch die erste Hälfte der Arbeiterfestschrift. In den Passagen, in denen Zybin auf das Verhältnis der Fabrik zum Hause der Romanovs eingeht, sind Text und Bilder sehr wohl aufeinander abgestimmt. Während die Illustrationen im Fall des Besuchs Katharinas II. identisch sind,273 unterscheiden sich die textlichen Schilderungen und der Sprachstil. In der Publikation für die Belegschaft verwendete Zybin sehr viel kürzere und einfachere Sätze.274 Der Autor bemühte sich, die Präsentation der Inhalte an sein Publikum anzupassen und die Festschrift gerade dadurch möglichst attraktiv zu gestalten. Dies zeigt, welch große Bedeutung die Fabrikleitung der Festschrift zuschrieb.

Die offizielle Publikation umfasst nur drei Fotografien, die Fabrikgebäude oder sonstige Einrichtungen des Unternehmens zeigen: eine Abbildung des Museums, der Kirche des Betriebs sowie die erwähnte Gesamtansicht.275 Die schriftlichen Schilderungen der Produktion und der Arbeiterwohlfahrt scheinen ausgereicht zu haben, um das Unternehmen als produktiv und modern zu präsentieren. Das visuelle Narrativ verzichtet darauf – möglicherweise aus Rücksicht auf Industrialisierungskritiker – die industrielle Produktion und damit das Charakteristikum einer Fabrik abzubilden. Im Gegensatz dazu ließ Zybin für die Arbeiter sowohl eine Aufnahme vom Betriebsgelände als auch eine Innenansicht der Gewehrlaufwerkstatt abdrucken.276 Für die Belegschaft waren die Fabrikhallen der Ort, an dem sie einen Großteil ihres Arbeitstags verbrachten. Welches Motiv wäre zur Identifikation mit dem Unternehmen besser geeignet gewesen?

Der zweite Teil der kurzen Veröffentlichung, steht ganz im Zeichen der Arbeiterwohlfahrt, die laut Zybin einen „roter Faden durch die gesamte Geschichte des Betriebs“277 darstellt. Der Autor platzierte dort sieben Fotografien von Wohlfahrtseinrichtungen. Für diese Bilder vergab die Firmenleitung eigens Aufträge an Fotografen.278 Vier Bilder zeigen Innenaufnahmen aus der Handwerksschule und aus der anlässlich des Jubiläums gegründeten Grundschule für Arbeiterkinder.279 Obwohl die neue Schule erst 1911 ihre Türen öffnete, gibt es von ihr bereits eine Fotografie (Abb. 49) in der Arbeiterfestschrift.

Abb. 49
Abb. 49o. A.: Schulklasse zur Zeit der sonntäglichen Zeichenklasse (Klass školy vo vremja voskresnych zanjatij risovaniem), in: Zybin: Kurze Geschichte der Tulaer Waffenfabrik Zar Peter der Große, 1712–1912 (Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, 1712–1912), Tula 1912, S. 49

Im Gegensatz zu Aufnahmen in fabrikeigenen Fotoalben oder anderen Festschriften präsentiert die Fotografie ein Klassenzimmer mit leeren Schulbänken.280 Der Lehrer steht vor der Tafel neben einigen Staffeleien mit Bildern. Die Bildunterschrift klärt den Leser darüber auf, dass er das Klassenzimmer zum Zeitpunkt der sonntäglichen Kunststunde sieht. Diese künstlerische Sonntagsschule sei eigens für die Arbeiter eingerichtet worden, und die Resultate seien beeindruckend. Diese Fotografie dürfte die Arbeiter auf mehreren Ebenen angesprochen haben. Zum einen präsentiert sie die neue Fabrikschule und damit die Möglichkeit, den eigenen Kindern eine höhere Bildung zukommen zu lassen, wodurch diese eventuell bessere Berufsaussichten erhielten.281 Gleichzeitig zeigt sie einen Raum, der auch für die aktuelle Belegschaft offen war und ihr die Möglichkeit bot, sich künstlerisch zu verwirklichen. Auch die Fotografien der Arbeiterbibliothek und des Theaters vertiefen im Zusammenspiel mit der textlichen Beschreibung das Narrativ des Betriebs, der mehr sei als eine bloße Arbeitsstelle. Die Fotografie des firmeneigenen Altersheims282 rundet das Narrativ des Betriebs ab, der sich während des ganzen Lebens um die ihm Anvertrauten kümmere.

Das Zitat Katharinas II. von der Titelseite der ausführlichen Publikation bildet den Abschluss der Arbeiterfestschrift. Zybin stellte damit auch für die Belegschaft die Geschichte des Unternehmens in den Kontext des Imperiums. Er betont die große Bedeutung, welche die Arbeit jedes Einzelnen für das ganze Land habe. Die ausführliche Veröffentlichung beschließt die fotografische Aufnahme der Fabrikfassaden entlang der Upa (Abb. 42),283 die Bildikone des Jubiläums.

Der Vergleich der beiden Publikationen zeigt, mit welchen Strategien die Autoren und Auftraggeber unterschiedliche Publikumsgruppen ansprachen. Die Unternehmensleitung präsentierte der wirtschaftlich und politisch einflussreichen Leserschaft in der ausführlichen Unternehmensgeschichte eine Fabrik von imperialer Bedeutung. An der Lesefähigkeit seiner Leser zweifelte der Autor nicht. Er traute den Adressaten weiter die Fähigkeit zu, die Feinheiten der eigenen Entwicklungen in der Waffentechnik beurteilen zu können. Gegenüber der Belegschaft legten die Auftraggeber den Schwerpunkt auf die enge Beziehung zu den Zaren, die sich über den Betrieb auch an jeden einzelnen Arbeiter wandten. Außerdem sollte die interne Zusammengehörigkeit beziehungsweise die Dankbarkeit der Arbeiter gegenüber dem Unternehmen gestärkt werden, indem noch mehr als in der offiziellen Festschrift Fotografien das soziale Engagement des Unternehmens darstellten und betonten.

6.9 Fazit

Feste und in diesem Sinne auch Jubiläen sind Ereignisse, die sich aus gesellschaftlichen, politischen und symbolischen Bestandteilen zusammensetzen. Unternehmer im Zarenreich entdeckten zu Beginn des 20. Jahrhunderts das Potential von Firmenjubiläen, um ihren Betrieb einem breiteren Publikum zu präsentieren und Loyalitäten innerhalb ihrer Belegschaft zu beschwören. Zu diesem Zweck erschufen sie eine virtuelle Erinnerungsgemeinschaft, in deren Zentrum das Unternehemen und seine Geschichte standen. Die Festgemeinschaft beschränkte sich meist auf die Belegschaft und geladenen Gäste. Doch die Unternehmer nutzten ein solches Ereignis auch, um Berichte über ihre Firma neben der lokalen auch in der überregionalen Presse zu platzieren. Damit erweiterten Sie den Radius der Erinnerungsgemeinschaft über die Fabriktore hinaus.

Ein wichtiger Bestandteil der Feierlichkeiten vor Ort war, gegenüber den Arbeitern Anerkennung für ihr Engagement und ihre Arbeit zu äußern. Hier spielten Ehrungen einzener Personen eine wichtige Rolle. Die Ausgezeichneten erschienen dadurch als Vorbilder. Das Andenken an den Tag suchten die Firmenleitungen weiter, über Geschenke an ihre Mitarbeitenden zu sichern. Zu den Festessen war ebenfalls meist die gesamte Belegschaft geladen, wobei sich hier häufig die stark hierarchische Struktur der Betriebe wiederspiegelte. Meister und Arbeiter aßen getrennt und erhielten teilweise sogar unterschiedliche Speisen.

Wie wichtig es für Unternehmer war, verschiedene Zielgruppen adressatengerecht anzusprechen, zeigen die Festschriften. Der Vergleich der beiden Jubiläumspublikationen der Tulaer Waffenfabrik verdeutlicht, mit welchen Strategien die Autoren und Auftraggeber unterschiedliche Publikumsgruppen ansprachen. Die Unternehmensleitung präsentierte der wirtschaftlich und politisch einflussreichen Leserschaft in der ausführlichen Unternehmensgeschichte eine Fabrik von imperialer Bedeutung. In der Festschrift für die eigene Belegschaft sollten Zugehörigkeit beziehungsweise Dankbarkeit der Arbeiter gegenüber dem Unternehmen durch Fotografien der Wohlfahrtseinrichtungen gestärkt werden. Nicht nur in Tula hofften Industrielle, durch die Betonung der fabrikeigenen Arbeiterfürsorge oder die Darstellung der Beziehung zu den Zaren sowohl industrieaffine Geschäftspartner, industrieskeptische Teile der Gesellschaft als auch die eigene Belegschaft für sich einzunehmen.

Die Präsentation von Geschichte bildet bis heute den Kern von Jubiläumsfeierlichkeiten und das entscheidende Medium, das diese Faszination für Geschichte zum Ausdruck bringt, bleibt die Firmenfestschrift. Noch immer werden ihr gemeinschaftsbildende Kräfte zugeschrieben, und die langjährige Existenz eines Unternehmens symbolisiert die erfolgreiche ökonomische Tätigkeit. Entsprechend aufwendig fallen folglich auch heute die Publikationen aus.284 Im ausgehenden 19. Jahrhundert erzählten Festschriften Erfolgsgeschichten großer Männer und wirtschaftlicher Entwicklungen. Dabei glich die Geschichtsdarstellung derjenigen Karamzins, während Autoren heute der Belegschaft in den Firmengeschichten deutlich mehr Beachtung schenken. Die aktuellen Festschriften zeugen außerdem davon, dass ihre Autoren das dokumentarische Potential der Fotografie verinnerlicht haben. Sie präsentieren alte Industriefotografien stolz als Hochglanzdrucke.285

Ein besonderes Charakteristikun russischer Firmenjubiläen zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Präsenz und Bedeutung der Religion. Religiöse Elemente gehörten vor dem Ersten Weltkrieg zum festen Zeremoniell und waren oft auch in Festschriften präsent. In diesem Punkt unterschieden sich die russischen Beispiele von Feiern in Deutschland oder Frankreich. Im Zarenreich ermöglichten Bezüge zur orthodoxen Kirche den Industriellen einerseits, die eigene Staatstreue zu betonen. Andererseits bot sich die Religion als gemeinschaftsförderndes Element an, denn sowohl unter den Arbeitern als auch unter den Angehörigen der russischen Elite spielte der Glaube eine wichtige Rolle und war Teil des Alltags. Schließlich erlaubte es der Verweis auf Religion und den orthodoxen Glauben den Industriellen zu betonen, wie sehr sie sich russischen Werten verpflichtet fühlten. Auf diese Weise konnten sie eine Brücke schlagen zwischen russischer Tradition und fortschrittlicher Industrie und Produktionsweisen.

1

Konstantin Nikolaevich Tsimbaev: Jubilee Mania in Late Nineteenth- and Early Twentieth- Century Russian Society, in: Russian Studies in History, Jg. 47/2008, Heft 2, S. 14–30, S. 15.

2

Eric Hobsbawm: Introduction. Inventing Traditions, in: ders.; Terence Ranger (Hrsg.): The Invention of Tradition, Cambridge 142006, S. 1–14, S. 4. Zur Bedeutung des Historismus auch: Anselm Doering-Manteuffel: Mensch, Maschine, Zeit. Fortschrittsbewußtsein und Kulturkritik im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, in: Jahrbuch des Historischen Kollegs 2003, München 2004, S. 91119, S. 102–103.

3

Steinberg: Petersburg, S. 5.

4

Zur Genese des Forschungsfelds: Irmgard Zündorf: Public History und Angewandte Geschichte – Konkurrenten oder Komplizen?, in: Jacqueline Nießer; Juliane Tomann (Hrsg.): Angewandte Geschichte. Neue Perspektiven auf Geschichte in der Öffentlichkeit, Paderborn u. a. 2014, S. 63–76, S. 64–70; Irmgard Zündorf: Zeitgeschichte und Public History, Version: 2.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 06.09.2016, URL: http://docupedia.de/zg/Zuendorf_public_history_v2_de_2016 (zuletzt eingesehen am 14.01.2017); Barbara Korte; Sylvia Paletschek: Popular History Now and Then. An Introduction, in: dies. (Hrsg.): Popular History Now and Then. International Perspectives, Bielefeld 2012, S. 7–12, S. 7. Hierzu auch: Jerome de Groot (Hrsg.): Public and Popular History, London u. a. 2012. Hermann Lübbe interpretiert dieses Interesse als Kompensation für einen Vertrauensverlust, der auf immer schnelleren Veränderungen basiert. Hermann Lübbe: Der Fortschritt von gestern. Über Musealisierung als Modernisierung, in: Ulrich Borsdorf; Heinrich Grütter; Jörn Rüsen (Hrsg.): Die Aneignung der Vergangenheit. Musealisierung und Geschichte, Bielefeld 2004, S. 13–38, S. 24.

5

Detaillierter zu dieser Entwicklung siehe: Zündorf: Zeitgeschichte und Public History.

6

Stefanie Samida: Public History als Historische Kulturwissenschaft: Ein Plädoyer, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 17.6.2014, URL: http://docupedia.de/zg/Public_History_als_Historische_Kulturwissenschaft?oldid=106186 (zuletzt eingesehen am 24.03.2016). Zündorf: Public History und Angewandte Geschichte, S. 73–74. Zwar gibt es Ausnahmen wie der Sammelband von Korte und Paletschek, doch auch Paul Nolte schreibt in seinem Überblicksartikel, dass das Zentrum des Interesses der Public History auf der Zeitgeschichte liege. Paul Nolte: Öffentliche Geschichte. Die neue Nähe von Fachwissenschaft, Massenmedien und Publikum. Ursachen, Chancen und Grenzen, in: Michele Barricelli; Julia Hornig (Hrsg.): Aufklärung, Bildung, „Histotainment“? Zeitgeschichte in Unterricht und Gesellschaft heute, Frankfurt a. M. 2008, S. 131–146, S. 136.

7

In diese Periode fallen vermehrt Gründungen historischer Gesellschaften. Hierzu: Hans Hecker: Russische Universalgeschichtsschreibung. Von den „Vierziger Jahren“ des 19. Jahrhunderts bis zur sowjetischen „Weltgeschichte“ (1955–1965), München, Wien 1983, S. 25–29. Zu den Vorläufern im 18. Jahrhundert: A. D. Stepanskij: Pervye istoričeskie obščestva v Rossii, in: Voprosy istorii, 1973, Heft 12, S. 204–208.

8

Zur Entwicklung der russischen Geschichtsschreibung: Anatolij M. Sacharov: Die Entstehung des Historismus in der russischen Geschichtsschreibung des 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in: Karl Otmar Freiherr von Aretin; Gerhard Ritter (Hrsg.): Historismus und moderne Geschichtswissenschaft. Europa zwischen Revolution und Restauration 1797–1815. Drittes deutsch-sowjetisches Historikertreffen in der Bundesrepublik Deutschland München, 13.–18. März 1978, Stuttgart 1987, S. 28–59, S. 30–47; Edward Thaden: The Rise of Historicism in Russia, New York 1999, S. 13–15, 271–273; Thomas M. Bohn: Russische Geschichtswissenschaft von 1880 bis 1905. Pavel N. Miljukov und die Moskauer Schule, Köln, Weimar, Wien 1998, S. 199–202.

9

Karamzin veröffentlichte 1818 die ersten acht Bände seines Werkes, der unvollendetezwölfte Band erschien postum 1829. Derek Offord: Nation-Building and Nationalism in Karamzin’s History of the Russian State, in: Journal of Modern Russian History and Historiography, Jg. 3/2010, Heft 1, S. 1–50, S. 3.

10

1851 erschien der erste, 1879 der letzte von 29 Bänden. Thaden: The Rise of Historicism in Russia, S. 174–197, 235–270.

11

Zu nennen sind hier besonders die Arbeiten von Richard Wortman zum Jubiläum der Romanovdynastie. Richard Wortman: „Invisible Threads“. The Historical Imagery of the Romanov Tercentenary, in: Russian History, Jg. 16/1989, Heft 2–4, S. 389–408; ders.: Scenarios of Power, Bd. 2, S. 458–477. Außerdem gibt es Untersuchungen zur Dreihundertjahrfeier von Saratov, zum 100. Jahrestag der Schlacht von Borodino und einige Überlegungen allgemein zu Jubiläen im Zarenreich: Lutz Häfner: Städtische Eliten und ihre Selbstinszenierung. Die Dreihundertjahrfeier Saratovs 1891, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, Jg. 48/2000, Heft 1, S. 17–40; Kurt Schneider: 100 Jahre nach Napoleon. Rußlands gefeierte Kriegserfahrung, in: Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, Jg. 49/2001, Heft 1, S. 45–66; Konstantin Nikolaevich Tsimbaev: Pravoslavnaja cerkov’ i gosudarstvennye jubilei imperatorskoj Rossii, in: Otečestvennaja Istorija, Jg. 14/2005, Heft 6, S. 42–51.

12

Veit Damm: Jubiläumsaktivitäten und Unternehmenskommunikation deutscher Banken im späten 19. Jahrhundert, in: Winfried Müller (Hrsg.): Das historische Jubiläum. Genese, Ordnungsleistung und Inszenierungsgeschichte eines institutionellen Mechanismus, Münster u. a. 2004, S. 331–347; Veit Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung. Jubiläumsinszenierungen deutscher Banken und Versicherungen im 19. und frühen 20. Jahrhundert, Leipzig 2007; Thomas Keiderling: I. Einführung, in: ders. (Hrsg.): Betriebsfeiern bei F. A. Brockhaus. Wirtschaftliche Festkultur im 19. und frühen 20. Jahrhundert, Beucha 2001, S. 8–47; Susanne Knabe: Firmenjubiläen. Geschichtsbewusstsein deutscher Unternehmer 1846 bis 1997, München, Univ., Diss., 2004; Klaus Tenfelde: „Krupp bleibt doch Krupp“. Ein Jahrhundertfest: das Jubiläum der Firma Fried. Krupp AG in Essen 1912, Essen 2005; Tenfelde: Im Zenit industriepolitischer Macht.

13

Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 28. Wie der russische Metallarbeiter Kanatčikov beschreibt, gab es auch andere Ereignisse, anlässlich derer Unternehmer Feste für die Arbeiter organisierten: Kanatchikov: From the Story of My Life, S. 53.

14

Jürgen Kocka: Unternehmer in der deutschen Industrialisierung, Göttingen 1975, S. 79.

15

Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 11–12, 34–35.

16

Zur Bedeutung von Festen für die Herausbildung von Identität: Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München 1992, S. 56–57.

17

Bei der Untersuchung dieser Erinnerungsgemeinschaft steht deren Konstruktionsprozess im Fokus der Analyse und umfasst damit „das Moment des funktionalen Gebrauchs der Vergangenheit für gegenwärtige Zwecke“ wie es Christoph Cornelißen für den Begriff der „Erinnerungskultur“ beschreibt. Christoph Cornelißen, Erinnerungskulturen, Version: 2.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 22.10.2012, URL: http://docupedia.de/zg/Erinnerungskulturen_Version_2.0_Christoph_Corneli.C3.9Fen?oldid=108499 (zuletzt eingesehen am 24.03.2016). Zur Erinnerungsgemeinschaft auch: Catrin B. Kollmann: Historische Jubiläen als kollektive Identitätskonstruktion. Ein Planungs- und Analyseraster, Stuttgart 2014, S. 45, 60.

18

Winfried Müller: Das historische Jubiläum. Geschichtlichkeit einer Zeitkonstruktion, in: ders. u. a. (Hrsg.): Das historische Jubiläum. Genese, Ordnungsleistung und Inszenierungsgeschichte eines institutionellen Mechanismus, Münster u. a. 2004, S. 1–75, S. 3.

19

Manfred Hettling; Paul Nolte: Bürgerliche Feste als symbolische Politik im 19. Jahrhundert, in: dies. (Hrsg.): Bürgerliche Feste. Symbolische Formen politischen Handelns im 19. Jahrhundert, Göttingen 1993, S. 7–37, S. 13, 18–19.

20

Dieses Problem beschreibt auch: Knabe: Firmenjubiläen, S. 20.

21

Die Dokumente des Quellenkorpus stammen von den Jubiläumsfeiern der folgenden Firmen: Admiralitejskie Ižorskie zavody, Baltijskij sudostroitel’nyj i mechaničeskij zavod, Iževskij oružejnyj i staledelatel’nyj zavod, Krengol’mskaja manufaktura, Kolomenskij mašinostroitel’nyj zavod, Tovariščestvo rossijsko-amerikanskoj rezinovoj manufaktury „Treugol’nik“, Tul’skij Imperatora Petra Velikago oružejnyj zavod.

22

Das Jubeljahr geht auf eine alttestamentarische Tradition zurück, nach der auf sieben Sabbatzyklen (49 Jahre) ein Jobeljahr folgt, in dem alle, die verkauft worden waren, freigelassen wurden und Grundbesitz an seine ursprünglichen Besitzer zurückfiel. Dies sollte verdeutlichen, dass letztlich aller Besitz Jahwe gehört (Leviticus 25, 8–55). Die christliche Tradition deutete diese Tradition um, indem im entsprechenden Jahr ein Ablass die Vergebung der Sünden versprach. Hierzu: Müller: Das historische Jubiläum, S. 9–15.

23

Ab dem 17. Jahrhundert deuten erste Hinweise auf Jubiläen einzelner Berufsgruppen (z.B. der Buchdrucker) hin. Müller: Das historische Jubiläum, S. 20–21, 34–46.

24

Tsimbaev: Jubilee Mania, S. 15.

25

Vgl. hierzu z. B. Osterhammel: Verwandlung der Welt, S. 44, 82. Nicht von ungefähr zeigt sich in der russischen Geschichtswissenschaft genau in dieser Zeit ein großer Entwicklungsschub. Während Historiker im 18. Jahrhundert Geschichtsschreibung basierend auf der Tradition der Bibel betrieben hatten, setzten die Vertreter des Historismus auf hermeneutische, quellenbasierte Interpretationen, nach denen die Entwicklungen das Produkt eines historischen Prozesses waren, den geographische, ethnographische und historische Faktoren beeinflussten. Sacharov: Die Entstehung der Historismus, S. 31; Thaden: The Rise of Historicism in Russia, S. 118.

26

Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 332.

27

Knabe: Firmenjubiläen, S. 17; CGIA f. 1179, op. 27, d. 1, l. 1o.

28

Um nur wenige zu nennen: 1903 – 200. Jahrestag der Gründung St. Petersburgs; 1905 – 200. Jahrestag des Siegs bei Poltawa; 1912 – Hundertjahrfeier der Schlacht bei Borodino; 1913 – Dreihundertjahrfeier der Romanovdynastie oder die Feiern zu den Gründungstagen von Moskau. Konstantin Nikolaevič Cimbaev: Fenomen jubileemanii v rossijskoj obščestvennoj žizni konca XIX–načala XX veka, in: Voprosy Istorii, 2005, Heft 11, S. 98–108, S. 98; Kathleen Klotchkov: Der lange Weg zum Fest. Die Geschichte der Moskauer Stadtgründungsfeiern von 1847 bis 1947, Berlin 2006. Zu russischen Jubiläen auch: Malte Rolf: Das sowjetische Massenfest, Hamburg 2006, S. 36–38.

29

Zusammenstellungen der häufigsten Anlässe geben: Keiderling (Hrsg.): Betriebsfeiern bei F. A. Brockhaus, S. 311–313; Knabe: Firmenjubiläen, S. 15.

30

Die Mehrheit der hier untersuchten Jubiläen und Festschriften wurde zu einem ebensolchen Anlass herausgegeben. Gavardii Polkovnik Zybin: Istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, 1712–1912, Moskva 1912; Gavardii Polkovnik Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, 1712–1912, Moskva 1912; o. A.: Admiralitejskie Ižorskie zavody; o. A.: 1857–1907 Krengol’mskaja manufaktura; o. A.: K stoletiju Putilovskago Zavoda 1801–1901 gg., Sankt-Peterburg 1902; o. A.: Mechaničeskij zavod Ljudvig Nobel’. 1862–1912, Sankt-Peterburg 1912; o. A.: 1864 Zolotoj jubilej parfjumernago proizvodstva. Allerdings erhebt diese Auswahl keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Es handelt sich um eine qualitative Auswahl, wobei besonders die Jubiläen Aufnahme in das Untersuchungskorpus fanden, zu denen über die Festschrift hinaus zusätzliche Informationen vorlagen.

31

Die Admiralitejskie Ižorskie zavody organisierten beispielsweise eine große Feier anlässlich der 100 Jahre zurückliegenden baulichen Umgestaltung der Firma. Auf dem Firmengelände waren 1803 neue steinerne Gebäude und Werkstätten errichtet worden, und das Unternehmen hatte sich von einer Werft mit Sägewerk zu einem metallverarbeitenden Betrieb erweitert. Larisa Dmitrievna Burim; G. A. Efimova: Ižorskie zavody. Istoričeskie očerki, Sankt-Peterburg 2012, S. 11–15.

32

Knabe: Firmenjubiläen, S. 15. Der Kolomenskij mašinostroitel’nyj Zavod beging im Jahr 1903 die Fertigstellung der 3.000. Lokomotive.

33

Bei der Krengol’mskaja manufaktura handelt es sich um eine bedeutende Textilfabrik. Zwar liegt diese im heutigen Estland, aber mehrere Gründe sprechen dafür, die Festschrift dennoch in den Untersuchungskorpus aufzunehmen. So lag die Manufaktur sehr nah an der russischen Hauptstadt, und die Fabrikanten führten das Unternehmen, als sei es ein russischer Betrieb. Zelnik: Law and Disorder on the Narova River, S. 16, 215. Außerdem handelt es sich um eine Textilfabrik, und für Vergleichszwecke war es wichtig, auch ein Beispiel dieses Industriezweigs in die Analyse einzubeziehen. o. A.: 1857–1907 Krengol’mskaja manufaktura.

34

Ein Beispiel aus der Luxusgüterindustrie bildet Тovariščestvo Brokar i Ko, ein Unternehmen, das vor allem Seifen und Parfüms herstellte. o. A.: Zolotoj jubilej parfjumernago proizvodstva.

35

Der Tul’skij Imperatora Petra Velikago oružejnyj zavod war eine der wichtigsten Waffenfabriken im Zarenreich. Zybin: Istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda; Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda. Der Putilovskij zavod war um die Jahrhundertwende einer der größten metallverarbeitenden Betriebe Russlands. o. A.: K stoletiju Putilovskago Zavoda. Auch der Mechaničeskij zavod Ljudvig Nobel’ gehört zur metallverarbeitenden Industrie und stellte zum Zeitpunkt des Jubiläums 1912 besonders Maschinen her. o. A.: Mechaničeskij zavod Ljudvig Nobel’. Der Kolomeskij mašinostroitel’nyj zavod gehörte ebenfalls zur metallverarbeitenden Industrie. Die Firma produzierte zunächst Brücken und erweiterte dann ihre Produktion um Dampfmaschinen und -schiffe, Eisenbahnwagen und Dampflokomotiven sowie Maschinen. o. A.: Techničeskoe opisanie Kolomenskago mašinostroitel’nago zavoda.

36

Vielfach ist nicht erkennbar, welche Ausgaben für die Jubiläen selbst und welche beispielsweise für die Erneuerung von Infrastruktur im Zusammenhang mit einem Jubiläum entstanden. Tenfelde thematisiert diese Problematik beispielhaft anhand des Firmenjubiläums von Krupp. Tenfelde: Im Zenit industriepolitischer Macht, S. 137–138.

37

GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 21o. Allerdings ist auch hier nicht eindeutig nachvollziehbar, welche Posten die Summe beinhaltet.

38

E. L’vova: Ženščina-Rabotnica, Petrograd 1917, S. 5.

39

GAVMF f. 417, op. 5, d. 2862, l. 2.

40

Seit 1870 war die Fabrik der Glavnyj artillerijskij upravlenie Voennog ministerstva (Artilleriehauptamt des Kriegsministeriums) unterstellt und blieb dies bis 1917. Polnoe sobranie zakonov Rossijskoj imperii, Tom 45, 1870, čast’ 1, zakon No. 48441, S. 254–257, 27.05.1870.

41

Der Iževskij zavod wurde 1807 als Eisengießerei von Alexander I. gegründet und war besonders bekannt für seine Waffenproduktion.

42

GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 92–92.

43

Mit diesem Argument wird auch in den Dokumenten der Admiralitejskie Ižorskie zavody begründet, warum das Jubiläum im Jahr 1903 so aufwendig gefeiert werden soll. GAVMF f. 417, op. 5, d. 2862, l. 2. Ähnlich argumentieren auch die Vertreter der Tulaer Waffenfabrik. GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 23.

44

o. A.: Otkrytie pamjatnika Petru Velikomu v Tule, in: Novoe Vremja, 29.04.1912, S. 5. Ein deutsches Beispiel, in dem die Stadt in die Feierlichkeiten anlässlich des Jubiläums eingebunden wurde, ist im selben Jahr das Krupp Jubiläum in Essen. Tenfelde: Im Zenit industriepolitischer Macht, S. 139.

45

Beispielsweise: o. A.: Portovyja i raznyja morskija izvestija, in: Kronštadtskij Vestnik, 03.10.1903, S. 1–2.

46

CGA Moskvy f. 318, op. 1, d. 2409, l. 200–208.

47

GAVMF f. 417, op. 2, d. 687, l. 4–5, 20.

48

Ein extremer Aufwand mit höchsten Sicherheitsvorkehrungen wurde bei Krupp anlässlich des Besuchs Wilhelms II. (1859–1941) betrieben. Tenfelde: „Krupp bleibt doch Krupp“, S. 26, 30, 34.

49

Dies war auch in Deutschland verbreitet. Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 210.

50

Teilweise sind die Originale der Telegramme archiviert, teilweise Abschriften. Beispielsweise anlässlich der Feier zur Fertigstellung der 5.000. Lokomotive der Maschinenfabrik in Kolomna: CGA Moskvy f. 318, op. 1, d. 2409, l. 88–118, 128–159; oder: CGA Moskvy f. 318, op. I t. 1, d. 643, l. 33–34o.

51

GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 414–414.

52

P. S. Ul’jancevym: Vo vremja feodal’nye, in: Istorija Tul’skogo oružejnogo zavoda, 1712–1972. Pod gnetom ėkspluatacii. Rabočij klass u vlasti, Moskva 1973, S. 10–70.

53

Beispielsweise: GAVMF f. 417, op. 2, d. 687, l. 2o, 4.

54

GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 117, t. 3, l. 414; o. A.: Portovyja i raznyja morskija izvestija, S. 1.

55

GAVMF f. 417, op. 2, d. 687, l. 6. Die Leitung der Ižorsker Betriebe war nicht die einzige, die Glückwunschtelegramme des Zaren zur Veröffentlichung an die Presse sandte. Ebenfalls im Oktober 1903 ließ auch der Nevskij zavod (Nevskij Betrieb) ein Telegramm des Monarchen abdrucken. o. A.: Povtoryja i raznyja morskim izvestija, in: Kronštadtskij Vestnik, 12.10.1903, S. 1.

56

o. A.: Povtoryja i raznyja morskija izvestija, in: Kronštadtskij Vestnik, 05.10.1903, S. 1; o. A.: Pis’mo v redakciju „Novago vremeni“, in: Kronštadtskij Vestnik, 08.10.1903, S. 3. Der Abdruck dieses Antwortschreibens war ebenfalls Teil der Öffentlichkeitsstrategie der Unternehmensleitung. GAVMF f. 417, op. 2, d. 687, l. 12.

57

o. A.: Otkrytie pamjatnika Petru Velikomu v Tule, S. 3; o. A.: Dvuchstoletie Tul’skago oružejnago zavoda, in: Novoe Vremja, 29.04.1912, S. 5.

58

CGA Moskvy f. 318, op. 1, d. 2409, l. 183–186.

59

Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 76; Tenfelde: Im Zenit industriepolitischer Macht, S. 114.

60

Stoletie firmy Kruppa v Ėssen, in: Niva, Nr. 32, 11.08.1912, S. 643.

61

So beim Baltijskij zavod: GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 22; beim Kolomenskij mašinostroitel’nyj zavod: CGA Moskvy f. 318, op. 1, d. 2409, l. 197. Es kam sogar vor, dass Personen je nach ihrem Status nur Zugang zu einzelnen Teilen der Zeremonie erhielten. Beim Tul’skiji Imperatora Petra Velikago oružejnyj zavod erhielten Arbeiter unterschiedliche Passierscheine, je nach dem, ob sie an der Enthüllung der Statue Peters I. teilnehmen durften oder nur an den folgenden Festlichkeiten: GATO f. 187, op. 1, d. 8314, l. 12–13.

62

Beispielsweise beim Jubiläum der Admiralitejskie Ižorskie zavody: GAVMF f. 417, op. 2, d. 687, l. 2; Baltijskij zavod: GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 19; Brokar i Ko: Hilton: Selling to the Masses, S. 107; Iževskij oružejnyj i staledelatel’nyj zavod: GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 19; Kolomenskij mašinostroitel’nyj zavod: CGA Moskvy f. 318, op. 1, d. 2409, l. 197.

63

GATO f. 187, op. 2, d. 133, t 3, l. 117.

64

Hierzu mit Blick auf Jubiläen allgemein auch: Cimbaev: Pravoslavnaja cerkov’ i gosudarstennye jubilei imperatorskoj Rossii, S. 44; Schneider: 100 Jahre nach Napoleon, S. 54.

65

Ebd. und GAVMF f. 417, op. 2, d. 687, l. 4. Mark Steinberg beobachtet in der russischen Druckereiindustrie ebenfalls einen engen Zusammenhang zwischen Religion und Firmenfesten: Firmenfeste begannen mit dem Besuch eines Priesters, der um die Gesundheit des Inhabers und dessen Familie betete, die Arbeiter segnete und alle an ihre Pflichten gegenüber dem Zaren erinnerte. Steinberg: Moral Communities, S. 63.

66

Ruth Coates: Religious Renaissance in the Silver Age, in: William Leatherbarrow; Derek Offord (Hrsg.): A History of Russian Thought, Cambridge u. a. 2010, S. 169–195, S. 169, 191; Steinberg: Proletarian Imagination, S. 9. Auch Bonnell betont die Bedeutung der Religion: Bonnell: Introduction, S. 26.

67

Beispielsweise: Häfner: Städtische Eliten und ihre Selbstinszenierung, S. 19; Schneider: 100 Jahre nach Napoleon, S. 49, 54–55; Tsimbaev: Jubilee Mania, S. 25; Wortman: Scenarios of Power, Bd. 2, S. 458.

68

Eric Hobsbawm: Mass-Producing Traditions. Europe 1870–1914, in: ders.; Terence Ranger (Hrsg.): The Invention of Tradition, Cambridge 142006, S. 263–307, S. 306.

69

Tsimbaev: Jubilee Mania, S. 18.

70

Hierzu: Manfred Hagen: Die russische Freiheit. Wege in ein paradoxes Thema, Stuttgart 2002, S. 242–277; Michael Melancon: The Lena Goldfields Massacre and the Crisis of the Late Tsarist State, College Station 2006.

71

Cimbaev: Pravoslavnaja cerkov’ i gosudarstennye jubilei imperatorskoj Rossii, S. 49.

72

Tsimbaev: Jubilee Mania, S. 23.

73

So fanden beispielsweise die Arbeiterunruhen aus dem Jahr 1872 in der Festschrift der Krenholmer Textilmanufaktur keinerlei Erwähnung. Der Autor erwähnte nur die Streiks im August 1906. Diese brachten die Leser aber eher mit den allgemeinen revolutionären Ereignissen in Verbindung und dürften darum weniger nach den konkreten Gründen für die Unzufriedenheit der Arbeiter gefragt haben. o. A.: 1857–1907 Krengol’mskaja manufaktura, S. 65.

74

Die Firmenleitung im Baltijskij zavod (Baltischer Betrieb) lud nach dem Gottesdienst zu einem warmen Frühstück ein. GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 21–22; Steinberg: Moral Communities, S. 63. Zur Bedeutung von Essen als gesellschaftlichem Phänomen siehe auch: Yuri M. Lotman; Jelena A. Pogosjan: High Society Dinners. Dining in Tsarist Russia, Totnes 2014, S. 117.

75

Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 177.

76

Die Deutsche Bank setzte gezielt auf verbindende Elemente, indem sie für die gesamte Belegschaft ein einfaches Essen servierte. Ebd., S. 91. Auch in russischen Druckereien aßen die Unternehmer teilweise mit ihren Arbeitern zusammen. Steinberg: Moral Communities, S. 63. Vermutlich handelte es sich in diesen Fällen jedoch um Betriebe mit weniger Angestellten, wodurch die Atmosphäre stärker familiär geprägt war.

77

Dies schlägt sich in den Kostenabrechnungen nieder. Bei den Ižorsker Betrieben kostete die Verpflegung für die Ehrengäste sieben Rubel pro Person, während die Organisatoren für das Essen der einfachen Arbeiter nur einen Rubel pro Kopf veranschlagten. GAVMF f. 417, op. 2, d. 687, l. 2o. Ähnlich liegt der Fall beim Baltijskij zavod: GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 21–22; sowie bei der Tulaer Waffenfabrik: GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 93o; GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 117.

78

Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 177.

79

CGIA f. 1179, op. 27, d. 1, l. 2.

80

Zur Bedeutung und Geschichte von (Fest-)Essen innerhalb der europäischen und speziell russischen Aristokratie: Lotman; Pogosjan: High Society Dinners, S. 37–152.

81

Auch bei der Gestaltung der Speisekarte orientierten sich die Industriellen an adeligen Vorbildern. In aristokratischen Kreisen war es im Zarenreich üblich, aufwendig gestaltete und verzierte Speisekarten an jedem Platz bereitzustellen. Außerdem entsprich die Abfolge von Suppe, Fisch und Fleischgerichten, Gemüse und abschließend süßem Dessert der üblichen Speisekarte. Darra Goldstein: Introduction to the English Edition, in: Yuri Lotman; Elena Pogosjan: High Society Dinners. Dining in Tsarist Russia, Totnes 2014, S. 11–31, S. 12; 27–28.

82

Für Deutschland siehe: Tenfelde: Im Zenit industriepolitischer Macht, S. 124; Thomas Keiderling: Betriebs- und Branchenjubiläen in Sachsen 1871–1945, in: Winfried Müller (Hrsg.), Das historische Jubiläum. Genese, Ordnungsleistung und Inszenierungsgeschichte eines institutionellen Mechanismus, Münster u. a. 2004, S. 309–330, S. 311; Knabe: Firmenjubiläen, S. 62–63; für das Zarenreich beispielsweise: GAVMF f. 417, op. 2, d. 687, l. 2; GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 19.

83

Tenfelde: Im Zenit industriepolitischer Macht, S. 114. Die Familie Krupp spendete rund fünf Millionen Mark für die Arbeiter-Urlaubskasse und unterstützte anlässlich des Jubiläums weitere Stiftungen sowie Einrichtungen der Stadt Essen mit Spenden. Weitere Beispiele: Keiderling: I. Einführung, S. 15, 43.

84

GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 19.

85

GAVMF f. 417, op. 2, d. 687, l. 2o; GATO f. 187, op. 1, d. 8314, l. 3.

86

Einige Beispiele für Geschenke, die Bankangestellte in Deutschland anlässlich zu Jubiläen erhielten, finden sich in: Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 142.

87

GAVMF f. 417, op. 2, d. 687, l. 2o; GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 93.

88

Christel Köhle-Hetzinger: Zeit – Ritual – Fest. Jubilarkultur im Industriezeitalter, in: Winfried Müller (Hrsg.): Das historische Jubiläum. Genese, Ordnungsleistung und Inszenierungsgeschichte eines institutionellen Mechanismus, Münster u. a. 2004, S. 291–308, S. 297.

89

CGA Moskvy f. 318, op. 1, d. 2409, l. 62. Ursprünglich hatte Vasilij Gustavovič Struve (1882 bis nach 1942) geplant, dem Zaren ein Album mit großformatigen (30 x 40) Fotografien von allen Lokomotivmodellen bis zur 5.000. zu erstellen. Anscheinend zerschlug sich dieses Vorhaben jedoch.

90

Obwohl die russische Hauptstadt zu diesem Zeitpunkt bereits in Petrograd umbenannt worden war, verwendeten die Autoren in den Dokumenten weiter den alten Namen der Stadt.

91

CGA Moskvy f. 318, op. 1, d. 2409, l. 253.

92

CGA Moskvy f. 318, op. 1, d. 2409, l. 60.

93

CGA SPb f. 1179, op. 27, d. 1, l. 1o.

94

Auch in Deutschland gibt es einzelne Hinweise auf Geschenke von der Belegschaft für die Firmenleitung. Hierzu beispielsweise: Herz: Gesammelte Fotografie und fotografierte Erinnerungen, S. 250–251; Knabe: Firmenjubiläen, S. 47.

95

GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 413–417; G. D. Aleksandrov: Stichotvorenie. Po povodu stoletija so vremeni vysočajšago soizvolenija na preobrazovanie Admiralitejskich Ižorskich zavodov, dlja bolee širokoj i mnogostronnej ich dejatel’nosti, 1803–1903 gg., Sankt-Peterburg 1903, S. 3–13.

96

Dies war in russischen Betrieben nicht anders als in deutschen. Eine Ausnahme bildete die Firma Brockhaus, bei der die Belegschaft im Vorfeld des Jubiläums half, die Dekoration und die Kostüme eines Theaterstücks fertigzustellen. Keiderling: I. Einführung, S. 15, 19.

97

CGA Moskvy f. 318, op. I t. 1, d. 643, l. 11–12, 14–15, 17–19. Im Firmenarchiv des Kolomenskij mašinostroitel’nyj zavod befindet sich eine Liste mit Namen, an welche ein Artikel über das Produktjubiläum der 5.000. Dampflokomotive und eine Fotografie der Lok geschickt worden war. In der Akte finden sich auch Antwortschreiben, in denen sich die Empfänger für den Erhalt der Geschenke bedankten.

98

o. A.: Tul’skij Imperatora Petra Velikago oružejnyj zavod, 1712–1912. Nastojaščim Prejs-Kuratorom uničtožajutsja vse predyduščie, Tula 1912, S. 7.

99

Beispielsweise: TGMO KP–2–22804/D–1021 Tul’skij Imperatora Petra Velikago oružejnyj zavod, 1712–1912. Menju, Programma, Tula 1912.

100

IZ GAVMF f. 417, op. 2, d. 687, l. 2.

101

Der Iževskij oružejnyj i staledelatel’nyj zavod stellte beispielsweise 9.000 Exemplaren einer kurzen Firmengeschichte her, um sie gratis an die Arbeiter weiterzugeben. GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 19.

102

Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 29; Tenfelde: Im Zenit industriepolitischer Macht, S. 117, 123.

103

GAVMF f. 417, op. 5, d. 2862, l. 3–17; TOZ GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 21.

104

CGA Moskvy f. 318, op. 1, d. 2409, l. 15, 23, 27.

105

Kanatchikov: From the Story of My Life, S. 65; Timofeev: What the Factory Worker Lives by, S. 102; Goehrke: Auf dem Weg in die Moderne, S. 442–443; Grant: Big Business in Russia, S. 33.

106

Jürgen Kocka: Unternehmungsverwaltung und Angestelltenschaft am Beispiel Siemens, 1847–1914. Zum Verhältnis von Kapitalismus und Bürokratie in der deutschen Industrialisierung, Stuttgart 1969, S. 78–82.

107

Köhle-Hetzinger: Zeit – Ritual – Fest, S. 297.

108

Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 142.

109

Beispielsweise folgenden Fotografie: TGMO KP 22111_1.

110

So verschenkten die Ižorsker Betriebe neben ihrer Festschrift kleine Fotoalben. Deren überwiegend menschenleere Aufnahmen zeigen die Außenansicht der wichtigsten Gebäude auf dem Firmengelände. Die Analyse dieser Arbeit stützt sich besonders auf das Exemplar des Gosudarstvennyj Muzej Istorii Sankt Peterburga. GMISPb Otdel fotografii 13600–13623. Im Museum des Ižorskij zavod finden sich zwei weitere Alben, mit weitgehend den selben Aufnahmen.

111

o. A.: 1857–1907 Krengol’mskaja manufaktura, Anhang.

112

GATO f. 3097, op. 3, d. 31.

113

Zumindest war dies in deutschen Fabriken gängige Praxis: Beim Jubiläum der Firma Krupp im Jahr 1912 ließ Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (1870–1950) das Fest und den Besuch Kaiser Wilhelms II. (1859–1941) fotografisch dokumentieren. Außerdem ließ er die Aufnahmen in einem aufwendigen Druckverfahren abziehen und verschenkte sie, gemeinsam mit einer vervielfältigten, handgeschriebenen Nachricht im Nachhinein an die wichtigsten Gäste. Tenfelde: Im Zenit industriepolitischer Macht, S. 112, 114.

114

Jens Jäger: Photographie: Bilder der Neuzeit. Einführung in die historische Bildforschung, Tübingen 2000, S. 159.

115

Dies könnte den Unterschied zu Krupp erklären, denn in Essen war ein Fotograf Teil der Belegschaft. von Dewitz: Die Bilder sind nicht teuer, S. 41.

116

Zur zukunftsweisenden Dimension von Jubiläen und Festen siehe: Müller: Das historische Jubiläum, S. 2–3; Winfried Gebhardt: Fest, Feier und Alltag. Über die gesellschaftliche Wirklichkeit des Menschen und ihre Deutung, Frankfurt a. M. u. a. 1987, S. 80.

117

Zu den Aufbewahrungspraktiken siehe: Kapitel „Neue Bilder eines neuen Raums – Fabrikalben“, S. 103–178.

118

Bereits Ivan Pavlovič Vakulenko hatte zumindest gelegentlich industrielle Motive aufgenommen: Ivan Pavlovič Vakulenko: Zernovye ėlevatory rjazansko-ural’skoj železnoj dorogi postrojki 1895, Penza o. J.

119

Irina Andreevna Antonova: Dva fotosnimki sdelannye v Tule v načale Pervoj mirovoj vojny. URL: http://www.tounb.ru/tula_region/historyregion/histori_fakts/sobitiya_58.aspx (zuletzt eingesehen am 16.09.14).

120

GATO f. 90, op. 1 t. 47, d. 41460, l. 41.

121

Elena Galkina: Iz istorii Tul’skoj fotografii, in: Tul’skij kraevedčeskij al’manach, Jg. 1/2003, S. 66–72, S. 69–70.

122

Irina Andreevna Antonova: Leninskie traurnye dni v Tule, in: Tul’skij kraevedčeskij al’manach, Jg. 11/2014, S. 80–87, S. 86–87.

123

GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 3.

124

GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 3o.

125

Zur Popularität des Kinematographen: Schlögel: Jenseits des Großen Oktober, S. 186–187.

126

GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 173.

127

GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 212.

128

GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 220o. Auf die Anfrage zur Anfertigung von Stereoskopien gehen keine weiteren Dokumente ein.

129

GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 283. Dies zeigt, dass Fabriken geschützte Orte waren, zu denen nicht jeder Zutritt erhielt.

130

GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 362, 365.

131

TGMO KP 22111_1.

132

GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 362, 365.

133

Auch beim Jubiläum der Firma Krupp spielte der Film bereits eine Rolle. In Essen waren Filmaufnahmen Teil der Festspielinszenierung, die Mitarbeiter des Unternehmens zu Ehren des Kaisers einstudiert hatten. Tenfelde: „Krupp bleibt doch Krupp“, S. 105–106.

134

Helmut Korte; Werner Faulstich: Der Film zwischen 1895 und 1924. Ein Überblick, in: Werner Faulstich u. a. (Hrsg.): Fischer-Filmgeschichte, Bd. 1. Von den Anfängen bis zum etablierten Medium, 1895–1924, Frankfurt a. M. 1994, S. 13–47, S. 13.

135

Galkina: Iz istorii Tul’skoj fotografii, S. 69–70.

136

GATO f. 187, op. 1, d. 8314, l. 13.

137

Interessanterweise schickte Vakulenko seine Anfrage nur wenige Tage nach dem eigentlichen Gründungsdatum der Fabrik (15. Februar 1712). GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 170. Zwar waren die Hauptfeierlichkeiten auf April verschoben worden, doch fand am 15. Februar 1912 ein Gedenkgottesdienst statt, und die Belegschaft der Waffenfabrik hatte einen bezahlten, arbeitsfreien Tag. GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 2–3. Vermutlich hatte Vakulenko erst kurzfristig von dem Jubiläum erfahren und daraufhin die Firmenleitung kontaktiert. Hätte er schon längere Zeit im Voraus von den Planungen gewusst, hätte er seine Dienste wohl rechtzeitig vor dem 15. Februar angeboten und vorgeschlagen, auch dieses Ereignis zu fotografieren.

138

GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 363.

139

GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 3, l. 373.

140

Iskry, 13.05.12, S. 2. Speziell für diese Fotografie ist zwar nicht zweifelsfrei geklärt, ob Vakulenko Urheber der Abbildung war, allerdings ist es sehr wahrscheinlich, denn das Firmenarchiv gibt keine Hinweise, dass weitere Fotografen eine Erlaubnis bekommen hatten, am Jubiläum Aufnahmen zu machen.

141

Stolarski: The Rise of Photojournalism, S. 88.

142

GATO f. 3097, op. 3, d. 32, 84–133.

143

Sontag: In Platos Höhle, S. 283–284.

144

GATO f. 3097, op. 3, d. 32.

145

GATO f. 3097, op. 3, d. 85.

146

Corbin: Kulisse, S. 434.

147

Neben der Inszenierung von Gemeinschaft war es in Einzel- und Gruppenportraits immer wichtig, gemeinsame Wertevorstellungen zu präsentieren. Starl: Im Prisma des Fortschritts, S. 35, 43.

148

GATO f. 3097, op. 3, d. 103.

149

Beispielsweise: GATO f. 3097, op. 3, d. 93.

150

Zur visuellen Inszenierung von Hierarchien auf Industriefotografie siehe auch: Kapitel „Neue Bilder eines neuen Raums – Fabrikalben“, S. 103–178.

151

Für Frankreich: Assegond: Les débuts de la photographie du travail usinier, S. 94–96; André: Des gravures de vulgarisation à la photographie; für Deutschland: Lüdtke: Gesichter der Belegschaft.

152

Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 65. Für Russland fehlt zwar eine Detailstudie, wie Veit Damm sie zu deutschen Banken und Versicherungen vorgelegt hat. Es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass hier ebenfalls beide Phänomene in etwa zur gleichen Zeit an Bedeutung gewannen.

153

1865 zunächst zur Holzverarbeitung gegründet stieg das Unternehmen in den 1870er Jahren in die Metallverarbeitung ein und entwickelte sich bis zum Ersten Weltkrieg zu einem der führenden Akteure auf diesem Gebiet.

154

o. A.: Al’bom k obzoru desjatiletnej dejatel’nosti obščestva Brjanskago pel’soprokatnago železodelatel’nago i mechaničeskago zavoda, 1873–1883 g., Sankt-Peterburg 1885.

155

Jäger: Fotografie und Geschichte, S. 54; Richard Benson (Hrsg.): The Printed Picture, New York 2008, S. 222–226; Stolarski: Another Way of Telling the News, S. 564.

156

Allein das Honorar für den Autor der Festschrift in Tula betrug 3.425 Rubel. GATO f. 187, op. 2, d. 133, t. 2, l. 93.

157

Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 45.

158

o. A.: 1857–1907 Krengol’mskaja manufaktura.

159

Die Iževskie zavody publizierten ihre Festschrift beispielsweise in einer Auflage von 9.000 Stück. GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 19. In den Dokumenten der Verwaltung der Gummifabrik Treugol’nik findet sich der Hinweis, dass das angefertigte Jubiläumsalbum in „größerer Anzahl“ verteilt würde. CGIA f. 1179, op. 27, d. 1, l. 21.

160

Vergleichsweise hierzu auch: Knabe: Firmenjubiläen, S. 74; Tenfelde: Im Zenit industriepolitischer Macht, S. 117, 125.

161

CGА М f. 318, op. I t. 1, d. 672, l. 49.

162

Im Unternehmensarchiv finden sich unterschiedliche Versionen des auf Deutsch formulierten Textes sowie seiner russischen Übersetzung. Leider lässt sich nicht mehr nachvollziehen, welche Personen sich am Korrekturverfahren beteiligten. CGIA f. 1170, op. 32, d. 35, l. 1–14.

163

Müller: Das historische Jubiläum, S. 2; Damm: Jubiläumsaktivitäten und Unternehmenskommunikation deutscher Banken im späten 19. Jahrhundert, S. 333.

164

Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 11–12, 24.

165

GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 119–120.

166

Einen groben Überblick über mögliche Motive gibt: Matz: Industriefotografie.

167

Siehe hierzu: Kapitel „Neue Bilder eines neuen Raums – Fabrikalben“, S. 103–178.

168

o. A.: Al’bom v pamjat pjatidesjatiletija suščestvovanija tovariščestva Rossijsko- Amerikanskoj rezinovoj manufaktury pod firmoju „Treugol’nik“ v S. Peterburg. 1860–1910, Sankt-Peterburg 1910.

169

CGIA f. 1179, op. 28, d. 12, 12ž, 12z; f. 1179, op. 28, d. 11 g II.

170

Nur die für den Jahrestag aktualisierten Aspekte werden gemeinsam mit den Festschriften besprochen.

171

o. A.: K stoletiju Putilovskago Zavoda, S. 15.

172

o. A.: 1857–1907 Krengol’mskaja manufaktura, S. 3.

173

Teilweise griffen die Autoren auch auf Pläne aus unterschiedlichen Jahren zurück, anhand derer sich die bauliche Entwicklung des Unternehmens ablesen ließ. o. A.: Admiralitejskie Ižorskie zavody, S. 19, 24, 34, 39, 185; o. A.: Mechaničeskij zavod Ljudvig Nobel’, Anhang; Zybin: Istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. 88, 199, 239.

174

In diesem Fall allerdings ein Aquarell und keine Fotografie: o. A.: Mechaničeskij zavod Ljudvig Nobel’, S. 8a. Dieselbe Strategie findet sich auch in der Festschrift der Firma Krupp zum 100. Jahrestag der Firmengründung. Beide Festschriften erschienen im Jahr 1912. Tenfelde: Im Zenit industriepolitischer Macht, S. 124.

175

Hierzu auch Lenka Fehrenbach: Fotografischer Beweis der eigenen Leistung. Illustrierte Firmenfestschriften im späten Zarenreich, in: Irene Ziehe; Ulrich Hägele (Hrsg.): Gedruckte Fotografie. Abbildung, Objekt und mediales Format, Münster 2015, S. 76–92.

176

o. A.: Mechaničeskij zavod Ljudvig Nobel’, S. 18.

177

Zur Fabrikarchitektur siehe: Kapitel „Neue Bilder eines neuen Raums – Fabrikalben“, S. 103–178.

178

Dies lag an der Lichtempfindlichkeit der verwendeten Chemikalien, die besonders stark auf blaues Licht reagierten, weswegen der Himmel überbelichtet und folglich einheitlich weiß erscheint. Benson (Hrsg.): The Printed Picture, S. 106.

179

Joseph Bradly: Merchant Moscow after Hours. Voluntary Associations and Leisure, in: James West; Iurii Petrov (Hrsg.): Merchant Moscow. Images of Russia’s Vanished Bourgeoisie, Princeton 1998, S. 133–144, S. 133.

180

Robert Tolf: The Russian Rockefellers. The Saga of the Nobel Family and the Russian Oil Industry, Stanford 1976, S. 1–22.

181

Dies gilt auch für Unternehmen in Deutschland und Frankreich. Krupp war eine Ausnahme hinsichtlich der Verwendung von Fotografien und richtete bereits 1861 eine fotografische Anstalt ein. Andere Firmen folgten diesem Beispiel erst sehr viel später. von Dewitz: Die Bilder sind nicht teuer; für Frankreich: Assegonde: La photographie du travail, S. 203.

182

Gerhard Paul: Bilder, die Geschichte schrieben. Medienikonen des 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts. Einleitung, in: ders. (Hrsg.): Bilder, die Geschichte schrieben. 1900 bis heute, Bonn 2011, S. 7–16, S. 8–9.

183

Zybin: Istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. 357; Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. 44. In der ausführlicheren Festschrift beschrieb die Bildunterschrift das Foto als „Gesamtansicht des Betriebs“, in der Festschrift für die Arbeiter hieß es „Gesamtansicht des Betriebs in der jetzigen Zeit“.

184

Teilweise auch Canter.

185

Kanter war ein Moskauer meščanin (Kleinbürger), der 1886 ein Fotoatelier in Tula eröffnet hatte. Er gehörte zu den populärsten Fotografen Tulas und erhielt Preise für seine Teilnahme an russischen fotografischen Ausstellungen. Sein Atelier lag in der Kievskaja ulica (Kiever Strasse, heute Prospekt Lenina) im Zentrum der Stadt, nicht weit vom Kreml, wo er mindestens bis 1917 tätig war. Galkina: Iz istorii Tul’skoj fotografii.

186

Das Album befindet sich heute in der Fotoabteilung der RGB FO: (Inv MK XII–4224) (Izo 15880–64). Für Details zum Fotografen sowie der Serie siehe: Kapitel „Neue Bilder eines neuen Raums – Fabrikalben“, S. 103–178.

187

Vergaben Unternehmen Aufträge an Fotografen, erhielten sie in der Regel nicht nur die Abzüge, sondern auch die Negative. Stolarski: The Rise of Photojournalism, S. 114.

188

GMISPb ST 363200_317–27; 363200_366; 363200_409; 363222_30–31.

189

Zur Funktion von Ikonen: Gerhard Paul: Das Jahrhundert der Bilder, Bd. II. 1949 bis heute, Bonn 2008, S. 31–32.

190

Irina Antonova; Ėl’vira Safronova: Pamjatnik Carju-kuznecu, in: Tul’skij kraevedčeskij al’manach, Jg. 9/2012, S. 24–35, S. 24–25.

191

Sergej Aleksandrovič Zybin; Michail Nechljudov; Michail Grigor’evič Levickij: Oružejnye zavody. Tul’skij, Sestroreckij i Iževskij, Kronštadt 1898.

192

Der Tul’skij Imperatora Petra Velikago oružejnyj zavod wurde 1712 von Zar Peter I. gegründet und hatte aufgrund dieser historischen Gegebenheiten bereits eine engere Beziehung zum Herrscherhaus. Verständlicher Weise bot sich die Strategie des Verweises auf die Beziehung zu den Zaren besonders denjenigen Firmen an, die tatsächlich eine aus historischen Gegebenheiten resultierende Nähe zu den Romanovs hatten wie die Admiralitejskie Ižorskie zavody, ebenfalls eine Gründung Peters I. Allerdings wendet sich auch der Kolomenskij mašinostroitel’nyj zavod zumindest auf der ersten Seite der Festschrift an den Zaren.

193

Zybin: Istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. 134–135, 319, 331–332; Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. 20–21, 25, 30.

194

Zur Mythenbildung anlässlich von Jubiläen: Hannes Stekl: Öffentliche Gedenktage und Jubiläen in Zentraleuropa im 19. und 20. Jahrhundert, in: Winfried Müller (Hrsg.): Das historische Jubiläum. Genese, Ordnungsleistung und Inszenierungsgeschichte eines institutionellen Mechanismus, Münster u. a. 2004, S. 177–193, S. 178.

195

o. A.: 1857–1907 Krengol’mskaja manufaktura, S. 6; o. A.: K stoletiju Putilovskago Zavoda, S. 16.

196

o. A.: 1857–1907 Krengol’mskaja manufaktura, S. 113; o. A.: Techničeskoe opisanie Kolomenskago mašinostroitel’nago zavoda, S. 2, 12; Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. VIII. Portraits der Firmengründer spielten eine wichtige Rolle für die Repräsentation eines Unternehmens; dies galt sowohl für Russland, als auch für Deutschland und Frankreich. Hierzu beispielsweise: André: Des gravures de vulgarisation à la photographie, S. 30; Bossen: Eine gemeinsame Geschichte erschaffen, S. 42; Rahner: Glanzbilder, S. 9.

197

Zybin: Istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. I; Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. I.

198

Diese Bildsprache galt nur für Einzelportraits in Festschriften, bereits auf Gruppenfotografien von weniger als acht Abgebildeten blicken häufiger Personen in die Kamera, bei Aufnahmen von über zehn Personen waren Blickkontakt und die frontale Anordnung der Fotografierten der Normalfall. Einschränkend muss gesagt werden, dass sich diese Beobachtung ausschließlich auf klassische Portraits bezieht. Werden Personen an ihrem Arbeitsort fotografiert, folgen die Aufnahme wieder anderen Regeln. Hier geht es oft darum, eine möglichst „realistische“ Arbeitsatmosphäre abzubilden. Frontale Portraits in Gruppenaufnahmen: o. A.: Mechaničeskij zavod Ljudvig Nobel’, S. 10, 44.; o. A.: 1857–1907 Krengol’mskaja manufaktura, S. 11, 217. Zu Herrscherportraits beispielsweise: Frank Kämpfer: Das russische Herrscherbild. Von den Anfängen bis zu Peter dem Grossen, Studien zur Entwicklung politischer Ikonographie im byzantinischen Kulturkreis, Recklinghausen 1978, S. 269; Alexis Schwarzenbach: Royal Photographs. Emotions for the People, in: Contemporary European History, Jg.13/2004, Heft 3, S. 255–280; Wortman: Scenarios of Power, Bd. 1.; Wortman: Scenarios of Power, Bd. 2; Victor Belyakov: Der russische Zar und das Kino, in: KINtop. Jahrbuch zur Erforschung des frühen Films 1995, Heft 4, S. 99–109.

199

Lotman betont, dass es sich bei den Lubki nicht um primitive Darstellungen handelte, sondern um eine spezielle Gattung in der Volkskunst. Aufgrund der starken Verbreitung dieser Darstellungen scheint es möglich, dass deren Darstellungspraktiken auch die später entstandenen Kompositionen der Fotografen beeinflussten. Jurij Lotman: Die künstlerische Natur der russischen Volksbilderbögen, in: Wolfgang Till (Hrsg.): Lubok. Der russische Volksbilderbogen, Mannheim 1985, S. 21–34, S. 21. Zu Lubki auch: Alexander Kraus: Der russische Volksbilderbogen. Eine Zuschreibungsgeschichte, Hamburg 2014; Wulfhild Ziel: Der russische Volksbilderbogen in Bild und Text. Ein kultur- und kunsthistorisches Intermedium, Frankfurt a. M. 1996.

200

Richard Wortman: Lubki of Emancipation, in: Valerie A. Kivelson; Joan Neuberger (Hrsg.): Picturing Russia. Explorations in Visual Culture, New Haven, London 2008, S. 90–95, S. 92.

201

Wortman: Lubki of Emancipation, S. 93–94.

202

Zu russischen Herrscherbildern und Darstellungen der Zaren: Lindsey Hughes: From Tsar to Emperor. Portraits of Aleksei and Peter I., in: Valerie A. Kivelson, Joan Neuberger (Hrsg.): Picturing Russia. Explorations in Visual Culture, New Haven, London 2008, S. 51–56; Kämpfer: Das russische Herrscherbild.

203

GAVMF f. 417, op. 5, d. 2862; GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 22, 118–118o.

204

Interessant ist, dass teilweise in den Texten recht detailliert auf die eigene Belegschaft eingegangen wird. Dies spiegelt sich aber eher nicht auf der Bildebene wieder. Beispielsweise in: o. A.: 1857–1907 Krengol’mskaja manufaktura, S. 73, 78; o. A.: K stoletiju Putilovskago Zavoda, S. 28; o. A.: Techničeskoe opisanie Kolomenskago mašinostroitel’nago zavoda, S. 25–26, 112.

205

Beispielsweise zu Frankreich: Assegond: Les débuts de la photographie du travail usinier, S. 90–91.

206

Zu Plakaten beispielsweise: Ekaterina Klimova; Irina Zolotinkina (Hrsg.): Reklamnyj plakat v Rossii, 1900–1920-e, Sankt-Peterburg 2010; Waschik; Baburina (Hrsg.): Werben für die Utopie. Zu anderem Bildmaterial, besonders zu Firmendarstellungen in der Werbung, beispielsweise die Ausstellung: „Dizajn upakovki. Sdelano v Rossii“ 19.4.–2.6.2013 Manež, Muzejnovystavočnoe ob”edinenie, Moskva.

207

o. A.: Tovariščestvo Krasnosel’skoj pisučebymažnoj fabriki naslednikov K. P. Pečatkina, S. 2–3. An diesem Beispiel zeigt sich ein weiteres Mal, dass das Jubiläumsalbum der Firma Treugol’nik vermutlich nicht als Jubiläumspublikation konzipiert wurde, denn es eröffnet mit eben solch einer Überblicksdarstellung. o. A.: Al’bom v pamjat pjatidesjatiletija suščestvovanija, S. 6.

208

o. A.: Admiralitejskie Ižorskie zavody, S. 2; o. A.: Techničeskoe opisanie Kolomenskago mašinostroitel’nago zavoda, S. 12 oder o. A.: Zolotoj jubilej parfjumernago proizvodstva, S. 23.

209

o. A.: Zolotoj jubilej parfjumernago proizvodstva, S. 23.

210

Beispielsweise: o. A.: K stoletiju Putilovskago Zavoda; o. A.: Admiralitejskie Ižorskie zavody.

211

Beispielsweise: o. A.: Zolotoj jubilej parfjumernago proizvodstva; o. A.: 1857–1907 Krengol’mskaja manufaktura. Dies lässt sich auch in Frankreich beobachten: Assegond: Les débuts de la photographie du travail usinier, S. 91.

212

Hierzu genauer: Kapitel „Neue Bilder eines neuen Raums – Fabrikalben“, S. 103–178.

213

Besonders ausgeprägt in: o. A.: Mechaničeskij zavod Ljudvig Nobel’. Aber auch zu beobachten an einem deutschen Beispiel: Rahner: Glanzbilder, S. 12.

214

Wünschenswert wären hier weitere Vergleichsmöglichkeiten, um die These zu überprüfen. Die Beobachtung stützt sich auf die Festschrift der Tovariščestva Brokar i Ko sowie ein Album (kein Jubiläumsalbum) der Schokoladenfabrik Tovariščestva A. I. Abrikosova. Leider konnten bislang keine zusätzlichen Publikationen dieser Branche ausfindig gemacht werden.

215

Diese Strategie ist kein Alleinstellungsmerkmal von Festschriften. Auch Fotografen, die Aufnahmen für Fotoalben anfertigten, bedienten sich dieser Form der Inszenierung. Allerdings konnte im Fall der Festschriften das Phänomen besonders gut herausgearbeitet werden, weil hier gerade stark mechanisierte Industriezweige häufiger als in den Alben auf die Darstellung von Arbeitern verzichteten.

216

Hildermeier: Geschichte Russlands, S. 1151. Diese Darstellungsstrategie wandten auch französische Unternehmen an. Assegond: La photographie du travail, S. 315.

217

Dieses Selbstverständnis hatte sich unter russischen Kaufleuten bereits Ende des 18. Jahrhunderts herausgebildet. Zu dieser Zeit gehörten den intellektuellen, erzieherischen und philanthropischen Zirkeln in Moskau und im Gouvernement Tula bereits sowohl Adelige als auch Kaufleute an. Wirtschafter: Social Identity in Imperial Russia, S. 81–82.

218

Fotografien vergleichbarer Einrichtungen finden sich z.B. auch in Deutschland und Frankreich. Hierzu: Heinz Reif: „Wohlergehen der Arbeiter und häusliches Glück“, S. 105–122; Assegond: Les débuts de la photographie du travail usinier, S. 94.

219

Wolfgang Sartor: Louis Dreyfus & Co. Problemaufriss eines internationalen Großunternehmens in der Öffentlichkeit Russlands, in: Jörg Gebhard; Rainer Lindner; Bianka Pietrow-Ennker (Hrsg.): Unternehmer im Russischen Reich. Sozialprofil, Symbolwelten, Integrationsstrategien im 19. und frühen 20. Jahrhundert, Osnabrück 2006, S. 245–262, S. 253; Steinberg: Moral Communities, S. 34–35; Galina Ul’janova: Unternehmer und Öffentlichkeit im Wolgaraum. Wohltätigkeit in Nižnij Novgorod und Saratov (1870–1914), in: Jörg Gebhard; Rainer Lindner; Bianka Pietrow-Ennker (Hrsg.): Unternehmer im Russischen Reich. Sozialprofil, Symbolwelten, Integrationsstrategien im 19. und frühen 20. Jahrhundert, Osnabrück 2006, S. 109–139, S. 116–119.

220

Klaus Heller: Auf dem Weg zum Bourgeois? Das „Moskau der Kaufleute“ vor 1917. Gesellschaftliche Vorurteile gegenüber dem „Kaufmann“ im alten und neuen Russland, in: Jörg Gebhard; Rainer Lindner; Bianka Pietrow-Ennker (Hrsg.): Unternehmer im Russischen Reich. Sozialprofil, Symbolwelten, Integrationsstrategien im 19. und frühen 20. Jahrhundert, Osnabrück 2006, S. 45–75, S. 46–50; Schlögel: Jenseits des Großen Oktober, S. 247.

221

Dowler: The Intelligentsia and Capitalism, S. 271; Dowler: Russia in 1913, S. 246.

222

Steinberg: Moral Communities, S. 34, 247, 348; Galina Ulianova: Charitable Activities of Moscow Banks, in: William Craft Brumfield; Boris V. Anan’ich; Yuri A. Petrov (Hrsg.): Commerce in Russian Urban Culture, 1861–1914, Washington, D. C., Baltimore, London 2001, S. 59–78, S. 59. Teilweise übernahmen Unternehmer auch wichtige Ämter, beispielsweise in der städtischen Verwaltung von Moskau, und engagierten sich auf diese Weise für die Allgemeinheit. Thomas C. Owen: Capitalism and Politics in Russia. A Social History of the Moscow Merchants, 1855–1905, Cambridge u. a. 1981, S. 159–172.

223

Elżbieta Kaczyńska: Unternehmer als Wohltäter. Staat, Unternehmertum und Sozialpolitik im Königreich Polen 1815–1914, in: Jörg Gebhard; Rainer Lindner; Bianka Pietrow-Ennker (Hrsg.): Unternehmer im Russischen Reich. Sozialprofil, Symbolwelten, Integrationsstrategien im 19. und frühen 20. Jahrhundert, Osnabrück 2006, S. 77–89, S. 88–89; Sartor: Louis Dreyfus & Co., S. 253; Bianka Pietrow-Ennker: Unternehmer im Russischen Reich. Kulturelle Dimensionen sozialer Integration, in: Jörg Gebhard, Rainer Lindner, dies. (Hrsg.): Unternehmer im Russischen Reich. Sozialprofil, Symbolwelten, Integrationsstrategien im 19. und frühen 20. Jahrhundert, Osnabrück 2006, S. 407–428, S. 409.

224

Zeitgenossen berichten vielfach von schlechten Lebensbedingungen oder Versuchen von Seiten der Unternehmer, die Arbeiter um ihren Lohn zu prellen. Timofeev: What the Factory Worker Lives by, S. 109–110; Zelnik: Law and Disorder on the Narova River.

225

Seit 1866 waren Fabrikbesitzer im Zarenreich verpflichtet, je 1.000 Beschäftigte zehn Krankenbetten vorzuhalten. Hier zeigt sich die häufig schlechte medizinische Versorgung der Angestellten, die immer wieder von Fabrikinspektoren angemerkt wurde. Ab der Jahrhundertwende begannen Diskussionen um die Zuständigkeit zwischen Fabrikanten und Zemstva. Hildermeier: Geschichte Russlands, S. 1201.

226

o. A.: 1857–1907 Krengol’mskaja manufaktura, S. 139, 141, 159, 171.

227

Dies galt auch für Unternehmen, die nicht von Altgläubigen geleitet wurden. Zu Rolle der Altgläubigen in der russischen Industrie beispielsweise: Heller: Auf dem Weg zum Bourgeois?, S. 71–72; Gestwa: Proto-Industrialisierung, S. 176–184, 547–550; Manfred Hildermeier: Old Belief and Worldly Performance. Socioeconomic and Sociocultural Aspects of the Raskol in Early Industrial Russia, in: Georg Bernhard Michels; Robert Lewis Nichols (Hrsg.): Russia’s Dissident Old Believers, 1650–1950, Minneapolis 2009, S. 121–138; Danila Evgen’evič Raskov: Rol’ kupcev-staroobrjadcev v razvitii tekstil’noj promyšlennosti (po materialam Moskovskij gubernii), in: E. M. Juchimenko (Hrsg.): Staroobrjadčestvo v Rossii (XVII–XX vv.), Bd. 3, Moskva 2004, S. 434–467; Danila Raskov; Vadim Kufenko: The Role of the Old Believers’ Enterprises. Evidence from the Nineteenth Century Moscow Textile Industry, Stuttgart-Hohenheim 2014.

228

Tenfelde: Im Zenit industriepolitischer Macht, S. 151; Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung, S. 95; Keiderling (Hrsg.): Betriebsfeiern bei F. A. Brockhaus.

229

Herzlichen Dank für diese Hinweise an Célie Assegonde (in Basel am 28.08.14).

230

o. A.: Al’bom k obzoru desjatiletnej dejatel’nosti, Tafel VII.

231

Catherine Evtuhov: Portrait of a Russian Province. Economy, Society, and Civilisation in Nineteenth-Century Nizhnii Novgorod, Pittsburgh 2011, S. 182. Manche Autoren sprechen heute sogar von einer russischen religiösen Renaissance um die Jahrhundertwende. Steinberg: Petersburg, S. 212. Auch wenn Zeitgenossen eine zunehmende Säkularisierung als Charakteristikum der Arbeiter beschreiben, dürfte es sich weniger um eine Abkehr von religiösen Praktiken generell als vielmehr um eine Zuwendung zu außerinstitutionellen Formen der Religionsausübung gehandelt haben. Page Herrlinger: Worker Culture(s) during War and Revolutions, 1914–20, in: Murray Frame u. a. (Hrsg.): Russian Culture in War and Revolution, 1914–22. Book 1. Popular Culture, the Arts and Institutions, Bloomington 2014, S. 53–83, 65–66; Steinberg: Proletarian Imagination, S. 10, 227. In Umfragen nach der Oktoberrevolution gaben etwa zwei Drittel der befragten Arbeiter an, dass sie vor 1917 regelmäßig die Kirche besucht hätten. Bonnell: Introduction, S. 26.

232

Ziel des Gottesdiensts war unter anderem, dass die Belegschaft für das Wohl des Fabrikbesitzers betete. Kanačikov: A Radikal Worker in Tsarist Russia, S. 13. Dies war kein Einzelfall. Hierzu: Hilton: Selling to the Masses, S. 89.

233

Timofeev: What the Factory Worker Lives by, S. 97. Offenbar war es nicht ungewöhnlich, dass in Fabrikräumen Ikonen hingen. Zu sehen beispielsweise in: o. A.: Tovariščestvo manufkatury Ivan Garelin, S. 37, 46, 48, 59, 65.

234

Bonnell: Introduction, S. 4, 11.

235

Karl Felmy: The Icon in Orthodox Theology and Devotion, in: Robin Cormack; Delia Gaze (Hrsg.): The Art of the Holy Russia. Icon from Moscow, 1400–1660, London, Frankfurt 1998, S. 37–43, S. 37.

236

Gerade im ausgehenden 19. Jahrhundert, als die Industrie immer wichtiger wurde, entstanden in der russischen Hauptstadt eine Vielzahl neuer Gotteshäuser, nicht nur für Gläubige der russisch-orthodoxen Kirche. Schlögel: Jenseits des Großen Oktober, S. 56.

237

Hier wird das Problem deutlich, dass sich immer wieder bei gedruckten Fotografien ergibt: Häufig lässt sich der Unterschied zwischen stark bearbeiteten Fotografien und tatsächlich grafischen Abbildungen im endgültigen Druckerzeugnis kaum oder gar nicht feststellen.

238

o. A.: K stoletiju Putilovskago Zavoda, S 113–114. Evtuhov schreibt, dass der Wiederaufbau von Kirchen eine Möglichkeit der Menschen gewesen sei, ihre Frömmigkeit auszudrücken. Dies wäre auch eine denkbare Interpretation des vorliegenden Falls. Evtuhov: Portrait of a Russian Province, S. 193.

239

Timofeev: What the Factory Worker Lives by, S. 95–96.

240

Pietrow-Ennker: Unternehmer im Russischen Reich, S. 419.

241

Timofeev beschreibt, dass dieses Bild für die Arbeiter sozusagen als Ansporn fungierte. Er nennt in diesem Fall zwar nicht den genauen Betrieb, doch seine Bildbeschreibung passt sehr gut auf die vorliegende Abbildung. Timofeev: What the Factory Worker Lives by, S. 96.

242

Monika Burri: Die Welt im Taschenformat. Die Postkartensammlung Adolf Feller, Zürich 2011, S. 72.

243

Kirstin Lowis: Positivismus und Poesie. Architekturfotografie um 1900, in: Ludger Derenthal; Christine Kühn (Hrsg.): Ein neuer Blick. Architekturfotografie aus den Staatlichen Museen zu Berlin, Berlin 2010, S. 33–36, S. 34.

244

Genauer hierzu: William Brumfield: The „New Style“ and the Revival of the Orthodox Church Architecture, 1900–1914, in: ders.; Milos Velimirovic (Hrsg.): Christianity and the Arts in Russia, Cambridge u. a. 1991, S. 105–123. Der neo-russische Stil fällt besonders auf, weil im Stadtbild St. Petersburgs überwiegend westeuropäische Baustile dominier(t)en. Pierre Hart: The West, in: Nicholas Rzhevsky (Hrsg.): The Cambridge Companion to Modern Russian Culture, Cambridge 1998, S. 85–102, S. 99.

245

Kathleen Klotchkov: Orte des „Russischen“ in St. Petersburg. Die Kirche der Auferstehung Christi, in: Karl Schlögel; Frithjof Benjamin Schenk; Markus Ackeret (Hrsg.): Sankt Petersburg. Schauplätze einer Stadtgeschichte, Frankfurt a. M., New York 2007, S. 95–108, S. 100.

246

Richard Wortman: Moscow and Petersburg. The Problem of Political Center in Tsarist Russia, 1881–1914, in: Sean Wilentz (Hrsg.): Rites of Power. Symbolism, Ritual and Politics Since the Middle Ages, Philadelphia 1985, S. 244–271, S. 251–252. Zur architektonischen Gestaltung des Moskauer Zentrums im russischen Stil: Jewgenia Kiritschenko: Zwischen Byzanz und Moskau. Der Nationalstil in der russischen Kunst, München 1991, S. 108–113.

247

Wortman: „Invisible Threads“, S. 399.

248

Zu diesem Konzept: Nicholas V. Riasanovsky: Nicholas I and Official Nationality in Russia. 1825–1855, Berkeley, Los Angeles, London 1959, S. 73–183.

249

Auch unter Nikolaus II. blieb die russisch-orthodoxe Kirche eine Säule des Staats. Wortman: Scenarios of Power, Bd. 2, S. 310.

250

Sowohl von der Festschrift der Admiralitejskie Ižorskie zavody als auch vom Jubiläumsalbum der Fabrik Treugol’nik existieren unterschiedliche Versionen, die sich minimal in der Anzahl der abgedruckten Illustrationen und deren Positionierung im Text unterscheiden. o. A.: Al’bom v pamjat pjatidesjatiletija suščestvovanija, Version CGIA f. 1179, op. 28, d. 11 g. I; Exemplar in der RNB OĖ: Ė((АlT63)/(2–l452)). Die Admiralitejskie Ižorskie zavody gaben ein Jahr später auch eine gekürzte Version der Festschrift heraus. Es gibt allerdings keine Hinweise darauf, dass sie sich speziell an die Arbeiter richtete. o. A.: Kratkoe izvlečenie iz istoričeskago očerka Admiralitejskich Ižorskich zavodov, Sankt-Peterburg 1904.

251

Das Analyseexemplar der ausführlichen Festschrift ist die elektronische Kopie aus der Prezidentskaja Biblioteka Imeni Borisa Nikolaeviča El’cina (Präsidentenbibliothek mit Namen Boris Nikolaevič El’cins). Die Publikation erschien in unterschiedlich aufwendig gestalteten Versionen. In der hochwertigsten Ausstattung kostete den Betrieb jedes Buch 3,65 Rubel. Davon erschienen 500 Exemplare. Für die etwas weniger aufwendige Version zahlte das Unternehmen immerhin ca. 2,48 Rubel pro Stück. Die kleine Festschrift für die Arbeiter war mit sechs Kopeken deutlich günstiger. GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 76, 76o.

252

Grundlage der Untersuchung ist das Exemplar der Festschrift, das in der Tulaer Bibliothek unter der Signatur 63.3(2R–4TUL)24, 3–96 zu finden ist.

253

GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 76o. Die kleine Festschrift war mit 360 Rubel für 4.000 Exemplare auch deutlich kostengünstiger als die ausführliche Version.

254

Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. I.

255

Zybin: Istoria Tul’skogo Imperatora Petra Verlikago oružejnago zavod, S. I.

256

Die große Feier wurde jedoch auf April desselben Jahres verschoben, weil die Statue Peters I. im Februar nicht hätte aufgestellt werden können. Antonova; Safronova: Pamjatnik Carju-kuznecu, S. 30–31.

257

In den Jahren 1812–1814 habe die russische Armee besonders viele Waffen benötigt, weswegen das Unternehmen durch externe Arbeiter vergrößert worden sei. Insgesamt sei es gelungen, während der drei Jahre des Kriegs mehr als 500.000 Waffen herzustellen. Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. II–V.

258

Zu den Strategien der Selbstinszenierung des Zaren siehe: Kapitel „Die Fabrik wird salonfähig – der Erste Weltkrieg“, S. 325–368.

259

Wortman: Scenarios of Power, Bd. 2, S. 507; Grant: Big Business in Russia, S. 79–80.

260

Interessant ist, dass hier die Abkürzung I.T.O.Z. vermerkt ist. Sie steht für Imperatorskij Tul’skij oružejnyj zavod. Am 15. Februar 1912 erhielt die Firma von Nikolaus II. jedoch, wie oben beschrieben, den Namen Tul’skij Imperatora Petra Velikago ozužejnyj zavod. Warum dies vor dem Druck der Festschrift nicht mehr geändert wurde, oder ob bereits mit dem Druck begonnen worden war, ist nicht bekannt. Zybin: Istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. II.

261

Im Tulaer Regionalarchiv finden sich Unterlagen von den ersten Überlegungen bis zur Realisierung des Denkmals. Insgesamt umfasst die Dokumentation drei umfangreiche Bände: GATO f. 187, op. 2, d. 133.

262

Bereits im Dezember 1909 hatten sich drei Viertel der Belegschaft dafür ausgesprochen, 3.000 Rubel für die Statue zu sammeln. GATO f. 187, op. 2, d. 133, l. 95, t. 3, l. 118, 127.

263

Bynkinyj stellt in seinem Beitrag zur Firmengeschichte aus den 1970er Jahren diese Freiwilligkeit stark in Frage: I. A. Bynkinyj: V gornile dvuch revoljucij, in: Ju. M. Močalova u. a. (Hrsg.): Istorija Tul’skogo oružejnogo zavoda. 1712–1972, Moskva 1972, S. 99–128, S. 118.

264

Iskry, 13.05.12, No. 19, S. 1.

265

Zybin: Istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. IV.

266

Gleichzeitig verweisen die Pose und Nähe zur Waffentechnik auf seine Bedeutung als Feldherr. Die militärischen Verdienste Peters I. waren gerade in den letzten Dekaden des Zarenreichs nicht nur unter Historikern präsent. Wortman: Scenarios of Power, Bd. 1, S. 43, 45; Nicholas V. Riasanovsky: The Image of Peter the Great in Russian History and Thought, Oxford, New York 1985, S. 217, 219–221.

267

Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. VI; Zybin: Istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. VI.

268

Wortman: Scenarios of Power, Bd. 2, S. 497.

269

Blackwell: The Beginnings of Russian Industrialization, S. 12, 29; Heller: Geschichte des modernen Unternehmertums, S. 5; Barnett: The Revolutionary Russian Economy, S. 6–7.

270

Von insgesamt 35 Abbildungen waren es: Karten (1), Stiche (8), Reproduktionen von Gemälden (9) und Fotografien (17). Die ausführliche Version der Firmengeschichte hat bei insgesamt 357 Seiten nur 72 Illustrationen und mit zehn gedruckten Fotografien auch insgesamt deutlich weniger Darstellungen dieses Typs. Die restlichen visuellen Darstellungen sind Karten (4), Zeichnungen (45) und Reproduktionen von Gemälden (13).

271

Martin Keckeis geht davon aus, dass technische Zeichnungen für ein Laienpublikum nur schwer verständlich gewesen seien, das Erkennen einer Fotografie hingegen keine solchen Schwierigkeiten bereitete. Entsprechend könnte die Wahl des Bildmediums darauf hindeuten, dass die große Festschrift sich insbesondere an eine Leserschaft wandte, die gebildet war und sich mit Gewehren auskannte. Keckeis: Fotografien im Dienste expansiver Unternehmensstrategien, S. 28.

272

Und dies, obwohl die Fotografie im Vergleich zu den technischen Zeichnungen wenig detailgenau erscheint und keine Feinheiten erkennen lässt.

273

Zybin: Istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. 134–135; Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. 20–21.

274

Beispielsweise: Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. 19–20.

275

Zybin: Istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. 50, 287, 357.

276

Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. 18, 39.

277

Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. 44.

278

Im Gegensatz dazu stammt die Vorlage für die Innenaufnahme der Gewehrlaufwerkstatt beispielsweise vom Tulaer Fotografen S. O. Kanter. Sie gehört zu einer Serie, die Kanter in den 1900er Jahren, also mehrere Jahre vor der Veröffentlichung der Festschrift, für die Waffenfabrik angefertigt hatte. TGMO KP 2–21684.

279

Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. 46–49. Der Bau der Grundschule war 1909 beschlossen worden, sie sollte rechtzeitig zum Jubiläum fertiggestellt werden. Dieses Ziel wurde erfüllt und 1911 öffnete die Schule für die erste Klasse ihre Türen.

280

o. A.: Mechaničeskij zavod Ljudvig Nobel’, S. 43. Andere Publikationen zeigen häufig Kinder in den Klassenzimmern: o. A.: Al’bom v pamjat pjatidesjatiletija suščestvovanija, S. 44; o. A.: Tovariščestvo Krasnosel’skoj pisučebymažnoj fabriki, S. 39–43. Warum die Innenaufnahmen der Wohlfahrtseinrichtungen keine Arbeiter zeigen, muss offen bleiben.

281

Natürlich handelt es sich dabei nicht um eine selbstlose Investition der Firma. Das Unternehmen hatte ein großes Interesse daran, die zukünftige Versorgung mit gut ausgebildeten Arbeitskräften sicherzustellen. Siehe hierzu auch: Gestwa: Proto-Industrialisierung, S. 169.

282

Zybin: Kratkaja istorija Tul’skago Imperatora Petra Velikago oružejnago zavoda, S. 50–52.

283

Zur detaillierten Beschreibung und Interpretation dieser Fotografie siehe: in diesem Kapitel, S. 214–217.

284

Beispielsweise: Ekaterina Vladimirovna Byčkova (Hrsg.): Kolomenskij zavod. 150 let truda, talanta, opyta … Rabočnikam Kolomenskogo zavoda prošlogo, nastojaščego, buduščego posvjaščaetsja. 1863–2013, Rjazan’ 2013; oder auch: Karina Žarkova; Ėl’vira Korejčenka; Aleksandr Berenda: Kirovskij zavod. 210 let na blago Rossii, Sankt-Peterburg 2011.

285

Es erstaunt nicht, dass auch die Jubiläumsfeierlichkeiten 2013 in Kolomna fotografisch festgehalten wurden.

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