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Soziale Marktwirtschaft und rechtsstaatliche Demokratie verhalten sich zueinander wie zwei Seiten einer Münze, die als Aufschrift das Grundwort der europäischen und der christlichen Ethik trägt: Person. Seitdem die frühen Griechen nach Herodot und Homer über das Wesen des Menschen als mit Landschildkröte und Pinienbaum verwandtes Lebewesen nachgedacht haben, seit der Begriff der unsterblichen Seele in der sokratischen und platonischen Philosophie in den Mittelpunkt der Anthropologie und der Ethik rückte, seitdem prägt der Begriff von Person und Personalität die Wissenschaft vom Menschen. Es ist ein Mensch, dessen Ziel und dessen Vollendung mit diesem Lebensprinzip der unsterblichen Seele wesentlich zu tun hat, so dass man sagen könnte: Unsterblichkeit ist das Ziel und die Vollendung des sterblichen Menschen, der nur dem Fleisch nach in der Zeit stirbt, dem Geist nach aber – da er über den Tod und das Vergehen hinaus denken kann – auf ewig leben wird. Wenn das aber stimmt oder wenigstens wahrscheinlich oder zumindest nicht gänzlich auszuschließen und von der Hand zu weisen wäre – man denke an Robert Spaemanns großartigen Gottesbeweis des Futur II: Jeder Mensch ist in der Lage, von sich und anderen zu denken: „Ich werde gelebt haben“; was sagt das aus über die Möglichkeit der Jenseitigkeit des menschlichen Geistes? – und in den Bereich des Möglichen rückte: Was heißt das für die Person und ihr Leben in der Zeit? Ein Leben, das mehr ist als, wie die Griechen dagegen sagen, bloßes „bios“, also pures Überleben, sondern eine „zoé“, ein rundum und vollendet gutes Leben sein soll? Ein Leben, das im Haus der Zeit wohnt und sich doch nicht darin erschöpfen darf und will, das nach dem besonderen Gesetz dieses Hauses der Zeit sucht, ein Gesetz jenseits von Angebot und Nachfrage, von Vergeblichkeit und Vergänglichkeit?

Damit beschäftigen sich seit alters her die klassische Ethik und die klassische Ökonomie, die ihren Namen eben der Frage nach dem Gesetz des Zusammenwohnens im Haus und einer guten Haushaltung verdankt. So hat die Ethik es immer mit der Ökonomie zu tun und in dieser Richtung soll in diesem Buch gefragt werden nach der Ethik unserer spezifischen Form der Ökonomie, nämlich der sozialen Marktwirtschaft. Diese ist immerhin seit dem Vertrag von Lissabon auch offiziell die Wirtschaftsform der Europäischen Union und entspricht damit dem personalistischen Menschenbild dieser als Friedensprojekt nach der nationalsozialistischen Brutalität erstandenen Union.

Mein Dank gilt für viele Anregungen und Mühen der Korrektur besonders Lars Schäfers, und dann Sabine Adams, Andrea Heck, Arnd Küppers und Wolfgang Kurek von der KSZ in Mönchengladbach, sowie Patrick Kaesberg und Marius Menke, und nicht zuletzt dem Verlag Ferdinand Schöningh in Paderborn und dem Lektor Martin Illert!

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