Glossar zum Frankfurter Neuen Testament

In: Die Evangelien nach Markus und Matthäus
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Glossar zum Frankfurter Neuen Testament

Wir erhielten nach dem Erscheinen von FNT 1 die Anregung, auch Leserinnen und Lesern, die mit der griechischen Schrift nicht vertraut sind, mittels Umschrift in das lateinische Alphabet eine Vorstellung vom Klang der griechischen Wörter zu vermitteln. Diesem Wunsch kommen wir hier gerne nach.

Die griechischen Buchstaben und ihre deutschen Entsprechungen:

α (Alpha)

a

β (Beta)

b

γ (Gamma)

g (vor g, k, ch: nasaliertes n wie in Dt. „Engel“)

δ (Delta)

d

ε (Epsilon)

e (kurz)

ζ (Zeta)

z

η (Eta)

ē (lang)

ϑ (Theta)

th

ι (Iota)

i

κ (Kappa)

k

λ (Lambda)

l

µ (My)

m

ν (Ny)

n

ξ (Xi)

x

ο (Omikron)

o (kurz)

π (Pi)

p

ρ (Rho)

r

σ, am Wortende ς (Sigma)

s

τ (Tau)

t

υ (Ypsilon)

y (in Diphthongen: u)

φ (Phi)

ph1

χ (Chi)

ch2

ψ (Psi)

ps

ω (Omega)

ō (lang)

Für das deutsche „h“ gibt es im Griechischen keinen eigenen Buchstaben, doch werden Vokale und Rho vor allem im Anlaut oft aspiriert (behaucht). Dies wird durch den so genannten spiritus asper über dem Anfangsbuchstaben markiert, der wie ein nach rechts offener Halbkreis aussieht (z. B. im Anlaut von ἁµαρτία, hamartía). In der Umschrift schreiben wir hierfür h. Dies gilt auch für Komposita, wie z. B. ἐξοµολογεῖν (exhomologeîn) Das Gegenstück zum spiritus asper, der nach links offene spiritus lenis (z. B. im Anlaut von ἀγαπᾶν, agapân) hat keinen Einfluss auf die Schreibung und Aussprache. – Der Diphthong ου wird im Dt. mit u (stets lang zu lesen) wiedergegeben. – σχ (z. B. in ἰσχύς, ischýs) wird anders als „sch“ im Dt. getrennt gesprochen, also: is-chýs. Die den Akzent tragende Silbe des griechischen Wortes erhält auch in der Umschrift den entsprechenden Akzent zum Anzeigen der betonten Silbe.

Wir schreiben in der Übersetzung das Pronomen „du“ groß, wenn Gott oder Jesus angesprochen sind, außer in den Fällen, in denen die Anrede an Jesus nicht ehrerbietig gemeint ist wie etwa bei Kaiphas und Pilatus.

1

Eigentlich handelt es sich beim Phi um einen aspirierten p-Laut. Es hat sich aber im Deutschen eingebürgert, es als „f“ auszusprechen (s. z. B. „Philosoph“).

2

Eigentlich handelt es sich beim Chi um einen aspirierten k-Laut. Im Deutschen wird er häufig im Anlaut auch so ausgesprochen (s. z. B. „Christus“, „Chronik“), an anderen Stellen im Wort dagegen in der Regel als „ch“.

3

Näheres hierzu bei der Anm. zu πίστις (pístis).

4

Die traditionelle Übersetzung ist „Vergebung“, was aber bereits eine theologische Interpretation darstellt. Unser „Erlassung“ ist neutraler und wörtlicher.

5

Wir haben hier wie bei den folgenden Begriffen bewusst auf die rituellen termini technici „taufen“, „Taufe“ und „Täufer“ verzichtet, um den Fokus auf den Vorgang als solchen zu lenken und um zu vermeiden, das sich in der Alten Kirche ausbildende Ritual der Taufe in die neutestamentlichen Texte anachronistisch einzutragen.

6

Auch hier wie beim folgenden Begriff wollten wir die zuspitzende und den Begriff einengende traditionelle Übersetzung „Gott lästern“ und „Gotteslästerung“ vermeiden und die beiden Begriffe auf ihre Grundbedeutung zurückführen.

7

Mit dieser gegenüber einem einfachen „es ist nötig“, „man muss“ einengenden Übersetzung wollten wir den Unterschied zu dem stärkeren ἀνάγκη/ἀναγκαῖόν ἐστιν (anánkē/anankaîón estin), das eine zwingende Notwendigkeit zum Ausdruck bringt, betonen.

8

In der traditionellen Übersetzung „Teufel“ geht verloren, was διάβολος eigentlich meint: Es bezeichnet wörtlich den „Durcheinanderwerfer“, der in destruktiver Absicht Unruhe und Zwist stiftet. Da dieses Wort im Deutschen in seiner Kompliziertheit unschön klingt, haben wir bereits für FNT 1 den „Zerwerfer“ geprägt, der in seiner Knappheit auch den destruktiven Aspekt stark macht – nicht zuletzt als derjenige, der Zerwürfnisse stiftet.

9

Mit der Übersetzung dieses Begriffs haben wir uns auch schon in FNT 1 schwergetan und auch nach vielen Diskussionen keine vollständig befriedigende Lösung gefunden. ἔϑνος bezeichnet häufig im Gegensatz zu λαός (laós), mit dem oft, aber nicht immer das Volk Israel gemeint ist, andere Völker; es ist aber nicht angemessen, es, wie es meist geschieht, mit „Heiden“ zu übersetzen, da dieser Begriff zum einen negativ konnotiert ist, zum anderen dieser Gegensatz keineswegs immer gemeint ist. Ein ἔϑνος kann grundsätzlich die Bevölkerung eines jeden Staates sein.

10

Auch hier haben wir die Grundbedeutung des Wortes für die Übersetzung gewählt. Das bisweilen verwendete „Kirche“ ist für die Zeit, in der Matthäus und Markus schreiben, anachronistisch, das meist verwendete „Gemeinde“ nimmt auch eine feste Struktur der Gruppen von Christus-Anhängern in den jeweiligen Städten an, die in dieser frühen Zeit noch kaum gegeben ist.

11

Der Unterschied der beiden ähnlichen Imperative ἰδέ und ἰδού besteht darin, dass ersterer einen konkreten Vorgang des Sehens oder Schauens bezeichnet, letzterer (der im NT sehr viel häufiger ist) eine allgemeine Markierung darstellt, dass im Folgenden von etwas besonders Wichtigem die Rede ist.

12

Als Titel, nicht als Eigenname gebraucht. Dies erschien uns passender als die moderne Übersetzung „Kaiser“, die freilich von dem Wort „Caesar“ abgeleitet ist.

13

Diese Übersetzung bringt das Lehrer-Schüler-Verhältnis zwischen Jesus und seinen zwölf engsten Anhängern besser zum Ausdruck als die übliche Bezeichnung „Jünger“.

14

Unsere Übersetzung dieses und des folgenden Begriffs weicht von der vor allem in älteren Übersetzungen anzutreffenden Praxis ab, µετανοεῖν mit „büßen“ und µετάνοια mit „Buße“ wiederzugeben. Das ist schlicht und einfach falsch und rührt von der falschen Übersetzung von µετάνοια mit poenitentia in der lateinischen Vulgata her.

15

Die übliche Übersetzung „glauben“ scheint uns an keiner Stelle das, was gemeint ist, besser wiederzugeben als das wörtliche „vertrauen“, aber häufig den Sinn schlechter zu treffen. Das Gleiche gilt für das Substantiv πίστις.

16

Optisch nicht unterschieden ist der Infinitiv von σύνειµι (sýneimi / zusammenkommen).

17

Die übliche Übersetzung „Heuchler“ scheint uns zu negativ zu sein. Wenn etwa Jesus die Pharisäer mit diesem Wort anspricht, will er entweder mit einer gewissen Ironie zum Ausdruck bringen, dass sie als Ausdeuter der heiligen Schriften inkompetent sind, oder kritisieren, dass sie ihre Frömmigkeit zur Schau stellen; das aber ist keine Heuchelei, sondern Angeberei.

Die Evangelien nach Markus und Matthäus

Neu übersetzt und mit Überlegungen zur Sprache des Neuen Testaments, zur Gattung der Evangelien und zur intertextuellen Schreibweise sowie mit einem Glossar

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