Anhang: Münzgeld im Neuen Testament

In: Die Evangelien nach Markus und Matthäus
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Die im Neuen Testament erwähnten Münzen1 gehören folgenden Münzsystemen2 an, wobei wir die reinen Gewichtstermini, die keine Münzen sind, mit einem hochgestellten Kreis versehen °:

Griechisch:

1 Talent (°)= 60 Minen (°)

1 Mine (°) = 25 Statere (°)

1 Stater (°) = 1 Tetradrachme

1 Tetradrachme = 2 Didrachmen (Silber)

1 Didrachme = 2 Drachmen (Silber)

1 Drachme = 6 Obolen (Kupfer)

1 Obol = 2 Hemiobolen (Kupfer)

1 Hemiobol = 4 Chalkoi (Kupfer)

1 Chalkos = 3 Lepta (Kupfer)

Hinzu kommen:

Dekadrachme (Silber) = 10 Drachmen

Hemidrachme (Silber) = Halbdrachme

Römisch:

1 Aureus (Golddenar) = 25 (Silber-)Denare

1 Denar = 4 Sesterze (Messing)

1 Sesterz = 2 Dupondien (Messing)

1 Dupondius = 2 Asse (Kupfer)

1 As = 2 Semiasse (Messing)

1 Semias = 2 Quadranten (Kupfer)3

Tyrisch:

Schekel (Silber) entspricht Tetradrachme

Halbschekel (Silber) entspricht Doppeldrachme

Auffälligerweise werden im Neuen Testament die regional geprägten Bronzemünzen, z. B. die der Herodianer, nicht genannt. Meshorer4 führt z. B. auf:

1 Hadris = 2 Hanzin

1 Hanzin = 2 Shamin

1 Shamin = 2 Prutot

Solche regionalen Bronzemünzen spielten für den Alltag eine wesentlich größere Rolle als die griechische Drachme oder der tyrische Silberschekel. Zur Zeit Jesu waren in Judäa insbesondere jüdische Bronzemünzen das alltäglich verwendete Geld sowie Drachmen für höhere Beträge. Römische Denare hingegen wurden kaum verwendet.

I Der Siegeszug der Münzen – eine knappe historische Skizze

Die Auswirkungen von Münzprägung und Geldwirtschaft sind weder in wirtschaftlicher noch in gesellschaftlicher oder politischer Hinsicht zu überschätzen. Sie führten zu einer Mobilisierung des Kapitals, zur Intensivierung des Verkehrs, zur Umwandlung der noch in sich geschlossenen ‚Oikoswirtschaft‘ in die ‚Poliswirtschaft‘, zur Umgruppierung wirtschaftlicher Macht und […] zur Auflösung der aristokratischen Führungsschicht des archaischen Griechenlands.5

Trotz unterschiedlicher Wirtschaftsformen brachten weder die mesopotamischen Hochkulturen noch Ägypten Münzen hervor. „Ägyptische Münzen wurden erst im 4. Jhdt. geprägt, u. zwar von den Königen der 29. und 30. Dynastie für ihre griechischen Söldner.“6 Im alten Ägypten überwog deutlich die Naturalwirtschaft, während in Mesopotamien prämonetäres Geld in Form von Getreide und Geldmetallen neben der Naturalwirtschaft eingesetzt wurde, das auch bereits zu Anfängen des Kreditwesens führt. Prämonetäres „Gerätegeld wie Beile, Spieße, Becken und anderes Gerät, das auch aus Homer bekannt ist, bei dem im Übrigen immer noch die Rinder den Wertmaßstab bilden (z. B. Od. a 430f.)“7, wird vor dem Aufkommen des Münzgeldes auch in Kleinasien und Griechenland verwendet.

Ab dem 6. Jh. v.Chr. sind Münzen belegt. „Eine Münze ist ein aus Metall gefertigtes Geldstück, das sich nach einem Standard richtet und eine bildliche Gestaltung aufweist.“8 Gestritten wird darüber, ob sie eine lydische oder eine griechische Erfindung ist, wobei wiederum einhellig die herausragende Rolle der Griechen bei der Etablierung dieser neuen Geldform im gesamten Mittelmeerbereich gewürdigt wird.

Das lydische Münzsystem wird von den Persern übernommen und verändert, während sich das griechische Münzgeld unter der Hegemonie Athens in der gesamten griechischen Welt rasch verbreitet.

Rom tritt erst relativ spät in die Geschichte des Münzgeldes ein. Die Römer prägen zunächst eigene Stadtmünzen, orientieren sich aber nach dem Erlangen der Vorherrschaft in Mittelitalien dann an der etruskischen Münztradition. „Umgekehrt erzwangen die immer engeren Verbindungen mit den griechischen Städten Unteritaliens (327 Neapel) und speziell der Krieg gegen Pyrrhos (280–275 v.Chr.) den Anschluß an Standard und Form des süditalischen, das heißt des griechischen Geldwesens.“9 Erst mit der Einführung des Denars zu Beginn des dritten vorchristlichen Jahrhunderts entsteht ein eigenes römisches Münzsystem, das dann im Verlauf des 2. und 1. Jahrhunderts v. Chr. das lydisch-persische, welches bereits durch die Niederlage der Perser gegen das makedonisch-griechische Heer Alexanders des Großen zum Erliegen kam, und auch das griechisch-hellenistische Münzsystem, das durch Alexander und die Diadochenreiche die weiteste Verbreitung gefunden hatte, an Bedeutung und Verbreitung überflügelt. Im Osten allerdings – und damit auch in der Levante – verdrängt die römische die griechische Währung erst im 3. Jh. n. Chr. Aufgrund der von Augustus verfügten Gleichsetzung von Denar und Drachme „durch eine Gewichtsreduktion der attischen Tetradrachme von etwa 17 g auf knapp 15 g“10 kursierten sie noch lange Zeit nebeneinander, wobei in der Levante die römische Reichsprägung mit lateinischer Aufschrift gegenüber der griechischen Münztradition bis in das 2. Jh. n.Chr. deutlich weniger Verbreitung fand.

Abb. 1
Abb. 1

Denar des Tiberius (Vorderseite) (Foto: Max Karweick)

Abb. 2
Abb. 2

Denar des Tiberius (Rückseite) (Foto: Max Karweick)

II Münzen im geographischen Raum neutestamentlicher Schriften

Liest man die neutestamentlichen Schriften unter der Fragestellung „Geld im Neuen Testament“, so ist die hohe Trefferquote verblüffend, die Terminologie aber verwirrend.

Die Münzen legen auf einzigartige Weise Zeugnis ab einerseits von den wirtschaftlichen Verflechtungen Palästinas mit seiner Umwelt, andererseits aber auch von der kulturellen und politischen Vielfalt, ja Zerrissenheit dieses Landes im 1. Jh. n.Chr. Römische Statthalter und herodianische Klientelherrscher prägten Münzen, die durchweg griechische Aufschriften trugen und mit Bildern und Legenden ganz bestimmte Ideen propagierten. Daneben zirkulierten römische Reichsprägungen mit ihren lateinischen Legenden und Rom-orientierten Bildthemen sowie städtische Münzen etwa aus Ptolemais Ake, Dora, Kaisareia am Meer, Askalon, Gaza, Nysa, Skythopolis, Gadara, Gaba, Sepphoris, Tiberias, Kaisarea Paneas und Kanatha mit griechischen Legenden und zumeist dem Kaiserporträt. Zusätzlich waren größere Mengen von Silbermünzen aus dem phönikischen Tyros, dem syrischen Antiocheia oder gar dem kappadokischen Kaisarea (alle ebenfalls mit griechischen Aufschriften) im Umlauf. Fast so vielfältig wie die Bilder und Aufschriften waren die Münzbezeichnungen und die Münzsysteme, die den zirkulierenden Geldstücken zugrunde lagen.11

Erfreulicherweise liegen für die jüdische Lokalprägung einschlägige Untersuchungen vor, wobei insbesondere die Arbeiten von Ya’akov Meshorer12 und Leo Mildenberg13 genannt seien. „Münz.-G. haben die Juden erst am Ende des 6. Jh. im babylonischen Exil kennengelernt u. nach Jerusalem mitgebracht u. zwar die persischen Dareiken (Esr. 2,69; 8,27; Neh. 7,69/71). Um die Mitte des 5. Jh. haben die Judäer unter persischer Herrschaft dann ihre ersten Silbermünzen geschlagen.“14 Dabei ist sowohl persischer als auch griechischer Einfluss festzustellen.

Durch die Eroberungen Alexanders des Großen herrschten dann in der Levante die griechischen bzw. hellenistischen Münzprägungen bis in die Mitte des 2. Jahrhunderts vor. Durch die zunehmende Schwächung der Diadochenreiche insbesondere durch den Vormarsch des Römischen Reiches konnte die phönizische Währung nochmals überregional an Bedeutung gewinnen, während die jüdische Münzprägung rein regionalen Charakter hatte.

Antiochus Sidetes gewährte i.J.135 dem Hasmonäer Simon das Münzrecht für lokale Bronzemünzen (1 Macc. 15,6). Dessen Sohn, Johannes Hyrcanus, hat die ersten jüd. Bronzemünzen geschlagen, u. die Hasmonäer haben das Münzrecht weiter ausgeübt bis zur Eroberung Palästinas durch Pompeius i. J. 63 v. C.. Von diesem Jahre ab verbreiteten sich neben den schon erwähnten G.stücken die röm. Denare u. später die aurei in zunehmendem Maße über das Land. Die Römer haben den idumäischen Fürsten u. den röm. Prokuratoren erlaubt, lokale Bronzemünzen zu prägen. Noch zweimal haben die Juden eigene Silbermünzen geprägt: in den Jahren 66/70 während des 1. jüd. Aufstandes u. 132/35 während des Barkochba-Aufruhrs.15

Die große Vielfalt der Münzprägungen ergibt sich aber nicht aus immer neuen Währungssystemen, vielmehr bleiben diese relativ stabil und erreichen eine hohe Dauer. Die Vielfalt ergibt sich daraus, dass das antike Münzwesen eher in Analogie zu unseren Briefmarken als zu unserem Münzgeld steht. Die je neuen Motive der Briefmarken bzw. der antiken Münzen, verdrängen in der Regel nicht die alten, sondern ergänzen sie. Das Wertesystem wird durch neue Motive nicht berührt. Paul Zanker weist etwa in seiner faszinierenden Monographie Augustus und die Macht der Bilder, darauf hin, dass Octavian programmatische Münzserien prägen ließ: „Diese Münzen, auf denen […] drei […] Statuen dargestellt sind, wurden – wie heutzutage Briefmarkensätze – in Zweier- und Dreierserien ediert, wobei die Bilder der Gottheiten und die Darstellungen Octavians aufeinander bezogen wurden. Zu den ersten Prägungen gehören zwei Serien von je drei Münzen“.16

Die Terminologie des Geldes im Neuen Testament ist aber nicht nur verwirrend, weil hier verschiedene Währungen gleichzeitig in Kraft waren, sondern weil die Terminologie Gewichtseinheiten und Münzen mischt. Ein ‚Talent‘ (Mt 18,24; Apk 16,21; vgl. auch Ex 38,25) z. B. ist ebenso wenig eine Münze wie eine ‚Mine‘ (Lk 19,13; vgl. Ez 45,12) oder eine ‚Litra‘ (Joh 12,3; 19,39). Vielmehr mischen die Währungssysteme Gewichtseinheiten und konkrete Münzen. Das hängt mit der Entstehung des Münzgeldes zusammen, denn – wie bereits erwähnt – gab es vormonetäre Geldformen gerade auch als gewogenes Edelmetall, das zuweilen bereits Stempelaufdrucke trug. Maria R. Alföldi hat in ihrer für den Einsteiger in die Numismatik sehr zu empfehlenden Einführung genau auf diesen Sachverhalt hingewiesen:

Der Nennwert der antiken Münze entspricht sehr wahrscheinlich ihrem Sachwert, den die Feinheit des Metalls und das Gewicht bestimmen. Die griechischen Münznamen zeigen denn auch die Herkunft der Münze vom Metallgeld, namentlich dem Barren und vom Gerätegeld an. So nimmt es nicht wunder, dass Gewichts- und Münzsysteme stets einander entsprechen; Gewichte geben oft zugleich Münznamen ab, da ja die Münze ein bestimmtes Gewicht eines bestimmten Metalls darstellt. […] Die (Gewichts-)Einheit schlechthin heißt Stater; aus dem griechischen Verb ἵστηµι [hístēmi / wägen], die zweiarmige Waage statera. Stater ist also das, was auf der Waage liegt, das ‚zu Wägende‘. Ein bestimmtes Gewicht hat er nicht; jedes Gewichts- bzw. Münzsystem kann seinen eigenen Stater haben. Daher wird die spezielle Kennzeichnung des Schlages stets hinzugefügt; man spricht korrekterweise also von Dareikos, Philippeios, Lampsakenos (nämlich Stater) usw. Man gibt das Metall ebenfalls an, um das es geht und spricht von Elektron-, Gold- usw. Stater. Die Vorstellung der zweiarmigen Waage schwingt im Wort selbst mit. So wird der Stater in den meisten Fällen zweigeteilt. […] Die Hälfte des Staters heißt Drachme, aus dem Verb δράσσοµαι/δράττοµαι [drássomai/dráttomai / fassen]. Umgekehrt ist der Stater ein Diadrachmon (Doppeldrachmon). Die Drachme ist das, was man mit einer Hand fassen kann, namentlich 6 Spieße, Obeloi, die als Gerätegeld bekannt sind. Die Drachme zerfällt folglich in 6 Obolen, die wiederum nach Notwendigkeit weiter unterteilt werden konnten. Größere Nominale wurden im gleichen Sinn benannt: Dekadrachmon hieß beispielsweise ein Zehndrachmenstück beliebigen Schlages. 100 Drachmen ergaben im griechischen Bereich eine Mine und 60 Minen ein Talent, das […] die Gewichtseinheit im Nahen Osten war. […] Das Wort Talent bedeutet bezeichnenderweise ursprünglich Waagschale.17

Mit den unterschiedlichen Gewichts- und Münzsystemen verfuhren die Großmächte durchaus verschieden. Athen versuchte bereits in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts mit imperialem Ton, aber ohne ausreichende Macht, folgendes Dekret durchzusetzen: „Wenn irgend jemand in den Städten Silbermünzen prägt und nicht athenische Münzen, Gewichte oder Maße benutzt, sondern [fremde Münzen], Gewichte und Maße, [werde ich ihn strafen und mit einer Geldbuße belegen nach der vorausgehenden] Verordnung, die Klearchos [erließ].“18

Die Perser hingegen zeigten kein verstärktes Interesse, ihre Maße, Münzen und Gewichte im ganzen Reich zu vereinheitlichen.

Noch vor 500 v.Chr. hatten sie eine eigene […] Prägung geschaffen, die aus goldenen Dareiken und silbernen Sigloi bestand […]. Die achämenidische königliche Münzprägung sollte offensichtlich nur das eine leisten, nämlich den Großkönig in verschiedenen kriegerischen Posen zeigen […]. Es gibt keinen Hinweis darauf, daß die Perser jemals versucht haben, den ausschließlichen Gebrauch des königlichen Münzgeldes in irgendeinem Gebiet durchzusetzen.19

Erst Alexander und die Diadochenreiche und mit noch größerer Konsequenz die Römer haben reichsweite Vereinheitlichungen angestrebt und auch annäherungsweise umgesetzt, wobei die Ptolemäer hier athenischen Eifer zeigten, während die Seleukiden eher der persischen Tradition folgten. Doch selbst die um Einheit bemühten Römer erreichten ihr Ziel nur langsam. Die Denare „[…] ersetzten die regionalen Systeme endgültig erst im 3. Jh. n. Chr. “20

Abb. 3
Abb. 3

Tyrischer Halbschekel aus dem Jahr 149 = 23–24 n.Chr. (Vorderseite) (Foto: Max Karweick)

Abb. 4
Abb. 4

Tyrischer Halbschekel aus dem Jahr 149 = 23–24 n.Chr. (Rückseite) (Foto: Max Karweick)

Die in den Evangelien genannten Wechsler am Tempel hatten jedenfalls keine leichte Aufgabe und bei all den verschiedenen Währungen mit unterschiedlichen Gewichten und vor allem unterschiedlichen Anteilen an Edelmetall wird es verständlich, warum die Tempelsteuer bis zum 1. jüdisch-römischen Krieg, der die Tempelzerstörung zur Folge hatte, vornehmlich mit dem tyrischen Schekel bezahlt werden sollte, der als besonders wertbeständig galt.

In der mächtigen und reichen Hafenstadt Tyros, heute Sur, etwa 135 km nördlich von Tel Aviv, wurden jahrzehntelang Münzen für die syrischen Könige der Seleukiden-Dynastie geprägt, seit dem Jahr Eins der neuen Datierung der Stadt, 126/125 v.Chr., autonome Geldstücke gleicher Währung. Das bei weitem häufigste Nominal war der schwere Schekel, griechisch στατήρ [statḗr], zu vier Silberdrachmen, (hebräisch) ‚sela‘ zu vier ‚zuzim‘; weitaus seltener wurde das Halbstück, der leichte Schekel zu zwei Silberdrachmen, ausgemünzt. Beide Typen unterschieden sich nur in Format und Gewicht. Die Averse zeigten den mit Lorbeer bekränzten Kopf des Stadtgottes von Tyros (phönikisch) ‚Baal Melkarth‘, (griechisch) ‚Herakles‘. Die Reverse zierte sein heiliges Tier, der Adler, umrahmt von der griechischen Legende ΤΥΡΟΥ ΙΕΡΑΣ ΚΑΙ ΑΣΥΛΟΥ [TYRU HIERAS KAI ASYLU], ‚(Münze der Stadt) Tyros, der heiligen und asylberechtigten‘. Neben dem Adler stand die Datierung (links) und das Monogramm eines Magistrats (rechts). Schekel tyrischen Schlages, τύριοι [týrioi], ‚Tyreier‘, wurden bis ins Jahr 191 = 65/66 n. Chr. geprägt. Sie waren die wichtigste Silbergeldsorte in Südsyrien, Phönikien, Iudaea und Galilaea.21

In ihrem bahnbrechenden Aufsatz „Neues zum ‚tyrischen Silbergeld‘ herodianischer und römischer Zeit“ widerlegen Wolfram Weiser und Hannah Cotton die Hypothese Ya’akov Meshorers, „seit Herodes dem Großen seien Silbermünzen tyrischen Schlages nicht mehr in Tyros, sondern in Jerusalem geprägt worden.“22 Sie weisen darüber hinaus nach, dass das Syntagma „Tyrisches Silbergeld“ nicht nur die in Tyros geprägten Melkarth-Münzen meint, sondern auch „Geldstücke tyrischen Wertes, römische Tetradrachmen aus Antiocheia am Orontes vom Typ Kaiserkopf/Adler, Kaiserkopf/Herakleskopf oder Kaiserkopf/Tychefigur des Eutychides, oder gar um das gleichwertige Silbergeld aus Tarsos“.23 Aber damit nicht genug: Nach der Einstellung der Münzprägung in Tyros im Jahr 65/66 n. Chr. ist im Laufe der Zeit „[…] das Epithet ‚tyrisch‘ zum sinnentleerten Archaismus geworden, der als Beiname der guten Währung in Urkunden weiter und weiter tradiert wurde, wie die Tempel-Schekel in Ehekontrakten Israels bis auf den heutigen Tag.“24

So konnte noch zur Zeit der Mishna wie der Tosephta die Tempelsteuer zwanglos in ‚Tyrischem Silbergeld‘ eingefordert werden; gezahlt wurde in römisch-syrischen Tetradrachmen oder in reichsrömischen Denaren. Silbermünzen tyrischen Schlages waren schon lange nicht mehr im Umlauf und zur Erfüllung des Mosaischen Gebotes keineswegs notwendig. So wird in der Mishna folgerichtig das Medium der Tempelsteuer hebräisch als ‚teba’in‘ bezeichnet, dem Plural von ‚teba‘, wie arabisch ‚ta’ib‘, ‚gültig‘; gültige Münzen mussten es sein; die Sorte war egal.25

*

Die Ausführungen zum Münzgeld und auch die Tabelle stellen eine stark gekürzte und leicht überarbeitete Version des folgenden Aufsatzes dar: Stefan Alkier, „Geld“ im Neuen Testament – Der Beitrag der Numismatik zu einer Enzyklopädie des Frühen Christentums, in: ders./Jürgen Zangenberg (Hg.) unter Mitarbeit von Kristina Dronsch und Michael Schneider, Zeichen aus Text und Stein. Studien auf dem Weg zu einer Archäologie des Neuen Testaments, TANZ 42, Tübingen 2003, 308–335.

1

Informative Überblicke bieten Augustus Spijkerman, Coins mentioned in the New Testament, SBFLA 6 (1955/56), 285–298; Marius Reiser, Numismatik und Neues Testament, Biblica 81 (2000), 457–488.

2

Einen informativen Beitrag zur Komplexität der Münzsysteme bieten Wolfram Weiser/Hannah Cotton, „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist …“ Die Geldwährungen der Griechen, Juden, Nabatäer und Römer im syrisch-nabatäischen Raum unter besonderer Berücksichtigung des Kurses von Sela’/Melaina und Lepton nach der Annexion des Königreiches der Nabatäer durch Rom, ZPE 114 (1996), 237–287.

3

In der Literatur findet sich die Auffasung, dass es sich bei dem Lepton in Mk 12,42 um eine römische Kleinstmünze aus Bronze handelt, deren Wert aber nicht bestimmbar sei. Zutreffend aber ist es, dass im Griechischen „Lepton“ die Bezeichnung für die jeweils kleinste Münze eines Münzsystems ist. So bemerkt Reiser, Numismatik und Neues Testament, 464, mit Blick auf die Münzprägung der Hasmonäer: „Das kleinste Nominal war der Chalkus. Sein volkstümlicher Name lautete griechisch wohl ‚Lepton‘, aramäisch ‚Peruta‘.“

4

Ya’akov Meshorer, Ancient Jewish Coinage II. Herod the Great through Bar Cochba, New York 1982, 14.

5

Karl Christ, Antike Numismatik. Einführung und Bibliographie, Darmstadt 1972, 17.

6

Raymond Bogaert, Art. „Geld (Geldwirtschaft)“, RAC 9 (1973), Sp. 797–907, hier: Sp. 801.

7

Ebd.

8

Christopher Howgego, Geld in der Antiken Welt. Was Münzen über Geschichte verraten (i. O. Ancient History from Coins), Darmstadt 2000, 1.

9

Christ, Numismatik, 52.

10

Reiser, Numismatik und Neues Testament, 460.

11

Ruprecht Ziegler, Münzen, Münzsysteme und Münzumlauf im Palästina der frühen römischen Kaiserzeit, in: Neues Testament und Antike Kultur I, hg. v. Kurt Erlemann/Karl-Leo Noethlichs/Klaus Scherberich/Jürgen Zangenberg, Neukirchen-Vluyn 2004, 130–136.

12

Von dessen zahlreichen Veröffentlichungen sei hier nur genannt: Ya’akov Meshorer, Ancient Jewish Coinage 2 Vols, New York 1982; ders., City-Coins of Eretz-Israel and the Decapolis in the Roman Period, Jerusalem 1985; ders., The Coinage of Aelia Capitolina, Jerusalem 1989.

13

Von dessen zahlreichen Arbeiten seien hier nur genannt: Leon Mildernberg, The Coinage of the Bar Kokhba War, hg. v. Patricia Erhart Mottahedeh, Typos VI, Aarau u. a. 1984; ders., Vestigia Leonis. Studien zur antiken Numismatik Israels, Palästinas und der östlichen Mittelmeerwelt, hg. v. Ulrich Hübner/Ernst Axel Knauf, NTOA 36, Freiburg (Schweiz), Göttingen 1998.

14

Bogaert, Geld, Sp. 806.

15

Bogaert, Geld, Sp. 809.

16

Paul Zanker, Augustus und die Macht der Bilder, München 31997, 61.

17

Maria Radnoti-Alföldi, Antike Numismatik I, Mainz 1978, 27f.

18

Zitiert nach Howgego, Geld, 51.

19

Howgego, Geld, 53.

20

Howgego, Geld, 67.

21

Wolfram Weiser/Hannah Cotton, Neues zum „Tyrischen Silbergeld“ herodianischer und römischer Zeit, ZEP 139 (2002), 235–250, hier: 235.

22

Ebd.

23

A. a. O., 238.

24

A. a. O., 248.

25

A. a. O., 238.

Die Evangelien nach Markus und Matthäus

Neu übersetzt und mit Überlegungen zur Sprache des Neuen Testaments, zur Gattung der Evangelien und zur intertextuellen Schreibweise sowie mit einem Glossar

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