Der blutige Umhang

Darstellungen des textilen Leibs der Jungfrau

in Religiöses Wissen im vormodernen Europa

Der Beitrag diskutiert Darstellungen von Maria als Gebärende anhand von Bildzeugnissen des 14. und 15. Jahrhunderts. Auf der Basis der Evangelien, der apokryphen Überlieferung sowie von Rückverweisen auf das Alte Testament bzw. typologischen Vorverweisen auf die Passion wird der Frage nach den zeitgenössischen Vorstellungen von Maria in ihrem konkreten körperlichen Mensch- wie Frausein anhand Darstellungen der Geburt Christi nachgegangen. Die ästhetischen Verfahren der Bildzeugnisse greifen dabei die Metapher von der ‚Fleischwerdung des Wortes‘ auf und entwickeln von hier aus subversive Darstellungsformen, um die körperlichen Details, die die Evangelien dezidiert aussparen, gleichwohl im Medium bildlicher Anspielungen zur Anschauung zu bringen. So bemächtigt sich das Mysterium der ‚Fleischwerdung‘ in den Darstellungen in bildlich konkretem Sinn des Körpers der Jungfrau und formiert bzw. transformiert die tradierten ikonographischen Vorgaben: Das blutrote Gewand Marias wird zum Fleisch des Uterus, dieser zur ,Haut‘ des neuen Lebens, ihr gebärender Schoß zum Ursprung der Dreifaltigkeit. Diskutiert werden damit für das Paradoxon der ‚Fleischwerdung des Wortes‘ neue Vermittlungsstrategien, die sich aus den Interferenzen von spätmittelalterlichem theologischen, medizinisch-gynäkologischem und naturwissenschaftlichem Wissen sowie literarischer und visueller Kultur speisen und dem religiösen Wissen über die Geburt Christi selbst dabei ein neues Gesicht verleihen.

Religiöses Wissen im vormodernen Europa

Schöpfung – Mutterschaft – Passion

Kennzahlen

Insgesamt Im letzten Jahr In den letzten 30 Tagen
Aufrufe von Kurzbeschreibungen 62 62 1
Gesamttextansichten 1 1 0
PDF-Downloads 0 0 0