Die bedrängte Großmacht

Österreich-Ungarn und das europäische Mächtesystem 1866/67–1914

Author: Konrad Canis
Als ausgewiesener Kenner der Politik der europäischen Großmächte weist Konrad Canis erstmals umfassend nach, wie begrenzt die Handlungsspielräume waren, die Österreich-Ungarn zwischen der Schlacht von Königgrätz und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zur Verfügung standen. Mehr als jede andere Großmacht war die Doppelmonarchie inneren und äußeren Zwängen ausgesetzt. Ihre Politik verfolgte eine defensive Strategie, zielte nur begrenzt auf Eroberung; auf dem Balkan ging es um die Aufrechterhaltung einer Dominanz im Hintergrund. Die nationalen Gegensätze innen und außen sollten kleingehalten werden. Innere Instabilität, die wirtschaftliche und militärische Zweitrangigkeit, aber auch das Vormachtstreben Deutschlands im Bündnis und die Abstinenz Englands hemmten Österreich-Ungarn. Nutznießer war der Hauptrivale Rußland. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs sollte Österreich nach den Plänen der russischbritisch- französischen Entente im Falle eines großen Konfliktes einem fatalen Doppelkrieg gegen Rußland und Serbien ausgesetzt werden. Als 1914 überraschend die Möglichkeit aufschien, Österreich könnte dem großen Krieg durch einen allein gegen Serbien entgehen, erwies sich Wien jedoch als unfähig, diese – freilich geringe – Chance zu nutzen.

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Konrad Canis war Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Gastprofessor an der Universität Wien. Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Otto-von-Bismarck-Stiftung und Mitherausgeber der Neuen Friedrichsruher Ausgabe der Bismarck-Werke. Von ihm erschienen außerdem bei Schöningh: Bismarcks Außenpolitik 1870 bis 1890. Aufstieg und Gefährdung (2008) sowie Der Weg in den Abgrund. Deutsche Außenpolitik 1902-1914 (2011).
Der Tagesspiegel, 03.05.2017
Canis liefert ein "... umfangreiches Werk, das das Feld seiner bisherigen Untersuchungen der Politik europäischer Großmächte [...] nicht zuletzt der Außenpolitik Bismarcks und des deutschen Kaiserreichs, noch einmal deutlich erweitert." (Thomas Speckmann)