Roter Fluss auf Schwarzer Erde

Der Kuban und der agromeliorative Komplex: Eine sowjetische Umwelt- und Technikgeschichte, 1929–1991

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Das Spannungsverhältnis von allgegenwärtigem Mangel bei potenziellem Überfluss zählt zu den zentralen Widersprüchen der sowjetischen Geschichte. Mit Blick auf den „Brotkorb Russlands“ stellt sich die Frage, wie eines der fruchtbarsten Agrargebiete der Welt so heruntergewirtschaftet wurde, dass die Sowjetunion sogar Getreide importieren musste, um Hungersnöte zu vermeiden. In diesem Kontext untersucht das vorliegende Buch den Aufstieg und Fall der künstlichen Bewässerung entlang des südrussischen Flusses Kuban von den Jahren nach der Oktoberrevolution bis zur Auflösung des Imperiums. Als Studie zur menschlichen Hybris im Zeitalter ingenieurtechnischer Utopien liefert es einen empirisch fundierten Beitrag zu einem tieferen Verständnis des sowjetischen Agrarsystems. Darüber hinaus beleuchtet es die zentralen Idiosynkrasien sowjetischer Herrschaftskultur und hilft, die jüngeren Entwicklungen eines zwar offeneren, aber noch immer stark korruptionsbehafteten Marktes in Russland besser zu begreifen.
The study examines the rise and fall of artificial irrigation in Russia’s granary from the years after the October Revolution until the collapse of the Soviet Union. As a study of human hubris in the age of engineering utopias, it makes an empirically based contribution to a deeper understanding of the agricultural system and sheds light on the central idiosyncrasies of the Soviet culture of rule.

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Timm Schönfelder ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa in Leipzig. Zuvor hat er von 2015 bis 2019 am Sonderforschungsbereich 923: „Bedrohte Ordnungen“ der Universität Tübingen promoviert. Neben der sowjetischen Umwelt- und Technikgeschichte liegt sein aktueller Forschungsschwerpunkt auf der Geschichte der Jagd im östlichen Europa während des langen 19. Jahrhunderts.