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Die Brüder Fritz Thyssen und Heinrich Thyssen-Bornemisza
Fritz und Heinrich Thyssen traten Anfang des 20. Jahrhunderts als reiche Söhne des Konzerngründers August ins Licht medialer Öffentlichkeiten. Während der eine als Geldgeber Hitlers in die Geschichte einging, begründete der andere eine private Kunstsammlung von Weltrang.
Öffentlichkeit stellt eine zentrale Kategorie im Leben und Handeln von Bürgern aus der Wirtschaftselite dar. Felix de Taillez untersucht das Medieninteresse an den prominenten Brüdern – von Heinrichs frühen Skandalen bis zu Fritz‘ Aufstieg und Fall im NS-Regime. Die Studie arbeitet ihre unterschiedlichen Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit und ihre spezifischen Formen der Mediennutzung heraus – der eine zunehmend distanziert, der andere auch international umso exponierter. Ihre Images waren gegensätzlich: Fritz Thyssen als politisch engagierter »Wirtschaftsführer« und Heinrich Baron Thyssen-Bornemisza als ebenso weltläufiger wie zurückhaltender »Aristokrat«.
Von »Großalbanien« zur Division »Skanderbeg«
Die Rekrutierung muslimischer Albaner für die Waffen-SS auf dem Gebiet des heutigen Kosovo ist eine historische Tatsache, die man zunächst kaum glauben kann. Bis heute wird die-ses brisante Thema emotional diskutiert, insbesondere von Serben, Kosovaren und Albanern.
Der Balkan wird in Darstellungen zum Zweiten Weltkrieg nur selten berücksichtigt. Benito Mussolini machte aus dem kleinen Balkanstaat Albanien eine italienische Kolonie. Nach Hitlers Balkanfeldzug 1941 wurde der Kosovo unter den Achsenmächte aufgeteilt: Italien erhielt Mittel- und Südkosovo, die zusammen mit Albanien zu »Großalbanien« vereint wurden, während der Nordkosovo unter deutsche Militärherrschaft kam. Die Deutschen hegten vielerlei Absichten: Einerseits sollten wichtige Rohstoffvorkommen in deutschen Besitz gebracht werden, andererseits versuchten sie, Soldaten zu rekrutieren, um die enormen Verluste durch den Russlandfeldzug auszugleichen. Höhepunkt war der Aufbau der 21. Waffen-Gebirgs-Division der SS »Skanderbeg«.
Stellenwert und Wirkung der »Human Intelligence« in der britischen Kriegführung 1939–1945
Author: Falko Bell
Wissen über den Feind ist eine begehrte Ressource im Krieg. Diese Studie beleuchtet erstmals eingehend die Verwendung menschlicher Informationsquellen für die britische Kriegführung im Zweiten Weltkrieg. Von 1939 bis 1945 nutzten die Briten nicht nur entschlüsselte Funksignale, sondern auch eine große Anzahl von Personen als Informationsquelle, darunter Kriegsgefangene, Spione und Flüchtlinge. Diese sogenannte Human Intelligence verschaffte den britischen Entscheidungsträgern und Soldaten einen gewichtigen im Kampf gegen das Deutschland. Anhand von drei Fallbeispielen, der Luftschlacht um England, der Abwehr der Vergeltungswaffen
und der Einschätzungen zur deutschen Moral, wird die geheime Arbeit der britischen Feindaufklärung aufgedeckt. Falko Bell hat eine Vielzahl von Akten ausgewertet, die jahrzehntelang unter Verschluss waren, und eröffnet damit einen faszinierenden Einblick in die Arbeit von Nachrichtendiensten.
Wehrmachtgeneral – Kanzlerberater – Lobbyist
Die Biographie eines unangepassten Soldaten: Vom Kadett im Kaiserreich zum Offizier in der Weimarer Republik, vom General im Nationalsozialismus zum Politikberater und Rüstungslobbyisten in der Bundesrepublik. Gerhard Graf von Schwerin war Freikorpskämpfer und Putschist, diente in der Reichswehr und der Wehrmacht, erhielt höchste Auszeichnungen und brachte es zum General der Panzertruppe. Gleichzeitig geriet er immer wieder mit seinen Vorgesetzten aneinander und hatte Kontakte zu Angehörigen des militärischen Widerstands gegen Hitler.
Seine Kooperation mit den Westalliierten während der Kriegsgefangenschaft fiel dabei immer wieder auf ihn zurück. Machte sie ihn zunächst zu einem Vordenker der militärischen Westintegration und zum ersten Sicherheitsberater Konrad Adenauers, wurde sie später zum Stolperstein für Schwerins Ambitionen in der Bundeswehr.
Unter Auswertung einer breiten Quellenbasis schildert Peter M. Quadflieg die Karrierepfade dieses ungewöhnlichen Generals, Lobbyisten verschiedener Rüstungsunternehmen, V-Manns der CIA, Vertrauten von Franz Josef Strauß und FDP-Beraters.
Von »Mein Kampf« bis zum »Nero-Befehl«
Author: Lars Lüdicke
Kann man Hitlers Weltanschauung durch die mühsame Lektüre von »Mein Kampf« auf die Spur kommen? Die kritisch kommentierte Neuausgabe von Hitlers »Mein Kampf« offenbart ein starkes Interesse an der Weltsicht und den Handlungsmotiven des Diktators, das heute stärker als je zu sein scheint.
Lars Lüdicke, ausgewiesener Kenner für die Geschichte des Nationalsozialismus, hält eine solche Sichtweise für problematisch: »Mein Kampf« bedürfe der kritischen und fachkundigen Sichtung durch den Historiker, um Bedeutsames von Nebensächlichem zu trennen. Zudem müssen andere Selbstzeugnisse Hitlers, etwa sein unveröffentlichtes »Zweites Buch« oder Reden aus der »Kampfzeit« der NSDAP, hinzugezogen und diese Quellen mit internen Mitteilungen, Anordnungen oder Reden aus der Zeit von 1933-1945 in Beziehung gesetzt werden. Auf dieser Basis entschlüsselt der Autor mit souveräner Knappheit die durchaus geschlossene, wenn auch von Widersprüchlichkeiten durchzogene, Weltsicht Hitlers – vom Antisemitismus und Arierglauben über Krieg und Allianzen bis zu Zukunftsvisionen und Untergangswahn.
Der Osteuropahistoriker Peter Scheibert
Author: Esther Abel
Seit Jahren beschäftigt sich die Zeitgeschichte mit der Verstrickung von Vertretern der eigenen Zunft in das NS-Regime. In diesem Buch geht es um die inhaltlichen und personellen Kontinuitäten in der Osteuropäischen Geschichte am Beispiel der Biographie des Osteuropahistorikers Peter Scheibert (1915-1995).
Seine Aktivitäten in der Waffen-SS und seine Verstrickung in den NS-Kulturgutraub werden ebenso beleuchtet wie sein Wirken als Hochschullehrer in der Bundesrepublik und sein Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Esther Abels Buch zeichnet das Bild einer ambivalenten Persönlichkeit und einer problematischen Laufbahn.
Amerikanische Kommandeure im Zweiten Weltkrieg
Die Studie untersucht Mentalität und Führungskultur des amerikanischen Offizierskorps. Jonathan Zimmerli zeigt, wie der Transfer ziviler Managementmethoden in die US-Army maßgeblich die Mentalität des Offizierskorps im Zweiten Weltkrieg prägte.
Anhand der Kämpfe um Monte Cassino 1943/44 und im Hürtgenwald 1944/45 kann der Autor unter anderem die enge Überwachung untergebener Kommandeure nachweisen. Die daraus resultierende Drucksituation und die latente Angst vor einer Kommandoenthebung beeinflussten massiv das taktische Vorgehen auf der Divisions- und Regimentsebene – selbst noch in Korea und Vietnam.
Politikbegründung und politische Kommunikation im Katholizismus der Weimarer Republik (1918–1925)
Author: Stefan Gerber
Der politische Katholizismus in Deutschland auf dem Weg vom Kaiserreich in die Weimarer Republik: Orientierungssuche nach einer unerwünschten Revolution.
Der deutsche Katholizismus stand mit dem Umbruch vom Kaiserreich zur Weimarer Republik 1918 vor einer fundamentalen Herausforderung: Die Republik war durch eine Revolution zustande gekommen, wie man sie bisher stets abgelehnt hatte. Es galt, sich »auf den Boden der Tatsachen« zu stellen und breitenwirksame Argumente für die politische Mitverantwortung im neuen Staat zu entwickeln. Die Studie analysiert die Diskussion, in der Publizisten, Pfarrer, Theologen und Schriftsteller um diesen Wandel in der Politikbegründung rangen. Weltanschaulich grundgelegter Pragmatismus und eine produktive Kulturkritik ebneten den deutschen Katholiken, trotz heftigen Widerspruchs, den Weg in die erste deutsche Republik.
Europa, so behauptete Bismarck gegenüber seiner Tochter, würde von ihm »stets in 10 bis 15 Minuten beim ersten Frühstück abgemacht, gekämmt und gebürstet«. Aber wie sah seine Politik in Europa nach der Reichsgründung aus?
Bismarck hatte Europa nachhaltig verändert. Aus dem Unruhestifter Europas wurde ein Mann auf der Suche nach europäischer Stabilität. Wie gelang es ihm, sie zu erreichen? Diese Frage scheint aktueller denn je in einer Zeit, in der wir selbst nach neuer Stabilität in Europa suchen. Unter Rückgriff auf Bismarcks berühmtes Diktum »Who is Europe?« fragt der Band danach, wie Europa in seiner Ära politisch, ökonomisch bzw. kulturell definiert wurde. Er untersucht militärische und ökonomische Strategien des deutschen Aufstiegs in Europa, beleuchtet Bismarcks Suche nach Stabilität mit Hilfe sicherheitspolitischer Bündnissysteme bzw. trans- oder supranationaler ökonomischer Institutionen. Indem er seine Einstellungen gegenüber den übrigen Teilen der Welt beleuchtet, weitet der Band die eurozentrierte Perspektive ins Globale und gewinnt so neue Einsichten in Bismarcks Europaverständnis.
Ihr Einsatz im mobilen Sanitätsdienst der Wehrmacht 1939-1945
Author: Ludger Tewes
Die Tätigkeit der Rotkreuzschwestern in den Sanitätseinheiten der Wehrmacht, bei den Flugbereitschaften, in Lazarettzügen und auf den Sanitätsschiffen wird in diesem Band erstmals umfassend untersucht.
Der Band analysiert ihre Erfahrungen, ihre Gefährdung, ihre Gefangenschaft auf allen Schlachtfeldern anhand der Vorgangsakten und ihrer schriftlichen Äußerungen. Es waren Männer, die Ärzte der Wehrmacht, die diese Frauen einsetzten. Hinsichtlich der Geschlechterrollen bedeutete die Arbeit der Schwestern mit Ärzten und Sanitätern eine Herausforderung für alle Beteiligten. Viele Schwestern emanzipierten sich angesichts großen Personalmangels und der Übernahme verantwortungsvoller Arbeitsaufgaben. Die Ideale des Internationalen Roten Kreuzes in Genf und die Ideale der Frauen unter dem Deutschen Roten Kreuz und unter dem Hakenkreuz fielen bei weitem nicht immer zusammen. Der humanitäre Einsatz der Schwestern im Vernichtungskrieg galt nur den deutschen Soldaten und muss auch als effiziente Hilfestellung zur Verlängerung der Kampfhandlungen bis 1945 betrachtet werden.