Eine politische Geschichte
Auf keinem anderen gesellschaftlichen Feld konkurrierten die Bundesrepublik und die DDR so offensichtlich miteinander wie im internationalen Sport. Dort etablierte sich die DDR im Laufe der 1960er Jahre als ernstzunehmender Konkurrent und schließlich als überlegener Gegner. Dadurch setzte sie nicht nur den bundesdeutschen Sport, sondern auch die Politik unter Druck, eine Antwort auf das „Sportwunder DDR“ zu finden. Die sportlichen Leistungsvergleiche zwischen Bundesrepublik und DDR im Schatten des Kalten Kriegs führten in der Bundesrepublik sukzessive zu einer gesellschaftlichen Neubewertung sportlicher Leistungsfähigkeit und zu einer Neugestaltung des Verhältnisses von Staat und Sport. Aus dem Bedürfnis heraus konkurrenzfähig zu bleiben, kopierte die bundesdeutsche Sportführung zudem Strukturen des DDR-Fördersystems, insbesondere im Bereich des Nachwuchs-leistungssports. Jede Veränderung im bundesdeutschen Sport wurde wiederum durch die DDR verfolgt und wirkte so auch auf deren sportliche Entwicklung zurück. An dieser deutsch-deutschen Beziehungsgeschichte im Sport zeigt sich deutlich die gesellschaftliche Dimension des Kalten Krieges.
HerausgeberInnen: Hans-Peter Schwarz und Rudolf Morsey
Der 16. Band der „Rhöndorfer Ausgabe“ des Adenauer-Nachlasses umfasst die letzten beiden Amtsjahre des Gründungskanzlers: September 1961 bis Oktober 1963, mit ca. 300 bisher unveröffentlichten Schlüsseldokumenten. Im Mittelpunkt stehen: • Die leidenschaftlich geführte Diskussion um die Kanzlernachfolge • Der erbitterte Streit mit Ludwig Erhard • Die Regierungsbildungen vom Herbst 1961 und vom Herbst 1962 (nach dem Scheitern einer schon damals geplanten Großen Koalition) • „Spiegel“-Affäre und Kuba-Krise • Kanzlerkräche mit den Ministern Gerhard Schröder und Franz Josef Strauß • Die großen historischen Begegnungen mit Charles de Gaulle und John F. Kennedy
Ideenwelt und politische Verhaltensstile in Naturschutz und Umweltbewegung 1950-1980
AutorIn: Jens Ivo Engels
Umweltschutz und Ökobewegung gelten oft als eine 'Erfindung' der siebziger Jahre. Tatsächlich aber reichen ihre Wurzeln viel weiter zurück. Jens Ivo Engels legt jetzt die erste umfassende Studie zur Entstehung der westdeutschen Umweltbewegung und zu ihren Vorläufern zwischen 1950 und 1980 vor. Zugleich gelingt ihm damit eine plastische Darstellung der politischen Kultur der Bundesrepublik in einer entscheidenden Umbruchphase. Engels zeigt anhand von ausgewählten Naturschutzverbänden, lokalen Protestbewegungen und Fernsehsendungen, wie in der Bundesrepublik Politik für die Natur gemacht wurde, welche Verhaltensstile damit verknüpft waren und auf welche Vorstellungen sich die Akteure beriefen. Er zeigt, wie diese unter sich wandelnden Bedingungen politischen Einfluss organisierten. Der Natur- und Umweltschutz löste sich aus seiner ursprünglich elitär-bildungsbürgerlichen Verankerung und wurde ein kontroverses Protestthema mit großem Popularitätspotenzial in unterschiedlichen Milieus. Neben einer Veränderung von Verhaltensstilen und öffentlichem Auftreten kennzeichneten aber auch viele Kontinuitäten den Naturschutz – etwa die große Nähe zum Staat und die Bedeutung kulturkritischen Gedankenguts.
HerausgeberIn: Thomas Schulte-Umberg
Die Kommission für Zeitgeschichte setzt mit den 'Akten deutscher Bischöfe seit 1945' die Reihe ihrer Editionen über das Dritte Reich hinaus fort und beginnt mit der wissenschaftlichen Dokumentation der Zeitgeschichtsepoche 'nach der Katastrophe'. Die Teilung Deutschlands bis 1990 bestimmte Denken und Handeln des deutschen Episkopats in der Bundesrepublik wie in der DDR. Gezwungenermaßen verliefen die Entwicklungen in der Kirche in Ost- und Westdeutschland getrennt voneinander. Die neue Edition dokumentiert deshalb das kirchliche Leben parallel für die Bundesrepublik und für die DDR. Die je besonderen kirchenpolitischen und seelsorglichen Herausforderungen und Umstände werden auf diese Weise angemessen berücksichtigt. Geplant sind zunächst je drei Bände: Die bischöflichen Akten für den westdeutschen Kernstaat von 1945 bis 1955, die ostdeutschen Bischofsakten für den Zeitraum von der sowjetischen Besatzung bis zum Mauerbau 1961. Thomas Schulte-Umbergs Band eröffnet die Edition. Er dokumentiert die Amtsjahre von Julius Kardinal Döpfner als Bischof von Berlin zwischen 1957 und 1961 – eine Zeit starker politischer Spannungen, die in der Berlinkrise seit 1958 und dem Mauerbau 1961 ihren dramatischen Höhepunkt fanden und massive Auswirkungen auf die kirchlichen Wirkungsmöglichkeiten, namentlich im geteilten Berlin, hatten.
Wegbereiter der deutsch-polnischen Aussöhnung 1960-1989
Katholische Kreise, geschart um Pax Christi, gehörten zu den Pionieren der Wiederanknüpfung der deutsch-polnischen Beziehungen nach 1945. Sie begannen den Dialog über den Eisernen Vorhang hinweg und wagten gleichsam eine eigene 'zivile Außenpolitik', unter nicht geringen Risiken. Im Maximilian-Kolbe-Werk (MKW) fand 1973 diese bedeutende historische Leistung vieler Einzelner ihre institutionelle Form. Für Pax Christi und das MKW bedeutete der Schritt zur Aussöhnung die moralisch längst fällige individuelle Wiedergutmachung an den polnischen Opfern der Konzentrationslager, die seitens der Bundesregierung ausgeblieben war. Diese einzigartige Aussöhnungsinitiative wird vor dem Hintergrund der spannungsreichen politischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Polen und des ebenfalls gespannten Verhältnisses unter den katholischen Kirchen beider Staaten in den Jahren 1960–1989 dargestellt. Als besonders eindrucksvoll erweisen sich die reich zitierten erschütternden Briefe polnischer KZ-Opfer, die die entgegengestreckte Hand annahmen.
AutorIn: Michael Roik
Das Buch hat zwei Schwerpunkte: die Geschichte der Deutschen Kommunistischen Partei 1968-1984 und die Reaktionen der demokratischen Parteien der Bundesrepublik auf die DKP bis zur Durchsetzung des NATO-Doppelbeschlusses 1984. Beide Themenstränge werden sowohl unter innen- wie außenpolitischen Aspekten verfolgt. Die DKP spielte eine tragende Rolle als Instrument der 'Westarbeit' der DDR. Bei Wahlen stets ohne Erfolg, gelang es der Partei mit einer geschickten Bündnispolitik nach und nach, im außerparlamentarischen Raum von demokratischen Organisationen als Partner anerkannt zu werden, insbesondere in der Friedensbewegung. Vor diesem Hintergrund stellt der Autor die zentrale Frage seines Buches: Wie haben die demokratischen Parteien die politische Rolle der DKP wahrgenommen? Er verfolgt die Einstellungen und Verhaltensmuster von CDU und CSU, SPD, FDP und Grünen sowie die Haltung des Deutschen Bundestages und der verschiedenen Bundesregierungen. Sein Beobachtungszeitraum endet mit dem Jahr 1984, dem Höhepunkt und Abschluss einer Phase, in der die Friedensbewegung, aber auch der Einfluss der DKP ihren Zenit erreicht hatten. Ein wichtiger Beitrag zur Parteiengeschichte der Bundesrepublik und zur Geschichte der westdeutschen Friedensbewegung.
HerausgeberInnen: Klaus Unterburger und Hubert Wolf
Eine Edition von herausragender Bedeutung: Der Schlussbericht Eugenio Pacellis über die Lage der Kirche in Deutschland vom 18. November 1929. Er wird hier erstmals in einer kritischen Edition vorgelegt: Der italienische Originaltext wird synchronoptisch der kommentierten Übersetzung ins Deutsche gegenübergestellt. Eine ausführliche Einleitung geht dem Text voran. Zwölf Jahre (1917–1929) verbrachte der spätere Papst Pius XII. (1939–1958) als Nuntius in Deutschland. Fast täglich hat er über die politische und religiöse Situation nach Rom berichtet – zunächst aus München, dann aus Berlin. In seinem Schlussbericht kommen seine Haltung zum deutschen Vereins- und Laienkatholizismus, zur Zentrumspartei und zur Weimarer Republik, zur Priesterausbildung und sein Urteil über die entscheidenden Funktionsträger in Staat und Kirche zum Ausdruck. Nun versteht man angesichts seines äußerst negativen Votums über Kardinal Bertram, warum Pacelli auch als Papst kein vertrauensvolles Verhältnis zum Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz aufbauen konnte. Außerdem werden die entscheidenden 'deutschen' Prägungen Pacellis deutlich (Scheitern der Friedensinitiative 1917, 'Kulturkampftrauma'), die sein späteres Handeln als Oberhaupt der Kirche – Stichwort: das 'Schweigen' des Papstes zum Holocaust – entscheidend mitbestimmten. In seinem Schlussbericht fließen Pacellis Erfahrungen in Deutschland zusammen: Eine faszinierende Quelle, die nicht nur den Diplomaten, sondern auch den Seelsorger und Menschen in neuem Licht erscheinen lässt.
Kirche und Kino? Die Zeitgenossen, die sich an die Zeit vor dem Siegeszug des Fernsehens erinnern, denken bei diesem Begriffspaar weniger an Filme als an Demonstrationen vor Kinos, gegen Filme wie 'Die Sünderin', 'La Dolce Vita' oder 'Das Schweigen'. Die spontanen Urteile über das Verhältnis der katholischen Kirche zum Kino fallen deshalb ziemlich einheitlich aus, das Begriffspaar ist fast ausschließlich strittig festgelegt und semantisch negativ besetzt. Gerecht ist dieser Eindruck nicht. Die katholische Filmarbeit zwischen 1945 und 1965 läßt sich nicht auf eine Protestbewegung reduzieren. Der Kontakt zwischen beiden Seiten beschränkte sich zu keinem Zeitpunkt nur auf Zensur- und Absetz-ungsforderungen. Kaum ein kirchlicher Arbeitsbereich hat sich in diesen Jahren so radikal gewandelt wie die Filmarbeit. In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurden noch kirchliche Wanderkinos betrieben und 'gute' Filme gefördert – das Medium Film sollte zur Rechristianisierung der Gesellschaft beitragen. Als in den Kinos der sechziger Jahren zunehmend die Hüllen fielen und künstlerisch-avantgardistische Filme die Programme bestimmten, änderte sich auch die katholische Filmförderung. Ausgelöst von Papst Pius XII. öffnete man sich für Problemfilme, die keineswegs mehr den sittlichen und moralischen Vorstellungen der frühen fünfziger Jahre entsprachen. Jetzt war nicht mehr der Kampf gegen 'schlechte' Filme zentral. Die Kirche erkannte vielmehr das Kino als eigene Kunstform an. Dieser spannende Lern- und Wandlungsprozeß wird im vorliegenden Buch klar und detailliert dargestellt.
Ein Beitrag zur Kultur- und Sozialgeschichte der Bundesrepublik Deutschland
Man könnte sie die 'Ratzinger-Generation' nennen, katholische Akademiker, die nach 1945 das Studium aufnahmen und später Schlüsselpositionen in Kirche und Politik, in Medien, Wirtschaft und Gesellschaft besetzten und besetzen: Rainer Barzel, Ernst-Wolfgang Böckenförde, Ernst Elitz, Helmut Kohl oder Joseph Ratzinger. Die preisgekrönte Bochumer Dissertation untersucht mit innovativem Zugriff, wie Menschen, die heute zur Elite unserer Gesellschaft gehören, in ihrer Studienzeit durch Kirche und Katholizismus geprägt worden sind. Sie liefert damit zugleich einen Beitrag zum Verständnis der tiefgreifenden Veränderungsprozesse in Kirche und Gesellschaft vom Kriegsende 1945 bis hin zur Studentenbewegung und ihren Folgen. Der Autor hat für seine Untersuchung nicht nur umfangreiche Quellenbestände der katholischen Studentengemeinden und Studentenverbände berücksichtigen können, sondern auch zahlreiche Interviews geführt und Autobiographien ausgewertet, die zu einer anregenden, aktuellen Deutung verarbeitet wurden.
Politische Planung in der pluralistischen Gesellschaft
AutorIn: Gabriele Metzler
Die Bundesrepublik erlebte – wie die meisten vergleichbaren Industrieländer – in den 1960er Jahren eine regelrechte Planungseuphorie. Politische Planung galt als Strategie modernen politischen Handelns, die alle relevanten Felder staatlicher Tätigkeit erfasste. Ihren Höhepunkt erreichten die Planungsansprüche unter der sozialliberalen Regierung unter Willy Brandt (1969-1974), als die umfassendsten und ehrgeizigsten Reformen der Nachkriegszeit in die Wege geleitet wurden. Politische Planung als Handlungsstrategie kennzeichnete den modernen Interventionsstaat seit dem Durchbruch zur „Hochmoderne“ gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Dieser Staat sah sich seither vor der Aufgabe, gesellschaftliche Integration zu fördern und soziale Sicherheit zu schaffen, während er mit wachsenden politischen Partizipationsansprüchen der Bürger konfrontiert wurde. Die Studie untersucht das Aufkommen der Planungsdiskussionen in der Bundesrepublik vor dem Hintergrund des tiefgreifenden gesellschaftlichen und ökonomischen Wandels, wie er sich seit den 1950er Jahren vollzog. Die zeitgenössischen Deutungen dieser Veränderungen, besonders in den Sozialwissenschaften, flossen in einen politischen Reformdiskurs ein, der zudem von der sich herausbildenden kritischen Öffentlichkeit geprägt wurde. Die zunehmende Einbindung von (wissenschaftlichen) Experten in den politischen Prozess wird ebenso analysiert wie die Veränderungen im politischen System der 1960er Jahre, in denen sich auch und vor allem das Denken über Politik und Staat grundlegend wandelte. Damit markierten jene Jahre das Ende einer Epoche, ein Umbruch, auf den viele in den 1970er Jahre mit der Diagnose der „Unregierbarkeit“ des Landes reagierten. Tatsächlich scheiterten viele der Planungsvorhaben der Regierung Brandt wie generell der Glaube an die Möglichkeiten umfassender Planung sich erschöpfte. Die Studie analysiert die vielfältigen Ursachen für diesen Umschwung und diskutiert damit auch die unmittelbare Vorgeschichte der gegenwärtigen Probleme politischen Handelns.