Von der Düsseldorfer Informationsstelle zum ersten Verfassungsschutz der Bundesrepublik (1947-1961)
Dies ist die erste Geschichte eines westdeutschen Nachrichtendienstes, die auf Originalquellen beruht und sie auswertet und zitiert. Sie verlegt das bisherige Wissen um die Gründung eines Verfassungsschutzes in Deutschland drei Jahre vor: bis in die unmittelbare Nachkriegszeit. Die Gründung des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen hatte eine erhebliche Vorbildfunktion für die anderen Bundesländer und das Bundesamt für Verfassungsschutz. Alle wichtigen Grundkonstanten der neuen Behörden waren schon hier angelegt. Dazu gehören insbesondere die Anbindung an das jeweilige Innenministerium, die Aufgabengebiete und die Trennung von der Polizei. Gerade in der derzeitigen Diskussion um die Fusion der Nachrichtendienste, die eine bessere Abwehr islamistischer Terrorgruppen ermöglichen soll, ist es interessant zu sehen, dass die Verfassungsschutz'väter' diese Grundkonstanten bisheriger Verfassungsschutztätigkeit nicht ohne Sinn und Zweck schufen. Weitere Schwerpunkte des Buches bilden die Interdependenzen zwischen Besatzungsmächten, Behörden und Nachkriegspolitikern, vor allem auch Remigranten, sowie die Struktur extremistischer Bewegungen und Parteien in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Dabei zeigt das Düsseldorfer Beispiel auch, dass beim Aufbau eines Nachrichtendienstes im Nachkriegsdeutschland nicht zwangsläufig auf belastete Nationalsozialisten zurückgegriffen werden musste – wie dies bisher angesichts der Erfahrungen mit dem Bundesnachrichtendienst und dem Bundesamt für Verfassungsschutz unabdingbar schien.
Kriegsverbrecherprozesse, Vergangenheitspolitik und Wiederbewaffnung: Der Fall Kesselrings
Von dem Streit um die Kanzlernachfolge und der „Präsidentschaftsposse“ bis zum Bau der Berliner Mauer: Mit insgesamt 300 Schlüsseldokumenten aus den privaten und politischen Papieren Konrad Adenauers umfasst der 15. Band der „Rhöndorfer Ausgabe“ einen der innen- und außenpolitisch dramatischsten Abschnitte seiner Kanzlerschaft (Sept. 1959 – Sept. 1961). Aus den Briefen des Bandes: „. die Haltung der Machthaber von Pankow und ihre ständigen, Schritt für Schritt vorangetriebenen Maßnahmen zur Abschnürung Berlins zeigen deutlich, daß wir uns wieder inmitten des verschärften Kalten Krieges befinden. Ich bin überzeugt, daß wir nach der Amtsübernahme durch den neuen amerikanischen Präsidenten mit einer weiteren von den Sowjets forcierten Zuspitzung der Lage und einer schweren Krise in und um Berlin rechnen müssen“ (am 8. Oktober 1960 an Charles de Gaulle). „. bestimmte Erscheinungen, die. man als Folge unserer gesamten Politik deuten könnte, erfüllen mich mit außerordentlich großer Sorge. Ich nenne hier insbesondere die außerordentlich starke Konzentration von wirtschaftlicher Macht sowie die Anhäufung von Reichtum, sei es in der Hand von Einzelpersonen oder von wirtschaftlichen Gesellschaften. Ich bin ferner innerlich geradezu erschüttert über die Maßlosigkeit der Deutschen in ihrer Lebenshaltung vierzehn Jahre nach dem restlosen Zusammenbruch. Ich meine, an unserer ganzen Arbeit muß etwas nicht in Ordnung sein, wenn solche Erscheinungen sich zeigen“ (am 30. Dezember 1959 an Bundesfinanzminister Franz Etzel). „Während der letzten Tage, in denen ich Zeit hatte, die wichtigsten Probleme unserer Epoche zu überdenken, stieß ich mich immer wieder an einem Mangel in unserer Organisation. Ich lebe tatsächlich politisch gesehen von einem Tag auf den anderen. Ich vermisse eine Stelle, die mich über die großen Entwicklungen und Zusammenhänge innenpolitisch wie außenpolitisch informiert, und zwar fundierter als das durch die Zeitungen und Botschafterberichte erfolgt. Vielleicht gibt das Wort, Gehirntrust', um einen kurzen Ausdruck zu gebrauchen, am besten wieder, woran es mir fehlt. Man kann aber in dieser so bewegten Zeit nur eine gute Politik machen, wenn man die Tiefenströmungen und Ergebnisse überschaut (am 9. Dezember 1960 an Staatssekretär Hans Globke).
Kirchliche Leitbilder, theologische Deutungen und lebensweltliche Praxis im Wandel
AutorIn: Reinhard Grütz
Um die „katholische Kultur“ in Ostdeutschland, um ihren Wandel und ihre Konstanz, geht es in diesem Buch. Es geht um die Deutungsmuster, Vorstellungen und Symbole sowie Selbstdeutungen und Selbstbilder, die im DDR-Katholizismus zwischen 1960 und 1990 virulent waren. Insofern hebt sich das Buch von politikwissenschaftlichen oder rein kirchengeschichtlichen Betrachtungsweisen ab, die sonst in der Erforschung des ostdeutschen Katholizismus dominieren. Die Beschreibung der „Innenansichten“ des ostdeutschen Katholizismus zeigt, wie sich seit den 60er Jahren grundlegende Wandlungen in seinem Normen- und Symbolhaushalt vollzogen. Erkennbar sind eine beschränkte positionelle Pluralität sowie die Ausfächerung und gestiegene Akzeptanz verschiedener Lebensstile. Flankiert werden diese Entwicklungen durch soziale und bildungsmäßige Aufstiegsprozesse von Katholiken. Das traditionale katholische Bildungsdefizit ist in der Endzeit der DDR bei jüngeren Katholiken nicht mehr zu finden; das zeigte sich an der überproportionalen Repräsentanz von Katholiken in politischen Ämtern und Gremien nach 1990. Im ersten Teil der Arbeit kommen grundlegende Begriffe und Modelle zur Sprache, die sich mit Folgendem auseinandersetzen: die Rolle der Religion in der DDR, das Verhältnis von DDR-Gesellschaft und Modernisierung, gegenwärtige Trends in der Katholizismusforschung und der theologische Rezeptionsbegriff. Der zweite Teil bietet ein Rahmengerüst für die Auseinandersetzungen um das II. Vatikanische Konzil im DDR-Katholizismus. Ziel ist es, die mit der Konzilsrezeption verbundene „verborgene Konfliktgeschichte“ zu erhellen. Im dritten Teil werden die für den ostdeutschen Katholizismus zentralen Themenfelder und Diskurse von Ehe/Familie, Gemeinde/Diaspora und die zentralen Priesterbilder beschrieben und analysiert. Sie bildeten den „Lebenshorizont“ der Katholiken in der DDR. In oder an ihnen formte sich die katholische „Kultur“.
Die Gründung Katholischer Akademien in der Bundesrepublik Deutschland 1945-1975
Die geistigen Aufbrüche im deutschen Katholizismus nach dem Zweiten Weltkrieg bündeln sich in der Geschichte der Katholischen Akademien. Deren Gründung zählt zu den überraschendsten, risikoreichsten und hoffnungsvollsten Entscheidungen dieser Jahre. Die Akademien prägten durch ihre Arbeit nicht nur die vielen Tausend Menschen, die ihre Veranstaltungen besuchten, sie beeinflußten auch in erheblichem Maß die Entwicklung der Kirche und unterstrichen deren gesellschaftliche Bedeutung. Der Autor legt erstmals eine umfassende historische Darstellung aller 22 Katholischen Akademien vor, die zwischen 1945 und 1975 in der Bundesrepublik Deutschland eingerichtet wurden. Ausgehend von den individuellen Gründungsgeschichten beschreibt der Autor die Ausbildung der Akademieidee im deutschen Katholizismus. Dabei wird auch deren Pionierfunktion für das Zweite Vatikanische Konzil deutlich. Die Studie zeigt schließlich, welche spannungsreiche Rolle die Akademien bei der Neuorganisation des Katholizismus spielten.
Die Alliierten Hohen Kommissare 1949-1955
AutorIn: Helmut Vogt
Sie waren wie Vizekönige in Deutschland, wie privilegierte Prokonsuln oder – wie Adenauer formulierte – „in gewisser Weise (die) Herren“ über die junge Bundesrepublik. Gestützt auf ein Besatzungsstatut, das teils über, teils neben dem Grundgesetz den Verfassungsrahmen bildete, förderten und steuerten die Hohen Kommissare die Eingliederung der Bundesrepublik in die westliche Staaten-, Werte-, Wirtschafts- und Verteidigungsgemeinschaft. Bisherige zeitgeschichtliche Arbeiten weisen ihnen zu Unrecht Nebenrollen zu. In dieser durch Archivstudien ergänzten Zusammenschau stehen die Hohen Kommissare und ihre Apparate im Mittelpunkt. Vertraut mit den Anfänge unseres Staates, seinen kleinräumigen Schauplätzen in der kleinen Stadt am Rhein und dem zuweilen skurrilen Personal, zeigt der Autor die Probleme und Widersprüche des Kontrollregimes auf, das Experiment, einen amerikanischen Bankier, einen französischen Diplomaten und einen britischen General zu einer arbeitsfähigen Trinität zu vereinen, die durch Siegerrecht verordnete Einübung der Deutschen in die Demokratie. Das Dilemma, den Respekt der Besiegten und Besetzten zu erringen und gleichzeitig die auch untereinander unterschiedlichen Interessen der Entsenderstaaten zu wahren, sowie Ausgleich zu schaffen zwischen deutschem Souveränitätsdrängen und alliiertem Wunsch nach perfekter Absicherung. Die überaus anschaulich geschriebene Darstellung läßt jenseits der Politik- und Diplomatiegeschichte immer wieder auch den menschlichen Faktor durchscheinen. Ironisch-distanziert, behutsam im Urteil wird mit diesem Buch ein zu Unrecht vergessenes Macht- und Entscheidungszentrum 1949/1955 erhellt.
Die westliche Allianz in der Zerreißprobe 1961-1963
AutorIn: Christof Münger
Ein politischer Graben im westlichen Bündnis, zwischen den USA und Großbritannien einerseits und Frankreich und Deutschland andererseits – er tat sich schon einmal auf, vor über 40 Jahren, als die Berliner Mauer gebaut wurde und die Sowjetunion ein Jahr später Raketen vor der Haustür der Vereinigten Staaten stationierte. Dieses Buch thematisiert eine schwere binnenwestliche Krise, die im Schatten der großen, weltbedrohenden Ost-West-Konflikte um Berlin und Kuba bislang weitgehend unbeachtet blieb. 1961 bis 1963 kam es in der westlichen Allianz zu einer bis dahin nicht gekannten Zerreißprobe, weil man sich nicht einigen konnte, wie auf die sowjetischen Druck- und Erpressungsversuche reagiert werden sollte. Während in der Berlin-Krise Adenauer und de Gaulle für einen kompromisslosen Kurs gegenüber dem Osten waren, zeigten sich Kennedy und Macmillan konzessionsbereit. Erst nachdem Kennedy in der Kubakrise einen großen Prestigeerfolg verbuchen konnte, gelang es den USA, sich gegenüber Bonn und Paris durchzusetzen. Mit den Briten im Kielwasser handelten die Amerikaner mit den Sowjets 1963 das Atomteststoppabkommen aus. In diesen Verhandlungen einigten sich die Supermächte aber auch auf die endgültige Festschreibung der Teilung Deutschlands und Berlins, und es begann die Epoche des „Kalten Friedens“, der bis zum Fall der Mauer Bestand haben sollte. Basierend auf teilweise erst seit kurzem zugänglichen Dokumenten aus amerikanischen, britischen, deutschen und französischen Archiven zeigt der Autor in dieser multilateralen Studie, dass alle Verbündeten in erster Linie nationale Interessen verfolgten, obwohl die Sicherheit der gesamten westlichen Welt auf dem Spiel stand.
Die sowjetische Osteuropapolitik und die Reaktionen des Westens 1939-1949
AutorIn: Donal O'Sullivan
September 1939: mit ihrem jeweiligen Einmarsch in Polen zerstörten Nazideutschland und die UdSSR die Ordnung von Versailles und lösten den blutigsten Konflikt des 20. Jahrhunderts aus. Während Deutschland besiegt und geteilt wurde, stieg die Sowjetunion zur zweiten Supermacht auf und wurde zur Herrscherin über einen ganzen Kranz von Satellitenstaaten. Wie kam es zu dieser ungeheueren Machterweiterung? Ging sie planvoll vonstatten oder „gelang“ sie nur durch Fehler und Irrtümer der anderen Akteure? War der sowjetische Kurs eher defensiv oder aggressiv? Erstmals ist es heute möglich, ein multidimensionales Bild dieses zentralen Abschnitts der europäischen Geschichte im 20. Jahrhundert zu zeichnen. Bislang geheime Planungspapiere, Memoranden und Anweisungen, vom Autor in russischen und anderen osteuropäischen Archiven erschlossen, belegen strategische und taktische Überlegungen der höchsten Kreml-Instanzen. Sie dokumentieren katastrophale und überraschende sowjetische Erfolge. Westliche Illusionen und Ängste trugen erheblich zum Aufstieg der UdSSR zur alleinigen Ordnungsmacht in Osteuropa bei, wie überhaupt die gegenseitigen Wahrnehmungen als Ursache für die Teilung Europas und den Ausbruch des „Kalten Krieges“ von zentraler Bedeutung waren. Gerade mit dieser Analyse der interdependenten Perzeptionen leistet das Buch einen bedeutsamen Beitrag zum Verständnis der sowjetischen Politik und der internationalen Beziehungen im Zweiten Weltkrieg sowie in der unmittelbaren Nachkriegsperiode.
Zwischen Bürgerkrieg und Innerer Sicherheit: Die turbulenten sechziger Jahre
Der Tschako – jahrzehntelang ein Kennzeichen der „Schupos“ – wurde Mitte der 60er Jahre endgültig durch die Schirmmütze ersetzt – ein äußeres Zeichen für die allmähliche Wandlung einer Institution, deren Wurzeln weit zurückreichen bis in die frühe Weimarer Republik. Dieses Buch bietet die erste breitgefächerte sozial- und kulturgeschichtliche Analyse zur bundesdeutschen Schutzpolizei, speziell für die Zeit der turbulenten 60er Jahre. Vor allem rücken zwei Einsatzgebiete ins Blickfeld: Die Alltagsarbeit der Funkstreifen sowie das Agieren gegen die Studentenproteste der Endsechziger. Darüber hinaus werden an Beispielen aus Hamburg und NRW die tief verankerten Weimarer Traditionen, die NS-Vergangenheit (vor allem im „Bandenkampf“) sowie die militärisch geprägte Ausbildung der Schutzpolizei untersucht. Gezeichnet wird ein plastisches Bild einer durchaus ambivalenten Modernisierung, wobei Ritualen und Männlichkeitsleitbildern breiter Raum gewidmet ist. Es zeigt sich der Übergang einer stark hermetisch geprägten Institution, deren Schwerpunkt in der Bürgerkriegsbekämpfung lag, zu einer Polizei, die sich – sozialstaatlich eingebunden – mehr und mehr ihre tragende Rolle im präventiv orientierten Konzept der Inneren Sicherheit erhielt.
Der Katholische Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder auf dem Weg zum Sozialdienst katholischer Frauen 1945-1968