Gewerkschaften und Arbeitsmigration in der Bundesrepublik und in Großbritannien in den 1960er und 70er Jahren
AutorIn: Oliver Trede
HerausgeberInnen: Jochen Oltmer und Klaus J. Bade
Contributor: M. Jacoby
Schon immer war die Haltung der Gewerkschaften zur Arbeitsmigration von Misstrauen geprägt: Kamen da Lohndrücker und Streikbrecher oder Kollegen, die gleiche Rechte beanspruchen konnten?
Diese Studie verbindet Gewerkschafts- und Sozialgeschichte mit Migrationsgeschichte und zeichnet so ein Bild des Wandels in der Bundesrepublik und Großbritannien während der 1960er und 1970er Jahre. Welche Rolle spielten Gewerkschaften bei Fragen der Regulation von Einwanderung, Integration und Benachteiligungen von Migranten? Welche Rolle spielten Migranten in den Arbeitnehmerorganisationen? Welche Bedeutung hatten ausländerfeindliche Einstellungen oder der Wandel der Arbeitsmarktbedingungen durch Leiharbeit und illegale Beschäftigung?
Marxistische Systemkritik und politische Utopie in der DDR
Die Grenzen ungebremsten Wirtschaftswachstums wurden nach 1970 auch von der DDR-Opposition diskutiert. Im Ergebnis entstanden drei Öko-Utopien, die – bei aller Sperrigkeit – erstaunlich relevante Fragen aufwerfen.
Rudolf Bahro, Wolfgang Harich und Robert Havemann waren die wohl bekanntesten SED-Kritiker in der DDR. Dabei verstanden sie sich als Marxisten und ihre Forderungen reichten weit über eine Demokratisierung des Realsozialismus hinaus. Als in den siebziger Jahren im Westen die Umweltfrage wichtiger wurde, hielt die SED das für ein ideologisches Manöver des Klassenfeindes. Anders sahen das die drei Dissidenten: Sie verbanden Sozialismus und Ökologie und griffen dabei auf die unter Marxisten verpönte Utopie zurück. Damit schufen sie für den Ostblock einmalige politische Konzeptionen. Alexander Amberger stellt sie vor, setzt sie in Beziehung und stellt die Frage nach ihrer damaligen und heutigen Relevanz.
Das Politische und der Umbruch in Polen 1976-1997
Der Systemwechsel in Polen, dem zweitwichtigsten Land des Warschauer Paktes, gilt aufgrund seines friedlichen Verlaufs als Vorbild für eine gelungene Revolution. Vor dem Hintergrund der neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion fragt Agnieszka Zagan´czyk-Neufeld nach den tieferen Ursachen für diesen glücklichen Ausgang.
Die Autorin untersucht den politischen Diskurs und fragt nach dem Bezug zu den konkreten Handlungen, durch die in Polen ein weitgehend gewaltloser Wandel möglich wurde. Sie hinterfragt die etablierte Meistererzählung vom Zusammenbruch des Kommunismus aus reiner Systemschwäche und entdeckt folgenschwere Veränderungen im Denken über das Politische schon in den späten 1970er Jahren. Sie analysiert die Rolle der Intellektuellen, die Bedeutung der Untergrundpresse und die tatsächliche Bedeutung der Kirche für die Vorgänge. Auch die politische Strategie, mit der Ministerpräsident Jaruzelski während des Kriegsrechts den Machterhalt nach innen sichern, mit der Opposition im Dialog bleiben und gleichzeitig eine militärische Intervention der Nachbarstaaten vermeiden wollte, wird durchleuchtet. In ihre fundierte Analyse bezieht Agnieszka Zagan´czyk-Neufeld Konzepte von Reinhart Koselleck, Ernesto Laclau, Chantal Mouffe und Carl Schmitt ein – und leistet damit einen beeindruckenden Beitrag zur Neuen Politikgeschichte.
Joachim Peiper und die Waffen-SS in Krieg und Nachkriegszeit
Joachim Peiper (1915-1976), Liebling Himmlers und 1938 bis 1941 sein Adjutant, war der idealtypische »Vorzeigeoffizier« der Waffen-SS, ein Exponent der Junkerschulgeneration, deren Angehörige in der zweiten Kriegshälfte als junge Kommandeure den rücksichtslosen Geist ihrer Trup-pe präg-ten. Nach 1945 wurde der hochdekorierte Regimentskommandeur der »Leibstandarte«, obwohl als Kriegsverbrecher überführt, zur Ikone aller Apologeten der Waffen-SS.
In seiner umfassenden Biographie, 2012 mit dem Werner-Hahlweg-Preis für Militärgeschichte ausgezeichnet, demontiert Jens Westemeier den Mythos Peiper und den der Waffen-SS. Und er tut noch mehr: Er zeigt, wie einflussreiche Kreise der jungen Bundesrepublik mit der NS-Vergangenheit umgingen. Erstmals wird klar, wie und warum der 1946 wegen des Massakers von Malmedy zum Tode Verurteilte zehn Jahre später zum geachteten Angestellten von Porsche avancieren konnte - mit Hilfe eines Netzwerks »alter Kame-raden« in Politik und Gesellschaft.
Erinnerungen polnischer Neusiedler in Westpolen nach 1945
AutorIn: Beata Halicka
HerausgeberIn: Beata Halicka
Wer waren die Menschen, die in den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach 1945 angesiedelt wurden? Sind sie freiwillig gekommen? Wie lange dauerte es, bis der neue Wohnort zu einem Zuhause wurde?
Die in diesem Band gesammelten Berichte von Zeitzeugen schildern den Alltag der Nachkriegszeit im Oderraum. Zehn Jahre nach Kriegsende aufgeschrieben, wurden die Texte im sozialistischen Polen aufgrund ihres kritischen Tons nicht zur Veröffentlichung freigegeben. Sie geben aus der Perspektive eines Lehrers, eines Bürgermeisters, einer Verwaltungsbeamtin, eines Bauern und anderer Einblick in berührende menschliche Schicksale. Nach der oft traumatischen Erfahrung des Krieges und der erzwungenen Migration wurden die Neubürger mit dem deutschen Erbe an ihrem neuen Wohnort konfrontiert. Die Aneignung des fremden Kulturraums erwies sich als eine komplexe und langwierige Aufgabe. Die packend authentischen Zeitzeugenberichte werden von zahlreichen Fotografien und Erläuterungen begleitet, in denen über den politisch-kulturellen Hintergrund, Probleme der Erinnerungskultur sowie die Umstände der Entstehung dieser einzigartigen Egodokumente berichtet wird.
Bonns heimliche Atomdiplomatie von Adenauer bis Schmidt
AutorIn: Stephan Geier
Iran, Israel, Indien und andere: Die schleichende Verbreitung atomarer Waffen hält die Welt in Atem. Doch die Spielregeln, die diese gefährliche Entwicklung eigentlich verhindern sollten, wurden nicht von Staaten wie dem Iran und Nordkorea gemacht. Es war die Bundesrepublik, die dabei seit den 1950er Jahren eine wichtige, durchaus zweifelhafte Rolle spielte. Basierend auf der Untersuchung einer Fülle von Quellenmaterial zeigt Stephan Geier: Die Ausarbeitung des internationalen Regelwerks, das die Verbreitung von Nukleartechnologie eindämmen sollte, wurde von neuen atomaren Schwellenmächten maßgeblich beeinflusst, und die Bundesrepublik Deutschland nahm dabei eine Schlüsselposition ein. Von der Vergangenheit vorbelastet, blieb den Deutschen ein eigenes Nukleararsenal zwar versagt. Umso mehr verteidigten aber alle Bundesregierungen von Adenauer bis Schmidt den Status als nukleare Schwellenmacht – sei es durch die Teilhabe der Bundeswehr am nuklearen Waffenarsenal der NATO oder durch Entwicklung und Export vermeintlich rein ziviler Atomanlagen. Die zur Durchsetzung dieser Interessen notwendige Schwächung der internationalen Kontrollmechanismen gegen eine weitere Verbreitung von Atomwaffen wurde von den bundesdeutschen Politikern über die Parteigrenzen hinweg bewusst in Kauf genommen.
Eine SS-Karriere zwischen Nervenklinik, KZ-System und Waffen-SS
AutorIn: Niels Weise
Theodor Eicke, gescheiterter Unterzahlmeister des Ersten Weltkriegs, wurde erst zum Kommandanten des KZ Dachau, dann zu einem der fanatischsten SS-Generale, ehe er 1943 den Tod an der Ostfront fand. Niels Weise schildert die Karriere dieser furchtbaren Berühmtheit auf einer teilweise erstmals ausgewerteten Quellenbasis. So wird nicht nur die Bedeutung Eickes für den Aufbau des KZ-Systems und der Waffen-SS beleuchtet. Auch die von Bürgerkriegsphobien getragenen Übergänge zwischen NS-Bewegung und Rechtsterrorismus am Ende der Weimarer Republik sind erstmals dargestellt. 1933 nutzte Himmler den Umstand aus, dass Eicke aufgrund politischer Intrigen in die Psychiatrie eingewiesen wurde, um den eigensinnigen SS-Führer an sich zu binden. Die Nervenheilanstalt diente Himmler als Werkzeug: Eine auf den Faktoren Erziehung, Verpflichtung und Treue basierende SS-Karriere nahm ihren verhängnisvollen Lauf.
Demoskopin zwischen NS-Ideologie und Konservatismus
AutorIn: Jörg Becker
Rechtes Denken in der 68er-Bewegung?
Vom SDS über die RAF in die NPD - Horst Mahlers Lebenslauf ist das Spiegelbild der politischen Extreme des 20. Jahrhunderts. Mahler war nicht der einzige Aktivist der 68er-Bewegung, der später den Eindruck erweckte, vom linken ins rechte Milieu gewechselt zu sein.
Wie kam es zu diesem erstaunlich anmutenden Wandel? War es überhaupt ein Wandel? Oder lassen sich in der Ideologie Horst Mahlers und anderer 68er, die ins rechte Lager wechselten, Konstanten finden? Muss man gar von einem rechten Denken in der sich als links verstehenden 68er-Bewegung ausgehen? Manuel Seitenbecher geht diesen Fragen nach und verfolgt dazu detailliert die Biographien von Mahler, Bernd Rabehl, Reinhold Oberlercher, Günter Maschke und Tilman Fichter. Sein Buch gibt einen faszinierenden Einblick in einen bislang weitgehend unbekannten Bereich der Ideengeschichte der Bundesrepublik und der (Post-)68er-Bewegung.