In Adenauers Kabinett war die FDP eine ebenso wichtige wie unberechenbare Größe. Sie hatte zwar Anteil an den politischen Erfolgen der Regierungsarbeit, trug jedoch auch zahlreiche Konflikte mit dem Bundeskanzler aus. Die Edition präsentiert Adenauers Briefwechsel mit den Spitzenpolitikern der FDP, Hintergrundberichte und Vermerke über ihre Gespräche im Kanzleramt, vor allem aber Wortprotokolle von drei Krisensitzungen, die auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen Adenauer und Thomas Dehler im Dezember 1955 auf Tonband aufgezeichnet wurden. So gewähren die größtenteils unveröffentlichten Dokumente Einblick in Bildung, Alltag und Krisen der Koalitionsregierungen unter Konrad Adenauer, der hier in der bisher wenig beleuchteten Facette als »Koalitionskanzler« erscheint.
Europäische Anwerbestopps 1970-1974
HerausgeberIn: Jochen Oltmer
Jenseits der Ölkrise - »Grenzen der Aufnahmefähigkeit« - Europäisierung der Migrationspolitik. Beendete tatsächlich die Ölkrise die »Gastarbeiter-Ära«? Warum stoppten alle westeuropäischen Industriestaaten Anfang der 1970er Jahre ihre Anwerbung und schlossen die Grenzen für unerwünschte Arbeitsmigranten? Das Buch begibt sich auf die Suche nach der Entstehungsgeschichte der Anwerbestopps und zeichnet die Diskussionen der Beamten nach, die sich auf unterschiedlichen Ebenen von der Stadtverwaltung bis zur Europäischen Gemeinschaft mit dem »Problem der ausländischen Arbeitnehmer« beschäftigten. Dabei erklärt es am Beispiel Deutschlands, Frankreichs und der Schweiz, wie die nationalen Entscheidungen durch transnationale Diskurse geprägt wurden, sich gegenseitig beeinflussten und schließlich zu einer Europäisierung der Migrationspolitik führten.
Hollywood, das Pentagon und die amerikanische Deutung des Zweiten Weltkriegs 1945 - 1962
»The Good War«: ein Produkt der Geschichte - und des militärisch-filmischen Komplexes.
Warum erinnern sich die Amerikaner so gerne an den Zweiten Weltkrieg? Warum ist allein ihm das Synonym »The Good War« vorbehalten? Warum steht die Wendung nicht auch für den Ersten Weltkrieg? Die Studie zeigt anhand von Filmgeschichte(n), dass es das Zusammentreffen dreier Faktoren in den USA in der Mitte des 20. Jahrhunderts war, durch das sich die amerikanische Interpretation des Zweiten Weltkriegs entwickelte: erstens die Vielfalt der Kriegserfahrungen der GIs; zweitens eine klassisch amerikanische Deutung von Krieg und Gewalt; drittens der Kalte Krieg. Erst das Aufeinandertreffen dieser historischen Rahmenbedingungen und die enge Zusammenarbeit zwischen dem Pentagon und Hollywood machten die Entstehung des Bildes vom »Good War« möglich.
Ein politisches Leben im Schatten Willy Brandts
AutorIn: Gertrud Lenz
Gertrud Meyer (1914-2002), Lebens- und Kampfgefährtin Willy Brandts im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, stand als Funktionsträgerin der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands im Brennpunkt der politischen Geschehnisse des linken Exils der 1930er Jahre und 1940er Jahre. Während dieser Zeit war sie zudem Mitarbeiterin des Arztes und Psychoanalytikers Wilhelm Reich. Gertrud Meyer leistete – auch unter Einsatz ihres Lebens – in enger Kooperation mit Brandt einen eigenständigen wichtigen Beitrag zum Widerstand gegen das NS-Regime. Ihr Leben und politisches Wirken zwischen Lübeck, Oslo und New York findet in dieser auf langjährigen Archivrecherchen beruhenden Darstellung erstmals angemessene Würdigung. Indem die Autorin Gertrud Meyers Biographie aus dem Schatten Willy Brandts holt, fällt auch ein neues, anderes Licht auf dessen politisches und privates Leben.
Die Geschichte des Schengen-Raums aus deutschen, französischen und polnischen Perspektiven
1985 beschlossen fünf EG-Staaten, ihre Grenzkontrollen abzubauen; umgesetzt wurde das Schengener Abkommen zunächst aber nicht. Durch das Ende des Kalten Krieges brach eine neue Zeit an: Nun standen die Grenzen nach Osten plötzlich offen und das veränderte die Rahmenbedingungen des Kontrollabbaus grundlegend. »Schengen« ist die Geschichte eines grenzenlosen Kerneuropas und seiner Erweiterung, auch über die Grenzen des ehemaligen »Eisernen Vorhangs« hinaus. Mittlerweile wurde aus der westeuropäischen Idee ein Symbol der Annäherung, aber auch neuer Abgrenzungen. Anhand von deutschen, französischen und polnischen Printmedien untersucht Angela Siebold die facettenreiche Diskussion um die Idee »offener Grenzen«. Bis heute zeigt die gegenseitige Wahrnehmung, wie beständig die Unsicherheiten zwischen West und Ost sind.
HerausgeberIn: Karl-Joseph Hummel
Im ersten Jahrzehnt des »Kalten Krieges« war die katholische Kirche in der DDR massiven religionspolitischen Anfeindungen durch das SED-Regime ausgesetzt. Die ostdeutschen Bischöfe begegneten dem systematischen »Aufbau des Sozialismus« mit dem Bemühen um kirchenpolitische Geschlossenheit sowie um Befestigung der Fundamente von Pfarrseelsorge und Caritas. Es gelang, in Erfurt eine kirchliche Hochschule als Mittelpunkt eines eigenständigen Bildungsnetzwerkes einzurichten. Die meisten katholischen Jugendlichen blieben der Jugendweihe fern.
Die internen Berichte und persönlichen Briefwechsel der Bischöfe und Kirchenführer in der DDR dokumentieren vor allem den schwierigen Weg stiller Verhandlungen und Protest-Eingaben, den die katholische Diasporakirche während der frühen, von Diktaturkrise und globalem Ost-West-Konflikt bestimmten 1950er Jahren einschlug.
Nuklearkrise, NATO-Doppelbeschluss und Friedensbewegung
Als die Straße bebte: Der Kampf um den Frieden in den 1980er Jahren.
Unter dem Motto »Nein zur Nachrüstung« kamen im Herbst 1983 mehr als eine Million Menschen zusammen, um gegen den NATO-Doppelbeschluss und die Stationierung von Cruise Missiles und Pershing II-Raketen in der Bundesrepublik zu demonstrieren. Das Thema beherrschte wie kein anderes die politische und gesellschaftliche Debatte dieser Zeit. Welche Dynamiken entwickelte der Konflikt? Wie waren die Positionen beider Lager? Wer waren die Protagonisten des politischen Establishments einerseits und der Friedensbewegung andererseits? Abschließend steht die Frage, welche Folgen die Kon-troverse um die Nachrüstung für die bundesdeutsche Gesellschaft und für das Ende des Kalten Kriegs hatte. Ein Buch für
zeithistorisch Interessierte und alle, die damals dabei waren!
Literarische und filmische Mythentradierung von Bölls 'Katharina Blum' bis zum 'Baader Meinhof Komplex'
Die Frage nach dem Mythos RAF und seinen Bestandteilen geistert durch die Terrorismus-Debatten der letzten Jahre, ohne dass genauere Definitionen oder Erklärungen greifbar wären.
Welche Mythen zirkulieren über die »Rote Armee Fraktion« und wer hat sie geschaffen? Welche Mythenbestandteile sind heute noch von Bedeutung und welche Bilder der RAF werden dabei vermittelt? Und nicht zuletzt: Welche Bedeutung haben die Wandlungen des Mythos RAF für die bundesrepublikanische Erinnerungskultur? Anhand von Motiven aus Spielfilmen und Romanen zeigt Cordia Baumann nicht nur Ansatzpunkte zur Mythenbildung auf, sondern verfolgt auch die Entwicklung und Veränderung einzelner Mythen um die RAF und ihre Protagonistinnen und Protagonisten.
Denkmuster und Debatten in Politik und Medien 1945-2010
HerausgeberIn: Jochen Oltmer
Die andere Seite der Medaille Migration: wie Auswanderer gesehen werden.
Wie wurde das Thema Auswanderung in der Bundesrepublik in Politik und Medien behandelt? Welche Ideologien und Traditionslinien lagen dem Umgang mit Auswanderung zugrunde? Wie veränderten sich diese Einstellungen zwischen der Nachkriegszeit und dem 21. Jahrhundert?
Gezeigt wird der von Verlustangst und Steuerungs-Illusionen gekennzeichnete Umgang mit Auswanderung in der Bundesrepublik. Erstmals werden die politischen und medialen Debatten um Auswanderung in den 1950er und 2000er Jahren analysiert und in Beziehung gesetzt. Hier zeigt sich eine Parallele zu den ebenso durch Furcht geprägten Debatten um Zuwanderung, der anderen Seite der Medaille Migration.