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Ereignis - Narrativ - Erinnerungsort
Die „heldenhafte Verteidigung der Brester Festung“ vom Sommer 1941 gehörte in der Sowjetunion zu den zentralen Staatsmythen und zu den wichtigsten Erinnerungsorten. Hier soll der Krieg begonnen haben, hier sollen die „ersten Ziegel im Fundament des Großen Sieges“ gelegt worden sein.
Die Dauer der Kämpfe wurde von realen acht auf 32 Tage aufgebauscht, für Kriegsgefangene war im Narrativ kein Raum. In diesem Buch wird die Militärgeschichte des Ereignisses neu geschrieben. Dabei werden Topoi des offiziellen sowjetischen Narrativs mit Quellenbefunden kontrastiert und dessen Entstehung und Entwicklung nachgezeichnet. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit den in deutsche Gefangenschaft geratenen Festungsverteidigern. Schließlich werden Geschichte und Formen der Erinnerung untersucht. Im Zentrum steht dabei die Gedenkstätte „Brester Heldenfestung“ mit ihren Museen.
Der Kampf um Rom und seine Inszenierung
Author: Magnus Pahl
Am 18. Mai 1944 war die Schlacht um den Monte Cassino für die Wehrmacht verloren. Die Alliierten hatten den umkämpften „Wellenbrecher Cassino“, wie ihn die deutsche Propaganda nannte, nach knapp einem halben Jahr schwerer Kämpfe eingenommen und drangen auf Rom vor. Goebbels Propaganda aber agierte so geschickt und nachhaltig, dass viele Deutsche bis auf den heutigen Tag mit den Namen „Monte Cassino“ in erster Linie einen letzten deutschen Abwehrsieg und keine verlorene Schlacht verbinden. Insbesondere das Bild unbesiegter deutscher Fallschirmjäger prägt oft das Klischee bei militärgeschichtlich Interessierten. Aber sogar die wissenschaftliche Literatur übernahm diese Propagandainhalte.
Magnus Pahl hinterfragt in seinem Buch den Mythos der deutschen Kampfkraft bei Cassino. Er wirft dabei den Blick aber ebenso auf die multinationalen Streitkräfte der Alliierten, unter denen das neuseeländische wie auch das polnische Kontingent eine besondere Rolle spielte. Monte Cassino ist auf seine Weise auch ein europäischer, ja globaler Erinnerungsort des Zweiten Weltkriegs. In diesem Sinne ist dem Band ein Geleitwort des polnischen Militärhistorikers Zbigniew Wawer beigegeben.
Verdeckte deutsch-niederländische Rüstungsproduktion und die Firma IvS 1922-1945
1922 wurde das Ingenieurbüro für Schiffbau (IvS/ Inkavos A.G.) unter der Leitung von Dr. Hans Techel in Den Haag gegründet. Auf diesem Wege sollten durch eine geheime Kooperation mit den Niederlanden die technische Erfahrung und der Technologievorsprung des Deutschen Reiches im U-Bootbau erhalten bleiben – obwohl der Versailler Vertrag dem Deutschen Reich die U-Bootrüstung untersagte.
Kurz nach seiner Gründung bezog das IvS seine Büros im selben Gebäude wie die Schiffbauliche Abteilung der niederländischen Marine. Hieraus ergab sich eine enge Zusammenarbeit in der U-Boot-Konstruktion. So im Bereich des Rumpfdesigns, der Torpedoausstoßvorrichtungen und der Torpedos, Sehrohre, Echolote, Schallortungsgeräte und des Schweißens von hochfestem Stahl. Die Ergebnisse der Kooperation beeinflussten sowohl die U-Booteigenbauten der Niederländischen Marine wie jene des IvS für seine ausländischen Kunden. Gegenüber diesen erfüllten beide Parteien ihre vertraglichen Verpflichtungen zwischen 1922 und 1940. 1945 übernahm die niederländische Regierung das IVS. Es wurde erst 1957 geschlossen.
Der letzte Kommandant des Panzerschiffs Admiral Graf Spee. Eine Biographie
Im Dezember 1939 verweigerte Hans Langsdorff vor der La-Plata-Mündung einen letzten, aussichtslosen Kampf gegen überlegene britische Seestreitkräfte, sprengte sein Schiff vor Montevideo, rettete seine Besatzung von 1.200 Mann und nahm sich wenige Tage später das Leben. Um seine Gestalt hat sich ein Mythos gebildet, der eine rationale Auseinandersetzung mit seinen Handlungsmotiven zwischen militärischer Loyalität und moralischer Integrität bisher erschwerte. Langsdorff handelte in einer Grenzsituation, räumte der ethischen Dimension den Vorrang ein und übernahm die persönliche Verantwortung, indem er aus dem Leben schied.
In seiner Gesamtbiographie Langsdorffs beschreibt der Autor einen Offizier, der zeitlebens versuchte, seine geistige Unabhängigkeit – selbst in der hierarchischen Struktur des Militärs – zu bewahren. Die Achtung vor der Würde des Menschen kennzeichnete seinen Wertekanon, den er auch in Kriege einhielt. Indem Kaack seinen Protagonisten in dessen jeweilige politische und soziale Umwelt einbettet, legt er zugleich ein Stück Mentalitätsgeschichte der deutschen Marine in drei Epochen vor.