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Zeitgenossen sahen in ihm „den größten deutschen Juristen aller Zeiten“: Carl Georg von Wächter (1797-1880), Professor für Zivil- und Strafrecht, gleichermaßen erfolgreich als Hochschullehrer, Wissenschaftsorganisator und Politiker gilt heute als „Außenseiter“ und großer Unbekannter unter den bekannten Juristenpersönlichkeiten des 19. Jahrhunderts. Die vorliegende Untersuchung schafft Klarheit über Einfluss und Stellenwert seines wissenschaftlichen Werkes und zeichnet das – bislang unbekannte - Bild einer Rechtswissenschaft im Frühkonstitutionalismus. 1797 in Marbach am Neckar geboren, gehörte Wächter im Vormärz zur Riege der „politischen Professoren“, die den Puls der Zeit aufnahmen und in ihren wissenschaftlichen Werken auf den Wandel politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen sensibel reagierten. Das vorliegende Buch ist eine Biographie seines juristischen Denkens. In vier Kapiteln werden Wächters Schriften unter den Gesichtspunkten der Verhältnisse von Recht und Reform, Wissenschaft und Gesetzgebung, Gesetzgebung und Praxis, sowie dem im Vormärz angesichts der föderalen Struktur des Deutschen Bundes breit diskutierten Gegensatz von nationaler Einheit und politischer Freiheit untersucht. Als prägend erweisen sich Wächters konstitutionell-liberale Ordnungsvorstellungen. Sie bedingten seine grundsätzliche Offenheit gegenüber etatistischen Modernisierungskonzepten, sein nachmetaphysisches Rechts- und Wissenschaftsverständnis und einen konsequent durchgeführten, wissenschaftlich umgesetzten Partikularismus.
Das vereinte Deutschland erlebte in den letzten 13 Jahren mehrere rechtsextremistisch und antizivil motivierte Gewaltwellen. Darüber hinaus sympathisiert ein – bisher allerdings eher kleiner – Teil der Bevölkerung mit rechtsextremistischen Ideen. Angesichts der historischen Erfahrung mit dem mörderischen nationalsozialistischen System existiert in Deutschland zurecht eine besondere Sensibilität im Umgang mit diesem Thema. Allerdings besteht gerade deshalb die Gefahr, dass in der wissenschaftlichen und öffentlichen Diskussion die Problematik entweder verharmlost oder dramatisiert wird. Ausgehend von einer handbuchartigen Darstellung und Kritik der wichtigsten empirischen Untersuchungen und theoretischen Erklärungsansätze zu Rechtsextremismus und Jugendgewalt hat das Autorenteam vor dem Hintergrund der historischen Entwicklungslinien im geteilten und vereinten Deutschland in vier Kleinstädten in Niedersachsen, Brandenburg, Bayern und Thüringen eine umfangreiche standardisierte Befragung und gleichzeitig eine Vielzahl von Interviews mit Jugendlichen, Politikern, Sozialarbeitern und Jugendhelfern durchgeführt. Mit der Erfassung von rechtsextremistischen und antizivilen Milieus, Denkstrukturen, Sprachregelungen, Verhaltensweisen und Dispositionen leistet die Untersuchung einen wichtigen Beitrag zur weiterhin notwendigen Diskussion dieser Einstellungen und Verhaltensweisen. Die vorliegende Untersuchung kann und will kein repräsentatives Bild extremistischer und anti-/nichtziviler Potenziale und Gefährdungen unter Jugendlichen in Deutschland zeichnen. Gleichwohl ermöglicht die Fokussierung auf kleinstädtische Milieus am Beispiel von Einbeck, Neuruppin, Deggendorf und Arnstadt, die sowohl eine West-Ost- als auch eine Nord-Süd-Kontrastierung zulassen, eine erfolgversprechende Tiefenanalyse vorhandener Einstellungen und Handlungsorientierungen. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Ideologie, politischen Zielen und Erscheinungsformen des Rechtsextremismus soll zugleich Hinweise auf mögliche Präventionsstrategien liefern.
Die Pandektenvorlesung des Wintersemesters 1854/55 mit kommentierter Edition des Vorlesungsnachschrift von Robert Esser
AutorIn: Dirk Eßer
Rudolf von Gneist ist als einer der großen Staatsrechtslehrer des 19. Jahrhunderts bekannt. Auf zivilrechtlichem Gebiet hat er – außer seiner Dissertation – nichts Schriftliches veröffentlicht. Die hier transkribierte und kommentierte, 1200 handschriftliche Seiten umfassende und sicherlich nahezu wörtliche Mitschrift von Gneists Pandekten- und Erbrechtsvorlesung an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität – in einem Nachlass aufgefunden – stellt eine rechtshistorische Quelle besonderer Art dar. Sie wirft ein neues Licht auf den liberalen Rechtsgelehrten Gneist und hilft auch, seine zeitweilige politische Kaltstellung in der Restaurationsphase des ersten nachmärzlichen Jahrzehnts neu zu beurteilen. Der Verfasser der Mitschrift war der Kölner Student Robert Esser, der später als Anwalt Kommentare zum Gesellschaftsrecht verfasste und als Präsident des Zentral-Dombau-Vereins in Köln hervorgetreten ist.
Festschrift für Winfried Baumgart zum 65. Geburtstag
HerausgeberInnen: Wolfgang Elz und Sönke Neitzel
30 Beiträge in- und ausländischer Historiker und Historikerinnen behandeln Aspekte der Geschichte der internationalen Beziehungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Dabei wird diese Disziplin, die in den vergangenen Jahren einen neuen Aufschwung genommen hat, modern verstanden: Zu ihren Betrachtungsgegenständen gehören selbstverständlich die nach wie vor interessanten – individuellen oder kollektiven – Handlungsträger, deren individuelle biographische oder gesellschaftliche Entwicklung und ihre Entscheidungen. Aber auch geistesgeschichtliche und völkerrechtliche Prozesse, das Verständnis für Krisen, Kriege und Friedensschlüsse der vergangenen beiden Jahrhunderte und deren Spiegelung bei den Beobachtern der jeweiligen Epoche sind Gegenstand einzelner Beiträge. Anselm Doering-Manteuffel: Ostmitteleuropa, Brest-Litowsk und die europäische Ordnung nach dem Ersten Weltkrieg. Zur Bedeutung der Historiographie der sechziger Jahre für die Gegenwart - Heinz Duchhardt: „KERNBILDUNGEN“. EIN LETTISCHES EUROPA-PROJEKT AUS DEM JAHR 1932 - Jost Dülffer: Vom Internationalismus zum Expansionismus: Die deutsche Liga für Völkerbund - Klaus Hildebrand: Die tschechoslowakische Krise vom August 1968. Frankreichs Haltung gegenüber der Bonner Republik im Spiegel der „Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland“ - Heinz Hürten: Der 8. Mai 1945 als historische Zäsur. Eine Überlegung zur Problematik geschichtlicher Epochenbildung und des historischen Bewußtseins einer Nation - Michael Kißener: „Vergangenheitsbewältigung“ im Vergleich. Frankreich und Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg - Martin Kitchen: ‘Siegfrieden’ or ‘Verzichtsfrieden’? German Generals’ Assessment of the Situation in the Spring and Summer of 1918 - Keith Robbins: A Welshman and the Pursuit of Peace: Henry Richard and the path to the 1850 Frankfurt Peace Congress - Michael Salewski: Versailles 1919: Der fast gelungene Frieden. Ein Essay - Hew Strachan: German Strategy in the First World War
Entstehung und Quellen des Gesetzes über die Rechtstellung der nichtehelichen Kinder vom 19.8.1969
HerausgeberIn: Werner Schubert
Das Nichtehelichengesetz vom 19.8.1969 reformierte nach dem Gleichberechtigungsgesetz von 1957 einen weiteren zentralen Teil des BGB von 1896. Diese Edition macht erstmals die bisher unveröffentlichten Quellen zu diesem Gesetz aus den Jahren 1961–1969 zugänglich und dokumentiert damit erstmals die Entstehung eines der grundlegenden zivilrechtlichen, gesellschaftspolitisch bahnbrechenden Gesetze der BR Deutschland. Neben dem Ehescheidungsrecht bildete seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert das Unehelichenrecht einen Kernbereich der familienrechtlichen Reformdiskussion. Die Gesetzentwürfe der Weimarer Zeit über die unehelichen Kinder (1925–1929) und der Gesetzentwurf von 1940 über die natürlichen Kinder traten niemals in Kraft. Das Grundgesetz von 1949 machte dem Gesetzgeber die Änderung des Unehelichenrechts zur Pflicht. Gleichwohl kam die Reformdiskussion erst Anfang der sechziger Jahre in Gang und war erst mit der Verabschiedung des Nichtehelichengesetzes abgeschlossen.