AutorIn: Daniel Roos
Hitler selbst bemerkte, „wenn man den Nationalsozialismus will, muß man Streicher gutheißen.“ Dieses Buch zeichnet erstmals den politischen Lebensweg Streichers und die Entwicklungsstufen seiner Zeitschrift vollständig und detailliert nach. In einer „Doppelbiografie“ entsteht das umfassende Bild einer erschreckend wirksamen, seinerzeit publizistisch hochmodernen Hetzschrift und ihres Schöpfers. Daniel Roos‘ Buch zeigt, wie der vom Nationalsozialismus nach oben gespülte Julius Streicher maßgeblich dazu beitrug, durch die Mobilisierung blutrünstiger und pornografischer Fantasien seiner Leserschaft ein antisemitisches Klima zu schaffen, das die späteren Vernichtungsaktionen vorbereitete.
Konzernpolitik zwischen Marktwirtschaft und Staatswirtschaft
Im »Dritten Reich« zählte die Vereinigte Stahlwerke AG (Vestag) zu den führenden Industriekonzernen. Alexander Donges‘ Buch untersucht, wie stark staatliche Akteure die Konzernpolitik beeinflussten und welche autonomen Spielräume das unternehmerische Handeln hatte. Während die Konzernentwicklung für die Zeit vor 1933 in der unternehmenshistorischen Literatur bereits umfassend untersucht wurde, blieb sie für die Jahre 1933-1945 weitgehend unbeachtet. Die Studie knüpft an die Debatte über die Frage nach den Handlungsspielräumen von Unternehmen und die Charakteristika der nationalsozialistischen Wirtschaftsordnung an. Sie kombiniert die qualitative Quellenauswertung mit der quantitativen Analyse betriebswirtschaftlicher Kennziffern.
»Stahlverein« und »Baron-Konzern« im Zweiten Weltkrieg
Thomas Urban untersucht den Zwangsarbeitereinsatz bei Thyssen erstmals in großer Breite - von den Hüttenwerken und einer Zeche im rheinischen Ruhrgebiet bis zu zwei Werften in Norddeutschland. Der Name Thyssen steht für eine der bekanntesten deutschen Unternehmerfamilien. Doch welche Rolle spielten die Unternehmen beim „Arbeitseinsatz“ im Zweiten Weltkrieg? Neben dem Ausmaß und der Eingliederung von Zwangsarbeit in die Kriegsproduktion widmet sich der Autor vor allem dem Handeln der Akteure – vom Eigentümer Baron Thyssen-Bornemisza über Vorstände und Meister bis hin zum Lagerpersonal. Dabei wird deutlich, dass die Verantwortlichkeiten im „Stahlverein“ und „Baron-Konzern“ höchst individuell waren und dass Täter durch die Entnazifizierung nach 1945 zu bloßen „Mitläufern“ wurden.
Eine politische Biographie
AutorIn: Lars Lüdicke
Das Leben Constantin von Neuraths (1873-1956) ist eng mit der Geschichte des 1871 begründeten deutschen Nationalstaats verknüpft: Dieser hochrangige Diplomat und Poli-ti-ker war am Aufstieg des Reiches beteiligt wie an dessen Untergang – und an den Schrecken des dunkelsten Kapitels deutscher Geschichte.
Lars Lüdickes biographische Studie bietet eine eindrucksvolle Schilderung des Deutschen Reichs und eines seiner Protagonisten. Die sozialen und verfassungsgeschichtlichen Probleme des Kaiserreichs, die Stationen deutscher Außenpolitik von Bismarck bis Hitler, die Ermöglichung der NS-Herrschaft und ihrer Verbrechen: All dies beleuchtet die Lebensgeschichte jenes Mannes, der als letzter Außenminister der Weimarer Republik und erster des »Dritten Reiches« bekannt wurde. Seine Laufbahn begann aber lange davor. Der Blick auf Neuraths Leben führt somit zu den zentralen Entwicklungslinien des »deutschen Jahrhunderts«, und so wird Lüdickes biographische Studie zu einem fesselnden Panorama deutscher Geschichte.
Vernichtungskrieg | Reaktionen | Erinnerung
In der deutschen Öffentlichkeit sind die unfassbaren Verbrechen der deutschen Besatzer in der Sowjetunion während des Zweiten Weltkrieges nach wie vor kaum präsent.
Führende Experten und einer der letzten Zeitzeugen des Holocaust in der Ukraine stellen die unterschiedlichen Aspekte der deutschen Besatzungszeit in der Sowjetunion vor. Sie fragen nach den Massenverbrechen, aber auch nach den Reaktionen der Bevölkerung. Wie sah der Alltag in den besetzten Gebieten aus? Welche spezifischen Erfahrungen machten Männer und Frauen? Welche Überlebens- und Widerstandsstrategien gab es? Was wissen wir über die Partisanenbewegung und über die Kollaboration? Wie erinnern sich die Menschen an die deutsche Besatzung? So wird erstmals das Thema in seiner ganzen Breite erfasst und dargelegt, wie der Krieg und die Okkupation bis heute nachwirken.
Kulturelle Inszenierungen und soziale Praxis 1930 - 1960
Gemeinschaft ist ein Sehnsuchtsbegriff. Er diente im 20. Jahrhundert dazu, positive Vorstellungen von der Zugehörigkeit zu einem Kollektiv zu wecken und Bestrebungen zu dessen Realisierung zu begleiten.
Der Band bietet Studien junger Forscherinnen und Forscher zum Verhältnis von Gemeinschaftskonstruktionen, individuellen Erfahrungen und kulturellen Inszenierungen. Anhand konkreter Beispiele werden die aktuellen Debatten zur Wirksamkeit des »Volksgemeinschaft«-Topos aufgegriffen und kritisch reflektiert. Zudem eröffnen sich neue konzeptionelle Perspektiven auf das Verhältnis von Gemeinschaft und Gesellschaft im »Dritten Reich« und Anregungen für die Ausrichtung zukünftiger Forschungen zum Thema über 1945 hinaus.
Wehrwissenschaft und Medizinverbrechen im "Ahnenerbe" der SS
Im Nürnberger Ärzteprozess wurde Wolfram Sievers für die unter seiner Verantwortung im Institut für wehrwissenschaftliche Zweckforschung begangenen Medizinverbrechen zum Tode verurteilt.
Nun liegt erstmals eine Gesamtdarstellung dieser aus dem „Ahnenerbe“ der SS hervorgegangenen Einrichtung vor. Nahezu ausschließlich auf der Grundlage von Archivquellen rekonstruiert der Autor die Arbeit aller Bereiche des Instituts für wehrwissenschaftliche Zweckforschung. Dabei werden nicht nur bisher unbekannte Abteilungen vorgestellt, sondern auch zahlreiche weitere neue Erkenntnisse präsentiert: Die bislang ungeklärte Identität der Opfer von Kampfstoff-Versuchen wird ebenso aufgedeckt wie die Beteiligung des Instituts an der Entwicklung von B- und C-Waffen oder die Aneignung von Immobilien teils prominenter Voreigentümer.
„Das wichtigste Buch über das SS-Ahnenerbe seit Jahrzehnten. Vergleichbar profunde Studien wünscht man sich auch zu anderen Teilen des SS-Imperiums.“ (Sven Felix Kellerhoff, Geschichtsredakteur DIE WELT)
Bereits beim ersten Vorstoß auf Warschau im September 1939 wurden deutsche Truppen in Kampfhandlungen auf städtischem Gebiet verwickelt, ohne dass man auf deren besondere Anforderungen vorbereitet gewesen wäre.
Nach dem Überfall auf die Sowjetunion zeigte sich empfindlich, dass ohne die Beherrschung der von der Roten Armee oftmals mit äußerster Entschlossenheit verteidigten städtischen Verkehrsknotenpunkte die Kontrolle des okkupierten Gebiets und die Sicherung des Nachschubs unmöglich waren. Das Buch stellt anhand von Vorschriften, Kriegstagebüchern, Erfahrungsberichten und vielen weiteren Quellen die Entwicklung der deutschen Kampfweise in Städten und ihre zeitweiligen Erfolge bis zur Schlacht von Stalingrad dar.
Deutschland und Russland/UdSSR seit dem späten 19. Jahrhundert
Dass sich die Vorstellungen von innerer und äußerer Sicherheit in Westeuropa und Russland unterscheiden, zeigt aktuell die Krise der Ukraine. Dieser Band russischer und deutscher Forscher gibt Einblick in die jeweiligen Konzepte.
Akteure, Diskurse und Praktiken, die für die Sicherheit im nationalstaatlichen und internationalen Rahmen verantwortlich waren, werden analysiert und konkrete Sicherheitsproblematiken aus russischer oder deutscher Sicht behandelt – von regionalen Konflikten der Zeit um 1920 bis zum Kaukasuskonflikt der Gegenwart. Durch Resümees in der jeweils anderen Sprache gewinnen die Leser dieses Kooperationsbandes Einblick in einen ebenso schwierigen wie notwendigen Dialog zu einem brisanten Thema.
Neue Forschungen
Aktuelle Forschungsergebnisse, um die Waffen-SS besser zu verstehen.
Die in diesem Band versammelten Texte einschlägig ausgewiesener Experten erkunden bislang vernachlässigte Themenbereiche und entwickeln neue Fragestellungen zur Geschichte der bewaffneten SS. Zu ihnen gehören biographie-, struktur-, sozial- und operationsgeschichtliche Ansätze. Es wird nach der Rolle des weiblichen Personals in der Waffen-SS, nach Netzwerken innerhalb des Führerkorps sowie nach der Motivation von ausländischen Freiwilligen und Zwangsrekrutierten gefragt. Das Buch bietet auch Studien zu Soldaten, die aus Jugoslawien, Rumänien, Estland, Dänemark und Norwegen stammten. Sowohl Kriegsverbrechen als auch die Beteiligung von Waffen-SS-Einheiten am Holocaust werden beispielhaft erläutert. Die militärischen Leistungen der Waffen-SS auf dem Schlachtfeld sind Gegenstand exemplarischer Analysen. So entsteht ein differenziertes Bild der Waf-fen-SS, ihrer Organisationsstruktur, ihres Personals und ihrer Verbände, das in seiner Gesamtheit über die bislang vorliegenden monographischen Darstellungen hinausgeht.