"Ausländerehen" in Deutschland 1870–1945
Grenzüberschreitende Liebesbeziehungen im Wandel der Zeit; Heiraten über nationale und kulturelle Grenzen hinweg: Solche Liebesbeziehungen, die heute immer häufiger vorkommen, waren in der Vergangenheit aus unterschiedlichen Gründen umstritten.
Das Buch erzählt erstmals die Geschichte der (erfolgten und verhinderten) Eheschließungen Deutscher mit Nichtdeutschen. Dabei konzentriert sich das Buch auf die Zeit zwischen Kaiserreich und dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Deutlich wird für diesen Zeitraum, wie umstritten solche intimen Grenzüberschreitungen immer wieder waren. Bürokratische Hürden und ausländerrechtliche Regelungen, zunehmend aber auch eugenisch-rassistische und stark ethnozentristische Ordnungsvorstellungen haben die Chancen solcher Ehevorhaben stark beeinflusst. Deutlich wird aber auch: Solche Eheschließungen veränderten die Wirklichkeit und Wahrnehmung der Aufnahmegesellschaften, sie führen zu neuen gesellschaftlichen Dynamiken und stellen Gewesenes vor neue Herausforderungen.
Die Nuklearexportpolitik der Bundesrepublik Deutschland 1970–1979
Die westdeutsche Atomindustrie der 1970er Jahre hatte ein Absatzproblem: Hochsubventioniert in den 1950er und 1960er Jahren, sollte sie nun die langersehnten Exporterfolge erzielen.
Die sozialliberale Koalition förderte aktiv den Export von Atomkraftwerken, Uran-Anreicherungsanlagen und Wiederaufbereitungstechnologie an diktatorische Regimes in Lateinamerika, Südafrika und den Iran. Unter dem Schlagwort „Einbindung durch Kooperation“ setzte sie sich gegen schärfere internationale Kontrollen und Absprachen ein. Laxe Sicherheitsbestimmungen beim Export waren ein Standortvorteil für die Atomkraftwerke made in Germany. Dennis Romberg analysiert die Nuklearexportpolitik der Bundesrepublik in den 1970er Jahren systematisch und umfassend. Er betrachtet dabei die Nuklearexporte der Bundesrepublik im Zusammenspiel mit der außenpolitischen Emanzipation der Bundesregierung, den Konflikten mit den USA, der innenpolitischen Kritik der aufkommenden Anti-AKW-Bewegung und dem internationalen Kontrollregime zur Nichtverbreitung von Atomwaffen.
Industrie und Fotografie im Zarenreich (1860–1917)
Kaum jemand kennt die Vorgänger der sowjetischen Industriefotografie. Dieses Buch nimmt erstmals diese Aufnahmen in den Fokus und zeichnet nach, welche Rolle der Industrie und Fabriken in den Bildwelten des Zarenreichs zugedacht war.
Industriefotografien eröffneten Außenstehenden einen Blick hinter russische Fabriktore. Damit prägten sie in Alben, Fest- und Zeitschriften sowie auf Postkarten das Bild von Fabriken in der russischen Gesellschaft. An den Schnittstellen von Fotografie-, Industrie-, Technik- und visueller Geschichte analysiert die Autorin erstmals, wie sich die Industriefotografie im Zarenreich entwickelte und welche Botschaften über Industrialisierung und Fabriken die an der Herstellung und Verbreitung der neuen Bilder beteiligten Akteure mit den Aufnahmen vermittelten. Vergleiche mit Studien aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA stellen die russische Fabrikfotografie in einen größeren Kontext und verdeutlichen, dass weniger von einer nationalen als von einer europäisch/nordamerikanischen Bildsprache gesprochen werden muss.
HerausgeberInnen: Dickerhof, Monika Fink-Lang und u.a.
Der vorliegende 2. Band der Gesammelten Briefe des Publizisten und Gelehrten Joseph Görres (1776–1848) umfasst die Briefe der frühen Jahre von den Anfängen bis zum Ende der Franzosenherrschaft in Görres‘ Heimatstadt Koblenz am Jahresende 1813. Der Band enthält neben 200 zum Teil bisher unveröffentlichten Briefen von Görres mehr als 150 Briefe an Görres im Regest.
Die Briefe spiegeln die Entwicklung des jungen Görres, lassen den begeisterten Anhänger der Ideale der französischen Revolution und den Mitstreiter der Heidelberger Romantik lebendig werden. Sie gewähren auch einen intimen Blick auf den Menschen hinter dem Werk. Sie dokumentieren seine vielfältigen Interessen und Arbeitsgebiete, von der Naturwissenschaft und Naturphilosophie über die Mythen Asiens bis hin zur Literatur des Mittelalters, die leidenschaftliche Intensität, mit der er sich seinen jeweiligen Projekten und Studien widmete, und den fruchtbaren Austausch mit Gelehrten und Freunden.
Hermeneutical, institutional and textual perspectives
The purpose of the volume is to explore how specific historical and socio-cultural conditions of late antiquity shaped the development of Christian thought.
The authors of the volume analyse various aspects of these conditions, particularly those of a textual and institutional nature, as they are reflected in the hermeneutic and philosophical principles of Christian discourse. This focus sheds new light on unexplored features of Christian literature, such as the influence of manuscript culture, early church institutions and practices, exegetical techniques, and philosophical curricula.
Die digitale Transformation führt zu umwälzenden Veränderungen in Wirtschaft und Gesellschaft. Wie verändert sich vor diesem Hintergrund die Ausgestaltung von Solidarität in Fragen von Sozialstaatlichkeit, betrieblicher Mitbestimmung und Beteiligung?
Solidarität ist eine der entscheidenden Kategorien christlicher Sozialethik und wichtiger Grundpfeiler aller sozialstaatlichen Überlegungen sowie der sozialen Marktwirtschaft. Was bedeutet Solidarität vor dem Hintergrund der Digitalisierung im Bereich von Wirtschaft und Gesellschaft? Die Reihe Sozialethik konkret greift diese vielschichtige Problematik auf und diskutiert Lösungsvorschläge zur Weiterentwicklung des Solidaritätsbegriffs und der konkreten institutionellen Ausgestaltung von Solidarität vor dem Hintergrund der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft.
Johannes Lepsius und seine Mission
Der evangelische Orientalist und Theologe Johannes Lepsius (1858–1926) wurde zum wichtigsten Zeugen für Armenierpogrome seit den 1890er Jahren und dem nachfolgenden Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich im Jahr 1915. In dem Buch werden seine humanitären Hilfsaktionen zusammen mit seinen publizistischen Aktivitäten auf breiter Quellenbasis dargestellt.
Ein besonderer Schwerpunkt der Darstellung liegt auf dieser publizistischen Tätigkeit von Lepsius und seinen Mitarbeiter/innen, die einerseits darauf abzielte, den Völkermord an den Armeniern abzuwenden, andererseits auch die Öffentlichkeit in Deutschland und Europa mit der Lage der Armenier vertraut machen sollte und zu Hilfsaktionen zur Rettung von Überlebenden der Todesmärsche und Massaker mobilisierte. Die Darstellung stützt sich auf zahlreiche bislang unbekannte Quellen.
Deutsche Kartographie und Raumwissen im Ersten Weltkrieg
Krieg und Karten gehören untrennbar zusammen. Sie sind dabei nicht bloß militärische Instrumente, sondern transportieren stets auch politische Raumbilder. Diesen bislang wenig beachteten Aspekten des Ersten Weltkriegs geht die Untersuchung nach.
Der Erste Weltkrieg wurde wie kein anderer Konflikt in allen räumlichen Dimensionen geführt. Karten trugen ihren entscheidenden Anteil dazu bei. Die deutschen Operationsplanungen fußten auf den strategischen Generalstabskarten, während insbesondere die Kriegführung im Westen neue Raummedien erforderte. Im gleichen Maße stiegen die Anforderungen an die Soldaten, sich mit den neuen Kartentypen im Stellungskrieg zurechtzufinden. Das führte zu Bildungsanstrengungen in der „Heimat“, von denen insbesondere die Schulgeographie profitierte. Erdkundelehrer stellten ihre Expertise bereitwillig in den Dienst des Krieges und instrumentalisierten geographisches Wissen zu Propagandazwecken.