Zwischen Zweck, Zwang und Zwist
Während des Ersten Weltkriegs kämpften Bulgaren und Deutsche jahrelang an der Saloniki-Front Seite an Seite gegen die Entente. Doch wie stand es um die Funktionalität dieser unerwarteten Kriegskoalition? Die Saloniki-Front als Nebenkriegsschauplatz des Ersten Weltkriegs ist aus dem mitteleuropäischen kollektiven Bewusstsein beinahe gänzlich verschwunden – und damit auch die Erinnerung an das deutsch-bulgarische Militärbündnis. Ohne tiefgreifende Kooperation wären die militärischen Herausforderungen an der Saloniki-Front nicht bewältigbar gewesen. Deshalb stellt die Studie die Koalitionskriegführung in den Fokus und blickt hinter die Kulissen der von Propaganda und Nachkriegsliteratur gezeichneten innigen Waffenbrüderschaft zwischen den Verbündeten. Denn aus unterschiedlichen (Militär-)Kulturen, Asymmetrien und inkompatiblen Kriegszielen resultierte eine Vielzahl an Konfliktfeldern.
Materialschlacht in Nordafrika
Die Schlacht bei El Alamein im Herbst 1942 beendete den Siegesmarsch des „Wüstenfuchses“ Erwin Rommel und damit jede Hoffnung der Achsenmächte, in den Besitz des Suezkanals zu gelangen. Den englischen Kriegsbemühungen hatte so ein entscheidender Schlag versetzt werden sollen. Während das populäre Bild des Wüstenkrieges bis heute von der Vorstellung blitzartiger Vorstöße deutscher Panzer geprägt ist, handelte es sich bei El Alamein jedoch eher um eine Material- und Abnutzungsschlacht. Die Achsenmächte waren von Beginn an unterlegen. Alexander Querengässer korrigiert in seinem Buch manche verbreiteten Vorstellungen vom Krieg in Nordafrika. Hatten die Deutschen bis dahin ihren Gegnern eine bewegliche Kriegsführung aufzwingen können, so war es der britischen 8. Armee bei El Alamein gelungen, Rommels Vormarsch zum Stehen zu bringen, die Front zu festigen und später mit großer materieller Überlegenheit einen Gegenschlag zu führen. Alexander Querengässer betrachtet die gemeinhin als Erste und Zweite Schlacht von El Alamein bezeichneten Ereignisse in ihrem Zusammenhang. Er beleuchtet die Bedingungen und konkreten Umstände der Auseinandersetzung im Rahmen der Kriegslage und zeigt die operationsgeschichtlichen Besonderheiten auf. Aber auch die unmittelbaren Konsequenzen für den Kriegsverlauf kommen zur Sprache. Ein eigenes Kapitel ist dem Fortleben der Schlacht in den Erinnerungskulturen der ehemaligen Kriegsgegner gewidmet.
Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ist eine Vereinigung der führenden Forscherinnen und Forscher des Landes. Sie wurde 1970 als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Akademie ist in drei wissenschaftliche Klassen für Geisteswissenschaften, für Naturwissenschaften und Medizin sowie für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und in eine Klasse der Künste gegliedert.

Mit Publikationen zu den wissenschaftlichen Vorträgen in den Klassensitzungen, zu öffentlichen Veranstaltungen und Symposien will die Akademie die Fach- und allgemeine Öffentlichkeit über die Arbeiten der Akademie und ihrer Forschungsstellen informieren.
Aufstieg und Fall eines Mythos
Albert Speer als der „gute Nazi“: Dieser von ihm selbst inszenierte Mythos prägte entscheidend die bundesdeutsche Nachkriegsgeschichte. Millionen von Kriegsteilnehmern und Parteigenossen konnten sich entlastet fühlen, wenn doch nicht einmal Hitlers Stararchitekt und Rüstungsminister etwas vom Holocaust gewusst hatte, geschweige denn daran beteiligt gewesen war. Wolfgang Schroeter begibt sich auf die Spuren der Entstehung und Wirkungsgeschichte des Speer-Mythos. Wie war Speer selbst an dessen Schaffung beteiligt? Wer unterstützte ihn und schrieb den Mythos fort? Erstmals verfolgt der Autor den Wandel des Speer-Bildes über vier Generationen. Während die Kriegs- und Flakhelfergeneration Speer heroisierte, revoltierten die „68er“ dagegen. Nach einer weiteren Verschärfung der Kritik kehrt Speer in den Medienwelten des digitalen Zeitalters neu imaginiert zurück – und ist weiterhin Gegenstand von Biographien und Dokumentationen. Der Mythos wird entzaubert.
Das Reichsheer im Neusser Krieg 1474/75
Das Reichsheer im Neusser Krieg wurde 1474/75 aufgeboten, um das von Herzog Karl dem Kühnen belagerte Neuss zu entsetzen. Es muss als eine der bemerkenswertesten politischen, organisatorischen und militärischen Leistungen des Reiches im 15. Jahrhundert angesehen werden.

Der Band begreift das Reichsheer als soziales Gefüge und untersucht dessen Zusammensetzung, Funktionsweise und Verwurzelung in der Reichspolitik des 15. Jahrhunderts. Dabei werden erstmalig die umfangreichen Quellen zum Neusser Krieg systematisch ausgewertet. Die Heterogenität und Komplexität des Reichsheeres sowie die Präsenz der wichtigsten politischen Akteure des Reichsverbandes ließen das Neusser Aufgebot zum Spiegel des dezentral strukturierten spätmittelalterlichen Reiches werden. Die breite soziale und politische Zusammensetzung und der militärische Erfolg des Reichsheeres machen dieses Aufgebot einzigartig für das spätmittelalterliche Reich.
Das Lexikon des polnischen Adels im Goldenen Zeitalter 1500–1600 beinhaltet 120 Biogramme der bedeutendsten Vertreter des Adels in Polen im 16. Jahrhundert. Jedes der Biogramme ist um eine einführende Literaturliste ergänzt. Für Osteuropahistoriker ist das Buch eine »Goldgrube« für die Zeit des »Goldenen Zeitalters« in Polen. Man findet dort nicht nur biografische Daten, sondern auch Informationen über die Genealogie, Wappenkunde, religiöse Ansichten, Kunst und Kultur und nicht zuletzt eine besondere geografische Komponente mit einer genauen Erklärung der Lage der im Buch beschriebenen Orte und Provinzen. Die beigefügten Tabellen, Karten der Rzeczpospolita sowie der Besitzungen der Magnaten in Polen-Litauen und einige Abbildungen der adeligen Schlösser sowie der Familienwappen ergänzen das ungewöhnlich reichhaltige Buch – ein Lexikon, das (nicht nur) für jeden Osteuropahistoriker eine handliche und praktische Hilfe darstellt.
Gut einhundert Jahre lang haben sich die Vandalen in Nordafrika gehalten (429–534). Die Forschung war und ist fasziniert von Geiserich, dem berühmten ersten König und Gründer des afrikanischen Vandalenreiches; dessen Spätzeit erhält dagegen weit weniger Aufmerksamkeit. Dabei ist der Untergang der Vandalen, die sich unter König Gelimer vergeblich gegen die Invasion der byzantinischen Truppen des Generals Belisar wehrten, ebenso interessant wie die unmittelbar vorangehende Zeit unter König Hilderich. Dieser hatte 523 versucht, seinem Reich eine neue Grundlage zu geben. Beide Phasen lassen erkennen, worauf die Herrschaft der Vandalen gründete und was sie am Ende scheitern ließ.
Dutch Shoah, 1933/45 and beyond
How was it possible that, in a rather peaceful and, to all intents and purposes, not particularly antisemitic Dutch society, more than 75% of the Jewish population were arrested, deported or murdered in concentration camps during the Shoah? Can all of this be blamed on the Nazi occupiers?

The eminent historian, Hans Derks, explains this mystery for the first time by looking closely at the social and religious characteristics of Dutch society. He also unveils the extensive collaboration of the country’s state-bureaucracy with the German authorities. This uniquely perpetratororiented book about the Dutch Shoah offers shocking conclusions about the persistent contribution of Dutch scholars to racist ideologies and eugenic measures aimed at creating a new, racially pure Dutch society under an authoritarian leadership.
The Cultural Impact of the First World War
The battles of the First World War created a fundamentally new impression of war. Total warfare, the use of propaganda, chemical weapons, and every possible other measure to ensure victory defined the event that should later be known as the »Great War«, because it caused so many deaths and much suffering. The catastrophe also had an impact on the humanities, which inevitably had to deal with the processing of an event that seemed to be too big to be clearly understood by the human mind. The present volume covers several interdisciplinary perspectives by dealing with the impact of the war on the humanities during and after the conflict that deeply influenced the mindset of the 20th century.