Beiträge zur 14. Internationalen Fachtagung für mittelalterliche und frühneuzeitliche Epigraphik, Düsseldorf 2014
HerausgeberInnen: Helga Giersiepen und Andrea Stieldorf
Transfer und Aneignung kultureller Techniken und Errungenschaften stehen seit langem im Fokus des Forschungsinteresses. Auch die Epigraphik ist im Rahmen der Erforschung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Inschriften mit den Voraussetzungen, Abläufen und Ergebnissen von Kulturaustausch konfrontiert. Inschriften auf Grabdenkmälern, im öffentlichen Raum und in Kirchen, aber auch auf schlichten Alltagsgegenständen gewähren Einblicke in den Umgang unserer Vorfahren mit Traditionen und Neuerungen, mit historischen Vorbildern, neuen religiösen Strömungen oder wechselnden kulturellen Einflüssen. Die Autoren des Tagungsbandes stellen Beispiele aus verschiedenen europäischen Ländern vor, die sich über einen Zeitraum von 1000 Jahren erstrecken.
Ein Experiment in drey Theilen
AutorIn: Stefanie Junges
„Alle Kunst soll Wissenschaft, und alle Wissenschaft soll Kunst werden“, fordert Friedrich Schlegel 1797 im Lyceum. Ausgehend von dieser Proklamation erprobt die Arbeit experimentell, inwiefern ein wissenschaftlicher Balanceakt zwischen Theorie und Literatur wissenschaftlich fruchtbar gemacht werden kann. Die romantische Poesie ist eine „progressive Universalpoesie“ – so wird das Wesen romantischer Texte mit den Friedrich Schlegel zugesprochenen Worten bis heute definiert. Dabei zeichnet sich die Fülle und Heterogenität der Literatur der Romantik durch eine nicht fixierbare Dynamik aus: Romantische Literatur oszilliert. Das wirft zwei Fragen auf, deren Beantwortung sich die Arbeit mithilfe innovativer methodischer Verfahren widmet: Wie lässt sich dieses romantische Oszillieren konkret analysieren? Und wie kann ein wissenschaftlicher Umgang mit einer sich der Theoretisierung, Definition und Systematisierung verweigernden Literatur gewährleistet werden?
HerausgeberIn: Christian Kirchmeier
Die Beiträge in diesem Band verbindet eine gemeinsame Idee: Um besser zu verstehen, worin das Politische der Romantik besteht, lohnt sich ein Blick auf das romantische Drama. Unter dem Schlagwort des ‚Politischen der Romantik‘ hat die Germanistik eine Antwort auf die grundlegende Frage gesucht, welche soziale Funktion moderne Kunst erfüllt. Die Gattung des Dramas stand dabei bislang nicht im Fokus – und das, obwohl sie die eigentlich ‚politische‘ literarische Gattung ist. Die Autorinnen und Autoren gehen von der Hypothese aus, dass sich die beiden Fragen ‚Was ist das Politische der Romantik?‘ und ‚Was ist das romantische Drama?‘ wechselseitig erhellen. Sie liefern damit nicht nur einen Beitrag zur dramengeschichtlichen Forschung, sondern auch zur Beantwortung der Frage, inwiefern moderne Literatur politisch ist.
Beiträge zur Philologie des Individuellen
Die Philologie ist allem Einzelnen, sei es noch so verquer, unschicklich oder ungeschickt, immer schon eng verbunden. Auch die Literatur hat seit jeher eine Affinität für einzigartige Charaktere und deren Kalamitäten – und sich in der Neuzeit nicht zufällig zum priorisierten Medium für Individualitätsdarstellung, Individualstile, kurzum: für Ichtexte entwickelt. Die Beiträge des vorliegenden Bandes widmen sich einer Philologie des Individuellen. Sie spüren den Formationsregeln von Texten als Medien und Schauplätzen von Singularität nach, die sich am Bekennen und am Ich-Schreiben versuchen – und entdecken so die intrikate Verstrickung von Ich und Text in ihrer singulären Vielgestalt.

HerausgeberInnen: Stefan Matuschek und Sandra Kerschbaumer
Als Epoche ist Romantik Vergangenheit, als Phänomen bleibt Romantik aktuell. Das Buch will erklären, wie beide miteinander zusammenhängen.

Bis heute werden Literatur, Filme, Musik, aber auch Lebenspraktiken und Weltanschauungen als „romantisch“ bezeichnet. Der Band untersucht, worauf sich diese Bezeichnung gründet und was sie mit der historischen Romantik verbindet. Die These ist, dass die historische Romantik durch Modellbildungsprozesse in zeitlich späteren Phasen fortwirkt. Solche Prozesse werden in exemplarischen Fallstudien analysiert: Welche prägnanten Modelle von Romantik lassen sich in den Künsten, aber auch in der sozialen Lebenswelt und der Wissenschaft beobachten? Welche Darstellungs-, Deutungs- und Handlungsmuster bilden sich heraus, die für die weitere Wirkungsgeschichte von Bedeutung sind?
Schriftsteller, Radikalaufklärer und gelehrter Soldat
AutorIn: Guido Naschert
HerausgeberIn: Guido Naschert
Friedrich Christian Laukhards (1757–1822) Schriften werden im vorliegenden Band erstmals von einer Gruppe von Forschern aus verschiedenen Disziplinen in den Blick genommen. Jenseits mancher Klischees vom fahrenden Magister und berüchtigten Burschen soll neues Interesse an diesem schillernden Aufklärer geweckt werden.
Laukhards Texte sind Quellen ersten Ranges, wenn es um die Erforschung der besonderen Situation der Spätaufklärung, ihrer Kultur und Klandestinität geht. Milieus und Praktiken der Radikalaufklärung, die in den letzten Jahrzehnten intensiv erforscht worden ist, werden in seinen Texten ungewöhnlich freimütig benannt. Die Beiträge dieses Bandes bahnen Wege in den literarischen Untergrund der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts. Das Buch richtet sich an Germanisten, Philosophen und Historiker, vor allem jedoch an Laukhards Leser.
Epistolarität und Interkulturalität
AutorIn: Jochen Strobel
HerausgeberIn: Jochen Strobel
Als Philologe, Literaturhistoriker, Übersetzer, Kritiker und Indologe war der lange Zeit unterschätzte August Wilhelm Schlegel der wichtigste Kommunikator der deutschsprachigen Romantik.
Der Band bietet eine Bestandsaufnahme der aktuellen Forschungsaktivitäten zu dem älteren Schlegel-Bruder. Bei unterschiedlicher Schwerpunktsetzung kristallisieren sich Vorlesung, Übersetzung, Kritik und Brief als zentrale Kommunikationsmedien heraus, ob es um die Aushandlung ästhetischer und wissenschaftlicher Positionen im Kreis der Romantiker und darüber hinaus geht, um den sozialen Zusammenhalt oder um die Diskursivierung von Emotionen. Neben intertextuell und interkulturell interessierten Studien treten wissenspoetologische, wissenssoziologische und praxeologische Überlegungen.
Schlegel erweist sich als Kommunikator im Dialog mit seiner Familie, mit Mentoren, Freunden und Gegnern sowie mit der altindischen und den europäischen Kulturen von der Antike bis zu seiner Gegenwart.
Ein Beitrag zur Intellektuellengeschichte
AutorIn: Isabelle Faul
Friedrich Schlegel entwirft in der Fragmentsammlung Ideen (1800) ein anspruchsvolles, synkretistisches Konzept des ›Künstlers‹ als eines kulturstiftenden und kulturkritischen ›Intellektuellen‹. Die Wesensmerkmale des von Schlegel konzipierten ‹Künstlers‹ sind Wortmächtigkeit, analytische und kritische Kompetenz, Reflexionsvermögen, Neigung zum Querdenken und Polemik. Dabei reflektiert er auch Möglichkeiten elitärer intellektueller Sozietäten als transitorische Organisationsformen zur Generierung neuer ›Künstler‹ und als Gegenentwurf zur als defizitär empfundenen Wirklichkeit des literarischen Feldes um 1800. Schlegel greift damit zeitgenössische Modelle des ästhetischen Diskurses der 1790er-Jahre und des Neuhumanismus ebenso wie traditionelle Topoi auf und verbindet diese mit formal und medial avantgardistischen Ansätzen.
Zur Pathogenese der Moderne
AutorIn: Manfred Frank
Literarische Schiffreisen erreichen in der Antike ihr Ziel umwegig (Odyssee), modernen ist es weggebrochen, und ihre Fahrt verendet in einer ‚schlechten Unendlichkeit’ (Hegel). Es gibt keinen heimatlichen Hafen mehr, der zu erreichen wäre; es herrscht ‚transzendentale Obdachlosigkeit’ (Lukács); „Gott ist tot“ (Nietzsche). Die Schiffe – seit dem Fliegenden Holländer, der übersinnliche Werte im Geist des neu erwachten kopernikanischen Paradigmas als normative Orientierungspunkte ablehnt – irren und fahren sie mit dem „Wind, der in den untersten Regionen des Todes weht“ (Kafka). D. h., das trotzig abgewiesene Sinnangebot der übersinnlichen Welt behält negativ seine Kraft: Es hindert die Lebensreise des modernen Menschen, hienieden ans Ziel zu kommen. Die Unendlichkeit, zu der menschliches Streben fortan verurteilt ist, wird als Strafe erlebt für die Auflehnung gegen eine robustere Gestalt von Absolutheit, die von Stund an als unwiederbringlich abgegolten erlebt wird. Mittlerweile in ihrer 3., erweiterten Auflage präsentiert Manfred Frank die Geschichte des Motivs vom Fliegenden Holländer, dem Ewigen Juden bis zu Rimbauds Trunkenem Schiff und zu Kafkas Jäger Gracchus. Neben den verwandten Motiven des ‚kommenden Gottes’ (der ‚neuen Mythologie’) und der in Kälte erstarrenden Herzen gehört es zu denen, die am sprechendsten von den Pathologien der Moderne Zeugnis ablegen.
Das romantische Kritikkonzept – Entstehung, Geschichte und Rezeption – und seine hauptsächlichen Vertreter stehen im Zentrum dieser facettenreichen Darstellung. Die romantische Weiterentwicklung aufklärerischer Kritikvorstellungen, auf welche die Gegner der Romantik wiederum reagierten, ist geprägt durch ironische Selbstreflexion, Bemühen um poetische Reorganisation von Wissen und Gesellschaft und ästhetische Kritik des kongenialen, die Geistesgeschichte überblickenden Subjekts. Insbesondere dadurch, dass Friedrich Schlegel die philologische Textkritik in der Untrennbarkeit von Reflexion und Kunstwerk begründete und eine progressive kritische Universalpoesie forderte, wurde zusammen mit der auf Selbstbegründung gerichteten und darum immer vorläufigen und unabschließbaren Reflexionskette die Kritik zum Kennzeichen der Romantik und die Auseinandersetzung mit ihr unabdingbar für Vertreter und Gegner.