Das um 360/61 n. Chr. verfasste Geschichtswerk des Aurelius Victor behandelt die römische Kaisergeschichte von ihren Anfängen unter Augustus bis in die eigene Gegenwart des Verfassers. Die vorliegende Ausgabe bietet einen revidierten lateinischen Text und eine neue Übersetzung.Im Unterschied zu anderen Breviarien des 4. Jahrhunderts zeichnet sich das Werk durch seine moralischen Bewertungen sowie seinen anspruchsvollen Schreibstil aus. Seinen besonderen Quellenwert verdankt es den oft wichtigen und einzigartigen Nachrichten für die Geschichte des 3. und 4. Jahrhunderts, die im historischen Kommentarteil erörtert werden. Der philologische Kommentar erläutert Textgestaltung, Übersetzung und die eine oder andere sprachliche Besonderheit des Autors.
HerausgeberIn: Ernst Behler
Friedrich Schlegel (1772–1829) war nicht nur mit seinem Bruder August Wilhelm einer der bedeutendsten Vertreter der Jenaer Frühromantik, mit seinem umfassenden Werk von Geschichte und Altphilologie über Indologie, Sprachtypologie und Kulturphilosophie bis hin zu Kunst- und Literaturkritik gilt er auch als erster deutscher Intellektueller.
In zehn Bänden wird hiermit die erste Abteilung der Historisch-kritischen Ausgabe der Werke des Universalgelehrten vorgelegt.
Emotions- und Alltagsgeschichte polnischer 'Zivilarbeiter' in Berlin 1939-1945
AutorIn: Katarzyna Woniak
Das Buch bietet eine Analyse der Lebenswelten polnischer Zwangsarbeiter in Berlin aus einer individuellen Perspektive. Ausschließlich anhand zeitgenössischer Ego-Dokumente beschreibt die Autorin weniger die Erlebnisse der Betroffenen, sondern vielmehr die Deutung und emotionale Wahrnehmung des Zwangsarbeiteralltags, der mindestens genauso heterogen war, wie ihre „Zwangswelten“.
Die Studie schreibt sich damit in die aktuellen europäischen Diskurse zum Zweiten Weltkrieg ein und mit ihrer Perspektive „von unten“ trägt sie zum Forschungsstand mit neuen Impulsen bei. In Zeiten, in denen es immer weniger Zeitzeugen gibt, können ihre zeitgenössischen Ego-Dokumente helfen, die historischen Vorgänge zu verstehen. In diesem Sinne bietet das vorliegende Buch eine intensive Annäherung an die Lebenswelten der Zwangsarbeiter. Denn die Heranziehung von justiziellen Personalakten aus der NS-Zeit sowie der Briefe und Tagebücher der Betroffenen ermöglichte es, die Gefühle und Handlungen aus ihrer Perspektive zu schildern.
Perspektiven praxeologischer Hermeneutik
Wer interpretiert, tut etwas. Dieser schlichte Umstand trat mit dem practice turn verstärkt in den Fokus hermeneutischer bzw. interpretationstheoretischer Debatten. Wo steht die Diskussion heute? Wohin soll sie sich bewegen?
Als primärer Gegenstand der Hermeneutik erschien lange relativ klar eine Top-down-Reflexion auf die Natur von Erkenntnis, Verstehen und Interpretation. Das hat sich mit dem practice turn geändert. Durch diese zuerst seitens der Wissenschaftsgeschichte und der Sozialwissenschaften kultivierte Umorientierung kommt verstärkt der Bereich des konkreten Interpretationshandelns in den Blick. Die Aufmerksamkeit gilt, bottom-up, den Routinen der Bedeutungsproduktion.
Neue Studien zur Geschichte Polens und Osteuropas
Die Reihe präsentiert wissenschaftliche Monographien und herausragende Sammelbände mit neuesten Forschungen zur Geschichte Polens und Osteuropas. Die Publikationen verbinden Perspektiven der verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen bei der Betrachtung der Vergangenheit der Region. Obwohl der thematische Schwerpunkt der Reihe auf Polen und Osteuropa liegt, haben die Herausgeber das Ziel, diesen Teil Europas in einen breiteren Forschungskontexte zu stellen und dadurch auch anregend auf die Forschung zu ähnlichen Themen in Bezug auf andere Regionen des Kontinents zu wirken. In der Reihe FOKUS werden zudem exzellente Dissertationen vorgelegt, die im angesehenen Wettbewerb um den Wissenschaftlichen Förderpreis des Botschafters der Republik Polen in Deutschland ausgezeichnet wurden. Publikationssprachen der Reihe sind Deutsch und Englisch.
Erinnerungspolitik und historische Kontroversen in der Bundesrepublik 1945-1980. Übersetzt von Charlotte P. Kieslich
AutorIn: Mark Edward Ruff
Wurden Papst Pius XII. und die katholische Kirche nach 1945 wegen ihres Verhaltens während der Herrschaft der Nationalsozialisten unverhältnismäßig in den Fokus gerückt?
Mark Edward Ruff untersucht die heftigen Kontroversen über das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem NS-Regime, die in der Bundesrepublik zwischen 1945 und 1980 ausbrachen – etwa über Rolf Hochhuths Schauspiel „Der Stellvertreter“ von 1963. Er beleuchtet dabei, warum diese kulturellen Gefechte so viel Kraft kosteten, die Schlagzeilen beherrschten, Klagen vor Gericht auslösten und zum Einschreiten von Außenministerien führten. Nach Ruff waren diese Kontroversen über die Beziehung zwischen Kirche und Nationalsozialismus oftmals Stellvertreterkriege um die Positionierung der Kirche in der „modernen“ Welt – in der Politik, internationalen Beziehungen und den Medien. Im Mittelpunkt dieser Auseinandersetzungen standen in den meisten Fällen Konflikte, die durch die gestiegene politische Bedeutung des Katholizismus und die Integration katholischer Bürgerinnen und Bürger in die Mitte der Gesellschaft ausgelöst wurden.
König im großen Welttheater
AutorIn: Sven Externbrink
Hinter die Kulissen des Lebens Ludwigs XIV. schauen, eines Monarchen, mit dem sich so viele Klischees verbinden, und einen Eindruck vom „wahren“ Leben hinter dem roten Samtvorhang vermitteln – das will die Biographie von
Sven Externbrink.
Ausdrücklich richtet sich dieses Buch nicht nur an Fachhistoriker, sondern bringt auch dem historisch interessierten Laien eine sehr ferne und fremde Epoche nahe. Dabei bricht das Buch mit der traditionellen chronologischen Darstellung eines Lebens, beginnend mit der Geburt und endend mit dem Tod. Statt dessen blicken wir aus verschiedenen Perspektiven auf den Sonnenkönig – beginnend mit seiner Person, zweitens mit dem Blick auf Zeitgenossen, Untertanen, Monarchie und Ludwigs Regierung, drittens auf Ludwig und Europa. Eingeschoben werden „Miniaturen“, in denen aus nächster Nähe Schlüsselereignisse seines Lebens thematisiert werden. Wie kaum ein anderer Monarch vor ihm in Europa hat Ludwig XIV. die Kunst in den Dienst der Monarchie gestellt. In der Person Ludwigs tritt dem Leser daher auch ein „Künstler“, und zwar ein „Schauspieler“ entgegen, der zeitlebens die Rolle des König gespielt hat, als Schauspieler auf der Bühne der Welt und des Lebens.
Die Rettung der Juden von Dolginovo 1942. Übersetzt von Ingrid Damerow
AutorIn: Inna Gerasimova
HerausgeberIn: Ingrid Damerow
Dieses bewegende Buch ist das Ergebnis einer einzigartigen historischen Spurensuche: Inna Gerasimova beschreibt als präzise Chronistin exemplarisch das Schicksal weißrussischer Jüdinnen und Juden während der nationalsozialistischen Besetzung des Landes. Dafür verwendet sie auch zahlreiche Zeitzeugenberichte, die das damalige Geschehen lebendiger nachvollziehbar machen als Überblickswerke und Statistiken es können.
Der kommunistische Kommissar und Partisan Nikolaj Kiselëv wagte im August 1942 den Versuch, über 200 jüdische Menschen aus dem Dorf Dolginovo mehr als 1.500 Kilometer durch von den Deutschen besetztes Gebiet zu führen – nach Osten, hinter die rettende Frontlinie auf sowjetisch kontrolliertes Gebiet. Für dieses riskante Unterfangen wird er heute in Yad Vashem als ein „Gerechter unter den Völkern“ geehrt.
Was veranlasste Kiselëv zu seinem Entschluss und wie verlief dieser von ihm organsierte „Marsch des Lebens“? Welches Schicksal widerfuhr denen, die sich auf den Weg machten? Wie wurde Kiselëv in der Sowjetunion nach dem Krieg beurteilt und wie sah sein weiteres Leben aus? Inna Gerasimova, langjährige Leiterin des Museums für jüdische Geschichte und Kultur Weißrusslands in Minsk, gibt Antwort auf diese Fragen.
Der Kampf um Rom und seine Inszenierung
AutorIn: Magnus Pahl
Am 18. Mai 1944 war die Schlacht um den Monte Cassino für die Wehrmacht verloren. Die Alliierten hatten den umkämpften „Wellenbrecher Cassino“, wie ihn die deutsche Propaganda nannte, nach knapp einem halben Jahr schwerer Kämpfe eingenommen und drangen auf Rom vor. Goebbels Propaganda aber agierte so geschickt und nachhaltig, dass viele Deutsche bis auf den heutigen Tag mit den Namen „Monte Cassino“ in erster Linie einen letzten deutschen Abwehrsieg und keine verlorene Schlacht verbinden. Insbesondere das Bild unbesiegter deutscher Fallschirmjäger prägt oft das Klischee bei militärgeschichtlich Interessierten. Aber sogar die wissenschaftliche Literatur übernahm diese Propagandainhalte.
Magnus Pahl hinterfragt in seinem Buch den Mythos der deutschen Kampfkraft bei Cassino. Er wirft dabei den Blick aber ebenso auf die multinationalen Streitkräfte der Alliierten, unter denen das neuseeländische wie auch das polnische Kontingent eine besondere Rolle spielte. Monte Cassino ist auf seine Weise auch ein europäischer, ja globaler Erinnerungsort des Zweiten Weltkriegs. In diesem Sinne ist dem Band ein Geleitwort des polnischen Militärhistorikers Zbigniew Wawer beigegeben.