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Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ist eine Vereinigung der führenden Forscherinnen und Forscher des Landes. Sie wurde 1970 als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Akademie ist in drei wissenschaftliche Klassen für Geisteswissenschaften, für Naturwissenschaften und Medizin sowie für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und in eine Klasse der Künste gegliedert.

Mit Publikationen zu den wissenschaftlichen Vorträgen in den Klassensitzungen, zu öffentlichen Veranstaltungen und Symposien will die Akademie die Fach- und allgemeine Öffentlichkeit über die Arbeiten der Akademie und ihrer Forschungsstellen informieren.
Eine kritische Bestandsaufnahme im interdisziplinären Vergleich
Neue Forschungen in der Theologie weisen interessante Parallelen zur Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in anderen Kulturwissenschaften auf, insbesondere zur Diskussion um 'Gemeinschaftsdenken', 'Modernisierung' und 'Erinnerungskultur'. Der vorliegende Band dokumentiert eine internationale, interdisziplinäre Tagung zum Thema 'Theologie und Vergangenheitsbewältigung'. Der Begriff der Gemeinschaft und das antidemokratische 'Gemeinschaftsdenken' der Weimarer Republik schuf für Theologen ebenso wie für Historiker und andere Geisteswissenschaftler eine Disposition für die Annäherung an den Nationalsozialismus. Die Anpassung der jeweiligen Wissenschaft an die Vorgaben des nationalsozialistischen Staates wurde als Modernisierung verstanden, bzw. eine Modernisierung des Faches sollte mit Hilfe nationalsozialistischer Ideologie und Politik erreicht werden. Bemühungen um eine 'Erinnerungskultur' oder 'Gedächtnisgeschichte' treffen sich mit wesentlichen Impulsen einer 'Theologie nach Auschwitz'. Der Band enthält u.a. Beiträge zur Haltung der Bischöfe, zu 'braunen' Priestern und Universitätstheologen, zur Theologie Hitlers, zu Theologien nach Auschwitz als Form der Vergangenheitsbewältigung, zur christlichen Rede von Schuld und Vergebung im Kontext der Verfolgung von NS-Verbrechen, sowie Beiträge zur Aufarbeitung der Vergangenheit in anderen Wissenschaftsdisziplinen.
Deutschsprachige jüdische Schriftstellerinnen und Schriftsteller der "zweiten Generation"
Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ist eine Vereinigung der führenden Forscherinnen und Forscher des Landes. Sie wurde 1970 als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Akademie ist in drei wissenschaftliche Klassen für Geisteswissenschaften, für Naturwissenschaften und Medizin sowie für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und in eine Klasse der Künste gegliedert.

Mit Publikationen zu den wissenschaftlichen Vorträgen in den Klassensitzungen, zu öffentlichen Veranstaltungen und Symposien will die Akademie die Fach- und allgemeine Öffentlichkeit über die Arbeiten der Akademie und ihrer Forschungsstellen informieren.
Theoriebildung der deutschen Frühromantik
Author: Changnam Lee
Der frühromantische Poesiebegriff ist als 'Problemlösungsaktivität' zu sehen. Unter dieser These wird er hier – auch in seiner Aktualität – rekonstruiert. Das Problem ist die 'dürftige Zeit' der Moderne, in der kein Absolutes, kein Ganzes mehr vorstellbar scheint. Die progressive Universalpoesie, die durch die sprachliche Reflexion konstituiert wird und sich durch das dynamische Spiel der selbstreflektierenden Sprache ständig selber vorantreibt, substituiert – gemeinsam mit der Religion und der Philosophie – die Stelle jener abwesenden Ganzheit. So entsteht geradezu eine Metaphysik der nachmetaphysischen Zeit, die den metaphysischen Durst der Moderne stillt.
Ein kulturhistorisches Phänomen und seine Bedeutung für die Literatur um 1900
Author: Priska Pytlik
Tischrücken und Geisterbeschwörungen, spiritistische Séancen und Versuchsreihen mit Personen, die sich als Medium verstanden, hatten um 1900 in den Salons der Spiritisten wie in den Laboratorien der parapsychologischen Forschung Hochkonjunktur. Gegen gängige Ansichten, die dieses Phänomen allein als Widerpart und gegenläufiges Kontrastprogramm zur Moderne beschreiben, zeigt diese Studie, daß der Okkultismus in seinen Ausprägungen als Spiritismus, Mediumismus und Parapsychologie zugleich in Affinität zur Moderne stand. Er ist also auf der einen Seite als regressiv, auf der anderen aber – so die These – als durchaus modernewirksam zu beurteilen. Die Arbeit unterzieht diese andere, von der traditionellen Geschichtsschreibung vernachlässigte Seite der Moderne einer geistes- und kulturhistorischen sowie einer wissenschafts- und literaturgeschichtlichen Rekonstruktion. Dargestellt werden die kulturelle Praxis von Okkultismus und Spiritismus sowie die damit verbundenen theoretischen Konzepte und Kontroversen, um in einem zweiten Schritt die – äußerst zahlreichen und oft überraschenden – Querverbindungen zwischen Okkultismus und Literatur offenzulegen. Analysen zentraler Texte von Johannes Schlaf, Thomas Mann, Alfred Döblin und Rainer Maria Rilke, die den Kern der Studie bilden, gehen schließlich der Frage nach, inwieweit Okkultismus und Spiritismus Impulse für die Herausbildung einer modernen Ästhetik und Poetik geben konnten.
Athenäum – das ist die berühmte Zeitschrift der Brüder Schlegel. Der Name war zugleich Titel für ein Forschung- und Bildungsprogramm mit höchsten Ansprüchen. Insbesondere mit den philologischen, kritischen und philosophischen Arbeiten Friedrich Schlegels hat das Athenäum die Romantik begründet.

Das neue Athenäum macht Schlegels bahnbrechende Neuerungen für die aktuelle Forschung in Philologie und Medienkulturwissenschaft produktiv. Zugleich rückt von Friedrich Schlegel aus die ganze Romantik in den Blick: Literatur, Sprache, Kunst, Musik, Recht und Staat, Philosophie, Religion und Natur. Das Jahrbuch ist also interdisziplinär und übernational, offen für Sachwissen, Selbstreflexion und Irritation. Es enthält neben dem Editorial, das sich aktuellen Themen widmet und sie auf Überlegungen Friedrich Schlegels bezieht, neue Beiträge zur Schlegel- und zur Romantikforschung, die zuvor ein Peer-Review-Verfahren passiert haben müssen. Zudem bietet es neue Funde, Diskussionen, Interviews, Features, Berichte und Experimente sowie einen Rezensionsteil.
Der renommierte Volksschauspielforscher Karl Konrad Polheim (1928-2004), Prof. em. der Universität Bonn, konnte sich noch kurz vor seinem Tod im März 2004 über das vollständige Erscheinen seiner großen Edition freuen. Diese Edition aus drei Jahrhunderten - allesamt erstmals veröffentlicht - ist die bislang umfangreichste Sammlung solcher Texte überhaupt: ein Quellenfundus ersten Ranges für Germanisten, Linguisten, Volkskundler, Theologen und Kulturhistoriker. "Dem Verlag ist zu gratulieren, dass ihm durch die beiden Herausgeber die Möglichkeit eröffnet wurde, das maßgebliche Werk zur Volksschauspielforschung im Programm zu haben." (Tiroler Heimatblätter) "Wieder einmal ist eine wichtige und gründliche Leistung für die Wissenschaft Kärntens geleistet worden." (Carinthia) "Das Werk wird hoffentlich nicht allein in der Germanistik und Theaterwissenschaft auf Interesse stoßen. Auch die Liturgiewissenschaft (und die ihr eng verbundene religiöse Volkskunde) dürfte die Edition dankbar begrüßen. Eine willkommene, die interdisziplinäre Arbeit der Frömmigkeits- und Mentalitätsgeschichte bereichernde Ausgabe!" (Liturgisches Jahrbuch)
Gesammelte "Hochland"-Kritiken 1952-1965
Wolfgang Grözinger (1902-1965) war zweifelsohne einer der profiliertesten Feuilletonisten in der Bundesrepublik der 50er/60er Jahre. Seine Sammelrezensionen zum „Roman der Gegenwart“ erschienen in der berühmten und traditionsreichen katholischen Monatsschrift Hochland, gehören in der Literaturkritik seiner Zeit mit zum Weitsichtigsten und Urteilssichersten überhaupt. In ihrer Eigenständigkeit und Prägnanz sind sie noch heute lesenswert. Die insgesamt 38 Folgen seiner Hochland-Rezensionen vermitteln über einen Zeitraum von 14 Jahren ein kontinuierliches Bild der epischen Nachkriegsproduktion, in dem die Holocaust- und die Exilliteratur einen ungewöhnlich großen Raum einnehmen. Grözinger beschränkt sich nicht auf deutschsprachige Werke, sondern will, Goethes Begriff der „Weltliteratur“ folgend, seine Zeit im „sehr lebendigen und konkreten In- und Beieinander der Nationalliteraturen“ sichtbar machen: neben deutschen, westeuropäischen, amerikanischen und russischen Romanen stehen ostasiatische, indische, nord- und südafrikanische, mittel- und südamerikanische Bücher. In einer ausführlichen Einleitung informieren die Herausgeber über die wichtigsten Themen- und Problembereiche der Kritiken, Grözingers Wertungskriterien sowie sein Verhältnis zur literarischen Tradition und Avantgarde.
Chemie und Poetik im Werk Friedrich Schlegels
Author: Michael Chaouli
Translator: Ingrid Proß-Gill
Chemische Bilder lassen sich bei den Frühromantikern – allen voran bei ihrem theoretischen Kopf Friedrich Schlegel – überall finden. Die Poesie, so liest man immer wieder, "verschmilzt", "mischt", "saturirt", "oxydirt". Die zentrale These dieses Buches lautet, dass die Chemie bei Schlegel nicht nur Lieferant hübscher Metaphern ist, sondern dass sie als Leitmodell des frühromantischen Projekts selbst herhält. Dass die Konzeption der modernen Poesie chemisch ausfällt, hängt mit der Verwirrung zusammen, in der sich die Chemie um 1800 befindet. Sie schlägt einen Spagat zwischen mathematischer Formalisierung und alchemistischer Materialität, zwischen Mechanismus und Organismus, zwischen Kombinatorik und Wahlverwandtschaft. Ausgerechnet diese (wissenschaftlich unhaltbare) Zwischenstellung macht sie zur wirksamsten Allegorie des poetologischen Programms der Frühromantik. Ihr Ehrgeiz liegt ja darin, die von der Ästhetik geerbte organisch-teleologische Beschreibung des Kunstwerks mit einer Beschreibung zu ersetzen, die unsere Aufmerksamkeit auf die experimentelle, fragmentarische, unverständliche — mit einem Wort: moderne — Schriftlichkeit der Poesie lenkt. Für ein solches Modell, so zeigt die vorliegende Studie, reichten die vorhandenen poetologischen und ästhetischen Begriffe schlicht nicht aus. Daher erfolgt die weitreichendste Formulierung romantischer Poetik in der Sprache der "Mischungskunde und Scheidekunst".