Eine weltanschauungstypologisch-hermeneutische Analyse
AutorIn: Martin Harant
Um die Schule verstehen und aktuelle Entwicklungen interpretieren zu können, bedarf es reflexiver Denkformen - auch und gerade in Zeiten von Kompetenzorientierung und empirischer Bildungsforschung. Die Generierung von operationalem Wissen für den Bereich Schule hat seit über einer Dekade reflexive Verstehensbemühungen in den Hintergrund treten lassen. Die schultheoretische Auseinandersetzung mit idealistischen Klassikern, wie Humboldt, Hegel und Schleiermacher, wird immer seltener geführt. Schultheoretische Gedanken dieser Klassiker verbinden sich mit zeitgenössisch-erziehungswissenschaftlichen Erkenntnissen. Das enthält erneute Reflexion des Zusammenhangs von Schule, Individuum, Staat und gesellschaftlichen Praxisformen, unterschiedliche Zweck- bzw. Funktionsbestimmungen von Schule, theoriebedingte Überzeugungen der Klassiker und moderner Wirkforschung.
Bilddidaktik in der Philosophie
AutorIn: Stefan Maeger
Bilder haben großes Potenzial - auch im Philosophieunterricht oder -seminar. Darauf wird in der Bilddidaktik aktuell immer wieder hingewiesen. Ein Mangel bisheriger bilddidaktischer Bemühungen liegt jedoch darin, sich gegenüber der Vielfalt an Bildformen, denen Jugendliche im Alltag begegnen, zu pauschal zu verhalten. Philosophische Bilddidaktik sollte sich deshalb dem Umgang mit unterschiedlichen Bildtypen widmen und sich die Erläuterung und Begründung einer differenzierten Bildkompetenz zur Aufgabe machen. Erstmalig verknüpft Stefan Maeger in einem methodisch innovativen Zugriff fundierende bildtheoretische Überlegungen mit modellhaft-konkreten Anwendungen. Dem an medialer und methodischer Vielfalt interessierten Lehrer und Lehramtsanwärter bietet die Kombination von einführenden Theoriepassagen und konkreten Unterrichtsmodellen einen Zugang, der die Reflexion der Voraussetzungen des Umgangs mit Bildern im Unterricht gestattet, ohne sich in alltagsfernen didaktischen Theoriebildungen verlieren zu müssen.
AutorIn: Iva Fidancheva
HerausgeberIn: Ralf Koerrenz
Höflichkeit - Manier oder identitätsstiftende Instanz? Imagebewahrung? Oder potentielle Gefahr, das Image zu verlieren? Höflichkeit entsteht aus dem Bedürfnis der sozialen Natur des Menschen heraus, anerkannt zu werden. Sie ist ein konstruktiver Teil der sozialen Ordnung. Aber sie birgt zugleich ein verletzendes Potential in sich, das sich als unvermeidliche Nebenfolge und Dimension von höflichem Handeln identifizieren lässt, die diesem eine spezifische Dynamik verleiht. Die Autorin rekonstruiert das Phänomen der Höflichkeit in ihrer aktuellen Relevanz wie in ihrer historischen Entfaltung unter der Prämisse einer Dysfunktionalität der Höflichkeit - ihrer verletzenden Macht. Somit leistet sie einen genuinen Beitrag zur Höflichkeitsforschung, der Ansätze verschiedener sozialwissenschaftlichen Disziplinen in sich vereint.
Menschliche Entfaltung jenseits von Knappheit und Konkurrenz
AutorIn: Renate Girmes
Vom »Baum der Erkenntnis« zu essen, war keine Sünde, sondern eine Ermächtigung. Erkennend schaffen Menschen je individuell Welt/en. Um eine gemeinsame Welt teilen zu können, müssen sie miteinander bezogen auf die Welt interagieren. Das ist der Kern des Generationsverhältnisses und mithin von Bildung und Erziehung.
Menschen tragen durch ihre Selbstermächtigung keine Schuld, aber sie sind einander etwas »schuldig«, nämlich Zuwendung füreinander und für die menschliche Welt auf der Erde. Bildung eröffnet die Chance, dass Menschen sich ihres schöpferischen Potenzials und ihrer Verantwortung bewusst werden und sie zu nutzen verstehen. Wenn das gelingt, entsteht der Wert der Bildung. Das geht nicht? Als Steve Jobs das I-Phone vorstellte, sagte er: We re-invented the phone. Wir dachten alle zu wissen, was ein Telefon kann und haben erfahren, welche ungeahnten Möglichkeiten sich wissensbasierten neu eröffnen ließen. Eine neue Erfahrung und ein neuer Begriff von Bildung sind ebenso möglich - auf der Grundlage einer wissen(schaft)s-basierten Re-Vision der Bildungskonzepte und Bildungspraxen. Dazu macht das vorliegende Buch Vorschläge und Mut: Let’s re-invent education.
Eine quantitative Untersuchung zu Unterrichtspraxis und Lehrermeinungen
AutorIn: Melanie Nagel
Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Singen verschiedene positive Effekte auf die Entwicklung von Kindern im Grundschulalter haben kann. Zwar herrscht die weit verbreitete Meinung, in der Grundschule werde viel zu wenig gesungen, wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber liegen jedoch bisher nicht vor. Diese quantitative Studie untersucht erstmals, ob Lehrkräfte an niedersächsischen Grundschulen mit ihren Schülerinnen und Schülern in anderen Fächern als Musik singen, wie oft und in welcher Form sie dies tun. Außerdem werden die Meinungen der Lehrerinnen und Lehrer zum Singen im Schulalltag erhoben, um festzustellen, ob sie es als relevant für ihre Schüler ansehen. Ein weiteres Ziel der vorliegenden Untersuchung ist es, Erkenntnisse darüber gewinnen, ob niedersächsische Grundschullehrkräfte sich gut genug dafür vorbereitet fühlen, mit ihren Schülern zu singen.
Die Kernthematik der Beiträge ist die Verbindung zweier geisteswissenschaftlichen Kernbegriffe: »Bildung« und »Freiheit«.
Während in den öffentlichen und fachlichen Debatten die Problemstellungen und Sachverhalte getrennt verhandelt werden, welche unter Bildung und Freiheit gefasst sind, soll der intrinsische Zusammenhang beider Begriffe im Anschluss an Hegels elaborierte Bildungstheorie untersucht werden. Erst mit diesem Zugang gewinnt das Begriffspaar eine analytische Kraft, um Problemfelder moderner Gesellschaften nicht nur zu begreifen, sondern transdisziplinäre Perspektiven zu eröffnen, die aus den Dilemmata und Blockaden herausführen, welche sich in den gegenwärtigen Debatten um Bildung zunehmend zeigen. Vertreten sind Beiträge aus Philosophie, Bildungsforschung, Soziologie, Politikwissenschaft und Rechtswissenschaft.
Studien zur Bildungstheorie, systematischen Didaktik und Bildungsforschung
AutorIn: Dietrich Benner
Der Band behandelt bildungstheoretische Themen, die im Schnittpunkt von Allgemeiner Pädagogik, systematischer Didaktik und empirischer Bildungsforschung liegen.
Nach grundlagentheoretischen Überlegungen, die an Platons Höhlengleichnis anknüpfen, Zusammenhänge von Aufklärung, Bildung und Politik diskutieren und Formen des Wissens in der Wissensgesellschaft unterscheiden im ersten Teil, unter-sucht der zweite Teil allgemeine Zusammenhänge von Bildung, Wissenschaft und Kompetenz. Im dritten Teil werden forschungsbezogene Fragen nach übergreifenden Ordnungen des Unterrichts sowie Konzepte für den moralisch-evaluativen Bereich diskutiert, welche in der Entwicklung moralischer und religiöser Kompetenzen unverzichtbare Aufgaben öffentlicher Erziehung und Unterweisung erkennen.
Disziplinierung und Normalisierung
AutorIn: Marcus Reiß
Reformpädagogik gilt bis heute als »magische Größe«. Ihre Anhänger verzaubert sie mit der eingängigen Formel: Nicht nur »naturgemäß« soll Erziehung sein, sondern auch wertschätzend, praxisnah und individuell. So verspricht sie Heilung (von falscher Pädagogik) und argumentiert scheinheilig: Sowohl »begradigen« als auch »überwinden« sind unverzichtbare Bestandteile ihres Kanons pädagogischer Leitbegriffe.
Die Kindheitskonzepte von Maria Montessori und Ellen Key werden besonders dafür geschätzt, dass sie das »Leben« feiern. Dabei argumentieren sie mitunter allerdings wenig lebensbejahend. Besonders augenfällig ist, dass sie vor allem gesunde, normale und folgsame Kinder besonders wertschätzen. Der ideale Nachwuchs soll sowohl folgsam als auch unauffällig sein: Nicht jedes Kind ist aus sich heraus wertvoll. Daher appellieren sie an künftige Eltern, möglichst nur den richtigen Erbanlagen ins Leben zu verhelfen (was nicht zwangsläufig die eigenen sind). Überhaupt haben beide sehr konkrete Vorstellungen davon, wie Kinder sein müssen... und was passieren könnte, wenn sie nicht sind, wie sie sein sollen.
Ein pädagogisches Lesebuch von Demokrit bis Boethius
Die Antike gilt nicht nur in der Philosophie, sondern in vielen anderen Disziplinen, als Schatzgrube des Denkens. Leider ist ihre Kenntnis in der Pädagogik weitgehend verschwunden.
Das hat im Wesentlichen zwei Gründe, die miteinander verwoben sind: Zum einen sieht sich die historische Bildungsforschung generell einem abnehmenden Interesse ausgesetzt. Zum anderen dominieren den pädagogischen Diskurs derzeit empirische, häufig an Effekten in konkreten Settings orientierte Forschungen, die einer zunehmenden Enthistorisierung in der Pädagogik Nachschub verleihen.
Das vorliegende Buch greift dieses Problem auf und setzt sich das Ziel, als pädagogisches Lesebuch in die Pädagogik der Antike einzuführen. In diesem Sinn werden zwanzig Autoren aus der griechischen und römischen Epoche ausgewählt, deren zentrale Originaltexte mit pädagogischem Gehalt in deutscher Übersetzung vorgestellt und mit biobibliographischen Angaben ergänzt werden.
Der Band wendet sich dem aktuell vernachlässigten Thema des Lehrens zu und fragt, was aus bildungs- und erziehungsphilosophischer Sicht über das Lehren und sein Verhältnis zum Lernen zu sagen ist.
In der Begeisterung für 'selbstgesteuertes‘ oder 'selbstreguliertes‘ Lernen droht das Lehren aus dem Blick zu verschwinden und damit die Einsicht, dass Lernen immer »Lernen von etwas durch jemand bestimmten« ist (Käte Meyer-Drawe). Vor diesem Hintergrund thematisieren die Beiträge das Verhältnis von Lehren und Lernen aus erziehungswissenschaftlicher Sicht. Handelt es sich um eine unauflösliche Einheit oder wäre es angemessener, Lehren und Lernen als deutlich voneinander getrennte Vorgänge zu begreifen? Und welche Bedeutung kommt dem 'etwas‘ (Lerngegenstand) und dem 'jemand‘ (Lehrer) zu, die am Lehr-Lern-Geschehen beteiligt sind? Der Band geht davon aus, dass im Blick auf diese Fragen philosophische Zugänge besonders interessant sind, da Philosophen von Augustinus bis Wittgenstein und Rancière dem Lehren und Lernen Überlegungen gewidmet haben, deren Bedeutung pädagogisch noch lange nicht ausgeschöpft ist.