AutorIn: Joseph Görres
HerausgeberInnen: Dickerhof, Monika Fink-Lang und u.a.
Die Briefe der frühen Jahre, die den Zeitraum von den 1790er Jahren bis zum Ende der französischen Herrschaft am Rhein im Winter 1813 umfassen, geben Einblick in die Gedankenwelt und die geistige Entwicklung des jungen Görres. Sie illustrieren seine Begeisterung für die Ideale der französischen Revolution und seine politische Desillusionierung, sie zeigen ihn als jungen Familienvater, als ambitionierten naturphilosophischen Autor und als engagierten Mitstreiter der Heidelberger Romantik und spiegeln seine vielseitigen Interessen und Arbeitsprojekte, von der Naturwissenschaft über die asiatische Mythologie bis hin zur Literatur des Mittelalters. Darüber hinaus dokumentiert Görres’ intensive Korrespondenz mit anderen Gelehrten den wissenschaftlichen Diskurs und die wechselseitige Befruchtung in den Kindertagen der orientalistischen und germanistischen Forschung.

AutorIn: Konrad Vössing
Das Urteil über Kaiser Domitian (81 - 96 n. Chr.) schwankt stark. Während man ihn früher den Quellen entsprechend als grausamen Tyrannen sah, der von seinen Untertanen göttliche Verehrung erzwang, versuchte die moderne Wissenschaft eine Ehrenrettung: Domitian als erfolgreicher Herrscher, dessen Bild von der missgünstigen Nachwelt verdüstert wurde. Die überlieferten heftigen Konflikte seiner letzten Jahre fügen sich hier jedoch nicht ein. Die vorliegende Studie stellt seine Bemühungen um Divinität in den Kontext der für die Herrschaftssicherung entscheidenden, aber prekären Nachfolgefrage; sie rekonstruiert seine (gescheiterte) Strategie, diesen Kampf mit dem um seine Göttlichkeit zu verbinden.
Eine Stadtgesellschaft im Ersten Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg dauerte mehr als vier Jahre. Am Ende waren 2 Millionen deutsche Soldaten tot. Sebastian Bondzio fragt, was dies für eine Gesellschaft bedeutete und wie es ihr möglich war, den Krieg unter dem Eindruck des Sterbens so lange zu führen.
Zur Beantwortung unternimmt seine historische Analyse am Fallbeispiel der Stadt Osnabrück drei Schritte: Erstens vermisst sie das Sterbegeschehen in den Operationsgebieten des Ersten Weltkriegs und zeigt darüber die komplexen Verknüpfungen zwischen den beiden Sphären »Front« und »Heimat« auf. Zweitens verortet sie die Toten in der Stadtgesellschaft und macht die Übersetzung des Sterbens auf eine Stadtgesellschaft sichtbar. Beide Schritte verdeutlichen die quantitativen Dimensionen des Sterbens im Krieg und rufen dazu auf, das historische Narrativ einer »Massentrauer« zu hinterfragen. Der dritte Teil nimmt dies zum Ausgangspunkt und arbeitet heraus, wie eine Gesellschaft, die Trauer zunehmend als Bedrohung wahrnahm, sich selbst disziplinierte und zum Zwecke der Kriegsführung eine neue Kriegskultur gab.
Der Attentäter Carl Ludwig Sand: Die Geschichte einer Radikalisierung
AutorIn: Harro Zimmermann
Im März 1819 ermordete der Theologiestudent Carl Ludwig Sand den Schriftsteller August von Kotzebue. Dieser Terrorakt sollte eine allgemeine Volksrache auslösen, wodurch alle Deutschen vom Joch der Feudalherrschaft befreit würden. Zweihundert Jahre nach der Hinrichtung Sands im Mai 1820 legt Harro Zimmermann ein Buch vor, das auf der Erschließung von bislang unbeachteten Quellen beruht, und den so bewunderten wie verteufelten Attentäter in ein überraschendes Licht rückt. Im Hinblick auf die heutigen Mordanschläge von Neo­Nazis und selbsternannten Gotteskriegern erweist sich das Buch als ein luzider Beitrag zur Kulturarchäologie des Rechtsradikalismus in Deutschland.


Industrie und Fotografie im Zarenreich (1860–1917)
AutorIn: Lenka Fehrenbach
Kaum jemand kennt die Vorgänger der sowjetischen Industriefotografie. Dieses Buch nimmt erstmals diese Aufnahmen in den Fokus und zeichnet nach, welche Rolle der Industrie und den Fabriken in den Bildwelten des Zarenreichs zugedacht war.
Industriefotografien eröffneten Außenstehenden einen Blick hinter russische Fabriktore. Damit prägten sie in Alben, Fest­ und Zeitschriften sowie auf Postkarten das Bild von Fabriken in der russischen Gesellschaft. An den Schnittstellen von Fotografie­, Industrie­, Technik­ und visueller Geschichte analysiert die Autorin erstmals, wie sich die Industriefotografie im Zarenreich entwickelte und welche Botschaften über Industrialisierung und Fabriken die an der Herstellung und Verbreitung der neuen Bilder beteiligten Akteure mit den Aufnahmen vermittelten. Vergleiche mit Studien aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA stellen die russische Fabrikfotografie in einen größeren Kontext und verdeutlichen, dass weniger von einer nationalen als von einer europäisch/nordamerikanischen Bildsprache gesprochen werden muss.
Internationale Statistikkongresse und preußische Professorenbürokraten
In welchem Verhältnis stehen Wissenschaft und Politik? Die transnationale Geschichte der halbamtlichen Statistikkongresse des 19. Jahrhunderts beschreibt die Entstehung, Wechselwirkungen und Widersprüche einer janusköpfigen Verbindung.
Sie zeigt, dass die statistische Wissenschaft seit ihrer institutionellen Einbettung in den modernen Verwaltungsstaat nur noch über eine eingeschränkte Autonomie verfügte und gerade deshalb zu einer der weltweit wichtigsten Ressourcen administrativer Entscheidungsfindung aufsteigen konnte. Ermöglicht wurde ihre steile politische Karriere aber erst durch die Initiative einer kleinen Gruppe enthusiastischer Statistikexperten, welche sich der Idee verschrieben hatten, die bis dato bestehenden nationalen Beschränkungen ihrer quantitativen Gesellschaftsbeschreibungen nachhaltig zu überwinden. Sie gründeten 1853 einen der ersten internationalen Wissenschaftskongresse der Weltgeschichte, dessen öffentliche Strahlkraft und methodologische Standardisierungsdiskurse am Fallbeispiel des zusammenwachsenden Deutschen Reiches analysiert werden.
Orte jüdischen Gottesdienstes, Lernens und Lebens. Festschrift für Wolfgang Kraus
Durch die weite Ausbreitung und Zerstreuung des Judentums entstanden früh Orte des Lehrens und religiösen Lebens neben dem Tempel.
Der Band reflektiert die Entstehung der Synagoge, die Gelehrsamkeit und jüdische Versammlung in der Diaspora von Babylonien über Alexandria bis Rom, das Lehrhaus der Weisheit am Beispiel Ben Siras und die Ausbreitung der Lehrhauskultur nach der Zerstörung des Tempels. Er geht der Bedeutung der Schrift in ihrer griechischen Übersetzung (Septuaginta) für das Nachdenken in der Diaspora nach, prüft exemplarisch Impulse und Abgrenzungen, die bei der Entstehung des Christentums durch jüdische Lehre und Schriftworte entstanden, und greift Spuren des christlich-jüdischen Miteinanders bis in jüngste Zeit auf.
Beiträge zur 14. Internationalen Fachtagung für mittelalterliche und frühneuzeitliche Epigraphik, Düsseldorf 2014
HerausgeberInnen: Helga Giersiepen und Andrea Stieldorf
Transfer und Aneignung kultureller Techniken und Errungenschaften stehen seit langem im Fokus des Forschungsinteresses. Auch die Epigraphik ist im Rahmen der Erforschung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Inschriften mit den Voraussetzungen, Abläufen und Ergebnissen von Kulturaustausch konfrontiert. Inschriften auf Grabdenkmälern, im öffentlichen Raum und in Kirchen, aber auch auf schlichten Alltagsgegenständen gewähren Einblicke in den Umgang unserer Vorfahren mit Traditionen und Neuerungen, mit historischen Vorbildern, neuen religiösen Strömungen oder wechselnden kulturellen Einflüssen. Die Autoren des Tagungsbandes stellen Beispiele aus verschiedenen europäischen Ländern vor, die sich über einen Zeitraum von 1000 Jahren erstrecken.
Theoretische und empirische Grundlegungen zur Gesundheitspädagogik
Spätestens mit der Aufklärungszeit und mit der Etablierung des Gesundheitskatechismus setzt man sich in Theorie und Praxis mit der Frage auseinander, wie sich Erziehung und Bildung positiv auf die Gesundheit des Individuums auswirken können. Die Gesundheitspädagogik, wenn sie sich vollständig als Teildisziplin konstituieren würde, könnte sich auf interdisziplinäre Weise mit dieser Fragestellung auseinandersetzen. An dieser Stelle setzt die vorliegende Arbeit an.
Unter Einbeziehung von einschlägigen Erziehungs- Bildungs- und Gesundheitstheorien einerseits und der qualitativen Analyse von aktuellen und historischen Publikationen zur Gesundheitspädagogik andererseits, wird eine Kommunikationsgrundlage geschaffen, auf der weitere Projekte in Forschung und Praxis aufbauen können.
Ein Experiment in drey Theilen
AutorIn: Stefanie Junges
„Alle Kunst soll Wissenschaft, und alle Wissenschaft soll Kunst werden“, fordert Friedrich Schlegel 1797 im Lyceum. Ausgehend von dieser Proklamation erprobt die Arbeit experimentell, inwiefern ein wissenschaftlicher Balanceakt zwischen Theorie und Literatur wissenschaftlich fruchtbar gemacht werden kann. Die romantische Poesie ist eine „progressive Universalpoesie“ – so wird das Wesen romantischer Texte mit den Friedrich Schlegel zugesprochenen Worten bis heute definiert. Dabei zeichnet sich die Fülle und Heterogenität der Literatur der Romantik durch eine nicht fixierbare Dynamik aus: Romantische Literatur oszilliert. Das wirft zwei Fragen auf, deren Beantwortung sich die Arbeit mithilfe innovativer methodischer Verfahren widmet: Wie lässt sich dieses romantische Oszillieren konkret analysieren? Und wie kann ein wissenschaftlicher Umgang mit einer sich der Theoretisierung, Definition und Systematisierung verweigernden Literatur gewährleistet werden?