Zur schöpferischen Genese von Sinn im Vollzug der Erfahrung
AutorIn: Evi Agostini
Ist Lernen ein Finden oder ein Erfinden? In einer theoretisch präzisen und zugleich erfahrungsnahen Analyse legt das Buch Grundlagen für ein neues Verständnis von Lernen.
Evi Agostini widmet sich der Frage, wie das Lernen von Lernenden und Lehrenden verstanden und folglich besser gestützt und angestoßen werden kann, ohne den affektiven Teil des Geschehens aus dem Blick zu verlieren. Dabei wird das Spannungsfeld zwischen Lernen als Finden (des Gegebenen) und Er-Finden (des Neuen) nicht einfach aufgelöst, sondern in seinem eigentümlichen Zusammenspiel von reproduktiven und produktiven Elementen im Zwischenfeld von Subjekt und Objekt gedeutet. Damit legt die Autorin Grundlagen für eine kritische Lerntheorie, die Wirkungen von Schule und Unterricht aufzeigt, und die Frage nach der schöpferischen Genese von neuen Selbst, Fremd- und Weltbildern vor dem Hintergrund der Möglichkeiten gegenwärtigen Bildungsdenkens diskutiert.
AutorIn: Reimar Hartge
Sofern im Leben alles gut und wie erhofft verläuft, spüren wir beglückende Kurzweil, die in der Folge des Wimpernschlags einander überstürzender Augenblicke neue Abenteuer bietet. – Wird der Höhenflug einer Lebensfreude jedoch mutwillig oder durch Schicksalsschläge abgebrochen, und schleichen sich zur Gewohnheit werdende kleine und große Folterungen des Bewusstseins ein, dann folgen rasch Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit. Diese abwärts führende Spirale des Befindens droht in melancholischer Tatenlosigkeit und Langeweile zu enden. – Weil das so ist, sollte man sich rechtzeitig darum bemühen, sein Dasein lebenswert zu gestalten, seine positiven Gefühle gewissenhaft zu schulen und immer im Griff zu behalten. – Es wäre ein Irrtum anzunehmen, ´Weisbuch der Vernunft` habe etwas mit ´weiß` zu tun, jener Nichtfarbe, welche den Untergrund für darauf Geschriebenes oder Gedrucktes bietet. Auch mit Weisheitserwerb hat dieser Titel allenfalls mittelbar zu tun; denn eigentlich geht es im ´Weisbuch` um das Verb weisen. Es soll versucht werden, dem Leser Wege zu zeigen, welche zur Vernunft hinführen könnten.
Bedingungsgefüge, Beziehung und das erzieherische Feld
Geschwisterbeziehungen stellen in der Regel die längsten Beziehungen in unserem Leben dar. Sie wirken auf und in uns auf positive und negative Weise.
Geschwisterbeziehungen sind vielfältig und eindrücklich. Sie gehören, wie die Elternbeziehung, zu den Primärbeziehungen und sind nicht frei wählbar. Wie ein roter Faden ziehen sich Rivalität, Neid und Eifersucht, aber auch Unterstützung, Liebe und Nähe durch die Geschwisterbeziehungen. Heute leben wir in einer Zeit, in der die Anzahl der Geschwister in direkter Linie immer weiter abnimmt. Das Kind wächst zunehmend mit wenigen oder gar keinen Geschwistern auf.
Tillmann F. Kreuzer greift in seiner Dissertation das weite Feld der Geschwisterbeziehungen, auch in Kultur und Literatur, auf. Er zeigt anhand narrativer Vignetten, dass in allen Familienkonstellationen eine formende Dynamik geschwisterlichen Zusammenlebens in Unterstützungs- und Betreuungssituationen entsteht und diese prägt.
HerausgeberIn: Ralf Koerrenz
Wie vereinbaren Muslime die Ansprüche einer zeitgemäßen, modernen Lebensführung in der deutschen Gesellschaft mit dem Islam? Vier Fallstudien enthüllen schlaglichtartig eine lebenspraktische Virtuosität gegenwärtiger muslimischer Biographien.
Die Studie beleuchtet das Phänomen gelingenden Umgangs mit dem Islam und seine lebenspraktische Bedeutung für gebildete Muslime. Das Interesse daran ist unmittelbar einsichtig: Diese Muslime haben am laufenden Band mit besonderen handlungspraktischen Herausforderungen und Aushandlungen im Alltag zu tun. Diese ergeben sich aus dem Zusammenschluss von kulturellen Standards der deutschen Gesellschaft und des Islam als Kulturtradition. Ihre Lebensführung ist durch das damit verbundene Spannungsverhältnis darauf ausgerichtet, mit beiden Händen Sand ins Getriebe der Alltagsroutine zu werfen – beim Versuch der virtuosen Synthese von Islam und Moderne.
Über die pädagogische Bedeutung von Krisen, Konflikten und Katastrophen
Pädagogische Prozesse sollen möglichst reibungslos funktionieren, damit Kinder effektiv lernen – nur droht die humane Bildung dabei auf der Strecke zu bleiben …
Es ist die durchgängige Überzeugung der in dem vorliegenden Band abgedruckten Beiträge, dass Krisen, Konflikte und Katastrophen einen nicht zu unterschätzenden Bildungsimpuls zu setzen vermögen. Sie mit didaktisch-technischer Präzision schnell und gründlich vermeiden zu wollen, wäre dann nicht immer von Vorteil.
Sind es nicht gerade die krisenhaften Situationen des Zweifelns und der Irritation, die uns für neue Lernerfahrungen öffnen? Und zeigen sich neue Lebensperspektiven zumeist nicht erst dann, wenn Konflikte in unseren gewohnten Alltag einbrechen? In welchem Maße aber dürfen wir dann umgekehrt auch Momente von ›Negativität‹ zulassen – oder gar bewusst herbeiführen? Es sind solche und ähnliche Fragen, die dazu einladen, sich – im besten Sinne des Wortes – irritieren zu lassen.
Theorie für die Praxis
AutorIn: Thomas Mikhail
Ist alles, was den Umgang mit Kindern und Jugendlichen betrifft bzw. in Familie und Schule geschieht, bereits pädagogisch? Wohl kaum! Aber woher weiß man, ob man pädagogisch handelt? Oder woran erkennt man, ob in einer Situation pädagogisch gehandelt wird? Wie lässt sich pädagogisches von anderem Handeln unterscheiden und abgrenzen?
Die vorliegende Untersuchung gibt Antwort auf diese Fragen – nicht nur für Eltern, Erzieher und Lehrer, sondern auch für die Bildungsforschung. Schließlich ist diese stets neu mit der Frage konfrontiert, ob ihr Untersuchungsgegenstand überhaupt mit Pädagogik zu tun hat. Der Autor sieht Pädagogik als eine Handlungswissenschaft an, die sich um die theoretische Analyse und Aufklärung pädagogischer Praxis bemüht. Sie muss sagen können, was pädagogische Praxis ist, und dies begründen. Und vor allem muss sie orientierende Grundsätze für pädagogisches Handeln in Familie und Schule formulieren. Neben der Bestimmung der Maßgaben und Kriterien für pädagogisches Handeln kommt es insbesondere auf deren Legitimation an, auf deren Grundlage eine Handlung zu Recht pädagogisch zu nennen ist.
Das Judentum ist als pädagogisch wirkender Kulturzusammenhang anzusehen, der global und interkulturell zu betrachten ist. In drei Etappen – von der Binnenperspektive zu transkulturellen Aneignungen – stellt der Band die Frage nach dem Zusammenhang von Bildung und Kultur neu.
Im ersten Teil werden pädagogische Strukturen des kulturell institutionalisierten Judentums aus einer Binnenperspektive historisch begründet. Dabei geraten ihre Einflüsse von Moderne und Aufklärung ebenso in den Blick wie ihre Ursprünge in der Thorah. Der zweite Teil widmet sich verschiedenen Denkansätzen von Pädagogen jüdischer Herkunft und deren zentraler Rolle für die allgemeine, über eine spezifisch jüdische Kultur hinausweisende pädagogische Kultur. Der dritte Teil schließlich folgt den transkulturellen Spuren, wobei sich eine – nur scheinbar – nicht-jüdische Moderne als vom Hebräischen Paradigma geprägt erweisen wird.
Zur Wirksamkeit von Erziehung
AutorIn: Winfried Böhm
So wie ein Placebo lediglich eine »Scheinarznei« ist, die an sich nur aus wirkungslosen Substanzen besteht, ist auch die Erziehung ein Scheinheilmittel, das verabreicht wird, obgleich Ihre Wirkung nicht nachweisbar ist. Der Erfolg der Erziehung hängt oft nur von dem Glauben an die unterstellte Wertigkeit von Institutionen und von in Mode stehenden Lehrmethoden ab.
Die Friedenserziehung erzeugt keine Friedensapostel und die christliche Erziehung nicht unbedingt gute Christen! In zwölf geistvollen und brillant geschriebenen Essays überträgt der international renommierte Erziehungswissenschaftler den Gedanken des »Scheinheilmittels« auf traditionelle wie aber auch höchst aktuelle Themen: vom Theater als Bildungsanstalt über das kindliche Spiel, die »Erziehung zum Fortschritt« bis zur vorgeburtlichen Erziehung.
Das Verhältnis des Pädagogischen und des Politischen gehört zu den zentralen topoi in der Geschichte der Erziehungs- und Bildungsphilosophie. Der Band setzt sich mit seiner gegenwärtigen Konfiguration auseinander.
In der Antike gilt Erziehung als Grundlage eines funktionierenden Staates, Bildung als Bedingung für seine Regierung. Die neuzeitlichen Bemühungen um die Selbstbestimmung der Pädagogik umfassen ihren Bezug zum Politischen. War in der Antike die Erziehung dem Staat untergeordnet, so wird der Staat in der Moderne vom Individuum aus gedacht. Wie konfiguriert sich das gegenwärtige Verhältnis zwischen Pädagogischem und Politischem? Stellt die derzeitige gesellschaftliche Lage im Vergleich sowohl zur antiken als auch modernen Konstellation von Staat, Erziehung und Bildung eine Zäsur oder eine Kontinuität dar?
Literarische Bildung und Transversale Vernunft
AutorInnen: Peggy Gehrmann und Peggy Fiebich
sere nationalen Bildungsstandards setzen auf Kompetenzen, d.h. auf inhaltlich übertragbare, messbare kognitive Problemlösefähigkeiten. Hier wird ein alternatives Bildungskonzept vorgeschlagen und am Beispiel der literarischen Bildung konkretisiert.
Die mündige Teilhabe des Einzelnen am komplexen, dynamischen und instabilen soziokulturellen System verhindert fatale Rückzugsbewegungen in die Verantwortungslosigkeit. Pluralität darf nicht durch Vereinseitigung oder Gleichgültigkeit negiert werden. Daher müssen Heranwachsende befähigt werden, die mannigfaltigen kulturellen Denkmuster, Werte und Rollen aufeinander zu beziehen, um ein Ganzes zu entwerfen, Alternativen zu erwägen, Konflikte zu bearbeiten und auszuhalten.
Dem Umgang mit Literatur kommt ein besonderer Bildungswert zu. Literaturunterricht ermöglicht den Heranwachsenden reflektierte Erfahrungen im Umgang mit radikaler Pluralität.