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Die Geschichte der katholischen Sioux
AutorIn: Manuel Menrath
Ein nahezu unbekanntes Kapitel in der Geschichte der indianischen Urbevölkerung der USA wird entdeckt: die Bekehrung der Sioux. Manuel Menrath nimmt seine Leser mit in die Zeit des »Wilden Westens« und an die Orte eines Geschehens, an das sich die heutigen Angehörigen dieses Volkes vielfach nur mit Trauer und Bitterkeit erinnern.
Kaum jemand in Europa weiß, dass heute ein Großteil der Sioux der katholischen Kirche angehört. Einst galten sie als das kriegerischste Volk auf dem Gebiet der heutigen USA. Unter ihren Anführern Red Cloud und Sitting Bull lehrten sie die weißen Eindringlinge das Fürchten. Doch als die Büffel beinahe ausgerottet waren und die Armee ihre letzten Jagdgründe besetzte, mussten sich die Krieger mit ihren Familien ins Reservat begeben. Dort wurden sie vom Benediktiner Martin Marty aus Einsiedeln zusammen mit deutschen und schweizerischen Gehilfen missioniert und »zivilisiert«. Das Buch erzählt erstmals diese Bekehrungsgeschichte, der Martin Marty sein Leben widmete. Dem Kirchenmann wurden Ehren und Wertschätzung bis heute zuteil. Von indianischer Seite hingegen wurde die Missionierung als Trauma und Tragödie erlebt: Zu spät erkannten sie, dass der neue Glaube nicht mit dem alten verbunden werden durfte.
Ernest Renan und die Geschichte der ersten Islamdebatte 1883
AutorIn: Birgit Schäbler
Im März 1883 hielt der Religionswissenschaftler Ernest Renan in Paris einen Vortrag über »den Islam und die Wissenschaft«. Darin äußerte er sich negativ über die Geschichtsfähigkeit des Islam und behauptete, Islam und Moderne stünden im Widerspruch. Die Muslime kennzeichne unter anderem »der Hass der Wissenschaft«. In Istanbul, Kairo, St. Petersburg, Persien und Indien griffen muslimische Intellektuelle zur Feder, um die Thesen Renans zurückzuweisen. Die Sprengkraft dieser ersten Islamdebatte, die transkulturell geführt wurde, war so groß, dass ihre Spuren bis heute nachwirken. Birgit Schäbler erzählt die Geschichte der Debatte und verfolgt ihre Entwicklungslinien bis in die Gegenwart. Darüber hinaus präsentiert das Buch erstmals die drei wichtigsten Kontrahenten Renans und ihre Texte. Die Autorin zeigt, wie Renan und andere europäische Gelehrte durch ihre »Islamisierung« des Islam und des Orients zur Verschärfung der Auseinandersetzung beigetragen haben – und wie umgekehrt muslimische Intellektuelle dies selbst aufgriffen. Am Ende steht die Erkenntnis, dass die Streitenden vieles gemeinsam hatten. Sie alle versuchten, die Religion mit der Moderne in Einklang zu bringen und ihre Gesellschaften zu reformieren. Alle waren sie »Apostel der Moderne«.
Athenäum – das ist die berühmte Zeitschrift der Brüder Schlegel. Der Name war zugleich Titel für ein Forschung- und Bildungsprogramm mit höchsten Ansprüchen. Insbesondere mit den philologischen, kritischen und philosophischen Arbeiten Friedrich Schlegels hat das Athenäum die Romantik begründet.
Schlegels Theorie der modernen Poesie und sein Konzept der literarischen Kritik sind noch immer aktuell. Das neue Athenäum macht Schlegels bahnbrechende Neuerungen für die aktuelle Forschung in Philologie und Medienkulturwissenschaft produktiv. Zugleich rückt von Friedrich Schlegel aus die ganze Romantik in den Blick: Literatur, Sprache, Kunst, Musik, Recht und Staat, Philosophie, Religion und Natur. Das Jahrbuch ist also interdisziplinär und übernational, offen für Sachwissen, Selbstreflexion und Irritation. Es enthält neben dem Editorial, das sich aktuellen Themen widmet und sie auf Überlegungen Friedrich Schlegels bezieht, neue Beiträge zur Schlegel- und zur Romantikforschung, die zuvor ein Peer-Review-Verfahren passiert haben müssen. Zudem bietet es in unregelmäßiger Folge neue Funde, Diskussionen, Interviews, Features, Berichte und Experimente sowie einen Rezensionsteil.
Herausgegeben wird das Athenäum seit 2008 von Ulrich Breuer (Mainz) und Nikolaus Wegmann (Princeton).
Ein Beitrag zur Intellektuellengeschichte
AutorIn: Isabelle Faul
HerausgeberInnen: Monika Schmitz-Emans und Peter-André Alt
Friedrich Schlegel entwirft in der Fragmentsammlung Ideen (1800) ein anspruchsvolles, synkretistisches Konzept des ›Künstlers‹ als eines kulturstiftenden und kulturkritischen ›Intellektuellen‹. Die Wesensmerkmale des von Schlegel konzipierten ‹Künstlers‹ sind Wortmächtigkeit, analytische und kritische Kompetenz, Reflexionsvermögen, Neigung zum Querdenken und Polemik. Dabei reflektiert er auch Möglichkeiten elitärer intellektueller Sozietäten als transitorische Organisationsformen zur Generierung neuer ›Künstler‹ und als Gegenentwurf zur als defizitär empfundenen Wirklichkeit des literarischen Feldes um 1800. Schlegel greift damit zeitgenössische Modelle des ästhetischen Diskurses der 1790er-Jahre und des Neuhumanismus ebenso wie traditionelle Topoi auf und verbindet diese mit formal und medial avantgardistischen Ansätzen.
Zur Pathogenese der Moderne
AutorIn: Manfred Frank
Literarische Schiffreisen erreichen in der Antike ihr Ziel umwegig (Odyssee), modernen ist es weggebrochen, und ihre Fahrt verendet in einer ‚schlechten Unendlichkeit’ (Hegel). Es gibt keinen heimatlichen Hafen mehr, der zu erreichen wäre; es herrscht ‚transzendentale Obdachlosigkeit’ (Lukács); „Gott ist tot“ (Nietzsche). Die Schiffe – seit dem Fliegenden Holländer, der übersinnliche Werte im Geist des neu erwachten kopernikanischen Paradigmas als normative Orientierungspunkte ablehnt – irren und fahren sie mit dem „Wind, der in den untersten Regionen des Todes weht“ (Kafka). D. h., das trotzig abgewiesene Sinnangebot der übersinnlichen Welt behält negativ seine Kraft: Es hindert die Lebensreise des modernen Menschen, hienieden ans Ziel zu kommen. Die Unendlichkeit, zu der menschliches Streben fortan verurteilt ist, wird als Strafe erlebt für die Auflehnung gegen eine robustere Gestalt von Absolutheit, die von Stund an als unwiederbringlich abgegolten erlebt wird. Mittlerweile in ihrer 3., erweiterten Auflage präsentiert Manfred Frank die Geschichte des Motivs vom Fliegenden Holländer, dem Ewigen Juden bis zu Rimbauds Trunkenem Schiff und zu Kafkas Jäger Gracchus. Neben den verwandten Motiven des ‚kommenden Gottes’ (der ‚neuen Mythologie’) und der in Kälte erstarrenden Herzen gehört es zu denen, die am sprechendsten von den Pathologien der Moderne Zeugnis ablegen.
seine Gültigkeit und seinen Verfall in slavischen Literaturen und anderswo
AutorIn: Hans Rothe
HerausgeberIn: Birgitt Haneklaus
Geschmacksdenken scheint heute einerseits ungültig geworden, anderseits der Geschmacksbegriff dennoch unentbehrlich geblieben zu sein. Der Vortrag fragt nach den Gründen. Er belegt zunächst die Übertragung des Begriffs auf andere Erscheinungen des Lebens im 19. Jahrhundert, besonders im politischen Denken. Er zeigt sodann die Wurzeln für die neue Zeit in Frankreich im 16. und 17. Jh., die weitere Ausbildung in England und Deutschland vor 1800, behandelt dann seine Entwicklung in der Slavia allgemein, sodann besonders bei Tschechen, Polen und Russen, jeweils von der Aufklärung im 18. Jh. bis zur Moderne im 20. Jh.
Von der Sowjetunion zum Neuen Russland
Gerechtigkeit in Russland – wie fügt sich das zusammen? Die Sowjetunion galt den Dissidenten als Unrechtsstaat; „normale“ Bürger sahen das Versprechen auf Gleichheit und Gerechtigkeit nicht eingelöst. Bezog die Perestrojka Michail Gorbacevs ihre ungeheure Dynamik also auch aus der Forderung, neben der Freiheit mehr Gerechtigkeit herzustellen? Warum gelang es Vladimir Putin, Einheit und Staatlichkeit als zentrale Ziele seiner Politik zu definieren, statt Gerechtigkeitsprobleme zu lösen? Grund genug also, den Zerfall der UdSSR unter dem Blickwinkel von Gerechtigkeit sowie die Usurpation der Gerechtigkeitsidee durch die politische Macht im post-sozialistischen Russland zu analysieren.
Angst vor Deutschland seit 1945: eine europäische Emotion im Wandel
Die Angst vor Deutschland und den Deutschen war und ist eine der am tiefsten sitzenden kollektiven Emotionen in den Gesellschaften Europas. Sie prägt die Wahrnehmung der Deutschen durch andere Europäer und spielt eine Schlüsselrolle bei internationalen politischen Entscheidungen. Aber wie kann man eine Gefühlskultur wissenschaftlich fassen? Pierre-Frédéric Weber schreibt eine Zeitgeschichte der sich wandelnden europäischen Gefühlskulturen in Bezug auf die Deutschen. Seine Methoden gewinnt er aus einer um kulturwissenschaftliche Ansätze bereicherten Soziologie der Emotionen. Er fragt nach Konstruktion, Dauerhaftigkeit, Abbau, Reaktivierung und politischer Instrumentalisierung des ambivalenten Timor Teutonorum. Denn die Ängste der Anderen können wiederum in Deutschland Angst stiften. Ein bemerkenswerter Beitrag zum jungen Forschungsgebiet der Geschichte der Emotionen!
AutorIn: Rudolf Schieffer
HerausgeberIn: Birgitt Haneklaus
Die sporadischen und vom Zufall mitbestimmten Zeugnisse für jüdische Ansiedlungen vor den Pogromen von 1096 deuten auf eine Zuwanderung aus Gallien und Italien seit dem 9. Jh. hin. Vor diesem Hintergrund werden die beiden Sonderfälle erörtert, die ein abweichendes Bild bieten: Aachen, wo sich bereits zur Zeit Karls des Großen um 800 Juden aufgehalten haben, und Köln, wo ein Erlass Kaiser Konstantins von 321 den mit weitem Abstand frühesten Hinweis auf eine Judengemeinde nördlich der Alpen gibt.
Athenäum – einst die berühmte Zeitschrift der Brüder Schlegel – steht inhaltlich wie stilistisch für höchste Ansprüche. Insbesondere mit Friedrich Schlegels philologischen und philosophischen Arbeiten hat das Athenaeum die Romantik begründet. Im Athenäum wird Schlegels Impuls für Philologie und Kulturwissenschaften aufgenommen und für die heutige Forschung produktiv gemacht. Über Friedrich Schlegel hinaus rückt die ganze Romantik in den Blick. Die Struktur des Jahrbuchs ist interdisziplinär, sein Stil liberal und agonal.

Aus dem Inhalt:
Heinrich Bosse: Das Dispositiv der Bildung in Jena
Matthias Buschmeier: Spätromantische Interventionen. Friedrich Schlegels Kulturpolitik nach 1809
Britta Herrmann: Für eine wahrhaft deutsche Kunst und Rede. Friedrich Schlegel und Adam Müller
Günter Oesterle: Der Tanz als »untergeordnete Kunst« oder als »Zentrum« und Erneuerer aller Künste.
Héctor Canal Prado: Übersetzungen August Wilhelm Schlegels aus dem Spanischen.
Monika Tokarzewska: Friedrich von Hardenbergs ›moralische Astronomie‹