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Hubert Spierling gehört zu den herausragenden Glasgestaltern des 20. Jahrhunderts. Seit den 1950er Jahren hat er einen gewichtigen Beitrag zum künstlerischen Weltruf der modernen deutschen Glasmalerei geleistet.
Der 1925 im sauerländischen Menden geborene, heute in Krefeld lebende und in ungebrochener Schaffenskraft arbeitende Künstler hat zahlreiche Verglasungen für bedeutende mittelalterliche Kirchen wie den Dom zu Limburg oder die Abteikirche Maria Laach geschaffen. Zugleich entwarf Hubert Spierling Glasfenster für Meisterwerke der modernen Architektur. Zum 85. Geburtstag Hubert Spierlings 2010 wird hiermit eine reich illustrierte Aufsatzsammlung mitsamt Werkverzeichnis vorgelegt.
Der Band versammelt Analysen zur Alltagkultur sowie zu transnationalen Kultur- und Wissenstransfers. Er gewährt Einblicke in aktuelle Fachpositionen und Forschungsorientierungen zur »cultura popolare« im Spektrum der »demo-ethno-anthropologischen Disziplinen« (DEA) Italiens.
Mit Beiträgen von:
Klaus Beitl (Wien), Stefano Cavazza (Bologna), Fabio Dei (Pisa), Diane Dingeldein (Mainz), Francesco Faeta (Messina/ Roma), Annemarie Gronover (Tübingen) Burkhart Lauterbach (München), Stefania Massari (Roma), Luigina Rubini Messerli (Lausanne), Emanuella Rossi (Firenze), Daniella Seidl (München), Alessandro Simonicca (Roma) Angela Treiber (Eichstätt)
Die Beziehung von Mensch und Tier in der Kultur der Moderne
In unseren Geschichtsbüchern kommen Tiere, wenn überhaupt, nur am Rande vor. Glaubt man der bisherigen Geschichtsschreibung, dann haben Tiere keine bedeutsame Rolle in der Entwicklung menschlicher Gesellschaften gespielt. Aber wo wären wir ohne Tiere? Wie hätte sich die Landwirtschaft ohne die Zugkraft von Ochsen und Pferden entwickelt? Wie hätten Menschen sich ernährt oder gekleidet? Wie hätte man ohne Reittiere ferne unbekannte Regionen erkundet? Wie stünde es um das weit verbreitete Ritual der Jagd und wie hätte man Kriege geführt ohne Pferde, Elefanten, Hunde, Tauben oder Delphine? Und wo wäre die Medizin ohne den Tierversuch? Wo wären Kunst, Literatur und Philosophie ohne den Gegenstand und das Motiv Tier? War es nicht gerade die Beschäftigung mit dem Tier, die es uns ermöglicht hat zu bestimmen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein? Tiere spielen also eine vielschichtige Rolle in den materiellen, kulturellen und geistigen Lebenswelten des Menschen, wie diese Fragen zeigen. Die Kulturwissenschaften haben begonnen, sich ihrer anzunehmen und erste Antworten zu geben. Der vorliegende Band ist ein herausragendes Beispiel. Namhafte europäische und amerikanische Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Disziplinen setzen sich mit der Geschichte der Mensch-Tier-Beziehungen auseinander. Sie erweitern ein bisher noch weitgehend unerforschtes Terrain der Kulturgeschichte um eine bedeutende Dimension und demonstrieren, wie die Geschichte(n) von Tieren aufs engste mit Politik, Gesellschaft, Wissenschaft, Technik und Kultur verknüpft sind. Einige Themen dieses hochinteressanten, ja oft amüsanten Buches: · Hunde im Weltall · Darwin im Affenkäfig · Das Pferd in der Großstadt · Sodomie vor Gericht · Tiere und britischer Imperialismus · Schäferhunde und Gewaltherrschaft · Kinder und Haustiere · Frauen, Friedensbewegung und Tierschutz
Literaturhistorische Positionierungen Annette von Droste-Hülshoffs
Was Droste-Hülshoffs OEuvre angeht, fällt es schwer, klare Zuordnungen vorzunehmen. Handelt es sich um eine Autorin der Restauration respektive des Biedermeiers? Oder doch um eine Frührealistin? Weisen eine Reihe von Texten sie als Spätromantikerin aus – oder kennzeichnet das Geistliche Jahr sie gar als Epigonin barocker Rhetorik? Auf eine Weise scheint Droste die Bewohnerin eines literaturhistorischen Niemandslandes – zwischen altmodisch Überkommenem und dessen Transgression – zu sein. Der vorliegende Band leuchtet diese literaturhistorisch prekäre Position Drostes aus, die ihre Texte so spannungsreich und eigenwillig macht. Dabei geht es nicht darum, die Autorin programmatisch als Avantgardistin avant la lettre zu präsentieren: Die ‚Modernitätseffekte‘, die sich an den Texten Drostes beobachten lassen, werden vielmehr in Bezug gesetzt zur Traditionsverfallenheit der Autorin. Mit Beiträgen von Frauke Berndt, Stefan Börnchen, Achim Geisenhanslüke, Martha B. Helfer, Irmtraud Hnilica, Oliver Kohns, Astrid Lange-Kirchheim, Marcel Lepper, Claudia Liebrand, Rüdiger Nutt-Kofoth, Günter Oesterle, Bastian Reinert, Martin Roussel, Franziska Schößler, Ourania Sideri und Thomas Wortmann.
Kriegskonstruktionen in der deutschen Militärmalerei des 19. Jahrhunderts
Eine Pionierstudie: die umfassende Analyse der populären monarchisch-nationalen Militärmalerei des 19. Jahrhunderts, die noch heute das Bild vom Krieg mit prägt. An weit über 100 Gemälden arbeitet die Autorin ein symbolisches Archiv des medialisierten Krieges heraus. Welche Ziele verfolgten die Maler, welche Bildstrategien benutzten sie? Wie weit gaben sie Realität wieder? Wie konstruierten sie den Krieg neu? Und wie stark prägten ihre Bilder die Einstellung der Gesellschaft zum Krieg mit?
AutorIn: Harro Zimmermann
Friedrich Schlegel hat an der Seite von Kaisern und Fürsten gestritten, und war doch ein ironischer Revolutionär und Priester der Sinnenlust. Er war Glanzschreiber einer religiös fundierten Staatsbewahrung und Propagandist eines befriedeten Vaterlandes, und hat dennoch kein Recht erhalten vor dem großen Ernst der deutschen Geistesgeschichte. In Deutschland war er nie erwünscht, seine Heimat lag immer nur hinter ihm oder vor ihm. Vor zweihundert Jahren kam in der Romantik eine nie da gewesene Modernitätskrise zum Ausdruck, auf deren desorganisierte Wissenskultur sie verheißungsvolle Antworten zu geben versuchte. Und noch heute lässt sich die Wiederkunft der Romantik auf dem Buchmarkt und in der Forschung nicht losgelöst betrachten vom globalen Realitätssturz des Jahres 1989 und seinen mentalitätsgeschichtlichen Folgen. Die Erfahrung unabsehbarer Weltkontingenz und Plötzlichkeit der Entwicklung teilt die historische Romantik mit ihrer Renaissance im Zeitreflex unserer Tage. Damals wie heute ist das Bewusstsein vom 'vernünftigen' Fortschritt der Menschheit einem vielstimmigen Zweifel unterworfen, sind die säkularisierten Religionen mit dem Dilemma eines gläubigen politischen Fundamentalismus konfrontiert. Harro Zimmermanns Buch beschreibt den neuen Typus des 'gesellschaftlichen Schriftstellers' am Ende des 18. Jahrhunderts in seinen intellektuellen Anstrengungen, Hoffnungen und Irritationen vor einem differenzierten Zeit- und Wirkungshorizont. Es wird erkennbar, wie das Denken Schlegels die Erbschaft der Aufklärung bewahrt und verwandelt. Der Leser wird Zeuge einer dramatischen intellektuellen Entwicklung, die mit der ironisch-politischen Provokation des Frühromantikers anhebt, um schließlich in einem verjüngten Wissensglauben zu enden, der die Zerstörungskräfte der Moderne noch einmal in die Erziehung des Menschengeschlechts heimholen möchte.
Dritte Folge des Jahrbuchs für Volkskunde im Auftrag der Görres-Gesellschaft
Das Jahrbuch für Europäische Ethnologie (vormals Jahrbuch für Volkskunde) sieht sich einer Fachidentität verpflichtet, die Volkskunde als europäische Ethnologie vornehmlich im Sinne einer historischen Kulturwissenschaft versteht und darum auch Gegenwartsfragen im Kontinuum der Geschichte diskutiert. Schwerpunkte bilden u. a. religionsethnologische und frömmigkeitsgeschichtliche Untersuchungen, Studien zur Ritual- und Brauchforschung, zur materiellen Kultur und Dinggebrauch, zur Alltagskulturforschung und den dazugehörigen Theoriediskursen.
Theorie und Sprache bei Novalis
Wie aus frei schwebenden Ionen und Kationen Salzgitter kristallisieren, so schlagen sich freie geistige Bewegungen in Sprache nieder, sofern nicht zielgerichtet gesprochen wird. Doch wie im Salzgitter die Elementarteilchen der Atome nicht fixiert sind, sondern nach wie vor schwingen, so ist auch die Wahrheit im Sprachkristall nicht fest und verfügbar. Novalis schwebt zwischen einer metaphysischen und einer dekonstruktiven Sprachauffassung, indem er eine dritte propagiert, die beide verbindet: die Theorie der Sprache als oszillierende Kristallisation – ein von Novalis bewusst gewähltes Paradox.
Von der Antike bis zur Gegenwart
HerausgeberIn: Rainer Pöppinghege
Die Menschheitsgeschichte ist voll von Kriegen – und in den meisten waren Tiere wichtige Teilnehmer. Sie wurden (und werden) als Trag- und Zugtiere verwendet, um Güter und Waffen zu transportieren, als Reittiere, um schnelle und weiträumige Angriffe durchzuführen, und auch als Nachrichtenübermittler wurden sie benutzt, ja sie dienten sogar selbst als Waffe. Auch als Symbole des Krieges erwiesen bestimmte Tiere sich als vielfältig verwendbar. Bei der militärischen Nutzung von Tieren waren die Menschen also stets erfindungsreich, von der Antike bis zur Gegenwart. Der vorliegende Band widmet sich diesem bisher nur wenig erforschten Thema. Er betritt Neuland. Die Tiere im Krieg, die er behandelt, sind Elefanten und Pferde (die es zu einer eigenen Waffengattung, der Kavallerie, brachten), Löwen und Kamele, Brieftauben und Raben, und natürlich Hunde wie etwa 'Laika', die unfreiwillige russische Weltraumerkunderin, die zum Objekt medialer Kriegsdiskurse wurde. Aber auch Honigbienen bei der Minensuche und Maultiere im afghanischen Jihad gegen die Rote Armee findet der Leser 'im Einsatz'.
Zur Transformation frühromantischer Konzepte im 19. Jahrhundert
Die Romantikforschung der letzten 25 Jahre hat mit herausragenden Ergebnissen einen neuen Blick auf die Phase der Frühromantik hervorgebracht. Mit der Fokussierung auf einen kurzen, zweifellos besonders produktiven Zeitraum gingen jedoch implizite Bewertungen einher, eine Identifikation mit der als 'progressiv' angesehenen Frühromantik und eine Abgrenzung von der Entwicklung nach 1800, die als politisch und ästhetisch 'konservativ' galt. Der vorliegende Band reagiert auf diese Situation: Untersucht wird, wie frühromantische Konzepte unter den veränderten Bedingungen des 19. Jahrhunderts transformiert wurden. In welchem Konnex stehen die Phasen der Romantik, wie werden ästhetische Formen weiterentwickelt, wie werden die Subjektivitätskonzepte der Frühphase mit dem Bedürfnis nach Integration vermittelt, in welchem Verhältnis stehen das Wissen um die Vorläufigkeit mit der Behauptung von 'Wahrheit'? Fragen dieser Art sollen in diesem Band aus interdisziplinärer Perspektive behandelt werden, um nach einer Phase der Separierung wieder das Gesamtphänomen Romantik in den Blick zu bekommen.