Fachprofil und Bildungsanspruch in der Lehrerbildung
HerausgeberInnen: Michaela Heer und Ulrich Heinen
Lehrerbildung ist in Deutschland zunächst und vor allem Sache des Fachstudiums. Die Fächer tragen den größten Teil der universitären Lehrerbildung. Ihr Fachprofil und ihr Bildungsanspruch prägen die berufliche Identität und das Handeln von Lehrerinnen und Lehrern grundlegend. In der aktuellen Diskussion um die Lehrerprofessionalisierung haben die ausbildenden Fächer eigentümlicherweise kaum eine Stimme. Bei der Weiterentwicklung der Lehrerbildung bleiben sie ungehört und werden in ihren Bildungspotentialen unterschätzt.
Der Sammelband erschließt die fachlichen Perspektiven der lehrerbildenden Wissenschaftsdisziplinen auf die Lehrerbildung und begründet aus ihnen die Bedeutung des Fachstudiums für die Lehrerbildung sowohl aus erziehungswissenschaftlicher wie fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Perspektive. Aus den Beiträgen wird der Begriff der Fachlichkeit entwickelt und quer zu den Disziplinen grundlegend diskutiert.
Unterwegs zu einer poststrukturalistischen Erziehungswissenschaft
AutorIn: Michael Wimmer
Existenzphilosophie, Kritische Theorie und (Post-)Strukturalismus stimmen darin überein, dass die Rede von dem Menschen überholt ist. Zum einen hat der Humanismus seine praktische Geltungskraft und seine theoretischen Begründungsansprüche verloren, zum anderen hat sich die Sonderstellung des Menschen in Abgrenzung zum Tier wie zur Maschine durch die Erkenntnisse der empirischen Natur- und Humanwissenschaften als Illusion erwiesen. Das Ende des Menschen als Fundamentalkategorie bedeutet jedoch nicht, dass auch die Frage danach verschwunden wäre, wie die Menschen mit sich und Anderen/m umgehen. So beansprucht der Transhumanismus als Erbe des Humanismus dessen Vervollkommnungsideen technologisch realisieren und die Endlichkeit und Unvollkommenheit des Menschen in einer Symbiose mit der Maschine überwinden zu können. Statt um den Übermenschen, der als maschinentechnische Neugestaltung das Vacuum, das die These vom Ende des Menschen in der Anthropologie hinterlassen hat, theo-technologisch ausfüllt, geht es im Posthumanismus um ein anderes Verständnis des Menschen jenseits der Abgrenzungen zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Wesen. Die hier versammelten Beiträge verstehen sich als Stationen auf dem Weg zu einem solchen posthumanistischen Verständnis des Menschen und erkunden das neue Problemfeld, das sich nach den »Enden des Menschen« aufgetan hat, mit dem Ziel einer Posthumanistischen Pädagogik, die für die Zukunftsprobleme offen ist.
Zur Bedeutsamkeit des Sich-Einlassens im Erfahrungsvollzug
AutorIn: Stephanie Mian
Lernen zwischen Gewohnheit und Leidenschaft Zur Bedeutsamkeit des Sich-Einlassens im Erfahrungsvollzug. Welche Bedeutung kommt dem Sich-Einlassen im Lernen zu? Ist das Sich-Einlassen in der Schule, welche mit institutionalisierten Rahmenbedingungen, Anforderungen und Pflichten verbunden ist, überhaupt möglich? Welche Rolle spielt dabei das Lehren? Diese Fragen beleuchtet Stephanie Mian aus einer umfassenden theoretischen und empirischen Perspektive, wobei sie das Lernen als responsives Geschehen in den Blick nimmt: Einen fremden Anstoß aufnehmend, verlassen Lernende Gewohntes und lassen sich auf Unbekanntes ein, wodurch sie sich auf dem Weg zu Neuem befinden: ein Weg, der mit Neugier, Interesse, Begehren sowie Scham, Zweifel und Leidenschaft verbunden ist.
August Hermann Niemeyer und das pädagogische 18. Jahrhundert
AutorIn: Ralf Koerrenz
Reformpädagogik erhält im 18. Jahrhundert ihre Grundlagen. Im Werk von August Hermann Niemeyer (1754–1828) spiegelt sich die Reformdynamik einer zunehmend als offen verstandenen Gesellschaft der Moderne.
Im 18. Jahrhundert gewann Pädagogik als Bindeglied zwischen den Generationen eine neue Bedeutung. Erziehung konnte nicht mehr ausschließlich von der Reproduktion vorgegebener sozialer Positionen aus bestimmt werden. Theoretisch und praktisch entstand das Problem, dass „die richtige“ Pädagogik nicht mehr absolut und allgemeingültig bestimmt werden konnte und so die Verbindung von „Reform“ und „Pädagogik“ systemisch-bedingt zu einem Dauerthema werden musste. Das Studienbuch macht grundlegende Quellentexte von Niemeyer wieder zugänglich und führt in biographische, historische und systematische Zusammenhänge seiner Deutung der Zeit ein.
Modelle, Konzepte, Erfahrungen
Warum sollte man gerade im Lehramtsstudium ins Ausland gehen? Der Band zeigt neue bildungspolitische und pädagogische Perspektiven als Antwort auf globale Herausforderungen.

Eine intensivere Internationalisierung der Lehrerbildung wird nicht nur vom DAAD und der Hochschulrektorenkonferenz gefordert, sondern ist inzwischen ein Allgemeinplatz in der bildungspolitischen Debatte. Auch in dem stark von föderalen bildungspolitischen Interessen geprägten deutschen Lehrerbildungssystem muss man den zunehmenden Mobilitätsansprüchen und komplexen multikulturellen Lebens- und Arbeitskontexten des 21. Jahrhunderts entsprechen.
Einführung mit zentralen Texten
AutorInnen: Ralf Koerrenz und Rotraud Coriand
Johann Friedrich Herbart hat das Verständnis von Pädagogik als Theorie und Praxis geprägt. Das Studienbuch bietet zentrale Texte Herbarts mit einleitenden Kommentaren und eine biographische Skizze zu Leben und Werk.
Johann Friedrich Herbart (geboren 1776 in Oldenburg, gestorben 1841 in Göttingen) gehört zu den wirkungsmächtigen Pädagogen der Neuzeit. Anerkannt auch als Philosoph und als Psychologe, liegt der Schwerpunkt der Rezeption seines Werkes im Bereich der Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie der pädagogischen Theoriebildung. Seine bleibende Relevanz ist darin begründet, dass an seinem Werk die Grundlage pädagogischen Denkens und Handelns insgesamt studiert werden kann.
Die Reise zum Mittelpunkt des Selbst
AutorIn: Ralf Koerrenz
Eine Parabel über das Leben, die Luft, die Liebe und einen Weg, auf dem man sich selbst entdecken kann. Poesie als Sprache, die Wissen schafft.

Aus dem Inhalt:
Es ist, was es ist – dieser bescheiden anmutende Satz war Vater und Mutter zugleich von einem Wesen, dessen Name kein Name ist und das doch – so bleibt zu hoffen – ein jeder und eine jede kennt.
Wie ein Lufthauch, ein dünner, sanft gleitender Lufthauch weht das Wesen durch die Welt.
Der Lufthauch flüstert das Leben in unser aller Herz.
Der Lufthauch entsteht, er bleibt und breitet sich aus, zuweilen entschwindet er.
Nur unser Atem – sanft, mutig und verletzlich – braucht ihn, weil sonst unser Herz zu erstarren droht.
Nichts ist so aufregend, so unendlich aufregend, als den Lufthauch wachsen zu sehen, wie er sich ausbreitet unter Menschen.
Dieses flüchtige Wesen ist eine prächtige Gestalt, wohl die prächtigste auf Erden.
Doch bis diese Pracht zur Entfaltung kommen kann, muss er, der Lufthauch, einen langen Weg beschreiten.

Eine zauberhafte, luftigleichte Parabel über Identität und Persönlichkeit. Ein poetisch-philosophisches Lehrstück, das von der ersten bis zur letzten Zeile fesselt.
HerausgeberInnen: Christiane Thompson und Alfred Schäfer
Angst begegnet uns in allen Kulturen und Gesellschaften; sie gehört zu den Grundgefühlen jeder menschlichen Existenz: Zukunftsängste, Konfrontation mit anderen Lebensentwürfen, unkalkulierbare politische und ökonomische Veränderungen. Angst ist damit zu einer dominanten Existenzbedingung der Gegenwart geworden. Sie markiert nicht zuletzt die Grenzen des Vertrauens in Vernunft und Rationalität.
Welche Bedeutung hat Angst in der Konstitution sozialer und pädagogischer Welten? Der Umgang mit Angst gehört zu den prägendsten Herausforderungen unseres täglichen Lebens. Es gibt kaum einen Bereich, in dem das Vertrauen und die Zuversicht in das eigene Handeln nicht erschüttert würden. Ihr Ursprung liegt nicht nur in der Erwartung einer Bedrohung, im Misstrauen anderen Menschen gegenüber oder in der Ungewissheit, was die Zukunft bringen wird, sondern vor allem im Gefühl von Ungeborgenheit, der sich der Einzelne ausgesetzt sieht. Welche Bedeutung hat Angst in der Konstitution sozialer und pädagogischer Welten? Der Band nimmt diese Frage auf, ohne »Angst« nur als Problem des jeweils einzelnen zu verstehen.
Neue Perspektiven auf Johann Friedrich Herbarts Allgemeine Pädagogik
Der Band verweist auf Johann Friedrich Herbarts »Allgemeine Pädagogik« (1806), eines der wichtigsten grundlegenden Werke in der Entwicklung der wissenschaftlichen Pädagogik, auf allgemeingültige systematische und begriffliche pädagogische Positionen und verknüpft diese mit Aspekten aktueller erziehungswissenschaftlicher Diskurse.
Die »Allgemeine Pädagogik« von Johann Friedrich Herbart gilt als eine Grundlagenschrift der Pädagogik, die im Hinblick auf die Herausbildung der Pädagogik als Wissenschaftsdisziplin und Profession von großer Bedeutung war. Herbarts Lehre erfuhr sowohl national als auch international eine breite Rezeption. Rotraud Coriand kommt – neben weiteren Kollegen – das Verdienst zu, eine Aufarbeitung der »vergessenen Wissenschaftsgeschichte« des Herbartianismus initiiert und eine quellenbasierte Rezeption Herbartscher und Herbartianischer Positionen etabliert zu haben. Gleichzeitig macht sie sich um eine der grundlegenden Disziplinen der Pädagogik, die Allgemeine Didaktik, verdient.
Bildungspolitik und Universitätsreform
Wilhelm von Humboldt (1767–1835), Philosoph, Sprachforscher und Bildungspolitiker – seine wahre Bedeutung droht in der Rede vom „Mythos Humboldt“ verloren zu gehen. Doch inwiefern prägt seine historische Leistung für die Idee der Universität allgemein und die Gründung der Universität Berlin im Speziellen das Verständnis für universitäre Bildung bis heute? Und welchen Einfluss haben seine Ideen auf die heutige Bildungspolitik?
Wilhelm von Humboldt existiert aktuell in sehr kontrastreichen Gestalten: als Bildungspolitiker, der um 1800 die Grundzüge des deutschen Bildungssystems und die „Idee“ der modernen Universität begründet hat, als Bildungstheoretiker, dem wir ein Bild des selbstverantwortlichen Individuums verdanken, das aktiv die Herausforderungen der Welt bewältigt, aber auch als „Mythos Humboldt“, mit dem nur Wunschbilder wachgehalten werden, die noch nie Realität hatten und heute nur als Gegenbilder zur schlechten Wirklichkeit leben. Diese widersprüchlichen Zuschreibungen werden in drei Schritten diskutiert und zu einem historisch beglaubigten und heute aktuellen Humboldt-Bild neu zusammengefügt: für die deutsche und internationale Debatte über die Idee der Universität bis heute, für die Rolle Humboldts in der Gründung der Universität zu Berlin und ihrer Realität bis zur Gegenwart, und für die Möglichkeiten von „Bildung durch Wissenschaft“. Die Rede vom „Mythos Humboldt“ wird dabei destruiert und die historische Leistung Humboldts sowie die offene Frage nach Gestalt und Praxis der Universität und ihrer „Idee“ neu beantwortet.