Ad inquisitiones Ianuarii und Augustins Deutung von Liturgie und Bibel
AutorIn: Jochen Rexer
Die vorliegende Untersuchung zu Sakrament und Schrift bei Augustinus, seine Deutung von Liturgie und Bibel, zeigt am Beispiel von Ad inquisitiones Ianuarii und weiterer Zeugnisse im österlichen Kontext einen Zusammenhang zwischen seinem Sakraments- und Schriftverständnis. Indem Augustinus auf liturgische Fragen des Januarius antwortet, erörtert er sein Osterverständnis in dem theologischen Traktat mit dem Thema „de sacramentis“. Dabei entfaltet er eine hermeneutische Methode, die er auf Bibel und Liturgie anwendet. Seine Ostertheologie, die Rede von der Form und dem Inhalt des christlichen Ostern, wendet Augustinus in Predigt und Liturgie auch praktisch an.
Zwischen christlichem Ideal und politischer Realität
Metropolit Andrey Sheptytskyj war der einflussreichste Repräsentant der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche im 20. Jahrhundert. Sein letzter Lebensabschnitt unter dem NS-Regime wird bis heute sehr gegensätzlich bewertet und kontrovers diskutiert.
Während die sowjetische Geschichtsschreibung Sheptytskyj als Kollaborateur des NS-Regimes, Feind des Kommunismus und Agenten des Vatikans verurteilte, verehrt die griechisch-katholische Kirche ihn als nationale Symbolfigur, als »neuen Moses«, dessen Heiligsprechung sie betreibt. Mykhaleyko legt einen Beitrag zur Neubewertung Sheptytskyjs vor: Durch die Kontextualisierung seiner Biographie im Zeitalter der Totalitarismen während der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts korrigiert die Studie die historischen Narrative, dekonstruiert die ideologischen Porträts Sheptytskyjs und entmythologisiert das ambivalente Verhältnis Sheptytskyjs zum NS-Regime.
Zum Basisvokabular von Hermeneutik und Interpretationstheorie
HerausgeberInnen: Andreas Mauz und Christiane Tietz
„Verstehen“ und „Interpretieren“ stellen das Basisvokabular von Hermeneutik und Interpretationstheorie dar. Der Band expliziert die beiden Grundbegriffe für sich und in ihrem Zusammenhang.
So offensichtlich Verstehen und Interpretieren die Kernbegrifflichkeit der fraglichen Theoriebildungen darstellen, so divers und kontrovers gestaltet sich in concreto das jeweilige Verstehen des Verstehens bzw. Interpretieren des Interpretierens. Der vorliegende Band lotet aus, was unter diesen Begriffen zu verstehen ist und wie sie sich zueinander verhalten: Bezeichnen sie distinkte Bereiche oder verschiedene Weisen der Bedeutungszuschreibung – und profilieren sich insofern wechselseitig? Sind sie in hierarchischer Weise aufeinander zu beziehen, sei es systematisch, sei es prozedural? Kann allenfalls auf einen der Begriffe verzichtet werden zugunsten des anderen?

Eschatologie und Apokalyptik in den mittelmekkanischen Suren
Zishan Ghaffar geht der Frage nach, in welchem ereignis- und religionsgeschichtlichen Kontext die Genese des Korantextes steht. Dabei versucht er zu zeigen, dass die koranische Verkündigung für die urmuslimische Gemeinde um den Propheten Muhammad eine Antwort auf die theologischen Herausforderungen ihrer Zeit enthält.
Die Verkündigung des Korans zu Beginn des siebten Jahrhunderts fällt in eine geopolitisch turbulente und religionsgeschichtlich krisenhafte Zeit. Innerhalb des ersten Jahrzehnts erlebte das byzantinische Reich den Verlust eines Großteils seines Territoriums an die Sassaniden, der mit der traumatischen Eroberung Jerusalems in 614 n. Chr. und der Entwendung der dort befindlichen Reliquie des „wahren“ Kreuzes einherging. Jedoch konnte der byzantinische Herrscher Herakleios bis zum Jahr 630 n. Chr. die Sassaniden gänzlich zurückdrängen und die Rückkehr des Kreuzes (restitutio crucis) sicherstellen. Zishan Ghaffar legt dar, wie diese Ereignisse zu Beginn des siebten Jahrhunderts und die damit zusammenhängenden eschatologischen und apokalyptischen Ideen ihren Niederschlag im Koran finden.

Die Reihe „Schriften zur Marinegeschichte“ will ein Forum für neue und kontroverse Forschungsergebnisse zu ausgewählten Themenkreisen der Marinegeschichte bieten. Damit öffnet sich diese Reihe einem weiten inhaltlichen Spektrum und dem Interessentenkreis aktiver und ehemaliger Angehöriger der deutschen Seestreitkräfte sowie militär- oder maritim-historisch interessierter Leser. Die Veröffentlichungspalette soll von der Verschriftlichung von Vortragsreihen über wissenschaftliche Qualifikationsarbeiten bis zur Publikation unbekannter oder seltener Dokumente reichen. Ein besonderes Augenmerk möchten die Herausgeber neben Biographien auch auf Publikationen richten, welche sich der kommentierenden Bearbeitung von Selbstzeugnissen widmen. Steht zwar das erzählende Ich im Mittelpunkt und muss gebührend zu Wort kommen, so soll doch eine umfassende Kommentierung den erklärenden Rahmen bieten. Auf diese Weise soll versucht werden, Ereignisse und Strukturen – vielleicht auch nur die Normalität – vergangener Zeiten aus der personalen Perspektive heraus sichtbar zu machen, wissenschaftlich begründet einzufassen und insgesamt für weitergehende Forschungen zu öffnen. Die „Schriften zur Marinegeschichte“ werden vom Freundeskreis des Wehrgeschichtlichen Ausbildungszentrum der Marineschule Mürwik e.V. und der Stiftung Deutsches Marinemuseum gemeinsam herausgegeben. Beide Einrichtungen wollen mit der Schriftenreihe Kenntnis und Verständnis der politischen, militärstrategischen, technischen, sozialen und kulturellen Aspekte deutscher Militär- und Marinegeschichte erweitern und vertiefen.
Fachprofil und Bildungsanspruch in der Lehrerbildung
HerausgeberInnen: Michaela Heer und Ulrich Heinen
Lehrerbildung ist in Deutschland zunächst und vor allem Sache des Fachstudiums. Die Fächer tragen den größten Teil der universitären Lehrerbildung. Ihr Fachprofil und ihr Bildungsanspruch prägen die berufliche Identität und das Handeln von Lehrerinnen und Lehrern grundlegend. In der aktuellen Diskussion um die Lehrerprofessionalisierung haben die ausbildenden Fächer eigentümlicherweise kaum eine Stimme. Bei der Weiterentwicklung der Lehrerbildung bleiben sie ungehört und werden in ihren Bildungspotentialen unterschätzt.
Der Sammelband erschließt die fachlichen Perspektiven der lehrerbildenden Wissenschaftsdisziplinen auf die Lehrerbildung und begründet aus ihnen die Bedeutung des Fachstudiums für die Lehrerbildung sowohl aus erziehungswissenschaftlicher wie fachwissenschaftlicher und fachdidaktischer Perspektive. Aus den Beiträgen wird der Begriff der Fachlichkeit entwickelt und quer zu den Disziplinen grundlegend diskutiert.
Die Deutsche Besatzungspolitik in Kongresspolen 1914-1918
Das deutsche Kaiserreich entriss im Ersten Weltkrieg die zentralpolnischen Gebiete mit Warschau dem Zarenreich und bereitete der hundertjährigen russischen Herrschaft in Polen das Ende. Der Vertreter des Kaisers in Warschau, Generalgouverneur Hans Hartwig von Beseler, ließ sich auf ein gewagtes Spiel ein: Er wollte die katholischen Polen als Verbündete im Kampf gegen das orthodoxe und »barbarische« Russland gewinnen.
Eingezwängt zwischen den »Falken« in Berlin und ungestümen polnischen nationalistischen Gruppierungen plante von Beseler einen polnischen Staat nach deutschem Muster zu errichten und zum Juniorpartner des Kaiserreichs zu erheben. Seine Besatzungspolitik war folglich durch zahlreiche Konzessionen gegenüber der katholischen Kirche gekennzeichnet. An demselben pro-polnischen Prinzip orientierte sich auch seine Judenpolitik und die Vorgehensweise gegenüber der lutherischen deutschen Minderheit.
Virtue and Morality in the Chinese-German Dialogue
West-Eastern mirror discusses the formative cultural traditions in Germany/Europe and China with a special focus on the increasingly important aspects of “Virtue and morality”. At present, there are increasing difficulties in understanding the ‘other’ in their cultural framing. In view of the fact that economic or scientific exchange on an international level is a matter of necessity, in recent years the need to ensure the cultural prerequisites has become even more urgent. First, the title deals with the cultural influences in Europe (Judaism, Christianity, Enlightenment) and China (Confucianism, Taoism, Buddhism). In the second part, the focus encompasses a dialogue of European philosophy, with Rousseau, Herbart, Gadamer and Hegel.
HerausgeberInnen: Hans Rothe und Claudia Schnell
Dieser zweite Band enthält Studien von Gelehrten aus Rußland, Litauen, Bulgarien, Österreich und Deutschland, die sich im Laufe der Jahrzehnte mit eigenen Untersuchungen an der 1970 in Bonn begonnenen Erforschung und Edition der Gottesdienstmenäen beteiligt haben. Diese Arbeiten beschränken sich im Gegensatz zum ersten Band nicht mehr nur auf das mittelalterliche ostslavische Gottesdienstmenäum, sondern berücksichtigen auch Heiligenakoluthien aus dem südslavischen oder gar georgischen Raum, z.T. späterer Jahrhunderte. Hierbei finden u.a. ganz moderne Methoden Anwendung, wie z.B. eine linguistische Analyse mit Hilfe spezieller Funktionen der mathematischen Statistik.

Bildkonzepte der Herrlichkeit Gottes nach Kunstwerken von Richard Serra
Für das Erscheinen der Herrlichkeit Gottes hat die jüdisch-christliche Geschichte verschiedene Bildkonzepte entfaltet. Ihre gemeinsame Basis ist der alttestamentliche Herrlichkeitsbegriff, der ursprünglich auch die Grundbedeutung der physischen Schwere beinhaltet. Doch wie können wir uns Gottes Herrlichkeit als körperhafte Schwere konkret vorstellen?
Bildhaftes Experimentieren mit Gewicht und Schwere ist ein zentrales Anliegen des Bildhauers Richard Serra (*1939). Seine Kunstwerke erproben Formen der Realisation von Schwere in räumlichen Strukturen und ihrer Wahrnehmung. Dieses Buch ist konsequent an den Arbeiten Serras orientiert und erschließt so neue Ansätze für das theologische Nachdenken über die Herrlichkeit Gottes als Schwere. Dabei geht es auch um die Frage nach der Entwicklung angemessener Interpretationsverfahren bildlich strukturierter Bedeutungen in theologischen Diskursen.