Hermann Wagener und die preußischen Sozialkonservativen 1855-1873
AutorIn: Henning Albrecht
Hermann Wagener, sozialpolitischer Berater und Vertrauter Bismarcks, war die prägende Figur der preußischen Sozialkonservativen. Bis 1873 war er ihr einflussreicher Ideengeber und Organisator. Die vorliegende Studie macht ihn und die Sozial-konservativen, ihre Konzepte und Handlungsstrategien erstmals zum Gegenstand einer umfassenden Untersuchung. Sie zeigt, dass die Sozialkonservativen bereits mit allen Elementen eines 'modernen' Antisemitismus operierten, die gemeinhin erst der Zeit nach dem 'Gründerkrach' von 1873 zugeschrieben werden. Ein wichtiger Beitrag zur Geschichte des Antisemitismus und der konservativen Partei.
AutorIn: Johannes Kunisch
Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ist eine Vereinigung der führenden Forscherinnen und Forscher des Landes. Sie wurde 1970 als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Akademie ist in drei wissenschaftliche Klassen für Geisteswissenschaften, für Naturwissenschaften und Medizin sowie für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und in eine Klasse der Künste gegliedert.

Mit Publikationen zu den wissenschaftlichen Vorträgen in den Klassensitzungen, zu öffentlichen Veranstaltungen und Symposien will die Akademie die Fach- und allgemeine Öffentlichkeit über die Arbeiten der Akademie und ihrer Forschungsstellen informieren.
Abteilung III: 1871-1898 Schriften, Band 5: 1882-1883
Der neue Band der NFA dokumentiert eine Zeit, in der Bismarck große innen- und außenpolitische Herausforderungen zu meistern hatte. 60 Prozent der 488 Dokumente des Bandes werden erstmals publiziert. Themen sind u. a. die Bemühungen um Beilegung des Kulturkampfes, der Ausbau des Bündnissystems (Dreibundvertrag, Verlängerung des Dreikaiservertrages) und die ersten Schritte zu 'globaler' Außenpolitik (Schutzgebiete in Übersee).
Elsässische und französisch-lothringische Geistliche im Ersten Weltkrieg
AutorIn: Annette Jantzen
Die Studie liefert einen wichtigen Beitrag zur deutschen und französischen Erfahrungsgeschichte des Ersten Weltkriegs. Am Beispiel der Grenzregion Elsass-Lothringen und dem von der Front zerschnittenen französischen Lothringen wird untersucht, wie tief sich auf beiden Seiten bei Klerikern, die als Soldaten, Sanitäter und Feld- oder zivilseelsorger fungierten, die religiöse Deutung des Krieges mit nationalen Selbst- und Fremdbildern verband. Auf einem breiten Fundament bislang unveröffentlichter Quellen, die dem Buch in einer CD-ROM beigegeben sind, kommt die Autorin zu einem ernüchternden Ergebnis: Die religiöse Deutung des Krieges nutzte sich ab, aber sie wurde nicht grundsätzlich in Frage gestellt.
Görres’ Briefe der Münchner Zeit umfassen den Zeitraum von Ende 1827 bis zu seinem Tod 1848, also die letzte Phase seines facetten-reichen Lebens, in der er als Pro-fessor für 'Allgemeine und Litte-rär-geschichte' an der Univer-si-tät München wirkte und zum Vor-kämp-fer und Sprachrohr des Katho-lizismus in Deutschland wurde. Der Briefband, der mehr als 250 Briefe von Görres an verschiedene Adressaten umfasst, darunter etwa 100 bisher unveröffentlichte Stücke, bietet nicht nur Einblicke in den biographischen Kontext und die Genese der Werke der Münchner Zeit und ein Abbild des reichen Beziehungsgeflechts, das Görres mit Persönlichkeiten in ganz Deutschland und darüberhinaus verband, sondern auch einen intimen Blick auf den Menschen Görres, auf seine Familie und seinen Freundeskreis. Daneben bietet die Ausgabe über 500 zum Großteil bisher unveröffentlichte Briefe an Görres in Kurzregesten.
Zur Sozialgeschichte des deutschen Militärs
AutorIn: Daniel Kirn
Bislang standen fast ausschließlich Offiziere im Mittelpunkt des militärhistorischen Interesses am Kaiserreich, einfache Soldaten wurden kaum wahrgenommen. Doch waren ihr Verhalten in Armee, Staat und Gesellschaft und ihr Bild von sich selbst wichtige Faktoren, die die Kultur der Kaiserzeit mit bestimmten. Die Konstanten ihres Alltags zu untersuchen und zu interpretieren, ist das Ziel Daniel Kirns. Innovativ und lebendig führt er das Leben der gemeinen Soldaten in Württemberg während der Friedensjahre von 1871 bis 1914 vor Augen. Dabei gelingt es ihm, auf der breiten Grundlage zahlreicher neuer, bislang nicht beachteter Akten, ein neu konturiertes Bild des württembergischen Soldaten zu zeichnen, ein Bild, das auch die bisherigen Vorstellungen über das deutsche Militär im Kaiserreich grundlegend verändern kann.
Wahrnehmung und Deutung zwischen Bureneuphorie und Anglophobie 1899-1902
AutorIn: Steffen Bender
Der Burenkrieg war der längste, teuerste und verlustreichste Krieg, den das britische Empire im Jahrhundert zwischen 1815 und 1914 führte. Wie in ganz Europa, wurde der Konflikt auch im Deutschen Reich aufmerksam verfolgt. Eine bereits vor dem Krieg zu beobachtende 'Bureneuphorie', die unter anderem auf den ethnischen Verbindungen zu den Buren aufbaute, verband sich mit einer anglophoben Stimmung, die die deutsche Reichsleitung immer wieder zur Rechtfertigung ihrer strikten Neutralitätspolitik zwang. Als Medienereignis wurde der Burenkrieg im Deutschen Reich maßgeblich durch die Presse vermittelt. Das Buch untersucht die Darstellung und Kommentierung des Krieges durch deutsche und österreichische Zei-tungen und Zeitschriften. Es zeigt, wie die Presse durch ihre Berichterstattung und Kommentierung an der Konstruktion und Verbreitung eines anglophoben Feindbildes mitwirkte. Weiterhin wird die journalistische Begleitung des Burenkriegs als ein frühes mediales Beispiel für die Umbruchsituation um 1900 vorgestellt: Die Entwicklung eines 'politischen Massenmarktes' konfrontierte die Politik zunehmend mit politischen Forderungen öffentlicher Kreise, die konkret auf die Innen- und Außenpolitik einwirken konnten.
Erfahrungsgeschichte(n) auf dem Weg in eine neue Zeit
HerausgeberIn: Ute Planert
Um 1800 stellten Kriege und Krisen die Menschen in Mitteleuropa vor beispiellose Veränderungen. Das Alte Reich brach zusammen, Napoleon wurde Herr des Kontinents. Das Buch legt neueste Ergebnisse der Forschung zu den Erfahrungen der Menschen in dieser Zeit tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels vor. An Beispielen aus den Niederlanden, der Schweiz, dem Elsaß, dem italienischen Tirol und ausgewählten Rheinbundstaaten untersuchen namhafte Auto-ren die Auswirkungen der Reformpolitik und erzählen von Protesten gegen den Einbruch der Moderne in die Lebenswelt. Sie verfolgen, auf welche Weise soziale Eliten ihre Position zu wahren suchten und machen deutlich, wie stark Konfession und vormoderne Mentalität noch immer die Wahrnehmung des Krieges und seiner Folgen bestimmten. Und sie zeigen, wie die Geschichte(n) der napoleonischen Zeit im 19. Jahrhundert immer wieder entlang aktueller Bedürfnisse umgeschrieben wurden.
Eine bayerische Stadt und der preußisch-deutsche Militarismus
Der preußisch-deutsche Militarismus war spätestens zu Beginn des Ersten Weltkriegs im Denken und im alltäglichen Leben der meisten Deutschen fest verwurzelt. Das war noch zu Beginn des Kaiserreichs nicht ohne weiteres zu erwarten gewesen, insbesondere nicht in Bayern, das eine andere Tradition und ein anderes, dis-tan-zierteres Verhältnis zum Militär hatte als die preußische Vormacht. Dem Mentalitätswandel allem Militärischen gegenüber, der sich auch in Bayern nach der Reichsgründung vollzog, geht diese Studie detailliert nach. Sie tut das exemplarisch anhand des öffentlichen Diskurses über Wehrfragen, Wehrpflicht, 'Wehrhaftigkeit' und Militär, der in der mit mehreren Regimentern belegten Garnisons,- Bürger- und katholischen Bischofsstadt Bamberg seit Mitte des 19. Jahrhunderts geführt wurde, in Militärkreisen selbst, in Vereinen und Kirchen, in Schulen, Behörden und in der Presse. Die aufschlussreiche Studie endet mit den Folgen der Restriktionen von 'Versailles', als das Thema 'Wehrhaftigkeit' zusehends von der völkischen Rechten besetzt wurde.
Diplomatie und Kriege der Republik Florenz im 15. Jahrhundert
AutorIn: Heinrich Lang
In der Renaissance wurde Florenz zu einem wichtigen Akteur auf der machtpolitischen Bühne Italiens. Die Medici stiegen von einer Bankiersfamilie zu Herren der Stadt auf. Sie flochten enge Verbindungen zu den italienischen Fürsten und besonders zu den condottieri, den schillernden Spielern auf einem Gewaltmarkt, dessen Gefahren privatisierter Kriegführung durch die zwischenstaatlichen, von Bankiers, Juristen und Diplo-maten getragenen Beziehungen eingedämmt wurden. Über diese Netzwerke zwischen Krieg und Geschäft sicherten sich die Medici nicht nur die Macht, über sie verbreitete sich auch die Kultur der Renaissance. Am Beispiel der Außenverflechtungen Florenz’ unter Cosimo de’ Medici dem Alten (1389–1464) zeigt Lang, wie eine Gruppe von Mittels-männern, Agenten und Maklern das prekäre Staatengefüge Italiens stabilisierte. Diplomatische und militärische Außenpolitik erweisen sich dabei, im Sinne von Machiavelli, als personell und institutionell un-trennbar