Rechtspraxis und Selbstverständnis von Bremer Juristen im "Dritten Reich"
Bis April 1945 versah Dr. Emil Warneken pflichtbewusst seinen Dienst beim Bremer Sondergericht. Als alteingesessener Richter war er das Gegenteil eines im »Dritten Reich« sozialisierten Juristen. Trotzdem fällte er 49 Todes- und viele weitere Unrechtsurteile – im Namen der NS-»Volksgemeinschaft« und ohne zu hinterfragen.
Juristen prägten höchst wahrnehmbar das Bild von »Volksgemeinschaft« in der Bremer Öffentlichkeit. Sie zogen mittels der Rechtsprechung die Grenzen zwischen »Volksgenossen« und »Gemeinschaftsfremden«. Die Autorin untersucht anhand von beispielhaften Gerichtsverfahren und Lebensläufen maßgeblicher Akteure den Beitrag von Bremer Juristen zur Durchsetzung von NS-Herrschaft vor Ort. Sie beleuchtet darüber hinaus das Fortwirken der Volksgemeinschaftsidee nach 1945.
Gewalt gegen abgeschossene alliierte Flugzeugbesatzungen 1943–1945
Das Buch widmet sich einem bislang übersehenen und verdrängten Phänomen im Bombenkrieg gegen das Deutsche Reich: Übergriffen und Morden an abgeschossenen alliierten Flugzeugbesatzungen. Der Bombenkrieg als Trauma einer ganzen Generation ließ bislang eine Beleuchtung dieser Gewaltverbrechen kaum zu. So erhielt sich die von der NS-Propaganda aufgebaute Vorstellung einer aufgebrachten Bevölkerung, die Rache an ihren Peinigern nahm. Der Autor durchbricht dieses Bild, beleuchtet die Wirkungskomplexe des Bombenkrieges und zeichnet anhand von Fällen aus Österreich und Ungarn nach, welche Funktion dieser Form der Gewalt im Rahmen einer NS-Herrschaft »unter Bomben« zukam. Anhand von umfangreichem Quellenmaterial zu über 1.000 Flugzeugabstürzen sowie 26 detaillierten Fallstudien wird dieses Phänomen erstmals umfassend erschlossen.
Seit Kriegsende ranken sich Verschwörungstheorien und verklärende Legenden um die Wewelsburg in der Nähe von Paderborn. Dieses Buch klärt auf über Hintergründe, Inhalte und Verbreitungswege des Wewelsburg-Mythos.
Im »Dritten Reich« sollte das westfälische Schloss eine zentrale Versammlungsstätte für höhere SS-Führer werden. Gerüchte über okkulte Riten der SS an diesem Ort haben Deutschlands einzigartige Dreiecksburg in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Wallfahrtsort der rechten Szene gemacht. Esoteriker sehen in der Anlage einen besonderen »Kraftort«. Die »Schwarze Sonne«, abgeleitet von einem Sonnenrad-Ornament im Nordturm, ist zum weltweit populären Heils- und Erkennungszeichen der Rechtsextremen geworden. Im Mythos um die Wundertechnologie der »Reichsflugscheiben«, im Neuheidentum, in der Black Metal-Szene und sogar in Superhelden-Comics sind die Wewelsburg und die »Schwarze Sonne« Bestandteile einer bedenklichen Sparte der Popkultur geworden.
In dem reichhaltig illustrierten Band werden erstmals umfassend Entstehungsgeschichte, Spielarten und Wirkungen des Mythengeflechtes um die Wewelsburg rekonstruiert, das sich parallel zum Aufbau der heute dort beheimateten Erinnerungs- und Gedenkstätte für die Opfer der SS-Verbrechen entwickelt hat.
Mit der Einrichtung staatlicher Geheimdienste um 1900 wird die Beschaffung, Auswertung und Anwendung sensiblen Wissens auf eine neue organisatorische Grundlage gestellt. »Spionage« als eine spezifische Form der Wissensakquise avanciert dabei zu einer ebenso subtilen wie gefürchteten Technik. Mit dieser Professionalisierung geheimdienstlicher Tätigkeit kontrastiert gleichzeitig eine andere Entwicklung: der Aufstieg der Massenmedien zur »Vierten Gewalt«. Im Akt der Enthüllung und im Wettkampf um »Scoops« werden die Medien zu unberechenbaren Gegenspielern der Geheimdienste. Der Band beleuchtet dieses Wechselverhältnis jenseits einer Institutionengeschichte von Geheimdiensten. Es geht um Informationsbeschaffung an den Grenzen der Imperien, um Geheimnisverrat und Spionageabwehr, aber auch um den Spionage-Mythos in der Populärkultur. Im Zeichen von »Weltpolitik « und Weltkrieg wird geheimdienstliches Wissen zur umkämpften Ressource.
Theorie und Praxis der Auftragstaktik im deutschen Heer 1869 bis 1945
AutorIn: Marco Sigg
Die Auftragstaktik wird in der Literatur als wesentlicher Grund für die deutschen taktisch-operativen Erfolge in den Kriegen von 1866 bis 1945 bezeichnet. Die vorliegende Studie untersucht dieses Führungsprinzip für das deutsche Heer von 1935 bis 1945 erstmals aus ganzheitlicher Sicht, indem sie Theorie und Praxis, d.h. normative Handlungsvorgaben und die konkrete Umsetzung im Feld vergleicht. Im ersten Kapitel wird anhand von Dienstvorschriften und Ausbildungsunterlagen Auftragstaktik als normative Größe analysiert und idealtypisch dargestellt. Im zweiten Kapitel wird an ausgewählten Beispielen der preußisch-deutschen Operationsgeschichte aufgezeigt, wie sehr die praktische Umsetzung der Auftragstaktik auf taktisch-operativer Führungsebene häufig Probleme verursachte. Das letzte Kapitel rekonstruiert die Angriffs- und Verteidigungsoperationen dreier Divisionen des Jahres 1942 und verdeutlicht, wie Auftragstaktik auf taktischer Stufe angewendet wurde. Insgesamt relativieren die Ergebnisse das bisher gezeichnete Bild der Auftragstaktik. Nicht nur kommt der straffen Führung eine weit wichtigere Rolle als bisher angenommen zu, auch hing der Grad der Selbstständigkeit und Initiative unterer Führer stark vom Führungsverständnis des vorgesetzten Truppenführers ab. Letztlich war die Auffassung darüber, was mit Auftragstaktik gemeint war und wie sie praktiziert werden sollte, in der preußisch-deutschen militärischen Denkschule bei Weitem nicht so monolithisch, wie die Forschung bis heute gerne suggeriert.
Die katholische Feldpastoral 1939 - 1945
In den deutschen Streitkräften waren von 1939 bis 1945 mehrere Hundert katholische Seelsorger für die religiöse Betreuung der deutschen Soldaten im Eroberungs- und Vernichtungskrieg verantwortlich. Hitlers Krieg und ein Sieg der Wehrmacht konnten kein Sieg der katholischen Geistlichen sein.
Ausgehend von diesem erklärungsbedürftigen Spannungsverhältnis geht Martin Röw der Frage nach, inwiefern die Geistlichen sich im Zwiespalt zwischen katholischer Kirche einerseits, Wehrmacht und NS-Weltanschauung andererseits befanden. Vor allem auf Grundlage von Selbstzeugnissen entsteht ein Bild davon, was katholische Militärseelsorge im Zweiten Weltkrieg bedeutete und welchen Anteil sie an die-sem Krieg hatte.
Die deutsche Armee 1918-1921
Die Jahre zwischen 1918 und 1921 gehören zu den interessantesten Abschnitten der deutschen Militärgeschichte: Das Kaiserreich war untergegangen, seine Streitkräfte in Auflösung begriffen, das notorische 100.000-Mann-Heer noch nicht errichtet. Doch mit der »vorläufigen Reichswehr« verfügte die junge Republik bereits über eine provisorische Armee.
War diese Truppe nur ein »Staat im Staate«? Oder wäre es möglich gewesen, aus ihr eine verfassungstreue Streitmacht zu formen? Anhand vielfältiger Quellen erforscht Peter Keller Entstehung und Entwicklung der »vorläufigen Reichswehr« im Spannungsfeld von politischem Erneuerungswillen und militärischem Sicherheitsstreben. Schritt für Schritt entsteht dadurch das erstaunlich facettenreiche Bild einer zu Unrecht vergessenen deutschen Armee.
Selbstzeugnisse Königlich Sächsischer Offiziere 1914 bis 1918
AutorIn: Sebastian Schaar
Die Lebenswelten und das Selbstverständnis der Offiziere des Deutschen Kaiserreichs – erschlossen anhand erstmals ausgewerteter Quellenfunde.
Das deutsche Offizierkorps wollte und sollte das Kaiserreich und seine Truppen im Ersten Weltkrieg zum Sieg führen. Vor diesem Hintergrund untersucht Sebastian Schaar am Beispiel von Tagebüchern, Briefen, Autobiographien und anderen Selbstzeugnissen Königlich Sächsischer Offiziere, welche Vorstellungen diese vom Krieg hatten und wie sie ihn wahrnahmen.
Dabei zeigt er ihre Einstellung zu eigenen und fremden Verwundungen, zu Sexualität und Partnerschaft, zu Sterben und Tod. Zudem wird erkennbar, wie die Offiziere untereinander, mit den Unteroffizieren und Mannschaften sowie mit den Kriegsgegnern und Bewohnern besetzter Gebiete umgingen.
Die Weltanschauliche Schulung in der SS 1933-1945
Die SS verstand sich als weltanschauliche Elite des Nationalsozialismus und betrieb deshalb mit großem Aufwand ein System der weltanschaulichen Schulung und Erziehung, das hier erstmals in seinem Gesamtzusammenhang dargestellt wird.
Tausende von Schulungsleitern und -rednern waren damit beschäftigt, die Aufgaben und Ziele der SS zu erläutern, ihren Führungsanspruch zu legitimieren, die rassenpolitische Praxis der SS zu begründen und die Kampfbereitschaft für das »großgermanische Reich« wachzuhalten. Diese Personengruppe, über die bislang kaum etwas bekannt war, bestand ganz überwiegend aus Akademikern und Wissenschaftlern, aber auch aus vielen Lehrern des Schuldienstes. Sie hatten einen erheblichen Anteil an der Verwirklichung der Ziele der SS. In einer einzigartigen Forschungsleistung versammelt dieses Buch das Wissen über die Protagonisten, die Organisation des Schulungswesens der SS, die Unterrichtspraxis und ihre Inhalte. So eröffnet es einen neuen Zugang zum Verständnis der SS.
AutorIn: Daniel Roos
Hitler selbst bemerkte, „wenn man den Nationalsozialismus will, muß man Streicher gutheißen.“ Dieses Buch zeichnet erstmals den politischen Lebensweg Streichers und die Entwicklungsstufen seiner Zeitschrift vollständig und detailliert nach. In einer „Doppelbiografie“ entsteht das umfassende Bild einer erschreckend wirksamen, seinerzeit publizistisch hochmodernen Hetzschrift und ihres Schöpfers. Daniel Roos‘ Buch zeigt, wie der vom Nationalsozialismus nach oben gespülte Julius Streicher maßgeblich dazu beitrug, durch die Mobilisierung blutrünstiger und pornografischer Fantasien seiner Leserschaft ein antisemitisches Klima zu schaffen, das die späteren Vernichtungsaktionen vorbereitete.