HerausgeberInnen: Patrick Keller, Michael Butter und Birte Christ
Zehn Jahre nach dem 11. September 2001 ist es Zeit, Bilanz zu ziehen: Stellt der 11. September tatsächlich eine historische Wende dar?
Die zehn Beiträge zu den Themen Weltmacht, Recht, Umwelt, Wirtschaft, Religion, Patriotismus, Verschwörung, Männer, Kunst und Anti-Amerikanismus zeichnen ein um-fassendes Bild der politischen, gesellschaftlichen und kultu-rellen Entwicklungen in den USA seit dem 11. September 2001. Sie zeigen, dass sich an diesem Tag die Welt nicht grundlegend geändert hat, wie oft behauptet wird, sondern dass 9/11 lediglich länger andauernde Entwicklungen verstärkt und sichtbar gemacht hat. Um dem 11. September als dem zentralen Medienereignis der Jahrtausendwende und seiner visuellen Präsenz in der vergangenen Dekade gerecht zu werden, entwickelt jeder der Autoren sein Argument zur Katalysatorfunktion von 9/11 aus der Diskussion einer zur Ikone gewordenen Fotografie.
Wirkung und Wahrnehmung
HerausgeberInnen: Mario Niemann und Detlev Brunner
Die DDR ist Teil der deutschen Geschichte und sie war stets deutsches Handlungsfeld. So sehr die Existenz der DDR von der Sowjetunion abhängig war, so wenig denkbar wäre dieser deutsche Teilstaat ohne die SED, die die gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen prägte.
Der Band spannt auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse einen facettenreichen Bogen. Dieser reicht von Fragen der Periodisierung, Betrachtungen zu kommunistischen Traditionslinien, Revolutionsvorstellungen und Verfassungsdiskursen bis hin zu biografischen und regionalgeschichtlichen Detailstudien. Repression und Widerstand, Kultur- und Sozialpolitik sowie Spezialprobleme der Besatzungsherrschaft und der SED-Parteigeschichte werden ebenso thematisiert wie das Verhältnis der beiden deutschen Staaten sowie transnationale Bezüge.
Medien für 'Gastarbeiter' in der Bundesrepublik im Spannungsfeld von Außen- und Sozialpolitik
AutorIn: Roberto Sala
Zwischen Propaganda und Integration: Eine unbekannte Seite der Geschichte der Einwanderung. Ist von den ›Gastarbeitern‹ die Rede, kreisen die Gedanken um Themen wie das Leben in Baracken, die Blindheit der Ausländerpolitik oder die Herzlosigkeit der Massenanwerbung. Außerhalb dieser gängigen Opfergeschichte finden die vielschichtigen Geschehnisse der Arbeitsmigration in die Bundesrepublik der 1960er und 1970er Jahre kaum Beachtung. Das Buch rekonstruiert die brisante Geschichte der Rundfunksendungen und Zeitungen, die sich speziell an Einwanderer richteten. Sollten die fremdsprachigen Medien anfänglich die Arbeitsmigranten vor kommunistischen Einflüssen schützen, wurden sie bald zur Zielscheibe der autoritär regierten Herkunftsländer. Obwohl außenpolitische Kontroversen fortwährend auf ihnen lasteten, entwickelten sich aber die fremdsprachigen Medien vor allem zur sozialen Stütze im Alltag der ›Gastarbeiter‹.
Eine politische Biographie des Frankfurter Biophysikers und "homo catholicus im besten und weitesten Sinne"
In der Weimarer Republik war der Frankfurter Biophysiker Friedrich Dessauer »eine der faszinierendsten Gestalten des damaligen deutschen Katholizismus«; R. Morsey rechnet ihn zu den »führenden Politikern und Abgeordneten des Zentrums«. Trotzdem fehlte bislang eine politische Biographie.
Die vorliegende Studie untersucht Dessauers politischen Werdegang und zeichnet dabei die Einflüsse seiner religiösen Prägung und seinen Weg als Firmenchef auf seine politischen Haltungen, Motivationen und Ziele nach. Sie fragt nach seiner Rolle in der Zentrumspartei in Frankfurt und als Reichstagsabgeordneter und geht den Konsequenzen nach, die dem überzeugten Demokraten im Dritten Reich aus seinem politischen Engagement erwuchsen. Sie eröffnet Einblicke in die Geschichte Frankfurts, des deutschen Katholizismus und der Zentrumspartei und zeigt die ambivalente Rolle der Verwaltung im Dritten Reich.
Veteranen der Waffen-SS in de Bundesrepublik
AutorIn: Karsten Wilke
Trotz der Ächtung der SS in den Nürnberger Prozessen schlossen sich Veteranen der Waffen-SS seit dem Ende der vierziger Jahre in so genannten »Hilfsgemeinschaften auf Gegenseitigkeit« zusammen. Von 1959 bis 1992 bestand ein HIAG-Bundesverband, dem phasenweise bis zu 20.000 Personen angehört hatten.
Der Autor untersucht die Geschichte des HIAG-Bundesverbandes vor dem Hintergrund der Geschichte der Vergangenheitsbewältigung in der Bundesrepublik. Im Zentrum steht eine zweifache Fragestellung: Welche Auswirkungen hatten die Debatten zum Nationalsozialismus auf die gesellschaftliche Verortung des Verbandes? Und welche internen Diskussionen und Entscheidungsprozesse gab es dort angesichts einer spezifischen Sozialisation, die die Mitglieder zuvor in der SS durchlaufen hatten?
Erfahrungen, Beziehungen, Konflikte im Vergleich
Über vier Jahrzehnte war die Präsenz amerikanischer und sowjetischer Streitkräfte in Bundesrepublik und DDR fester Bestandteil der Alltags- und Lebenswelt. Systematische und vergleichende Untersuchungen zu diesem Aspekt der deutschen Zeitgeschichte fehlten jedoch bislang.
Mit der Arbeit von Christian Th. Müller wird Neuland betreten. Auf breiter Quellengrundlage wird das komplexe Beziehungsgeflecht zwischen ausländischen Truppen und deutscher Bevölkerung in der gesamten Epoche des Kalten Krieges aus verschiedenen Blickwinkeln plastisch dargestellt. Tiefenbohrungen zu den Standorten Bamberg und Jüterbog ermöglichen dabei die lebendige Nachzeichnung der damit einhergehenden sozialen Praxen, Erfahrungen und Konflikte. So werden die Parallelen, aber auch die Unterschiede von amerikanischer und sowjetischer Truppenstationierung im geteilten Deutschland deutlich.
Die USA und der Nahostfriedensprozeß 1997-2005
AutorIn: Mike Lukasch
Die Bilanz der amerikanischen Politik im Nahostfriedensprozess unter George W. Bush scheint nicht zuletzt wegen des Irakkriegs deutlich negativer auszufallen als die seines Vorgängers Bill Clinton. Aber gab es tatsächlich so gravierende Unterschiede?
Die Analyse der innen- wie außenpolitischen Rahmenbedingungen der amerikanischen Nahostpolitik wird unter anderem durch die Untersuchung der israelischen und palästinensischen Positionen zu einem Gesamtbild des amerikanischen Handlungsspielraums zusammengeführt.
Die Studie zeigt Kontinuitäten und Unterschiede in der Politik der beiden Präsidentschaften auf und ermöglicht so eine differenzierte Darstellung der amerikanischen Rolle im Nahostfriedensprozess.
HerausgeberInnen: Bernhard Chiari und Conrad Schetter
Al Qaida, Taliban, Kaschmir, Atombombe: Mit diesen Begriffen wird Pakistan meist in der medialen Berichterstattung bedacht, was der komplexen Situation im Land keinesfalls gerecht wird.

In Pakistan überlagern sich ethnische, religiöse und soziale Konflikte, die auch das schwierige Verhältnis zu den Nachbarländern Afghanistan und Indien mit bestimmen. Schließlich stellen ein hohes Bevölkerungswachstum, drastische Wasserverknappung und Ressourcenmangel enorme Herausforderungen für den Staat mit der weltweit sechstgrößten Bevölkerung dar. Pakistan gilt als ein Pulverfass, dessen Zukunft nicht allein von regionaler, sondern auch von globaler Bedeutung ist.

Wissenschaftlich ausgewiesene Spezialisten zeichnen im reich bebilderten »Wegweiser zur Geschichte: Pakistan« ein Bild des Landes, das sicherheitspolitische Betrachtungen ebenso umfasst wie eine tiefergehende Analyse der sich überlappenden Gesellschaftsdynamiken. Diese werden aufgrund des Paradigmas des »War on Terror« häufig übersehen. Das Buch beschreibt Pakistan als Gemeinwesen zwischen Moderne und Tradition, zwischen Demokratie, Militärdiktatur und Feudalherrschaft, zwischen Globalisierung und historisch gewachsenen Wirtschafts- und Sozialstrukturen.
HerausgeberInnen: Bernhard Chiari und Magnus Pahl
Ein zuverlässiger Überblick über die Auslandseinsätze der Bundeswehr, ihren Verlauf und ihre Stellung in der nationalen und internationalen Sicherheitspolitik seit dem ersten Einsatz 1960. Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan, sein Zweck und seine Berechtigung werden permanent diskutiert. Dies gilt auch für andere Einsätze. Dieser Diskussion stellt sich das Buch. Es bietet kritische Informationen über Möglichkeiten und Grenzen internationaler bewaffneter Konfliktlösung, über die sicherheitspolitischen Entscheidungsstrukturen in Deutschland, in UNO, NATO und EU, über die Entwicklung der Bundeswehr zur Einsatzarmee, über ihr Selbstverständnis und über den Wandel der Einstellungen der deutschen Gesellschaft zu diesem Fragenkomplex.
Westliche Besatzungszonen und Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1948/49
HerausgeberIn: Annette Mertens
Die Annahme des Grundgesetzes durch den Parlamentarischen Rat am 23. Mai 1949 war die Geburtsstunde der westdeutschen Bundesrepublik Deutschland. Die deutschen Bischöfe stuften die Beratungen in Bonn als »Schicksalsstunde« ein, in der das Selbstverständnis der künftigen Demokratie und die Grundpositionen der katholischen Kirche im politischen und gesellschaftlichen Leben des neuen deutschen Staates festgelegt wurden. In vielen Eingaben und Gesprächen hoben die Bischöfe den kirchlichen Standpunkt in Fragen von Schule und Erziehung, Ehe und Familie sowie des Verhältnisses von Kirche und Staat heraus, wobei der Einfluß der katholischen Kirche keineswegs so weit reichte, wie gemeinhin angenommen wird. Der beauftragte Kirchenvertreter, der Kölner Prälat Wilhelm Böhler, machte sich aber um die grundgesetzliche Sicherung des Rechts auf Leben, die freie Religionsausübung, den Schutz von Ehe, Familie und Religionsunterricht sehr verdient. Der deutsche Episkopat sah sich auch 1948/49 mit den Folgen von Diktatur und Zweitem Weltkrieg konfrontiert. Ihren seelsorglich motivierten Einsatz für die Opfer von Flucht und Vertreibung, ihre stillen Interventionen für Kriegsgefangene und Internierte, aber auch ihren Protest gegen unrechtmäßige Entnazifizierungsverfahren verstanden die Bischöfe als Fürsprache für das ganze deutsche Volk. Mehr als 300 bislang unveröffentlichte und kritisch kommentierte Dokumente ermöglichen einen unmittelbaren Einblick in das politische wie gesellschaftliche Denken und Handeln der katholischen Kirche an der Nahtstelle zwischen alliierter Besatzung und junger Bundesrepublik.