AutorIn: Klaus Stein
Der idealistischen Suprematie des Geistes über die Natur hatten die Frühromantiker deren Gleichursprünglichkeit entgegen gesetzt. Entscheidend war dafür ein neues, dynamisches Verständnis von Natur. Anhand aktueller empirischer Befunde, wie etwa der galvanischen Phänomene, sollte sich zeigen, dass die gleiche Form, welche das Selbstbewusstsein prägt, sowohl in der Natur wirkt als auch die Poesie ermöglicht. Die Form der Reflexion selbst oder das Auseinandergehen in einen vermittelten Gegensatz, der die Potenz, sich selbst zu überschreiten, in sich birgt, wurde als Zeichen in den Phänomenen erkannt. Dieser Prozess wird hier in verschiedenen Phänomenbereichen rekonstruiert. Dabei liegt der Schwerpunkt in der Interpretation wenig bekannter naturphilosophischer Texte des romantischen Dichters Achim von Arnim in seiner diskursiven Beziehung zu Johann Wilhelm Ritter und Schelling. Eingebettet wird die Rekonstruktion des frühromantischen Diskurses in den zeitgenössischen naturwissenschaftlichen und philosophischen Kontext. Die Hauptthese ist, dass in der Frühromantik versucht wurde, Spekulation und Erfahrung nicht zu versöhnen, sondern zentrale spekulative Inhalte in der Erfahrung selbst nachzuweisen. Das Buch bietet neue Einblicke in das Innere der heute vornehmlich poetisch wahrgenommenen Frühromantik, die ein weit gespanntes Forschungsprogramm erkennen lassen. Ergänzt wird dieser Gang durch die spekulativ gefärbte Landschaft einer entstehenden empirischen Naturwissenschaft durch Interpretationen weniger bekannter Schriften aus dem frühromantischen Umfeld und Transkriptionen von Vorträgen Ritters in Gotha und des Chemikers Scherer in Jena.
Zu Fichtes Wissenschaftslehre in den Versionen 1794/95, 1804/II und 1912
AutorIn: Andreas Schmidt
In Fichtes Wissenschaftslehre wird die Autonomie der einen praktischen Vernunft zum unhintergehbaren Grundprinzip, das alle Operationen des Geistes bestimmt. Ziel dieses Buches ist es zu zeigen, dass dieser Grundgedanke sowohl Fichtes Frühphilosophie als auch seiner – noch kaum verstandenen – Spätphilosophie den Charakter eines „Systems der Freiheit“ verleiht.
Was garantiert den Bestand des Staates und das Fortleben der Gesellschaft? Dieser heute wieder so drängenden Frage hat der italienische Philosoph Antonio Rosmini (1797-1855) sein politisches Hauptwerk 'Philosophie der Politik' gewidmet. Er entwickelt das Modell der zivilen Gesellschaft, die freiheitlich, aber auch bindungsfähig, fortschrittlich, aber auch traditionsbewusst sein soll. Vor allem erinnert Rosmini daran, dass Staat und Politik keinen anderen Zweck haben, als dem Glück des Menschen zu dienen, indem sie die Rahmenbedingungen für dessen Entfaltung sicherstellen. Rosmini erarbeitet seinen Gesellschaftsentwurf in Auseinandersetzung mit den Klassikern der Geschichte der politischen Ideen von Platon bis Tocqueville und den Frühsozialisten. Dabei entfaltet er ein Gedankengebäude, das Überlegungen zum Ursprung und zu den Entwicklungsgesetzen des Staates ebenso umfasst wie eine eingehende Analyse des Phänomens „Revolution“. Die Ausgangsfrage nach den Stabilitätsgarantien für das politische Gemeinwesen führt ihn auf diese Weise weiter in die Kulturgeschichte und Kultursoziologie, aber auch in die Kritik bestimmter Tendenzen der modernen Welt, die er als inhuman entlarvt. Rosmini, über dessen politisches Denken es in Deutschland keinerlei Studie gibt, wird hier als großer europäischer Denker wiederentdeckt.
Zur Interpretation und Rezeption der Saraerzählung
HerausgeberIn: Rainer Kampling
Die Erzmütter – sie schienen bislang neben den Erzvätern Abraham, Isaak und Jakob in der christlichen Theologie ein Schattendasein zu führen. Wenn hier die Figur der Sara, der Frau des Abraham, aus diesem Schatten ins Licht gestellt wird, so ist das mehr als eine Art „Ehrenrettung“ durch die Exegese, sondern geradezu ein Blick in ein Stück Geschichte abendländischer Kultur, bzw. – denkt man an die Sara-Rezeption im Dritten Reich – Unkultur. Bislang wurde Sara, die Stammmutter Israels, die von Gott wundersam Begnadete, die bei der Ankündigung dieser Begnadung unwillkürlich in Lachen ausbricht, vielfach nur als Ehefrau wahrgenommen, aber nicht als eine der – wie neuere exegetische Untersuchungen zeigen – zentralen Figuren der Genesis. In den hier vorgelegten Untersuchungen gewinnt der kulturelle Kontext der Sara-Erzählung (Genesis 18) eine eigene Bedeutung, wird u.a. die Lebenssituation von Frauen im Alten Orient rekonstruiert. Dass dabei der androzentrische Blick auf die Bibel entlarvt und kritisiert wird, versteht sich von selbst. Die unterschiedliche Rezeption der Sarafigur bei Philon von Alexandria, im Neuen Testament und in rabbinischen Texten lässt bereits erkennen, wo die Gründe der abweichenden Wahrnehmung liegen. Die Ausblicke in die spätantike und mittelalterliche Bibelauslegung verdeutlichen die Probleme nochmals. Sie haben sich – wie hier nachgewiesen – auch in der bildenden Kunst niedergeschlagen. Erst in der Neuzeit beginnt sich die Wahrnehmung zu ändern: Sara tritt stärker ins Bewusstsein. Dazu gehört auch – unter negativem Vorzeichen – die Verächtlichmachung des Namens durch die nationalsozialistischen Verbrecher. Aber dieser Schändlichkeit zum Trotz: Sara kann immer mehr als Modell und Identifikation einer erneuerten theologischen Reflexion in Judentum und Christentum gesehen werden.
100 Jahre Rheinisch-Westfälische Gesellschaft für Innere Medizin 1903-2003
HerausgeberInnen: Burkhard May, Georg Strohmeyer und Klaus Becker
Am 11. Oktober 1903 wurde in Köln die "Rheinisch-Westfälische Gesellschaft für Innere Medizin und Nervenheilkunde" gegründet. Ihre nun 100jährige Geschichte ist auch die Geschichte der Inneren Medizin im Rheinland und in Westfalen. Vor dem Hintergrund der stürmischen Entwicklung der Inneren Medizin, von einer Erfahrungsmedizin zur wissenschaftlich fundierten modernen klinischen Medizin, werden die Veränderungen und Fortschritte der ärztlichen Versorgung der Bevölkerung dargestellt. Die internistische Fachgesellschaft hat die Fortschritte laufend aufgenommen und verbreitet und war über hundert Jahre Promotor und Multiplikator der neuen Erkenntnisse, die dem Wohl der Patienten dienten. Das Buch informiert auch über die Geschichte der Universitätskliniken und der Lehrkrankenhäuser für die Aus- und Weiterbildung des medizinischen Nachwuchses. Aus allen Regionen des Landes wird darüber hinaus das Schicksal verschiedener kommunaler und konfessioneller Krankenhäuser vorgestellt. In der Geschichte der Rheinisch-Westfälischen Gesellschaft spiegeln sich auch die gewaltigen politisch, sozial-medizinisch und ethisch wechselvollen Verläufe der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert wider. Die Gesellschaft hat die Herausforderungen der letzten 100 Jahre angenommen und wird auch die kommenden Aufgaben im 21. Jahrhundert im Vertrauen auf ihre Stärke meistern.
HerausgeberInnen: Hans Maier und Michael Schäfer
Band I: Konzepte des Diktaturvergleichs. 1995. 442 Seiten (978-3-506-76825-4) Band II: Konzepte des Diktaturvergleichs II. 1997. 372 Seiten (978-3-506-76826-1) Band III: Deutungsgeschichte und Theorie. 2003. 438 Seiten (978-3-506-76829-2)
AutorIn: Vittorio Hösle
Vittorio Hösle, der hier zentrale Aufsätze zu Platon vorlegt, ist einer der bekanntesten deutschsprachigen Philosophen der Gegenwart. Kein Philosoph – so Hösle – ist wohl bedeutender als Platon, keiner schwerer zu interpretieren. Die in diesem Band versammelten Texte nehmen zuerst einmal Abstand vom Platonischen Oeuvre, um die verschiedenen Arten des Zugangs zu ihm, die Möglichkeiten des Genres des Dialoges, das Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit grundsätzlich zu klären. Auf dieser Grundlage wird dann Platons komplexe und moderne Philosophie der Mathematik systematisch ausgewertet. In der Diskussion um Platons „Esoterik“ will dieses Buch durch einen Rückgang auf die allgemeine Hermeneutik einerseits, durch die Berücksichtigung der mathematischen Forschungen der Akademie andererseits einen neuen interpretativen Zugang zu der Platonischen Philosophie freilegen. Es spannt einen Bogen von dem geistesgeschichtlichen Hintergrund Platons bis zum Weiterwirken seines Denkens im Neuplatonismus, bei Schleiermacher und im neuen Platonbild des 20. Jahrhunderts.