Eine bayerische Stadt und der preußisch-deutsche Militarismus
Der preußisch-deutsche Militarismus war spätestens zu Beginn des Ersten Weltkriegs im Denken und im alltäglichen Leben der meisten Deutschen fest verwurzelt. Das war noch zu Beginn des Kaiserreichs nicht ohne weiteres zu erwarten gewesen, insbesondere nicht in Bayern, das eine andere Tradition und ein anderes, dis-tan-zierteres Verhältnis zum Militär hatte als die preußische Vormacht. Dem Mentalitätswandel allem Militärischen gegenüber, der sich auch in Bayern nach der Reichsgründung vollzog, geht diese Studie detailliert nach. Sie tut das exemplarisch anhand des öffentlichen Diskurses über Wehrfragen, Wehrpflicht, 'Wehrhaftigkeit' und Militär, der in der mit mehreren Regimentern belegten Garnisons,- Bürger- und katholischen Bischofsstadt Bamberg seit Mitte des 19. Jahrhunderts geführt wurde, in Militärkreisen selbst, in Vereinen und Kirchen, in Schulen, Behörden und in der Presse. Die aufschlussreiche Studie endet mit den Folgen der Restriktionen von 'Versailles', als das Thema 'Wehrhaftigkeit' zusehends von der völkischen Rechten besetzt wurde.
Görres’ Briefe der Münchner Zeit umfassen den Zeitraum von Ende 1827 bis zu seinem Tod 1848, also die letzte Phase seines facetten-reichen Lebens, in der er als Pro-fessor für 'Allgemeine und Litte-rär-geschichte' an der Univer-si-tät München wirkte und zum Vor-kämp-fer und Sprachrohr des Katho-lizismus in Deutschland wurde. Der Briefband, der mehr als 250 Briefe von Görres an verschiedene Adressaten umfasst, darunter etwa 100 bisher unveröffentlichte Stücke, bietet nicht nur Einblicke in den biographischen Kontext und die Genese der Werke der Münchner Zeit und ein Abbild des reichen Beziehungsgeflechts, das Görres mit Persönlichkeiten in ganz Deutschland und darüberhinaus verband, sondern auch einen intimen Blick auf den Menschen Görres, auf seine Familie und seinen Freundeskreis. Daneben bietet die Ausgabe über 500 zum Großteil bisher unveröffentlichte Briefe an Görres in Kurzregesten.
Diplomatie und Kriege der Republik Florenz im 15. Jahrhundert
AutorIn: Heinrich Lang
In der Renaissance wurde Florenz zu einem wichtigen Akteur auf der machtpolitischen Bühne Italiens. Die Medici stiegen von einer Bankiersfamilie zu Herren der Stadt auf. Sie flochten enge Verbindungen zu den italienischen Fürsten und besonders zu den condottieri, den schillernden Spielern auf einem Gewaltmarkt, dessen Gefahren privatisierter Kriegführung durch die zwischenstaatlichen, von Bankiers, Juristen und Diplo-maten getragenen Beziehungen eingedämmt wurden. Über diese Netzwerke zwischen Krieg und Geschäft sicherten sich die Medici nicht nur die Macht, über sie verbreitete sich auch die Kultur der Renaissance. Am Beispiel der Außenverflechtungen Florenz’ unter Cosimo de’ Medici dem Alten (1389–1464) zeigt Lang, wie eine Gruppe von Mittels-männern, Agenten und Maklern das prekäre Staatengefüge Italiens stabilisierte. Diplomatische und militärische Außenpolitik erweisen sich dabei, im Sinne von Machiavelli, als personell und institutionell un-trennbar
Ein deutscher Reichskanzler
AutorIn: Volker Stalmann
Dies ist die fesselnde Biographie eines Mannes aus fränkischem Hochadel, der die Geschicke deutscher Politik im 19. Jahrhundert jahrzehntelang mitgestaltet hat, zunächst als bayerischer Ministerpräsident nach dem deutsch-österreichischen Krieg von 1866, dann als Abgeordneter im neuen Reichstag, als langjähriger deutscher Botschafter in Paris, als Statthalter in Elsass-Lothringen und schließlich als dritter deutscher Reichskanzler nach Bismarck und Caprivi (1894-1900). Volker Stalmann rekonstruiert einfühlsam und mit großem Gespür für Nuancen das Leben einer faszinierenden Persönlichkeit, die zu den beeindruckendsten des deutschen Adels im 19. Jahrhundert zählt.
Ein völkischer Nationalist (1863-1949)
AutorIn: Stefan Frech
Theodor Reismann-Grone war zusammen mit Alfred Hugenberg Gründer des Alldeutschen Verbandes, der 'Speerspitze' des völkischen Nationalismus im Kaiser-reich. Bis in den Ersten Weltkrieg hinein blieb er einer seiner einflussreichsten Exponenten. Auch der junge Hitler rezipierte seine antisemitisch-imperialistischen Schriften. Als Publizist und Zeitungsverleger führte Reismann-Grone nach 1918 einen erbitterten Kampf gegen die Weimarer Republik. Seine Blätter zählten zu den radikalsten der bürgerlichen Rechten im Reich. 1933 wurde er der erste NS-Oberbürgermeister der Stadt Essen. In dieser Funktion sorgte er für die Vertreibung Paul Klees aus Deutschland. 1937 musste er wegen einer Steueraffäre zurücktreten. Stefan Frech legt nun die erste Biographie dieses 'Wegbereiters Hitlers' (wie er selbst sich sah) vor. Der Autor konnte auf einen einmaligen Quellenbestand zurückgreifen, schrieb doch Reismann-Grone sein Leben lang Tagebücher. Frech gelingt es, mit seiner Biographie exemplarisch die Kontinuitäten und Brüche in der Geschichte des bürgerlichen radikal völkisch-antisemitischen Nationalismus vom Kaiserreich bis ins 'Dritte Reich' aufzuzeigen, die ideologischen Gemeinsamkeiten mit dem Nationalsozialismus ebenso wie die sozial und generationsbedingten Spannungen zwischen den 'alten' und den 'neuen' Völkischen.
Kriegsinvalidität und Körperbilder 1914-1923
AutorIn: Sabine Kienitz
Die öffentlich sichtbare Figur des Kriegsinvaliden ge--hört zu den schockierenden Folgen des Ersten Welt-kriegs. Allein in Deutschland waren es rund 2,7 Mil-lio-nen Männer aller Altersstufen und Gesellschafts-schich-ten, die als hilflose menschliche Wracks den Krieg überlebten. Als ein lebendiges Relikt des Krieges war der Kriegs-invalide ein offenes Symbol, das je nach Perspektive und Interessenlage unterschiedlich gedeutet werden konnte: Er verkörperte die militärische Niederlage und diente Pazifisten als Mahnung wie gleichermaßen Revanchisten und Kriegstreibern als Option. Mit seinen industriell gefertigten Prothesen war er zugleich ein nationales Symbol für den Sieg deutscher Ingenieurskunst und die medizinisch-technische Überwindung der Kriegsfolgen.
HerausgeberInnen: Lothar Gall und Ulrich Lappenküper
Dass der preußische Ministerpräsident und deutsche Reichskanzler im Kaiserreich die alleinige Verant-wor-tung für die Regierungspolitik besaß, ist bekannt. Wie er diese Gesamtleitung konkret ausübte, welchen Einfluss seine Mitarbeiter auf seine Politik hatten, wissen wir weit weniger genau. Der Fundamentalfrage: 'War Bismarcks Politik Bis-marcks Politik?' geht der von namhaften Bismarck-experten und einer Reihe jüngerer Wissenschaftler verfasste Band nach. Ihre Beiträge befreien Bismarcks Persönlichkeit aus der historischen Isolierung und liefern zahlreiche Anregungen für zukünftige For-schungen. Sie begnügen sich nicht damit, die Bio-graphien seiner Mitarbeiter nebeneinander zu stellen, sondern fragen in vergleichender Perspek-tive, welche Spezifika die Ministerialbeamten, Diplomaten und Publizisten aus Bismarcks Umfeld in Bezug auf Herkunft, Alter, soziologische Struktur und Werdegang besaßen. Dabei wird deutlich, dass die auf einem klar begrenzten Tätigkeitsfeld eingesetzten Mitarbeiter keine homogene Einheit bildeten. In der Außen-poli-tik, die der Kanzler als seine Domäne begriff, übten sie weit weniger Einfluss aus als in der Innenpolitik. Und auch dort gab Bismarck die Regierungsgeschäfte nie ganz aus den Händen, versuchte vielmehr seit Beginn der 1880er Jahre der Erosion seiner Machtstellung durch eine 'alternative Personalpolitik' (Lothar Gall) entgegenzuwirken.
Internationale Beziehungen 1450-1559
Expansion und Hegemonie charakterisieren die europäische Entwicklung von 1450 bis 1559. In diesen Jahrzehnten leitete die Expansion Portugals und Spaniens nach Afrika, Asien und Amerika einen irreversiblen Prozess ein, in dem man eine frühe Phase von Globalisierung sehen kann. Der ursächliche Zusammenhang mit der zunehmenden Bedrohung Europas durch die Expansion des Osmanischen Reiches ist dabei unverkennbar. Innerhalb Europas waren Tendenzen zu hegemonialen Herrschaftsformen zu beobachten; sie hatten allerdings nur eine kurze Konjunktur und konnten die pluralistische Entwicklung der europäischen Staatenwelt und den Aufstieg der Monarchien zwar verzögern, auf Dauer jedoch nicht verhindern. Der neue Band des HGIB geht diesen Entwicklungen im Detail nach: den Beziehungs- und Handlungsräumen des Heiligen Römischen Reiches, denen der europäischen Königreiche, Fürstentümer und Republiken, ihren wirt-schaft-lichen Ressourcen und militärischen Möglichkeiten für die Austragung von Konflikten innerhalb der 'Christianitas' ebenso wie für die Abwehr der osmanischen Expansion, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreichte, und den Auseinandersetzungen um die Hegemonie in Europa. Aber auch der Umgang der Staaten untereinander und neue Formen der politischen Kommunikation nach innen und nach außen werden thema-tisiert, wie etwa die Entstehung der modernen Diplomatie und der Buchdruck als neues hocheffektives Mittel, Fremd- und Feindbilder zu mobilisieren und propagandistisch zu instrumentalisieren.
Die Balkankriege und die öffentliche Meinung in Deutschland, England und Irland 1876-1913
Eine Studie zur medialen Wahrnehmung von Krieg und Gewalt auf dem Balkan, wo sich im Vorfeld des Ersten Weltkrieges die Kriegsrealität des 20. Jahrhunderts ankündigte. Ohne Krieg keine Nation und kein Nationalstaat - das wurde im 19. Jahrhundert zu einer europäischen Erfahrung. Die Nation sprach vom Volkskrieg, doch die Staaten suchten ihn im Stil eines Kabinettskrieges zu führen. Der Krieg sollte möglichst nicht auf die Zivilbevölkerung übergreifen.
Die erste wissenschaftliche Biographie des engsten Mitarbeiters Bismarcks in der Reichsgründungszeit, der viel mehr war als 'Bismarcks Feder', wie manche ihn abschätzig genannt haben. Als Erster Rat der Politischen Abteilung nahm Abeken einen besonderen Rang ein. In der labyrinthischen Schleswig-Holstein-Frage bereitete er Bismarcks ersten durchschlagenden Erfolg vor. Als bevorzugter Reisebegleiter Wilhelms I. wurde Abeken unersetzbarer Koordinator zwischen dem König und seinem Ministerpräsidenten. In Bad Ems 1870 und in Versailles erlebte Abeken den Höhepunkt seiner politischen Wirksamkeit.