Bestandsaufnahme und Perspektiven
HerausgeberInnen: Peter Koch und Oliver von Wrochem
Die Bundeswehr stellt in den meisten bundesdeutschen Gedenkstätten, die an NS-Unrecht erinnern, die zweitgrößte institutionelle Besuchergruppe. Dennoch ist das Verhältnis zwischen ihr und den Gedenkstätten keineswegs frei von Spannungen, obschon diese akzeptierte Lernorte der Gesellschaft geworden sind. Das Buch fragt, warum dies so ist, und zieht eine Bilanz dieses historisch-politisch bedeutsamen, aber noch weitgehend unerforschten Themas von den 1950er Jahren bis zur Gegenwart. Es stellt zugleich Grundzüge einer Zusammenarbeit zwischen Gedenkstätten und Bundeswehr sowie offene Fragen und Herausforderungen für die historisch-politische Bildungsarbeit beider Institutionen vor. Der Band zeichnet sich dadurch besonders aus, dass er von Angehörigen der Bundeswehr und von Vertretern der Gedenkstätten gemeinsam verfasst wurde. Das ermöglicht, das Wechselverhältnis von Geschichtspolitik, Erinnerungskultur und historisch-politischer Bildungsarbeit aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten.
Der Verband der Heimkehrer, die ehemaligen Kriegsgefangenen und die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft
Der Verband der Heimkehrer zählte zu den mitgliederstärksten Veteranenverbänden in der Bundesrepublik. Als Interessenvertretung ehemaliger Kriegsgefangener gelang es ihm, insbesondere in den 195er Jahren erheblichen politischen Einfluss geltend zu machen und die Heimkehrer in das Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken. Die Studie bettet seine Aktivitäten in den Kontext des politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Demokratisierungsprozesses ein. Sie fragt nach den Mechanismen der Integration der Heimkehrer in die neu entstandene Demokratie und nach den Kosten, die diese Integration mit sich brachte.
Politische Anti-Terror-Konzepte in der Bundesrepublik Deutschland während der 1970er Jahre
AutorIn: Stephan Scheiper
Die erste umfassende und tief gehende historische Analyse der Terrorismus bekämpfung in den 70er Jahren, die sich methodisch und inhaltlich in neue Bereiche vorwagt. Auf der Grundlage umfangreicher Aktenmaterialien aus dem »Herzen des Staates« ist es Stephan Scheiper gelungen, den fundamentalen Wandel staatlichen Handelns, der in den 1970er Jahren mit der Terrorismusbekämpfung und dem politischen Konzept der Inneren Sicherheit einherging, herauszuarbeiten. In einer historischen Tiefenbohrung, die sich u.a. den Hauptakteuren wie Helmut Schmidt, Werner Maihofer und Horst Herold widmet, macht er deutlich, aus welchen Erfahrungshorizonten staatliches Handeln in der Bundesrepublik jener Zeit gespeist war und im Kontext welcher langfristigen Entwicklungen seit dem 19. Jahrhundert dies ablief.
Juliane Schütterle schildert ebenso anschaulich wie detailliert den Arbeitsalltag und die Lebenswelt der Uran-Kumpel. Über 40 Jahre lang förderte die Wismut AG Uranerz für die sowjetische Atomindustrie. 1947 von Geheimdienstoffizieren Stalins im Erzgebirge gegründet, entwickelte sich der streng abgeschirmte Bergbau zu einem der größten Industriebetriebe der DDR. Er besaß ein eigenes Netz von Transport-, Zulieferer- und Baubetrieben, eine Handelsorganisation, ein eigenes Gesundheitswesen sowie eigenständige Abteilungen von Partei, Gewerkschaft, Staatssicherheit und Polizei. Die Belegschaft genoss besondere Privilegien. Das Buch bietet eine erste ausführliche Analyse dieser erstaunlichen »Parallelwelt« und der mit ihr verbundenen Sozialpolitik.
Erinnerungen eines Juristen vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik Deutschland
Paulus van Husen (1891–1971), Jurist und Staatsdiener, hat Erinnerungen hinterlassen, die ein ereignisreiches Leben dokumentieren: als preußischer Staatsbeamter, Mitglied der Völkerbundkommission für Oberschlesien, Richter am Preußischen Oberverwaltungsgericht und Reserveoffizier im Oberkommando der Wehrmacht. Als Mitglied des Kreisauer Kreises nach dem 20. Juli 1944 verhaftet, überlebte er nur durch glückliche Fügung. 1945 zählte er zu den Mitbegründern der CDU in Berlin und war von 1949 bis 1959 als Präsident des Oberverwaltungsgerichts sowie des Verfassungsgerichtshofs höchster Richter des Landes Nordrhein-Westfalen. Van Husen wuchs im Kaiserreich auf. Die katholische Lebenswelt im westfälischen Münster prägte ihn nachhaltig. Sein Lebensweg führte von dort über die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs nach Oberschlesien und im Dritten Reich nach Berlin. Zu Beginn der Bundesrepublik kehrte er in seine Heimatstadt zurück. Der Einblick in dieses bewegte Leben ist außergewöhnlich lehrreich und gleichzeitig vergnüglich, weil van Husen in Fragen von Politik, Gesellschaft und Kirche sehr selbstbewusst klare, pointierte Positionen bezieht. Seine autobiographischen Erinnerungen spiegeln mehr als ein halbes Jahrhundert deutscher Zeitgeschichte aus der Sicht eines engagierten Katholiken wider.
Kirche, Politik und Gesellschaft im geteilten Deutschland 1945-1963
AutorIn: Martin Greschat
Die erste zusammenfassende Darstellung der Rolle, des Einflusses und des Selbstver-ständnisses des Protestantismus in beiden deutschen Staaten von 1945 bis zum Be-ginn der sechziger Jahre. Den Ausgangspunkt der Darstellung bildet der tief greifende ideologische und politische Gegensatz zwischen den USA und der UdSSR. Aus dieser Rivalität resultierten die Gründung zweier deutscher Staaten und ihr jeweiliger Aufbau mitsamt der kontrollierenden Begleitung durch die Siegermächte. Innerhalb dieses Rahmens bewegte sich der Protestantismus, im Osten wie im Westen Deutschlands. Er trug mit Zustimmung, aber auch mit Widerspruch zur Formung der Bundesrepublik wie der DDR bei. Erstmals werden hier sein Einwirken auf die Vor-gänge in beiden deutschen Staaten geschildert, sein gemeinsames kirchliches, politi-sches sowie gesellschaftliches Agieren und schließlich die zunehmende Konzentration auf die Herausforderungen, die sowohl seitens der Bundesrepublik als auch der DDR an ihn gestellt wurden. Dabei handelte es sich um einen ausgesprochen komplexen und spannungsreichen Prozess: Denn der Protestantismus gehörte in den fünfziger Jahren zu den entschiedensten Anwälten der Wiedervereinigung Deutschlands, er för-derte aber durch seine Bemühungen um das konkrete Wohl der Menschen unter den jeweiligen politischen Bedingungen die Herausbildung getrennter Entwicklungen. Auf diesem Hintergrund zeichnet das lebendig geschriebene Buch ein Bild der an Gemeinsamkeiten wie auch Konflikten und Widersprüchen reichen, keineswegs steri-len fünfziger Jahre in der Bundesrepublik und in der DDR.
Biographisches Lexikon der Sekretäre der Landes- und Bezirksleitungen, der Minister-präsidenten und der Vorsitzenden der Räte der Bezirke 1946 bis 1989
AutorIn: Andreas Herbst
HerausgeberInnen: Mario Niemann und Andreas Herbst
Das erste komplette Nachschlagewerk über das regionale Funktionärskorps der SED zwischen der Gründung im April 1946 und dem faktischen Ende der Partei im Dezember 1989. Das Lexikon bietet 543 Kurzbiographien der 1. und 2. Vorsitzenden der Landesvorstände bzw. 1. und 2. Sekretäre der Landesleitungen der SED, der Ministerpräsidenten der Länder und der hauptamtlichen Sekretäre der Bezirksleitungen und der Gebietsleitung Wismut sowie der Vorsitzenden der Räte der Bezirke mit Angaben zu ihrer Herkunft, ihrer beruflichen und politischen Entwicklung, ihren Funktionen sowie zu ihrem weiteren Werdegang nach 1989/90. Ein aufschlussreiches Werk zu Kontinuität und Wandel sowie Erfolg und Misserfolg der Kaderpolitik der SED-Führung.
Friedenspolitiker und Nationalist
AutorIn: Tamar Amar-Dahl
Der Weltpolitiker Shimon Peres gehört zu den außergewöhnlichsten und kontroversesten Figuren des Zeitgeschehens: Der »ewige Politiker« prägte das zionistische Projekt sowie die israelische Politik und Geschichte seit den 1950er Jahren bis heute wie kein anderer. Ebenso souverän wie scharfsinnig schildert und deutet die Autorin ein scheinbar widersprüchliches Leben: Der Friedensnobelpreisträger ist zugleich Vater der israelischen Atomstreitmacht; der Zivilpolitiker prägte das militarisierte Israel; der »Mann des Friedens« steht für Israels Tragik der Friedensunfähigkeit. Peres’ politischer Werdegang erzählt die Geschichte der Durchsetzung des Zionismus und gleichzeitig seines Scheiterns; er verkörpert das politische Ringen um Sicherheit und Legitimität, verrät aber ein Israel, das eine politische Lösung mit den Palästinensern längst aufgegeben hat. Auf der Grundlage auch kaum bekannter Quellen wirft diese intellektuelle Biographie ein neues Licht auf die politische Kultur Israels und auf einen der schwierigsten Konflikte des 20. und 21. Jahrhunderts.
Eine transnationale Beziehungsgeschichte
AutorInnen: Anna Lipphardt und Anna Lipphardt
Auf der Suche nach dem Jerusalem Litauens - Begegnungen in New York, Tel Aviv und Vilnius.
In der allgemeinen Wahrnehmung endet die Geschichte der osteuropäischen Juden mit dem Holocaust. Die vorliegende Studie stellt hingegen ihre facettenreiche Nachkriegsgeschichte in den Mittelpunkt. Sie folgt den Vilner Überlebenden auf dem Weg aus dem sowjetischen Vilnius über die Transit-Stationen in Polen und den DP-Lagern bis in die Aufnahmeländer - und kehrt schließlich zurück in die litauische Hauptstadt, wo erst 1991 wieder eine jüdische Gemeinde gegründet wurde. Indem sie osteuropäisch-jüdische Geschichte, Migrationsforschung, Erinnerungstheorie und empirische Kulturwissenschaft verbindet, bringt sie uns eine vielschichtige Lebenswelt jenseits des Shtetl-Klischees nahe und entwirft ein differenziertes Bild jüdischer Kultur-, Erinnerungs- und Trauerarbeit.
Das kriegsgediente Offizierkorps der Bundeswehr und die Innere Führung 1955-1970
AutorInnen: Volker Manz und Frank Pauli
Bei der Aufstellung der Bundeswehr 1955 griff die Bundesregierung auf 13.000 Wehrmachtsoffiziere zurück, von deren Führungs- und Kampferfahrungen im Zweiten Weltkrieg sich auch die NATO eine entscheidende Stärkung der Verteidigung Westeuropas versprach. Die Rol-le dieser Offiziere in der Truppenführung der neuen Armee untersucht dieses Buch. Der Autor konzentriert sich auf die Konzipierung und Durchführung der Inneren Führung, des Instruments für die Integration der Bundeswehr in die junge Demokratie. Ein homogenes kriegsgedientes Offizierkorps existierte nicht. Es gab noch von der Reichswehr geprägte Offiziere, es gab Offiziere, die zwischen 1933 und 1939 ausgebildet worden waren, und es gab die 'Kriegs'-, 'Volks'- und 'Tapferkeitsoffiziere' der Jahre 1939–1945. Ihr unterschiedlicher Erziehungs- und Erfahrungshintergrund führte zu unterschiedlichen, gruppenspezifischen Verhaltensweisen bei Aufstellung und Führung der ihnen unterstellten Truppenteile. Der Autor entwickelt aus seinen Befunden ein anschauliches Bild des mentalen Gefüges der Gründergeneration der Bundeswehr vor dem Hintergrund der Inneren Führung.