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Eine byzantinische Ikone und ihre tausendjährige Geschichte
Das sogenannte Lukasbild des Freisinger Diözesanmuseums gehört zu den kostbarsten byzantinischen Kunstwerken in Bayern. Zahlreiche Wissenschaftler aus unterschiedlichen historischen und kunsttechnologischen Spezialgebieten haben sich mit ihrer Entstehung, Veränderung und abenteuerlichen Geschichte beschäftigt.

Beiträge eines internationalen Symposiums mit Spezialisten aus Geschichte und Kunstgeschichte, Theologie und Byzantinistik rekonstruieren die mit der Ikone verknüpften Ambitionen. Sie widmen sich u.a. dem Phänomen der Ikone und ihrer wundersamen Entstehung, der Aussagekraft einer Bildreliquie als Kultbild sowie der Frage nach ihrer Einbettung in westliche Repräsentationsformen. In einem internationalen Projekt wurden die Ikone und ihr mit Emailarbeiten kostbar geschmückter Silberbeschlag mit neuesten kunsttechnologischen Methoden untersucht.
Die "Technological Reliquaries" von Paul Thek und die christliche Reliquientradition
Author: Lena Tacke
Paul Theks Werkgruppe der „Technological Reliquaries“ rekurriert auf die Bildsprache von Reliquie und Reliquiar, bricht aber mit deren traditioneller Gestaltungsform. Die künstlerische Bedeutungsverschiebung ist aufschlussreich für ein zeitgemäßes theologisches Verständnis der Reliquienverehrung.

Der US-amerikanische Künstler Paul Thek (1933–1988) stellt seine Werke in die Rezeptionsgeschichte der christlichen Reliquientradition. Die Werke gestalten die Verflechtung von Bild und Körper neu und bringen dadurch die aktuellen Körper- und Bilddiskurse von Theologie und Kunst miteinander ins Gespräch. Die Kunstwerke zeigen sich als fruchtbar für das theologische Nachdenken über Reliquie und Reliquiar, ebenso wie die theologische Perspektive zu einem vielschichtigen Verständnis der Werke Paul Theks beiträgt.
Diskurse aus historischer, systematischer und praktischer Sicht
Die soziale und politische Wirkmächtigkeit und die Konflikthaftigkeit von religiösen Überzeugungen erfordern es, das Verhältnis von Religion und Bildung neu zu reflektieren.
Setzt Religion nicht gerade Bildung voraus, wenn sie sich nicht in der Spiritualisierung psychischer oder sozialer Probleme erschöpfen will? Und wenn ja, um welche Form von Bildung handelt es sich? Genügt eine sog. Allgemeinbildung für einen adäquaten Umgang mit Religion oder ist ein umfassenderer Bildungsbegriff heranzuziehen, der kognitive, ästhetische, emotionale und spirituelle Aspekte nochmals in sich zu integrieren vermag? Das Verhältnis von Bildung und Religion wird aus biblisch-theologischer, historisch-kulturwissenschaftlicher, systematischer, humanwissenschaftlicher und interreligiöser Perspektive reflektiert, um Ansätze, Begegnungs- und Konfliktfelder zu verdeutlichen.
Täglich hört man von Unternehmen, die Abgaswerte manipulieren, Firmenbilanzen fälschen oder Hühnereier mit Giftstoffen versetzen. Unternehmen scheuen sich nicht, in ihren Betriebsstätten in Indien oder Bangladesch Kinderarbeit einzusetzen oder Textilarbeiterinnen mit Hungerlöhnen abzuspeisen.

Immer lauter wird daher der Ruf nach verantwortlicher Unternehmensführung. Wo der Regelrahmen der Sozialen Marktwirtschaft nicht oder nur unzureichend greift, ist die individuelle Moralität von Managern gefragt. Was aber könnten diese konkret tun? Was hat die Christliche Sozialethik zu diesen Problemen beizutragen? Und ist letztlich nicht doch alles nicht nur ein frommer Wunsch? Sind Unternehmen, die im Konkurrenzkampf gegen profitstrebende Wettbewerber nicht untergehen wollen, nicht sogar gezwungen, alle Moral über Bord zu werfen?
Zur politischen Philosophie von Rawls, Nozick und Hayek
Soziale Gerechtigkeit ist ein kontrovers diskutierter Leitbegriff im politischen Diskurs. Zur Klärung dieses Konzepts analysiert der Band einflussreiche Ansätze der zeitgenössischen liberalen politischen Philosophie: von John Rawls, Robert Nozick und Friedrich August von Hayek. Durch deren Vergleich wird deutlich, dass der sinnvolle Bezugspunkt des Konzepts sozialer Gerechtigkeit die Gesellschaft als Ganze und nicht nur der Sozialsektor ist. Es sind daher nicht primär ökonomische (Um-)Verteilungen in den Blick zu nehmen, sondern im Zentrum steht die gesellschaftliche Institutionenordnung, die die Verteilung der vielgestaltigen sozialen Güter bedingt. Um diese Vielfalt angemessen zu erfassen, ist soziale Gerechtigkeit in ihrer Ausdeutung als Verteilungsgerechtigkeit plural zu konzipieren. Leitidee für eine Theorie sozialer Gerechtigkeit kann dabei das liberale Ideal sein: die soziokulturell vermittelte individuelle Kompetenz, das eigene Leben aktiv zu führen.
Rolle und Einfluss der Frauen im politischen Katholizismus wurden bislang wenig beleuchtet. Der Band bündelt Ansätze und lotet Perspektiven aus. Er spannt dabei einen Bogen von 1870/71 bis in die frühe Bundesrepublik. Das Thema ist von breitem Interesse für Forschungsdebatten der jüngeren Zeit, etwa zur Modernität des Kaiserreiches, den Potentialen der Weimarer Republik oder der Abkehr von der „success-story“ der Bundesrepublik Deutschland. Der Blick richtet sich auf Einflüsse von Frauen auf männliche Politiker, auf die Kämpfe von Frauen um politischen Einfluss und schließlich auf prominente Parlamentarierinnen der Zentrumspartei wie Helene Wessel, Christine Teusch oder Helene Weber.
Theologische Variationen zu bestimmten Letzten Dingen
Author: Dieter Burkert
Zusammengeführt werden zwei Wirklichkeiten – die der Welt („Tod“) und die Gottes („Auferstehung“), ermöglicht durch den (erweiterten) Begriff ‚Leben‘. Da die Wirklichkeit Gottes vorauswirkt, ist bereits der „Tod“ das „Tor zum Licht“ (Franz v. Assisi). „Auferstehung“ ist zu verstehen als Wahrung der Person im Gedächtnis Gottes (Memoriatshypothese). Dadurch hebt sich nicht nur die Widersprüchlichkeit zwischen Ganztodvorstellung (auch die Seele sterbe) und „Auferstehung“ auf, sondern es ergibt sich auch Offenheit für die Souveränität Gottes i. S. d. Neugestaltung in seiner ewigen Gemeinschaft. – All dies verlangt Bemühung um Glaubensfestigkeit. Diesem Bemühen kommt der Verfasser entgegen durch immer wieder neu einsetzende Darlegungen zum Doppelthema „Tod und Auferstehung“ (Prinzip der Variation).
Biblische Vorausbilder, sakramentale Vergegenwärtigung und ekklesiologische Vorwegnahme des ‚neuen Menschen‘
Der Autor untersucht die äußerlich sehr verschiedenen Bedeutungen des Begriffes „Leib Christi“ anhand ihrer biblischen und geistesgeschichtlichen Wurzeln. Was verbindet den menschlichen, ‚historischen‘ Leib Jesu von Nazareth mit dem ‚sakramentalen Leib Christi‘ (der Eucharistie) und seinem ‚mystischen Leib‘ (der Kirche)? Biblische, rabbinische und patristische Traditionen zu Persönlichkeiten des Alten Testamentes, zu Festen und zu Bildpaaren für ‚korporative Persönlichkeiten‘ veranschaulichen die Identität der Kirche in Beziehung zur Eucharistie, zur Ehe und zum Judentum. Hier liegt der Ausgangspunkt für Antworten auf praktische Fragen der Pastoral und der Ökumene.
Konturen einer politischen Theologie der Verwundbarkeit
Auch nach Jahrhunderten der Auseinandersetzung ist das Verhältnis von Politik und Religion nicht geklärt. Die konfliktiven Begegnungen spitzen sich im Gegenteil neu zu. Wiederkehrende Muster totalitären Redens und Handelns fordern zu einer vertieften Reflexion des Ortes von Religion im Politischen.

In kritischer Auseinandersetzung mit Talal Asads Analysen zum Säkularen stellt sich die Autorin der Frage, welchen Beitrag Religionen zum Gemeinwohl in einer von Säkularität und Pluralität geprägten Zeit leisten können. Der Entwurf einer „Politischen Theologie der Verwundbarkeit“ bringt Perspektiven der Anthropologie, Sozialpsychologie und politischen Theorie ins Gespräch mit der Theologie und zeigt die Notwendigkeit einer produktiven Aufarbeitung der Fragilität menschlicher Existenz als Voraussetzung des Widerstands gegen religiöse und politische Totalitarismen.
Protagonist der böhmischen Erinnerungskultur
Wie keine andere historische Persönlichkeit dominiert Wenzel das kulturelle Bewusstsein des aktuellen und historischen Böhmens. Wie stark sich die Erinnerung an diese Gründerfigur über die Jahrhunderte gewandelt hat, zeichnen renommierte Autoren anschaulich nach. Kaum ein Land kann auf eine ähnlich kontinuierliche Staatssymbolik zurückblicken wie Böhmen bzw. das heutige Tschechien: Der heilige Wenzel/Vaclav galt als Staatsgründer, mittelalterlicher Schlachtenhelfer, als ewiger Herrscher und unangefochtener Mittelpunkt des kulturellen Gedächtnisses. Das ist er bis heute geblieben. Der böhmische Fürst Wenzel forcierte im 10. Jahrhundert die Christianisierung sowie den kulturellen Ausbau des Landes. Mit ihm verbindet sich noch heute eine doppelte Tradition: Sowohl Slawen als auch Deutsche nahmen und nehmen ihn für ihre eigene kulturelle Identität in Anspruch. Ein internationales Expertenteam untersucht die Bedeutung der zentralen Erinnerungsfigur für die unterschiedlichen gesellschaftlichen und konfessionellen Gruppen über die Jahrhunderte hinweg.

Stefan Samerski ist Professor für Kirchengeschichte und lehrt in München und Berlin.