Die Sklavenfrage und der amerikanische Katholizismus 1835-1870
Die Sklavenfrage und der sich ständig verschärfende Antagonismus zwischen Gegnern und Verteidigern der Sklaverei, zwischen Nord- und Südstaaten ge-hörten zu den wichtigsten politischen und gesellschaftlichen Vorgängen in den Vereinigten Staaten des 19. Jahrhunderts. Entsprechend intensiv hat sich die Forschung dieses Themas angenommen. Erstaunlicherweise indes hat sie die Position der größten religiösen Minderheit des Landes in diesem Konflikt der Kulturen bislang kaum berücksichtigt: die der Katholiken. Michael Hochgeschwender legt jetzt die erste zusammenfassende Darstellung seit 1945 vor. Er zeichnet in einem souveränen Überblick die Haltung der ame- rikanischen Katholiken in der Sklavereidebatte nach und unterzieht sie einer detaillierten Analyse. Dabei gibt der Autor zugleich Einblick in die inneren Streitigkeiten der unterschiedlichen Lager des Katholizismus in den Vereinigten Staaten zwischen 1835 und 1870.
AutorIn: Matthias Weipert
'Sterben die Deutschen aus?' fragte der Spiegel im Jahre 2000. Bevölkerungspolitische Themen waren aber auch im Kaiserreich und in der Weimarer Republik schon Gegenstand großer Aufmerksamkeit. Die demografischen Veränderungen im Zuge der Modernisierung und ihre Folgen für die Nation bildeten das Zentrum des bürgerlichen Bevölkerungsdiskurses. Seinen Schwerpunkten Bevölkerungs-, Siedlungs-, Gesundheits- und Rassenpolitik widmet sich das Buch von Matthias Weipert. In den Debatten über deutsche Zukunft spielte die Bevölkerungsproblematik eine zentrale Rolle. Warum gingen die Geburten zurück? Wie würde sich der Rückgang auf Deutschlands Stellung in der Welt auswirken? Sollten die Menschen auf dem Land oder in der Stadt leben? Sollten sie ihren Unterhalt in der Fabrik oder auf dem Bauernhof erwerben? Wie war es um ihre Gesundheit und Leistungsfähigkeit bestellt? Wie um ihren 'rassenhygienischen Wert'? Die Antworten suchten die Zeitgenossen, wie der Autor zeigt, in bevölkerungspolitischen Maßnahmen, mit denen sie die 'aus der Bahn geratene' Modernisierung aufs rechte Gleis zurücksetzen und die Position der deutschen Nation wieder stärken zu können glaubten.
Lebenswelten und Kultur in der kursächsischen Armee 1728-1796
AutorIn: Stefan Kroll
Dieses Buch führt erstmals die Lebenswelten von Unteroffizieren und einfachen Soldaten ei-ner großen Armee des 'Alten Reiches' im 18. Jahrhundert anschaulich vor Augen. Auf breiter Quellenbasis beleuchtet der Autor am Beispiel Kursachsens sowohl den Alltag im Frieden als auch die Erfahrungen im Krieg. Werbung, Rekrutierung und Garnisonsdienst, die Erfahrung, Deutung und Verarbeitung von Gewalt, Gefangenschaft, Krankheit und Verwundung, der Alltag der Soldatenfrauen und -kinder, die wirtschaftliche Situation sowie das Problem der Desertion sind die großen Themen der Arbeit. Sie verbindet vorbildlich Fragestellungen der klassischen Sozialgeschichte mit denen moderner kulturgeschichtlicher Forschung. Dabei wird die Militärbevölkerung nicht als isolierter Stand betrachtet, sondern ihr Platz in der Gesellschaft ausgelotet. Über das sozial Faktische hinaus lenkt der Autor das Augenmerk auch auf die geistig-mentale Realität der 'kleinen Leute' der Armee. Wie erlebte sich der Soldat selbst, und wie sahen ihn seine Kameraden, wie seine Vorgesetzten, seine Angehörigen und seine Quartierwirte? Ebenso interessiert das Soldatenbild der Schriftsteller, die sich vor allem in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit der Existenz von Soldaten auseinander setzten.
Ereignis, Wirkung, Nachwirkung. Herausgegeben im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes
HerausgeberIn: Gerhard P. Groß
Mit dem Ersten Weltkrieg verbindet sich in der kollektiven Erinnerung vielfach das Trauma des modernen, technisierten Krieges. Sein Bild wird dominiert von den Ereignissen und Erfahrungen an der Westfront – von Namen und Symbolorten wie Verdun, Flandern und die Somme. Das Militärgeschichtliche Forschungsamt Potsdam (MGFA) nahm den 90. Jahrestag des Kriegsausbruches zum Anlass, um sich den ersten beiden Jahren des Krieges im Osten zuzuwenden, der in der Forschung bislang kaum behandelt worden ist. Der Band geht aus einer internationalen Tagung des MGFA und des Deutschen Historischen Museums hervor. Er verfolgt drei miteinander verbundene große Themen: - Die Kampfhandlungen an der Ostfront in den ersten beiden Kriegsjahren; - die erlebte Kriegswirklichkeit und die Verarbeitung der Kriegserfahrung an der Front und in der Heimat; - die Darstellung der Realitäten und der Erfahrungen des Krieges in Museen, Gedenkstätten und modernen Medien. Mentalitäts- und kulturgeschichtliche Zugänge laufen ohne angemessene Berücksichtigung des operationalen Umfelds Gefahr, mit den militärischen Ereignissen auch die Kriegsrealität aus den Augen zu verlieren. Daher stellt das Buch die Darstellung der Kriegführung an der Ostfront der kultur- und gesellschaftsgeschichtlichen Analyse voran. Im Zentrum des Bandes jedoch stehen das Erlebnis des Krieges und seine individuelle und kollektive Verarbeitung. Dazu gehört auch die literarische Umsetzung in den kriegführenden Staaten. Neben Fragen der deutschen Besatzungspolitik und der Behandlung der Kriegsgefangenen wird auch die gegenseitige Wahrnehmung der Kriegsgegner behandelt.
Ereignis - Bewältigung - Erinnerung
AutorIn: Wolfram Siemann
HerausgeberIn: Jochen Oltmer
Wie der Krieg selbst, so entwickelte auch das Problem der Gefangenschaft im Ersten Weltkrieg bis dahin nie gekannte Dimensionen. Etwa 8 bis 9 Millionen Soldaten gerieten von 1914 bis 1918 an allen Fronten in die Gewalt ihrer Gegner. Das Kriegsende bedeutete nicht das Ende des Problems, weder national noch international. Erst 1922 kehrten die letzten deutschen, österreichischen und russischen Kriegsgefangenen zurück. Kriegsgefangenschaft war zunächst ein individuelles Schicksal, das vielerlei Gesichter tragen konnte. Für die am Krieg beteiligten Staaten verbanden sich mit der massenhaften Internierung von Kriegsgefangenen weitreichende militärische und sicherheitspolitische Fragen, aber auch außen- und nationalitätenpolitische Interessen, ließ sich doch die Internierung politisch durchaus instrumentalisieren. Und der Einsatz von Kriegsgefangenen als Zwangsarbeiter eröffnete den unter Arbeitskräftemangel leidenden Kriegswirtschaften ganz neue Perspektiven. Von diesen individuellen und kollektiven, eng miteinander verflochtenen Problemen in der Situation des ersten 'totalen' Krieges der Geschichte handelt flächendeckend mit Originalbeiträgen von Experten aus fünf Staaten der vorliegende Band. Länderstudien behandeln den Umgang mit Gefangenen in Deutschland, Frankreich, Russland, Großbritannien und in der Habsburger Monarchie. Sie werden um Untersuchungen von zentralen Aspekten der staatlichen und gesellschaftlichen Reaktion auf das Massenphänomen Kriegsgefangenschaft 1914–1922 ergänzt.
Eine Biographie
Christian Schölzel legt jetzt die umfassende neue Biographie des Politikers, Unternehmers und Philosophen Walther Rathenau vor. Er kann sich auf einen außergewöhnlichen Quellenfund stützen – sein Buch ist das erste seit 1928, das auf den mehr als ein halbes Jahrhundert verschollen geglaubten Privat-Nachlaß Rathenaus zurückgreifen kann: auf rund 900 Aktenbände, die lange versteckt im einstigen Sonderarchiv des KGB in Moskau ruhten. Sie und Quellen aus über 80 weiteren Archiven zwischen Los Angeles und Moskau bilden die Grundlage für die weitgespannte Darstellung von Leben und Werk einer faszinierenden Persönlichkeit an der Schnittstelle zwischen Politik, Wirtschaft und Geistesleben.
"Ich höre den Ruf nach Freiheit". Eine Studie zum Verhältnis von konservativem Katholizismus und Moderne
AutorIn: Karsten Petersen
Im Zentrum dieses Buches steht der bedeutendste bischöfliche Vertreter des politischen Katholizismus im 19. Jahrhundert: Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1811–1877), seit 1850 Bischof von Mainz. Der Autor zeichnet auf breiter Quellenbasis überzeugend nach, wie dieser Vorkämpfer bürgerlicher Freiheiten sich mit den politischen Forderungen der Moderne auseinandersetzte, diese konsequent konservativ-katholisch umdeutete und sich so zu eigen machte. Die individual-konservative Rezeption der ursprünglich modernen Freiheitsforderungen kann als exemplarisch für den deutschen Katholizismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelten.
Bismarck, Napoleon III. und der deutsch-französische Krieg 1870-1971
AutorIn: David Wetzel
Gemessen an seiner Dauer ist der deutsch-französische Krieg von 1870/71 der wohl am meisten untersuchte Krieg in der Geschichte. Sind neue Erkenntnisse über diesen Krieg und seine Ursachen also überhaupt noch möglich? Sie sind es, wenn man die Fragen neu stellt, wie das Buch des amerikanischen Historikers David Wetzel zeigt. Er rückt die handelnden Personen in den Mittelpunkt des historischen Prozesses zurück und fragt auf der Basis umfassender Forschung nach den individuellen Motiven, die ihr Handeln bestimmten, und nach den Wahrnehmungen, die sie von dem politischen und strategischen Feld hatten, auf dem sie sich bewegten und ihr diplomatisches Kräftemessen betrieben. Er zeichnet den Zusammenprall der außergewöhnlichen Persönlichkeiten Bismarcks und Napoleons III. einprägsam nach und entwirft lebhafte Portraits auch der anderen Hauptakteure in Paris und Berlin. So entsteht ein spannend erzähltes, neu akzentuiertes Bild des diplomatischen Prozesses seit der spanischen Revolution von 1868 bis zur Kriegserklärung Frankreichs 1870. Stimmen zur Originalausgabe: 'In den letzten Jahrzehnten ist die faszinierende Geschichte des Duells zwischen Bismarck und Napoleon III. von Strukturhistorikern in den Hintergrund gedrängt worden. Es tut gut, dass David Wetzel zu ihr zurückkehrt. Er stellt die richtigen Fragen und beweist, dass in der Geschichte große oder doch wenigstens mächtige Männer den Unterschied ausmachen.' (Peter Gay, Professor em., Universität Yale) 'Dies ist Diplomatiegeschichte anders geschrieben. Wetzel erzählt eine fesselnde Story, die die überragende Bedeutung der Persönlichkeit für die Gestaltung von Politik und (mehr noch) von Kriegen sichtbar macht.' (Sir Michael Howard, Professor em., Universität Oxford) 'Ein neuer Blick auf eine alte große Kontroverse. Ein zusätzlicher Gewinn ist der geistvolle bibliographische Essay.' (Fritz Stern, Professor em., Columbia Universität, New York)
AutorIn: Moshe Zimmermann
Seit 1945 führt bei der Darstellung deutscher und deutsch-jüdischer Geschichte am Thema des Judenhasses kein Weg mehr vorbei. Auch wenn bis 1933 für Juden und ihre deutsche Umwelt der Judenhaß keineswegs im Mittelpunkt ihrer Beziehungen und ihres Selbstverständnisses stand, machte das schreckliche Ende des deutschen und europäischen Judentums im „Dritten Reich“ den Haß auf die Juden zum Angelpunkt des historischen Rückblicks. Und weil 1945 nicht zum „Ende der Geschichte“ geworden ist, behält dieser Angelpunkt seine Aktualität bis heute bei. Er ist das Thema von Moshe Zimmermanns neuem Buch zur deutsch-jüdischen Beziehungsgeschichte. Juden, die vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert in Deutschland lebten, wurden nach und nach zu deutschen Juden, bis ihnen das nationalsozialistische Regime 1933 diese Bezeichnung absprach. Die Prozesse der Emanzipation und Integration, die aus Juden in Deutschland deutsche Juden machten, veranlaßten die dieser Entwicklung reserviert gegenüberstehenden Kräfte, ihren Judenhaß zu modernisieren bzw. den jeweils neuen Zeitumständen anzupassen. So kam es zur Erfindung und Verbreitung des Begriffes „Antisemitismus“; so wurden die wirtschaftlichen, politischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen zum Nährboden für neue Argumente: Vorwürfe, Juden trügen die Schuld am Kapitalismus und am Klassenkampf oder seien für eine „Verjudung“ der Kultur verantwortlich, führen zu neuartigen „Lösungsvorschlägen“ der sogenannten „Judenfrage“, an die dann die „Endlösung“ der Nationalsozialisten anknüpfen konnte. Deutsche Juden waren gezwungen, sich mit dem Phänomen des Judenhasses auseinanderzusetzen, wenn sie die Argumente der Antisemiten widerlegen und den wachsenden Antisemitismus bekämpfen wollten. So wiesen sie auf die Vorteile der Judenemanzipation für die ganze Gesellschaft hin oder versuchten, die Auswanderung osteuropäischer Juden von Deutschland weg nach Amerika und nach Zion – ins Land Israel – zu lenken. Im Zionismus entstand ihnen eine Alternative zu Emanzipation und Integration. Die Auseinandersetzung war dabei wesentlich von den jeweiligen Zukunftserwartungen verschiedener Epochen bestimmt, denen in diesem Band besondere Aufmerksamkeit geschenkt wird. Der Umstand, daß der „Antisemitismus“ wie auch seine Argumente in der Zeit nach 1945 ihre Relevanz verloren hatten, konnte dem Phänomen des Judenhasses – auch in Deutschland – allerdings kein Ende setzen. Und bis in die Gegenwart hinein bleibt auch die Korrelation von Antisemitismus und Zionismus hochaktuell. Das Buch spiegelt 25 Jahre intensiver Forschungstätigkeit des Verfassers. Die in diesem Zeitraum in unterschiedlichen Sprachen veröffentlichten und für diesen Band überarbeiteten und aktualisierten Beiträge fügen sich zu einem Resümee des Themas Judenhaß