Chancen zur Bildung einer "ganz unwiderstehlichen Macht"?
Als „sehr französisch“ würdigte der französische Diplomat Montebello 1859 seinen preußischen Kollegen Otto von Bismarck. Drei Jahrzehnte später ließ sich der so Gerühmte zu der Prognose hinreißen, dass Deutschland „mit Frankreich […] nie Frieden haben“ werde. Wieso hatte sich das Verhältnis der Nachbarn am Rhein so verschlechtert? Und welche Verantwortung trug Bismarck daran? Die fundamentale Bedeutung des (preußisch-)deutsch-französischen Verhältnisses für das europäische Staatensystem des 19. Jahrhunderts ist von der Geschichtswissenschaft intensiv untersucht worden. Allenfalls in Umrissen ist hingegen die Rolle bekannt, die Bismarck bei der Ausgestaltung dieser Beziehungen gespielt hat. Um diese Lücke zu schließen, zielt die Studie in multiarchivalischer Perspektive darauf ab, die Entwicklung des bilateralen Verhältnisses in der Biographie einer seiner Schlüsselgestalten zu spiegeln.
Eastern European Intellectuals and the Great War
AutorIn: Maciej Górny
Górny’s study deals with WWI political engagement of science with an eye on Eastern Europe between 1912 (the First Balkan War) and 1923. The writings of intellectuals from this region that subscribed to the tradition of ‘national characterology’ skillfully integrated the most modern science of the time: physical anthropology, psychiatry and anthropogeography. Consequently, neither in the intellectual standing of the authors, nor in the discursive strategies they used did the intellectuals’ war in the East fundamentally deviate from its counterpart on the Western front. Yet, their liaison with politics proved to be even longer, harsher and more fateful than in the West. “By bringing the European East (East Central Europe South-Eastern Europe, Russia) into the historiographical debate over the ‘the war of the spirits’ the study does in fact more than just broaden the geographical scope of current research. It substantially deepens our understanding of the European dimensions of the phenomenon in general – e.g. the interplay between transnational academic communication and the ‘nationalization’ of science, the transfers of academic paradigms and of people, the background and nature of cross-national scholarly disputes. At the same time, the comparative analysis allows us to understand East Central European and South-East European peculiarities. Here, the involvement of science in the processes of competitive nation- and state-building implied that ‘the war of the spirits’ started much earlier than 1914, and certainly did not end in 1918. Not least should I mention that this is a very well written book!” – Prof. Dr. Michael G. Müller
Trotz der herausragenden Bedeutung, die dem Großen Nordischen Krieg in der sächsischen Geschichte zukommt, ist dieses Ereignis von der Forschung kaum beachtet worden. Alexander Querengässer analysiert erstmals den Aufbau der kursächsischen Armee und zeichnet den Verlauf ihrer Feldzüge und Schlachten anhand bisher noch nicht ausgewerteter Quellen detailliert nach. Der Große Nordische Krieg zählt zu den wichtigsten, aber gerade von Seiten der deutschen Forschung stark vernachlässigten Konflikten der Frühen Neuzeit. August der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, versuchte durch schnelle Erfolge seiner Waffen die Union zwischen seinen beiden Ländern zu stärken. Stattdessen aber reihte sich im Kampf gegen den Schwedenkönig Karl XII. Niederlage an Niederlage, die heute vor allem der Rückständigkeit der sächsischen Armee zugeschrieben werden. Der Autor untersucht erstmals ausführlich die Struktur der sächsischen Truppen, zeichnet den Verlauf der einzelnen Feldzüge und Schlachten anhand neuer Quellen detailliert nach und revidiert viele alte Vorurteile.
Zwischen Zweck, Zwang und Zwist
Während des Ersten Weltkriegs kämpften Bulgaren und Deutsche jahrelang an der Saloniki-Front Seite an Seite gegen die Entente. Doch wie stand es um die Funktionalität dieser unerwarteten Kriegskoalition? Die Saloniki-Front als Nebenkriegsschauplatz des Ersten Weltkriegs ist aus dem mitteleuropäischen kollektiven Bewusstsein beinahe gänzlich verschwunden – und damit auch die Erinnerung an das deutsch-bulgarische Militärbündnis. Ohne tiefgreifende Kooperation wären die militärischen Herausforderungen an der Saloniki-Front nicht bewältigbar gewesen. Deshalb stellt die Studie die Koalitionskriegführung in den Fokus und blickt hinter die Kulissen der von Propaganda und Nachkriegsliteratur gezeichneten innigen Waffenbrüderschaft zwischen den Verbündeten. Denn aus unterschiedlichen (Militär-)Kulturen, Asymmetrien und inkompatiblen Kriegszielen resultierte eine Vielzahl an Konfliktfeldern.
AutorIn: Georg Ziaja
Das Lexikon des polnischen Adels im Goldenen Zeitalter 1500–1600 beinhaltet 120 Biogramme der bedeutendsten Vertreter des Adels in Polen im 16. Jahrhundert. Jedes der Biogramme ist um eine einführende Literaturliste ergänzt. Für Osteuropahistoriker ist das Buch eine »Goldgrube« für die Zeit des »Goldenen Zeitalters« in Polen. Man findet dort nicht nur biografische Daten, sondern auch Informationen über die Genealogie, Wappenkunde, religiöse Ansichten, Kunst und Kultur und nicht zuletzt eine besondere geografische Komponente mit einer genauen Erklärung der Lage der im Buch beschriebenen Orte und Provinzen. Die beigefügten Tabellen, Karten der Rzeczpospolita sowie der Besitzungen der Magnaten in Polen-Litauen und einige Abbildungen der adeligen Schlösser sowie der Familienwappen ergänzen das ungewöhnlich reichhaltige Buch – ein Lexikon, das (nicht nur) für jeden Osteuropahistoriker eine handliche und praktische Hilfe darstellt.
Abteilung III: 1871–1898. Schriften, Band 7: 1886–1887
In 550 Dokumenten spiegelt sich das Regierungshandeln Otto von Bismarcks in den Jahren 1886/87. Der Siebzigjährige agierte im dritten Jahrzehnt an der Seite des inzwischen neunzigjährigen Wilhelm I. Bismarcks politische und private Schreiben zeugen von einem ungebrochenen Eifer.

In außenpolitischer Hinsicht forderten ihn neue koloniale Herausforderungen ebenso wie die fast schon traditionelle Kriegsgefahr im Osten und Westen, der er ein letztes Mal mit einem (geheimen) Bündnis zu begegnen suchte. Innenpolitisch blieb er sich im Kampf gegen die Sozialdemokratie treu, leitete aber auch das Ende des Kulturkampfes ein. Zu bekannten Schlagworten wie „Doppelkrise“, „Lombardierungsverbot“ oder „Septennatswahlen“ erlaubt der vorgelegte Band auf der Grundlage von bisher zu 75 Prozent ungedrucktem Material eingehendere Analysen.
Praxis und Konflikt in Kastilien und Spanisch-Amerika im 16. Jahrhundert
Das vorliegende Buch behandelt das historische Phänomen der Sklaverei aus der Perspektive der politischen Praxis. Es untersucht die Sklaverei als kontroverses Verhandlungsthema, zwischen der kastilischen Krone und lokalen Akteuren.
Die immense Bedeutung der Versklavung von Menschen für das frühneuzeitliche Europa wird heutzutage selten in Zweifel gezogen. Gerade in den iberischen Städten des 16. Jahrhunderts gehörten Sklavenmärkte zur Alltäglichkeit. Insbesondere Theologen beschäftigten sich intensiv mit der Frage, ob die Versklavung nicht-christlicher Gefangener erlaubt sei. Die Sklaverei war aber nicht nur ein Thema der Studierzimmer oder ein Phänomen des städtischen Lebens. Sie hatte auch eine zutiefst politische Komponente. Entsprechend widmet sich der Band der Sklavereipolitik der kastilischen Krone im 16. Jahrhundert. Sklaverei wird hier als mehrdimensionaler Komplex zwischen herrschaftspolitischen, ökonomischen, militärischen und theologischen Interessen verortet. Anhand der Versklavung der moriscos während der guerra de Granada (1568–1571) sowie der Versklavung der indigenen Bevölkerung der „Neuen Welt“ wird gezeigt, wie Sklaverei stets als politische Verhandlungsmasse zwischen Zentralregierung, Militär und Peripherie genutzt wurde.
Osteuropa im Diskurs des Deutschen Kaiserreiches von 1871
Lag das deutsche Indien in Polen? Der Osten Europas war für die Deutschen im 19. Jahrhundert ein Sehnsuchtsort, in dem man die ideale Projektionsfläche für die eigenen kolonialen Ambitionen gefunden hatte.
Im Kaiserreich galt Osteuropa vielen Deutschen als unzivilisiert, chaotisch, primitiv und auf deutsche Kulturleistungen angewiesen. Die östlichen Nachbarn schienen so fern wie der Wilde Westen oder die afrikanische Steppe. Christoph Kienemann analysiert den deutschen Osteuropadiskurs hinsichtlich der Frage, ob er als kolonialer Diskurs gelesen werden muss. Auf diese Weise zeigt sich nicht nur, dass Osteuropa für viele Deutsche ein Sehnsuchtsort kolonialistischer Phantasien war, sondern dass der Kolonialismus eine viel größere Bedeutung für die deutsche Gesellschaft um 1900 besaß, als ihm bisher zugeschrieben wurde.
Ein Leben im Dienste des Königs und Frankreichs
AutorIn: Klaus Malettke
Der oftmals kontrovers beurteilte Kardinal und Staatsmann Richelieu hat die Geschichte Frankreichs nachhaltig geprägt und über seinen Tod hinaus tiefe Spuren in der Geschichte Europas hinterlassen. Klaus Malettke legt nach jahrzehntelanger Forschung zu Richelieu und dessen Epoche eine neue, umfassende Biographie vor. Leben und Agieren des Menschen, Theologen und Staatsmannes behandelt der Autor in seinen positiven wie kritischen Aspekten.
Einen breiten Raum widmet der Verfasser dem außenpolitischen Handeln des „Prinzipalministers“ Richelieu in der Phase des „offenen Krieges“ von 1635 bis 1642. Malettke beleuchtet insbesondere die Vorstellungen des Staatsmanns über die Gestaltung eines umfassenden Friedens in Europa und dessen dauerhafte Bewahrung durch die Verwirklichung eines Systems kollektiver Sicherheit. Aber auch die von Richelieu und seinen Gefolgsleuten entfaltete propagandistische Öffentlichkeitsarbeit sowie sein Wirken als Mäzen weiß der Autor kenntnisreich zu schildern. Nicht weniger Aufmerksamkeit gilt Richelieus Klientelpolitik sowie seinen vielfältigen und weitgespannten Aktivitäten beim Aufbau des eigenen großen Vermögens. Dabei ist es Klaus Malettke immer wichtig zu rekonstruieren, welche Prinzipien und Kategorien damals das Handeln Richelieus und der anderen Akteure bestimmten – wie Dynastie, Konfession, Staatsinteresse, Staatsräson und Tradition.
Ethnizität und Identität in den Armeen des Ersten Weltkriegs
HerausgeberIn: Oswald Überegger
Minderheiten-Soldaten im Ersten Weltkrieg: Der Band beschäftigt sich erstmals umfassend und vergleichend mit der Situation von Minderheiten in den Armeen des Ersten Weltkrieg.
Rolle und Bedeutung von Minderheiten-Soldaten in den Armeen des Ersten Weltkriegs stellen ein forschungsmäßig vernachlässigtes Thema der Minderheitengeschichte dar. Nationale Minderheiten wurden vielfach in sehr pauschaler Art und Weise als unzuverlässige und illoyale Staatsbürger kategorisiert und wurden deshalb innerhalb der Armeen diskriminiert. Die Autoren analysieren die Entwicklung der Beziehungen zwischen Staat und Minderheit anhand von verschiedenen nationalen Fallbeispielen.