Das Aufeinandertreffen von Einwanderern und indigener Bevölkerung war nicht immer konfliktfrei – für alle Kunstgattungen aber doch auch sehr fruchtbar und bereichernd. Diese Probleme – in Kanada und den USA vom 19. Jh. bis zur Gegenwart – werden hier aus historischer, literatur- und kulturwissenschaftlicher Sicht vorgestellt. So kommt die wechselseitige Beeinflussung und Inspiration in autobiographischen Texten, Gedichten und Gemälden, auf der Bühne und im Musikschaffen zur Sprache. Aus der Perspektive vergleichender Ethnizitätsstudien werden kulturkritische Perspektiven eingebracht und im breiten Kontext globaler Trends eine tragfähige Theorie der Indigenität entwickelt.
AutorIn: Wibke Reger
Blonde und blauäugige Afroamerikaner, die aus-sehen wie typische Nordeuropäer? Die amerikanische Rassendefinition hat dazu geführt, dass es in keiner anderen Bevölkerungsgruppe eine solche Spanne von Hautfarben, Haarstrukturen und Gesichtszügen gibt wie bei den Afroamerikanern. Und das individuelle Aussehen hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche – von sozialen Beziehungen bis hin zur Gehaltshöhe. Kein Wunder also, dass dieses Phänomen auch in der Literatur zu einem wichtigen Thema wurde. Harriet Beecher Stowe teilte ihre schwarzen Protagonisten in Uncle Tom’s Cabin in zwei distinkte Gruppen – die Hellen und die Dunklen mit spezifischen Charakterzügen. Afroamerikanische Autoren hingegen entwickelten unterschiedliche Strategien, um gegen die hautfarbenbasierte Diskriminierung von Schwarzen innerhalb der eigenen Gruppe anzuschreiben: von leichtherziger Ironie bis zu bitterem Realismus, von der Lobpreisung des Reichtums an physischen Unterschieden bis hin zur Beschwörung der Einheit aller Schwarzen. Die Vielfalt der Strategien zeigt nicht zuletzt, dass die Thematik bis heute nichts von ihrer Brisanz verloren hat.
Untersuchungen zu Festreden der Revolutionszeit und der frühen Republik 1770-1815
AutorIn: Dennis Hannemann
Für die Konstitution des amerikanischen Selbstverständnisses im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert spielten Griechenland und Rom eine bedeutsame Rolle. Inwieweit sich die junge Nation vor dem Horizont antiker Modelle politisch wie historisch zu verorten versuchte, offenbart gerade das Genre der Festreden (u. a. Fourth of July- und Washington-Gedenkreden), denen aufgrund ihrer Einbettung in eine kollektive Festkultur eine zentrale Funktion für die Identitätsstiftung zufällt. Dieses Genre wird hier erstmals systematisch aus rhetorischer und rezeptionsgeschichtlicher Perspektive untersucht.
AutorIn: Paul Goetsch
Als ein 'Schlüsselmythos der Neuzeit' (Watt) erfreut sich die Faust- Geschichte im englischen Sprachraum großer Beliebtheit. Neben dem Volksbuch und Marlowes Doctor Faustus haben verschiedene Prätexte die englische und amerikanische Entwicklung beeinflusst, vor allem Goethes Faust, Mary Shelleys Frankenstein, Spenglers Der Untergang des Abendlandes und Thomas Manns Doktor Faustus. Die vorliegende Untersuchung interessiert sich weniger für das einzelne Werk in seiner Abhängigkeit von Prätexten als für seine Stellung und seine historischen Funktionen in der Entwicklung der Faust-Mythe.
Richter, Republikaner, Man of Letters
Richter und Romancier, Politiker und Dichter, Journalist und Anwalt der Aufständischen – Hugh Henry Brackenridge ist eine der exzentrischsten Figuren der amerikanischen Gründerzeit; eine Persönlichkeit, die die hohen poli-tischen und intellektuellen Aspirationen der Epoche in sich vereint. Seine Komplexität und scheinbare Widersprüchlichkeit; seine eigenwillige Selbstpositionierung im Spannungsfeld von traditionellem Republikanismus, naturrechtlichem Liberalismus und Schottischer Aufklärung verblüfft und provoziert Literatur- und Rechtshistoriker bis heute. Dabei wurden die Konflikte und kreativen Impulse, die sich daraus ergaben, dass der Autor von Modern Chivalry neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit drei Jahrzehnte lang als Anwalt und Richter arbeitete und die Entwicklung von Pennsylvanias Rechtssystem wesentlich beeinflusste, von der Kritik weitgehend übersehen. In dieser Studie wird erstmals versucht, Brackenridges Gesellschaftsvision mittels einer Zusammenschau von politischem, juristischem und literarischem Quellenmaterial zu beschreiben. Die Untersuchung knüpft dabei an aktuelle Forschungen zur frühen Republik an, die ein gänzlich neues Bild der intellektuellen Gemengelage der USA im ausgehenden 18. Jahrhundert gezeichnet haben, und zeigt diesen eigenwilligen Autor in einem neuen Licht.
Zum Problem der Mittelbarkeit im Werk Ralph Waldo Emersons
AutorIn: Jan Stievermann
Ralph Waldo Emerson (1803–82) gilt als einer der größten amerikanischen Literaten und Philosophen. Erstmals in deutscher Sprache wird hier sein gesamtes Prosawerk (inklusive der erst jüngst edierten Later Lectures) umfassend untersucht. In einer kritischen Neulektüre der Predigten, Vorlesungen und Essays wird die denkerische Entwicklung Emersons gedeutet unter dem Gesichtspunkt dessen anhaltender Auseinandersetzung mit dem für die Romantik so zentralen Problem der Mittelbarkeit bzw. der kulturellen Vermitteltheit möglicher Formen individueller Erfahrung – insbesondere auch der religiösen –, der Weltdeutung und des Selbstausdrucks. Nachgezeichnet wird diese Auseinandersetzung anhand Emersons wiederholter theoretischer Umdeutungen des Prinzips der Nachahmung normativer Modelle als zentralem Mechanismus der kulturellen Vermittlung oder Traditionsbildung, der sozialpraktischen wie religiösen Orientierung und nicht zuletzt auch als Verfahren der Literaturproduktion. Dabei wird stets auch nach der Übersetzung dieser wechselnden Interpretationen des imitatio-Prinzips in die (inter-)textuelle Praxis Emersons gefragt.
AutorIn: Jutta Zimmermann
Im Roman des amerikanischen Realismus von William Dean Howells über Henry James und Edith Wharton ist die Geschlechterfrage ein vorherrschendes Thema. Gleichzeitig fällt die Häufigkeit von Figurendialogen auf. Ausgehend von diesen Beobachtungen zeigt die Studie, dass in der dialogischen Aushandlung der Geschlechterfrage ein neues Wirklichkeits-verständnis zum Ausdruck kommt. Indem die Interaktion zwischen den Geschlechtern durch den Einsatz paradoxer Kommunikationsstrukturen und die Verwendung von Kriegsmetaphorik als eine konfliktreiche, teilweise pathologische Züge annehmende Auseinandersetzung in Szene gesetzt wird, tritt der Konstruktcharakter der nur scheinbar natürlichen Kategorie Geschlecht zu Tage. Im Vergleich mit vorrealistischen Romanen von Harriet Beecher Stowe und Oliver Wendell Holmes wird die innovative Verwendung des Dialogs im realistischen Roman und der zum Ausdruck kommende Wandel in der Wirklichkeitsauffassung anschaulich gemacht. Während bei Stowe und Holmes die Hierarchie der Geschlechter unter Berufung auf die Autorität des religiösen bzw. wissenschaftlichen Diskurses beglaubigt wird, steht der Geschlechterkampf im realistischen Roman exemplarisch für das Ringen sozialer Gruppen um die Definitionsmacht über die Wirklichkeit.
Geschichte und Geschichtenerzählen
AutorIn: Susanne Rothaug
In den achtziger und neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts entsteht im Süden der USA eine neue Gattung historischer Romane von Frauen, die Geschichte aus der marginalisierten Perspektive thematisieren. Ausgelöst durch die Repräsentationskrise der Postmoderne schien fiktive Geschichtsdarstellung lange Zeit nur möglich in Form von parodistischen Metafiktionen. Die hier betrachteten Romane zeichnen sich jedoch nicht durch Formexperimente aus. Geschichte wird mit scheinbar traditionellen Mitteln des Storytelling aus der Perspektive des Südens und hier wiederum der Frauen dargestellt. Welche narrativen Methoden und Diskurse stehen diesen Autorinnen als alternative Sinnfindungsstrategien zur Verfügung? Gibt es Erzähltechniken, die der eigenständigen Kultur des Südens inhärent sind? Vereinfacht die marginalisierte Position tatsächlich die Antwort auf universale Fragen wie dem Verhältnis von Geschichte und Fiktion? Die multiperspektivischen Romane der Autorinnen Lee Smith und Kaye Gibbons geben zwei grundverschiedene Antworten auf diese Fragen. Die in den Romanen entwickelten Ästhetiken und Erzählformen gewinnen derzeit zunehmend an Bedeutung, fanden sie doch inzwischen auch Eingang in die amerikanische Mainstream-Literatur, die sich durch eine Renaissance des historischen Romans unter ganz ähnlichen Vorzeichen wie bei den hier beschriebenen Romanen auszeichnet.
AutorIn: Karl Reichl
Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ist eine Vereinigung der führenden Forscherinnen und Forscher des Landes. Sie wurde 1970 als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Akademie ist in drei wissenschaftliche Klassen für Geisteswissenschaften, für Naturwissenschaften und Medizin sowie für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und in eine Klasse der Künste gegliedert.

Mit Publikationen zu den wissenschaftlichen Vorträgen in den Klassensitzungen, zu öffentlichen Veranstaltungen und Symposien will die Akademie die Fach- und allgemeine Öffentlichkeit über die Arbeiten der Akademie und ihrer Forschungsstellen informieren.
AutorIn: Rainer Lengeler
Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste ist eine Vereinigung der führenden Forscherinnen und Forscher des Landes. Sie wurde 1970 als Nachfolgeeinrichtung der Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen gegründet. Die Akademie ist in drei wissenschaftliche Klassen für Geisteswissenschaften, für Naturwissenschaften und Medizin sowie für Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften und in eine Klasse der Künste gegliedert.

Mit Publikationen zu den wissenschaftlichen Vorträgen in den Klassensitzungen, zu öffentlichen Veranstaltungen und Symposien will die Akademie die Fach- und allgemeine Öffentlichkeit über die Arbeiten der Akademie und ihrer Forschungsstellen informieren.