Modelle, Konzepte, Erfahrungen
Warum sollte man gerade im Lehramtsstudium ins Ausland gehen? Der Band zeigt neue bildungspolitische und pädagogische Perspektiven als Antwort auf globale Herausforderungen.

Eine intensivere Internationalisierung der Lehrerbildung wird nicht nur vom DAAD und der Hochschulrektorenkonferenz gefordert, sondern ist inzwischen ein Allgemeinplatz in der bildungspolitischen Debatte. Auch in dem stark von föderalen bildungspolitischen Interessen geprägten deutschen Lehrerbildungssystem muss man den zunehmenden Mobilitätsansprüchen und komplexen multikulturellen Lebens- und Arbeitskontexten des 21. Jahrhunderts entsprechen.
HerausgeberInnen: Alfred Schäfer und Christiane Thompson
Die Utopie der Gemeinschaft beruht auf authentischer Nähe und sozialer Geborgenheit. Sie ist getragen von dem Versprechen, die Zerrissenheit moderner Gesellschaften zu überwinden.
Der romantische Traum einer »wahren Gemeinschaft« nimmt im 19. Jahrhundert Gestalt an und wird bestimmend für die meisten der reformpädagogischen Strömungen: Es ist die ursprüngliche und unmittelbare Gemeinschaft, die durch Authentizität und Harmonie gekennzeichnet ist und eine ganzheitliche Entwicklung von Kindern garantieren soll. Diese Vorstellung richtet sich gegen moderne Phänomene wie Industrialisierung, Vereinzelung oder gegen die unmenschlichen Folgen des Rationalismus, deren Übermacht jede Gemeinsamkeit und Menschlichkeit zerstöre. Und auch heute – angesichts verschärfter Optimierungs- und Selektionsforderungen – scheint dieser letztlich gegen die Moderne gerichtete Traum einer harmonischen Gemeinschaft seine Faszinationskraft nicht verloren zu haben. Das ist nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, in dem der Gemeinschaftsbegriff zur Legitimation totalitärer Herrschaftsordnungen diente, zumindest erklärungsbedürftig.
Einführung mit zentralen Texten
AutorInnen: Ralf Koerrenz und Rotraud Coriand
Johann Friedrich Herbart hat das Verständnis von Pädagogik als Theorie und Praxis geprägt. Das Studienbuch bietet zentrale Texte Herbarts mit einleitenden Kommentaren und eine biographische Skizze zu Leben und Werk.
Johann Friedrich Herbart (geboren 1776 in Oldenburg, gestorben 1841 in Göttingen) gehört zu den wirkungsmächtigen Pädagogen der Neuzeit. Anerkannt auch als Philosoph und als Psychologe, liegt der Schwerpunkt der Rezeption seines Werkes im Bereich der Schul- und Unterrichtsentwicklung sowie der pädagogischen Theoriebildung. Seine bleibende Relevanz ist darin begründet, dass an seinem Werk die Grundlage pädagogischen Denkens und Handelns insgesamt studiert werden kann.
Die Reise zum Mittelpunkt des Selbst
AutorIn: Ralf Koerrenz
Eine Parabel über das Leben, die Luft, die Liebe und einen Weg, auf dem man sich selbst entdecken kann. Poesie als Sprache, die Wissen schafft.

Aus dem Inhalt:
Es ist, was es ist – dieser bescheiden anmutende Satz war Vater und Mutter zugleich von einem Wesen, dessen Name kein Name ist und das doch – so bleibt zu hoffen – ein jeder und eine jede kennt.
Wie ein Lufthauch, ein dünner, sanft gleitender Lufthauch weht das Wesen durch die Welt.
Der Lufthauch flüstert das Leben in unser aller Herz.
Der Lufthauch entsteht, er bleibt und breitet sich aus, zuweilen entschwindet er.
Nur unser Atem – sanft, mutig und verletzlich – braucht ihn, weil sonst unser Herz zu erstarren droht.
Nichts ist so aufregend, so unendlich aufregend, als den Lufthauch wachsen zu sehen, wie er sich ausbreitet unter Menschen.
Dieses flüchtige Wesen ist eine prächtige Gestalt, wohl die prächtigste auf Erden.
Doch bis diese Pracht zur Entfaltung kommen kann, muss er, der Lufthauch, einen langen Weg beschreiten.

Eine zauberhafte, luftigleichte Parabel über Identität und Persönlichkeit. Ein poetisch-philosophisches Lehrstück, das von der ersten bis zur letzten Zeile fesselt.
HerausgeberInnen: Christiane Thompson und Alfred Schäfer
Angst begegnet uns in allen Kulturen und Gesellschaften; sie gehört zu den Grundgefühlen jeder menschlichen Existenz: Zukunftsängste, Konfrontation mit anderen Lebensentwürfen, unkalkulierbare politische und ökonomische Veränderungen. Angst ist damit zu einer dominanten Existenzbedingung der Gegenwart geworden. Sie markiert nicht zuletzt die Grenzen des Vertrauens in Vernunft und Rationalität.
Welche Bedeutung hat Angst in der Konstitution sozialer und pädagogischer Welten? Der Umgang mit Angst gehört zu den prägendsten Herausforderungen unseres täglichen Lebens. Es gibt kaum einen Bereich, in dem das Vertrauen und die Zuversicht in das eigene Handeln nicht erschüttert würden. Ihr Ursprung liegt nicht nur in der Erwartung einer Bedrohung, im Misstrauen anderen Menschen gegenüber oder in der Ungewissheit, was die Zukunft bringen wird, sondern vor allem im Gefühl von Ungeborgenheit, der sich der Einzelne ausgesetzt sieht. Welche Bedeutung hat Angst in der Konstitution sozialer und pädagogischer Welten? Der Band nimmt diese Frage auf, ohne »Angst« nur als Problem des jeweils einzelnen zu verstehen.
Neue Perspektiven auf Johann Friedrich Herbarts Allgemeine Pädagogik
Der Band verweist auf Johann Friedrich Herbarts »Allgemeine Pädagogik« (1806), eines der wichtigsten grundlegenden Werke in der Entwicklung der wissenschaftlichen Pädagogik, auf allgemeingültige systematische und begriffliche pädagogische Positionen und verknüpft diese mit Aspekten aktueller erziehungswissenschaftlicher Diskurse.
Die »Allgemeine Pädagogik« von Johann Friedrich Herbart gilt als eine Grundlagenschrift der Pädagogik, die im Hinblick auf die Herausbildung der Pädagogik als Wissenschaftsdisziplin und Profession von großer Bedeutung war. Herbarts Lehre erfuhr sowohl national als auch international eine breite Rezeption. Rotraud Coriand kommt – neben weiteren Kollegen – das Verdienst zu, eine Aufarbeitung der »vergessenen Wissenschaftsgeschichte« des Herbartianismus initiiert und eine quellenbasierte Rezeption Herbartscher und Herbartianischer Positionen etabliert zu haben. Gleichzeitig macht sie sich um eine der grundlegenden Disziplinen der Pädagogik, die Allgemeine Didaktik, verdient.
Bildungspolitik und Universitätsreform
Wilhelm von Humboldt (1767–1835), Philosoph, Sprachforscher und Bildungspolitiker – seine wahre Bedeutung droht in der Rede vom „Mythos Humboldt“ verloren zu gehen. Doch inwiefern prägt seine historische Leistung für die Idee der Universität allgemein und die Gründung der Universität Berlin im Speziellen das Verständnis für universitäre Bildung bis heute? Und welchen Einfluss haben seine Ideen auf die heutige Bildungspolitik?
Wilhelm von Humboldt existiert aktuell in sehr kontrastreichen Gestalten: als Bildungspolitiker, der um 1800 die Grundzüge des deutschen Bildungssystems und die „Idee“ der modernen Universität begründet hat, als Bildungstheoretiker, dem wir ein Bild des selbstverantwortlichen Individuums verdanken, das aktiv die Herausforderungen der Welt bewältigt, aber auch als „Mythos Humboldt“, mit dem nur Wunschbilder wachgehalten werden, die noch nie Realität hatten und heute nur als Gegenbilder zur schlechten Wirklichkeit leben. Diese widersprüchlichen Zuschreibungen werden in drei Schritten diskutiert und zu einem historisch beglaubigten und heute aktuellen Humboldt-Bild neu zusammengefügt: für die deutsche und internationale Debatte über die Idee der Universität bis heute, für die Rolle Humboldts in der Gründung der Universität zu Berlin und ihrer Realität bis zur Gegenwart, und für die Möglichkeiten von „Bildung durch Wissenschaft“. Die Rede vom „Mythos Humboldt“ wird dabei destruiert und die historische Leistung Humboldts sowie die offene Frage nach Gestalt und Praxis der Universität und ihrer „Idee“ neu beantwortet.
Die brasilianische Landlosenbewegung und das Weltsozialforum als Räume für Bildungsprozesse
AutorIn: Benjamin Bunk
Soziale Bewegungen sind zentrale Akteure unserer Zeit. In und durch Soziale Bewegungen findet Bildung statt, wie anhand zweier Modelle aufgezeigt wird.
Wie findet Bildung in Sozialer Bewegung statt? Die brasilianische Landlosenbewegung »Movimento dos Sem Terra« und das Weltsozialforum repräsentieren zwei Modelle, anhand derer diese Frage beantwortet werden kann. Eine bildungstheoretische Perspektive betrachtet Soziale Bewegungen vor allem als soziale Praxis, an der Menschen teilhaben und durch sie in ihrer Biographie geprägt werden. Dieser sozial-anthropologische Zugang steht innerhalb der Bewegungsforschung neben Ansätzen, die primär nach den gesellschaftlichen Ursachen oder politischen Wirkungen Sozialer Bewegungen fragen. Als kollektive, gestaltbare und sich selbst bildende Akteure kommt den Sozialen Bewegungen eine wichtige Rolle in der Vermittlung zwischen Bildung und Kultur zu.
Eine Einführung
AutorInnen: Michael Winkler und Ulf Sauerbrey
Friedrich Fröbel ist als Entdecker des ersten Kindergartens und Entwickler von Spielgaben zwar durchaus bekannt. Wie seine Spielpädagogik jedoch als System beschaffen ist, was in dieser die ›Pflege des kindlichen Spiel- und Beschäftigungstriebes‹ bedeutet und wie Fröbels elementardidaktische Ideen im Laufe seines Lebens überhaupt entstanden sind, ist außerhalb der Fröbelforschung bislang kaum bekannt.
Der Band richtet sich an Interessierte aus Wissenschaft und Praxis, besonders jedoch an Studierende der pädagogischen Fächer und Disziplinen. Sein Ziel ist die Bereitstellung grundlegender Kenntnisse über pädagogische Zäsuren in Fröbels Biographie, die seine Spielpädagogik beeinflussten. Im Zentrum steht die Beschreibung der Fröbelschen Spielpädagogik als Ideengerüst und Handlungskonzept. Ergänzt wird dieser historische Zugang um einen gegenwartsbezogenen Brückenschlag, der die bislang ungebrochene Aktualität der Spielpädagogik Fröbels exemplarisch aufzeigt.
Differenztheoretische Bruchstücke des Als-Ob
AutorIn: Steffen Wittig
Das Soziale, so wie es uns gegenwärtig aus der Immanenz heraus erscheint, bedient sich der Form des Spiels, um sich partikular konstituieren zu können; zugleich ist dieses Soziale jedoch kein Spiel.
Das, was als das Soziale bezeichnet werden kann, markiert seit dem Beginn der Aufklärung etwas, das durch keine transzendenten Gründe mehr fundiert wird. Es ist seither mit der unmöglichen Aufgabe konfrontiert, sich aus sich selbst heraus gründen zu müssen, ohne dabei allerdings über Kriterien zu verfügen, die diese Selbstbegründungen absichern könnten. Seine Gründungsversuche bleiben grundlos. Doch wie kann sich dieses Soziale in einer solchen Grundlosigkeit überhaupt konstituieren? Die Antwort, die diese Untersuchung dekonstruierend aufzuzeigen versucht, lautet: Es tut so, als ob diese grundlosen Gründe eben alles andere als grundlos wären, und dabei rückt dieser Als-Ob-Modus im Sozialen – wie im Spiel – selbst kaum in den Fokus.