Beginnend mit dem Jahrgang 2018 wird das Athenäum – Jahrbuch der Friedrich Schlegel-Gesellschaft gemeinsam von Andrea Albrecht (Universität Heidelberg), Christian Benne (Universität Kopenhagen) und Kirk Wetters (Yale University) herausgegeben. Wie schon das von August Wilhelm Schlegel und Friedrich Schlegel und unter stiller Mitarbeit „weiblicher Federn“ wie Dorothea Schlegel und Caroline Schlegel herausgegebene ursprüngliche Athenaeum strebt auch das neue Athenäum nach weltbürgerlicher „möglichster Allgemeinheit“ und „freiyeste[r] Mittheilung“. Es versteht sich als Organ der Schlegel-Philologie und als Forum für die Romantikforschung in all ihren theoretischen und methodischen Ausdifferenzierungen und Schattierungen.
Die Beiträge in diesem Band verbindet eine gemeinsame Idee: Um besser zu verstehen, worin das Politische der Romantik besteht, lohnt sich ein Blick auf das romantische Drama. Unter dem Schlagwort des ‚Politischen der Romantik‘ hat die Germanistik eine Antwort auf die grundlegende Frage gesucht, welche soziale Funktion moderne Kunst erfüllt. Die Gattung des Dramas stand dabei bislang nicht im Fokus – und das, obwohl sie die eigentlich ‚politische‘ literarische Gattung ist. Die Autorinnen und Autoren gehen von der Hypothese aus, dass sich die beiden Fragen ‚Was ist das Politische der Romantik?‘ und ‚Was ist das romantische Drama?‘ wechselseitig erhellen. Sie liefern damit nicht nur einen Beitrag zur dramengeschichtlichen Forschung, sondern auch zur Beantwortung der Frage, inwiefern moderne Literatur politisch ist.
Beiträge zur Philologie des Individuellen
Die Philologie ist allem Einzelnen, sei es noch so verquer, unschicklich oder ungeschickt, immer schon eng verbunden. Auch die Literatur hat seit jeher eine Affinität für einzigartige Charaktere und deren Kalamitäten – und sich in der Neuzeit nicht zufällig zum priorisierten Medium für Individualitätsdarstellung, Individualstile, kurzum: für Ichtexte entwickelt. Die Beiträge des vorliegenden Bandes widmen sich einer Philologie des Individuellen. Sie spüren den Formationsregeln von Texten als Medien und Schauplätzen von Singularität nach, die sich am Bekennen und am Ich-Schreiben versuchen – und entdecken so die intrikate Verstrickung von Ich und Text in ihrer singulären Vielgestalt.

HerausgeberInnen: Stefan Matuschek und Sandra Kerschbaumer
Als Epoche ist Romantik Vergangenheit, als Phänomen bleibt Romantik aktuell. Das Buch will erklären, wie beide miteinander zusammenhängen.

Bis heute werden Literatur, Filme, Musik, aber auch Lebenspraktiken und Weltanschauungen als „romantisch“ bezeichnet. Der Band untersucht, worauf sich diese Bezeichnung gründet und was sie mit der historischen Romantik verbindet. Die These ist, dass die historische Romantik durch Modellbildungsprozesse in zeitlich späteren Phasen fortwirkt. Solche Prozesse werden in exemplarischen Fallstudien analysiert: Welche prägnanten Modelle von Romantik lassen sich in den Künsten, aber auch in der sozialen Lebenswelt und der Wissenschaft beobachten? Welche Darstellungs-, Deutungs- und Handlungsmuster bilden sich heraus, die für die weitere Wirkungsgeschichte von Bedeutung sind?
Biografie
AutorIn: Roger Paulin
Zum ersten Mal liegt mit der Biografie August Wilhelm Schlegels (1767-1845) eine umfassende Würdigung dieser herausragenden Persönlichkeit der deutschen und europäischen Romantik vor.
Roger Paulin, ein renommierter Kenner dieser Epoche, zeichnet versiert und kurzweilig die Lebensgeschichte dieses vielseitig interessierten und talentierten »Kosmopoliten der Kunst und Poesie« nach: Schlegel war Poet, Übersetzer zahlreicher Sprachen, Literaturkritiker und Wissenschaftler und wirkte vielfach als Initiator neuer Strömungen und Denkrichtungen. Gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich, mit dem er die avantgardistische Zeitschrift Athenäum herausgab, gilt er als Initiator der literarischen Romantik.
Besonders bekannt wurde er durch die Übersetzung von Shakespeares Werken: Zum ersten Mal wurde Shakespeare durch ihn und seine Frau Caroline in Versform in eine fremde Sprache übertragen. Paulin eröffnet mit seiner fulminanten Biografie faszinierende Einsichten in das Leben und Werk eines Universalgenies und sein namhaftes Milieu und zeichnet zugleich das Panorama einer Epoche.
Athenäum – das ist die berühmte Zeitschrift der Brüder Schlegel. Der Name war zugleich Titel für ein Forschung- und Bildungsprogramm mit höchsten Ansprüchen. Insbesondere mit den philologischen, kritischen und philosophischen Arbeiten Friedrich Schlegels hat das Athenäum die Romantik begründet.
Das neue Athenäum macht Schlegels bahnbrechende Neuerungen für die aktuelle Forschung in Philologie und Medienkulturwissenschaft produktiv. Zugleich rückt von Friedrich Schlegel aus die ganze Romantik in den Blick: Literatur, Sprache, Kunst, Musik, Recht und Staat, Philosophie, Religion und Natur. Das Jahrbuch ist also interdisziplinär und übernational, offen für Sachwissen, Selbstreflexion und Irritation. Es enthält neben dem Editorial, das sich aktuellen Themen widmet und sie auf Überlegungen Friedrich Schlegels bezieht, neue Beiträge zur Schlegel- und zur Romantikforschung, die zuvor ein Peer-Review-Verfahren passiert haben müssen. Zudem bietet neue Funde, Diskussionen, Interviews, Features, Berichte und Experimente sowie einen Rezensionsteil.
Schriftsteller, Radikalaufklärer und gelehrter Soldat
Friedrich Christian Laukhards (1757–1822) Schriften werden im vorliegenden Band erstmals von einer Gruppe von Forschern aus verschiedenen Disziplinen in den Blick genommen. Jenseits mancher Klischees vom fahrenden Magister und berüchtigten Burschen soll neues Interesse an diesem schillernden Aufklärer geweckt werden.
Laukhards Texte sind Quellen ersten Ranges, wenn es um die Erforschung der besonderen Situation der Spätaufklärung, ihrer Kultur und Klandestinität geht. Milieus und Praktiken der Radikalaufklärung, die in den letzten Jahrzehnten intensiv erforscht worden ist, werden in seinen Texten ungewöhnlich freimütig benannt. Die Beiträge dieses Bandes bahnen Wege in den literarischen Untergrund der deutschen Literatur des 18. Jahrhunderts. Das Buch richtet sich an Germanisten, Philosophen und Historiker, vor allem jedoch an Laukhards Leser.
Epistolarität und Interkulturalität
Als Philologe, Literaturhistoriker, Übersetzer, Kritiker und Indologe war der lange Zeit unterschätzte August Wilhelm Schlegel der wichtigste Kommunikator der deutschsprachigen Romantik.
Der Band bietet eine Bestandsaufnahme der aktuellen Forschungsaktivitäten zu dem älteren Schlegel-Bruder. Bei unterschiedlicher Schwerpunktsetzung kristallisieren sich Vorlesung, Übersetzung, Kritik und Brief als zentrale Kommunikationsmedien heraus, ob es um die Aushandlung ästhetischer und wissenschaftlicher Positionen im Kreis der Romantiker und darüber hinaus geht, um den sozialen Zusammenhalt oder um die Diskursivierung von Emotionen. Neben intertextuell und interkulturell interessierten Studien treten wissenspoetologische, wissenssoziologische und praxeologische Überlegungen.
Schlegel erweist sich als Kommunikator im Dialog mit seiner Familie, mit Mentoren, Freunden und Gegnern sowie mit der altindischen und den europäischen Kulturen von der Antike bis zu seiner Gegenwart.
Athenäum – das ist die berühmte Zeitschrift der Brüder Schlegel. Der Name war zugleich Titel für ein Forschung- und Bildungsprogramm mit höchsten Ansprüchen. Insbesondere mit den philologischen, kritischen und philosophischen Arbeiten Friedrich Schlegels hat das Athenäum die Romantik begründet.
Schlegels Theorie der modernen Poesie und sein Konzept der literarischen Kritik sind noch immer aktuell. Das neue Athenäum macht Schlegels bahnbrechende Neuerungen für die aktuelle Forschung in Philologie und Medienkulturwissenschaft produktiv. Zugleich rückt von Friedrich Schlegel aus die ganze Romantik in den Blick: Literatur, Sprache, Kunst, Musik, Recht und Staat, Philosophie, Religion und Natur. Das Jahrbuch ist also interdisziplinär und übernational, offen für Sachwissen, Selbstreflexion und Irritation. Es enthält neben dem Editorial, das sich aktuellen Themen widmet und sie auf Überlegungen Friedrich Schlegels bezieht, neue Beiträge zur Schlegel- und zur Romantikforschung, die zuvor ein Peer-Review-Verfahren passiert haben müssen. Zudem bietet es in unregelmäßiger Folge neue Funde, Diskussionen, Interviews, Features, Berichte und Experimente sowie einen Rezensionsteil.
Herausgegeben wird das Athenäum seit 2008 von Ulrich Breuer (Mainz) und Nikolaus Wegmann (Princeton).
Ein Beitrag zur Intellektuellengeschichte
AutorIn: Isabelle Faul
HerausgeberInnen: Monika Schmitz-Emans und Peter-André Alt
Friedrich Schlegel entwirft in der Fragmentsammlung Ideen (1800) ein anspruchsvolles, synkretistisches Konzept des ›Künstlers‹ als eines kulturstiftenden und kulturkritischen ›Intellektuellen‹. Die Wesensmerkmale des von Schlegel konzipierten ‹Künstlers‹ sind Wortmächtigkeit, analytische und kritische Kompetenz, Reflexionsvermögen, Neigung zum Querdenken und Polemik. Dabei reflektiert er auch Möglichkeiten elitärer intellektueller Sozietäten als transitorische Organisationsformen zur Generierung neuer ›Künstler‹ und als Gegenentwurf zur als defizitär empfundenen Wirklichkeit des literarischen Feldes um 1800. Schlegel greift damit zeitgenössische Modelle des ästhetischen Diskurses der 1790er-Jahre und des Neuhumanismus ebenso wie traditionelle Topoi auf und verbindet diese mit formal und medial avantgardistischen Ansätzen.