Neues über Konrad Adenauer
»Er war ein ganz großer Häuptling«, schrieb der Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein nicht ohne Respekt u¨ber Konrad Adenauer. Die großen Leitentscheidungen der Ära Adenauer sind heute unumstritten: der Aufbau einer Demokratie mit Menschenrechten, Rechtsstaat und Gewaltenteilung, die Schaffung des Vereinten Europas und die Soziale Marktwirtschaft. Adenauers Politik war jedoch von Anfang an strittig, und es dauerte geraume Zeit, bis diese Leitentscheidungen allgemein akzeptiert wurden.
Ju¨rgen Ru¨ttgers geht aus von der Kritik an Adenauer und fragt: Was war das fu¨r ein Mann? Es zeigt sich: Der erste Bundeskanzler war einer der wenigen, die nach dem Ende der Diktatur wussten, was sie wollten. Er konnte seine Ziele so beschreiben und begru¨nden, dass die Menschen sie verstanden.
Das machte ihn zum Gegner derjenigen, die sich nicht aus den bekannten Systemen herausl.sen wollen. Dieses Buch ist keine weitere Adenauer-Biographie, sondern will Neues u¨ber Adenauer aus alten und neuen Quellen darstellen – vor dem Hintergrund der Herausforderungen und Gfahren unserer heutigen Zeit.
Zivil- und Katastrophenschutz in der Bundesrepublik und Großbritannien nach 1945
AutorIn: Martin Diebel
Mehr als nur ein Bunker: Zivilschutz ist eine Form der Sicherheitspolitik, deren Betrachtung einen umfassenden Einblick in den sozialen sowie politischen Zustand westlicher Industriegesellschaften im 20. Jahrhundert verspricht.
Krieg, Überschwemmung und Atomkraft – westliche Gesellschaften standen nach 1945 vielfältigen Bedrohungen gegenüber. Sicherheit avancierte zu einem Schlüsselbegriff des 20. Jahrhunderts. Dieser Spur folgend, zeichnet Martin Diebel die Geschichte des Zivil- und Katastrophenschutzes in der Bundesrepublik und Großbritannien nach. Es ist eine Erzählung des Wandels, dessen Ursprünge bis weit in den Zweiten Weltkrieg zurückreichen. Das Buch geht dabei über die Grenzen des Ost-West-Konfliktes hinaus. Zivilschutz war weit mehr als eine Antwort auf die atomare Bedrohung. Er war Ausdruck sich wandelnder gesellschaftlicher Sicherheitsvorstellungen seit den 1970er Jahren. Eine Entwicklung, die angesichts terroristischer Bedrohung und ökologischer Katastrophen bis in die jüngste Gegenwart reicht.
Der BND, die CIA und eine geheime Reise im Jahr 1956
Im Herbst 1956 besuchten BND-Mitarbeiter auf Einladung der CIA die USA. Über mehrere Wochen bereisten sie das Land von der West- bis zur Ostküste, um die amerikanische Kultur besser kennenzulernen. Doch in der Reisegruppe befand sich unerkannt auch ein KGB-Spion: Heinz Felfe. Er entdeckte Amerika im Auftrag Moskaus.
Seit Anfang der fünfziger Jahre organisierte die CIA für hand-verlesene westdeutsche Geheimdienstmitarbeiter Rundreisen durch die USA. Hinter dem Programm stand die Überlegung, den Teilnehmern die Größe und Vielfalt, vor allem aber die politische, technologische und wirtschaftliche Überlegenheit des Landes vor Augen zu führen. Erstmalig zeichnet der Autor anhand von unveröffentlichten Originalfotos und Reisenotizen detailliert eine dieser Reisen nach. Die Lektüre der Dokumentation ist deshalb so spannend, weil wir mit unserem heutigen Wissen dem Agenten Felfe über die Schulter schauen können. Jahre später wurde er als Spion im BND enttarnt, was den wohl größten Geheimdienst-Skandal in der Geschichte des BND auslöste. Seine Amerika-Reise sollte dabei eine entscheidende Rolle spielen. Bodo Hechelhammer, Chef-Historiker des BND, und sein US-Kollege Kevin C. Ruffner ordnen das damalige Geschehen ein und zeigen, welche Rätsel bis heute weiterbestehen.
Die Biografie
AutorIn: Claudia Stahl
Alojzije Stepinac war als Erzbischof von Zagreb ein Gegner von Nationalsozialismus und Kommunismus. Noch immer wirkt seine ideologisch geprägte Verurteilung nach. Heute steht er vor der Heiligsprechung.
Stepinac unterstützte besonders im Zweiten Weltkrieg Notleidende und Verfolgte in großer Zahl und ohne Unterschiede. Öffentlich trat er für die Menschenrechte ein. Tito ließ ihn 1946 in einem international beachteten Schauprozess verurteilen. Den Rest seines Lebens verbrachte er in Gefangenschaft. Dennoch wirkte er weiter durch Briefe und Predigten und wurde Kardinal. Die Ursache seines Todes 1960 ist nicht völlig geklärt. Nach seiner Seligsprechung 1998 läuft nun das Heiligsprechungsverfahren.
Die erste vollständige Biografie in deutscher Sprache bezieht bisher unbekannte Dokumente mit ein und beleuchtet die historischen Bedingungen seines Wirkens und sein Verhältnis zu Deutschland.
Die Deutschen auf der Suche nach ihrer Nationalhymne 1949–1952
AutorIn: Clemens Escher
Vor 175 Jahren schrieb Hoffmann von Fallersleben auf Helgoland das Deutschlandlied – heute die deutsche Nationalhymne. Die Bonner Republik hatte zunächst keine eigene Hymne. Dies wurde besonders augenfällig, als mit zunehmender staatlicher Selbstständigkeit sich vermehrt offizielle Kontakte zum Ausland ergaben. Waschkörbe voller Anregungen wurden in den Jahren 1949–1952 nach Bonn geschickt. Diese zahlreichen Vorschläge lassen einen Blick in die verwundete deutsche Nachkriegsseele zu. Clemens Escher hat die damaligen Zuschriften und die Debatten um sie aufgearbeitet. Sein Buch liefert überraschende Einsichten in Kontinuitäten und Umbrüche des deutschen Selbstverständnisses – nicht zuletzt auf die Sehnsuchtslandschaften, wie man sich – im Liede ausgedrückt – „sein“ Deutschland wünschte.
Bildung, Management und Krisen von Adenauer bis Merkel
Zeithistoriker, Politikwissenschaftler und Zeitzeugen analysieren Koalitionsverhandlungen und Koalitionsmanagement aller Kanzler von Adenauer bis Merkel und geben damit anschauliche Einblicke in die Machtmechanismen der Bundesrepublik.
Jüngere Zeithistoriker und Politikwissenschaftler wie Holger Löttel, Stefan Marx und Manuela Glaab legen Einzelstudien zum Koalitionsmanagement aller Kanzler vor und zeichnen damit ein differenziertes Bild von der Bildung, den Krisen und dem Alltagsmanagement der verschiedenen Koalitionen in der Bundesrepublik und werfen damit neues Licht auf strukturelle Fragen nach Konstanz und Wandel sowie nach Bedingungen, Anforderungen und Spielräumen des Regierens in Koalitionen. Ein Beitrag von Carsten Giersch schlägt den Bogen zur politikwissenschaftlichen Verhandlungstheorie. Ein instruktives Zeitzeugengespräch mit den früheren Ministern Klaus Kinkel, Jürgen Rüttgers und Michael Glos zu den Kanzlerschaften Helmut Kohls und Angela Merkels vertieft die wissenschaftlichen Beiträge in der Tradition der »Rhöndorfer Gespräche«.
Die Erschaffung des perfekten Sozialisten
AutorIn: Daniel Bultmann
„Um eine neue Gesellschaft errichten zu können, müssen neue Menschen erschaffen werden.“ – so der Slogan der Roten Khmer. Daniel Bultmanns Buch zeichnet die Ursprünge der Bewegung unter Pol Pot, die Maßnahmen zur Umformung des Staates, die Ursachen für die Eskalation der Gewalt und das Nachleben der Kommunistischen Partei Kambodschas nach. Die Revolution der Roten Khmer gilt als eines der brutalsten und radikalsten Staatsverbrechen des 20. Jahrhunderts. Unter ihrer Herrschaft starben zwischen 1975 und 1979 nach Schätzungen etwa zwei Millionen Menschen. Das Ziel war die Umsetzung eines sozialistischen Programms, an dessen Ende ein egalitärer Arbeiter- und Bauernstaat stehen sollte. Die Roten Khmer planten aber nicht nur eine Neuordnung der Gesellschaft, sondern auch die Umformung der intimsten Gedanken und Wünsche ihrer Untertanen. Zwangsarbeit, Indoktrination, Selbstkritikstunden sowie ein System von Sicherheits- und Umerziehungslagern sollten den perfekten Sozialisten hervorbringen. Der Autor legt nach langjähriger Beschäftigung mit der Thematik erstmals eine fundierte Geschichte der Revolution der Roten Khmer vor und zeigt, dass der vermeintliche „Steinzeitkommunismus“ auch auf ausgeklügelte und höchst moderne Unterdrückungstechniken zurückgriff.
Beziehungen und Begegnungen 1945–2017
HerausgeberInnen: Ulrike Gilhaus und Andreas Neuwöhner
Der reich bebilderte Band zur gleichnamigen Wanderausstellung widmet sich der gegenseitigen Wahrnehmung von Briten und Westfalen. Denn die Briten haben Westfalen verändert. Sie kamen als Sieger, Befreier, Besatzer. Sie führten demokratische Strukturen ein und gründeten das Land Nordrhein-Westfalen.
Die dauerhafte Anwesenheit der Briten in Westfalen als Stationierungsstreitkräfte der NATO ermöglichte Begegnungen zwischen Deutschen und Briten – im offiziellen und im privaten Rahmen. Aber auch das Alltagsleben in den britischen Garnisonen wird beleuchtet, samt den unvermeidlichen Konflikten zwischen Militär und Zivilgesellschaft. Zudem nehmen die Autoren das zukünftige Erbe denkmalgeschützter Kasernen, Siedlungen sowie die Perspektiven für die ehemaligen Truppenübungsplätze in den Blick, prägen sie doch die Region mit.
Die konkreten Geschicke der deutschen Minderheit im sozialistischen Polen lagen über lange Zeit im Dunkeln. Die Beiträge im vorliegenden Band bieten erste Schritte zur Schließung dieser Wissens- und Forschungslücke.
Mit besonderem Fokus auf den ehemaligen deutschen Ostgebieten werden die Wahrnehmung der deutschen Minderheit seitens der neuen Machthaber, deren Politik in Bezug auf diese Bevölkerungsgruppe, Propaganda und Unterdrückungsmaßnahmen dargestellt. Auch Fragen der Kultur- und Bildungspolitik sowie die Rolle der deutschen Minderheit in den deutsch-polnischen Beziehungen werden beleuchtet.
Das Tagebuch des Monsignore Paul Adenauer 1961–1966
Das jüngst erst entdeckte Tagebuch Paul Adenauers gibt neue, unbekannte Einblicke in die Politik seines Vaters Konrad Adenauer in der Endphase seiner Zeit als Kanzler und CDU-Parteivorsitzender.
Nach dem Mauerbau und der Bundestagwahl im Jahr 1961 tobt ein heftiger Streit um Adenauers vierte Kanzlerwahl. Sein Sohn beobachtet während dieser Zeit den Vater zu Hause in Rhöndorf. Er beschreibt das Ringen mit Ludwig Erhard als Nachfolger um Kanzleramt und CDU-Parteivorsitz. Damit wird der Sohn zum Zeitzeugen und Chronisten des allmählichen Machtverlustes.
Zermürbt vom Zwist mit der FDP, liebäugelt Adenauer mit der SPD; mit der eigenen Partei geht er hart ins Gericht. Wahlen lassen Adenauers Kampfgeist immer wieder aufflackern. Es gilt, Kurs zu halten in den Krisen der europäischen Einigung, in dem Verhältnis zu de Gaulle und dem transatlantischen Streit um die deutsche Atompolitik. Aber auch der gesellschaftliche Wandel und das materialistische Denken treiben ihn um. Adenauers Sorge gilt dem politischen Erbe, das der Gründungskanzler Deutschland hinterlassen will.